Frledberg. In sämmtlichen evangelischen Kirchen unseres Landes soll am Palmsonntage (protestantischer S indesbettag) Vor und Nach- mittags eine Collekte für die deutsch- evangelische Mission Paris erhoben werden, wo bekanntlich viele Hundert unserer oberhessischen Landsleute als arme Straßenkehrer leben, denen hierdurch deut⸗ scher Schulunterricht und protestantischer Gottes, dienst ermöglicht wird.
Mainz. Der projektirten Erweiterung der Stadt, durch Beseitigung der nordwestlichen inneren Festungsumwallung, wozu die Gemeinde 2 Mill. Thaler aufbringen soll, ist jetzt einer praktischeren Behandlung als seither zugewandt worden. Die Vertheilung der anfänglich für kaum erschwinglich gehaltenen Kosten auf den Grund und- Boden des ncuen Stadttheiles in Form einer Tilgungs, rente, die gleichzeitig auf diese Erleichterung bin rege gewordene Antbeilnahme einiger Capitalisten lossen die Verwirklickung des Prejckies sicherer hoffen. Ein weiteres Prejckt ist die Anlage eines großen Bahnbofes für die Mainz Alzey Patiser Linie, welcher sich direkt an den neuen Starttheil anschließen würde. Diese Vergrößerung der Stadt umfaßt eine Bod ensläche fast so groß wie die der alten Stadt. Wenn in den neuen Bahnhof auch die Linie aus dem Ruhr⸗Sieggebiet. von Betzdorf über Wiesbaden und Biebrich, eingeführt werden sollte, so muß sich ein bis jetzt kaun geahntes Leben in diesem neuen Stadttheile entfalten.
Mainz. Gegen das freisprechende Urtheil des Obergerichts im Prez sse L. Bamberger und Genessen hat die Staateprocaratur Berufung an das Oberappellationsgericht ergriffen.
Preußen. Berlin. Das Reichstags⸗ mitglied Frhr. v. Halle brachte den Antrag eig, im Gebiete des Bundes eine einheitliche Bestim⸗ mung über den Eintritt in die Volljährigkeit herbeizuführen.
— Dem Reichstage hat der Bundeskanzler das Reichstagewahlgesetz und den Postvertrag mit Rumänien vorgeleet. Die Postrerträge mit Italien und Schweden wurden vorläufig in der Special⸗ berathung angenommen, der Postvertrag mit den Niederlanden ohne Discussion nach zweiter Lesung genehmigt.
— Den Mitgliedern des Reichstags ist eine petition von vielen Interessenten aus den meisten alten urd nun Provinzen Preußens, au; Hassen, Mecklenburg, Oldenburg und Sachsen zugegangen, welche die Umwandlung der gegenwärtigen Brannt weinsteuer, welche sich nach dem Malschraum be rechnet in eine Fabrikatsteuer fortert. Beigesügt ist eine Denkschrift ter Handelskammer zu Osnabrück. Außerdem ist die Schrift eines hannöberschen Fa brikanten, Carl Schulz. über die deuische Munz⸗ reform und der Anschluß an das Frankensystem vertheilt worden.
— 11 März. Reichstag Bei der Berathung über den Gesetzentwurf, die Feststellung des Nach trage zum Bundesttat von 1809 betr., erörtert der Bundescommissär Delbrück die in dem Nach⸗ trag aufgestellten Berürfnisse und geht genauer auf die einzelnen Positionen ein. Der Antrag Hagke's eine einbeitliche Bestimmung über den Eintritt der Volljäbrigkeit auf dem Wege der Gesetzzebung herbeizuführen, wird mit großer Majorität angenommen.
— In dem Entwurf eines defiaitiven Wahl⸗ gesetzes für den Reichetag des nort deutschen Bundes wird darauf hingewiesen, wie nach dem Zusammentritte des ersten Reichstags sich bet den Wablprüfungen mannichfache, nicht unwesentliche Verschicrenheiten zweschen den Wahlgesitzen der einzelnen Bundesländer zeigten. Die Nottzwendig— keit eines weitern Ausbaues der Verfassung durch den Erlaß cines Reiche wahlgesetzes bedürfe dem— nach keines aueführlichern Nachweisee. Besitze die gesammte Beröckerung des nord teutschen Bun— des in dem Riichetage eine einheitliche Reprä— sentauon, so müsse auch das Wahlgesetz, durch welches dicse Repräsentation gebildet werde, ein einheulsches sein. Angesichts der schon im nächsten Jahre(om 31. Aagust 1870) bedoestehenden Enkrigang der Legieloturperiede und des Eintritis nzuer Waßlen dürste es sich kaum empfehlen, die
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einheitliche Regelung der Wahlgrundsätze und des Wahlverfahrens länger hinauszuschieben. In dem Entwurf findet sich die Bestimmung vor, daß die Armee ein actives Wahlrecht nicht haben soll, und motivirt wird diese Vorschrift durch die Be⸗ merkung, die Armee müsse dem politischen Partei- getriebe fern bleiben. Die preußische Verfassung kennt diese Ausnahmebestimmung nicht.
— Im Reichstage haben sich bis jetzt 216 Abgeordnete einschreiben lassen, es fehlen also noch immer 81 Mitglieder. Die Sitzungen werden von circa 160 Herren besucht.
— Nach Berichten aus Berlin nimmt daselbst der Nothstand eine solche Ausdehnung, daß bei den in letzter Zeit abgehaltenen Auctionen ver— fallener Pfandobjekte kaum der Werth der auf die Pfänder verabfolgten Darlehen hat gedeckt werden können, obwohl die Taxe durchweg sehr niedrig gegriffen wird, und daß die Zwangsver⸗ käufe wegen rückständigen Schulgelds und rück— ständiger Communalsteuer eine solche Ausdehnung gewonnen haben, daß der Magtstrat sich veranlaßt gesehen hat, bei den Stadtverordneten theils auf eine Zulage für die Executoten, theils auf eine Vermehrung ihrer Zahl anzutragen.
Aus Ostpreußen bringt der neueste„Bürger und Bauernfreund“ folgende Notizen:„Im Kirch⸗ piel Weelitzken bei Oletzko rafften Noth und Krankheit im Jabre 1868 den 14. Bewohner dahin. Dieses Jahr dürfte voraussichtlich die Zahl der Todten die des verigen Jahres über⸗ triffen. Ju einem Hause des Dorfes Czimochen, Nreis Lyck, in dem 26 Personen wohnen, fand Ur. Schmidt aus Lyck in den ersten Tagen des Monats Februar bei einem Besuche 9 Leichen und 7 schwere Kranke vor. Neth haben wir aber in diesem Jahre bekanntlich nicht!“
Kassel. Wie berichtet wird, ist in Folge des Beschlagnahmegesetzes der königl. General— vetwoltung des kutfürstl. Hausfideicommisses, durch deren Vermittelung die kursürstl. Hofdiener in Prag seither nech ihre Besoldungen empfingen, vom Finanzminister in Berlin der Befehl zuge⸗ gangen, fernere Zahlungen an dieselben nicht mehr zu keisten. Die hier wohnenden ehemaligen Hof diener erhalten natürlich ihre Besoldungen nach wie ver. Die Maßnahme ist nicht gegen die Hoöfdiener, sondern nur gegen den Kurfürsten getichtet.
Frankfurt. Der biesige Bürgermeister Mumm ist zum Oberbürgermeister ernannt worden.
Bayern. München. Bezüglich des ge⸗ meldeten P.stdiebstahls wird weiter mitgetheilt, daß der Geldwerth der Pakete und Briefe(unter denen sich außer den nach Frankfurt besuummten auch Sendungen nach Paris, Coemnitz und Fürth befanden) sich auf die Gesammihöhe von 13,000 fl. beläuft, nach anderen Mittheilungen sogar auf 19,000 fl. Der flüchtig gewordene Thäter, ein Buteaudiener, dem man bis jetzt noch nicht auf tie Spur gekommen, hat die Briefe aus den bereits von dem betreffenden Beamten verschlossenen und versiegelten Briefbeuteln herausgenommen, in dem er die Schnur nebst dem Siegel abichnitt und nach getroffener Auswahl den Briefbeutel wieder neu verschnürte und mit dem ihm zufällig zugänglichen Dienstsiegel wieder verschloß.
Baden. Heidelberg. Am 10. d. starb nach kurzer Keankheit im Alter von 79 Jahren Geheimerath Dr. Carl Theodor Welcker, lang⸗ jahriges hervorragendes Mitglied der Opposition in der badischen zweiten Kammer und 1848 Reichs- tagsabgeordneter und Reichsminister.
Oesterreich. Wien. Die„N. sr. Pr.“ signalisirt bedeutende Personalveränderungen im ciplomatischen Corps Preußens. Der Gesandt⸗ schafteposten in Florenz soll alsbald wieder besetzt, und Herr v. Werther von Wien abberufen wer den. An des Letzteren Stelle tritt wahrscheinlich Hraf Schulenburg oder Flemming. Preußen sucht angeblich sich Oesterreich zu nähern.
— Der Generalgejutaut des Königs von Italien de la Rocca wulce von Victor Emanuel
Belgien Unterhandlungen in Betreff einer handels politischen Einigung bevorstehen. 20 — Die„Wiener Zeitung“ veröffentlicht den mit der Schweiz abgeschlossenen Postoertrag.
— Die„Tr. Ztg.“ meldet, daß der Capitän der österreichischen Brigg„Anteo“, Benussi, in Untersuchung gezogen wurde und ihm das Patent entzogen werden soll, weil er nach seinen Proto- kollaussagen vollkommen in der Lage gewesen wäre, der Fregatte„Radetzky“ Hülfe zu bringen und es unteclassen hat. a 5
— Auch unter den galizischen Israeliten regt sich jetzt eine Reformpartei. In Lemberg erschei— nen nicht weniger als acht jüdische Zeitungen in deutscher Sprache. Ihr Deutsch ist freilich schauerlich. So lauten z. B. die Ueberschriften von zwei Artikeln:„Wus der Meilack(König) don Preußen zu seinem ersten Mißures(Minister) Bismarck sugt,“ und„Wus die polakischen Lan⸗ desdipetirten im groisen Kasal(Landtag) zu Berlin fur ein gewaltiges Geseres machen vun wege der Spruch“.
Schweiz. Bern. Nach der Uebersicht der bei der eidgenössischen Staatekasse zu Gunsten der Wasserbeschädigten eingegangenen Geldgaben betrug die Gesammisumme bis zum 28. Februar 1869 3.086.791 Fr. 94 c.
Frankreich. Paris. Die belgische An- gelegenheit beschästigt in dicsem Augenblicke die französischen Politiker anscheinend viel ernster, als die übrigen Zukunftspläne der Kriegspartei. Man begegnet indeß vielfach der Ansicht, Rouher lasse absichtlich in der belgischen Eisenbahn⸗Frage übertriebenen Lärm schlagen, um die Aufmerk⸗ samkeit von Stadt und Land von den unange⸗ nehmen Debatten des gesetzgebenden Körpers leichter ablenken zu können.
— Die„Patrie“ will die Verabschiedung des Heren v. Usedom in einer rein privaten Mißhelligkeit mit dim Grafen Bismarck suchen, meint indeß, dicselbe sei dem preußischen Premier gerade zu rechter Zeit gekommen.
— Hector Berlioz, der in Deutschland mehr als in seiner Heimath gewürdigte Componist und Musikgelehrte, ist in Paris verstorben. Berlioz hinterläßt Memoiren, welche er noch bei Leözeiten drucken ließ, auf das Sorgfältigste corrigirte und von denen er dann ein Exemplar der Bibliothek des Conservatoriums und zwei ander; seinen un⸗ zertrennlichen Freunden Damke und Stephen Heller anvertraute. Man versichert, daß diese Aufzeich⸗ nungen des bekanntlich auch als Schriftsteller und Kritiker vortrefflichen Künstlers sehr inter essanke Einzelnheiten über seine Zeitgenossen enthalten.
Großbritannien. London. Den Vor⸗ anschlägen für die Armee zufelge ist ihre Kepf⸗ stärke 125,529 Mann gegen 136,650 in voriger Session.
— Die„Morning Post“ erklärt, sie sei in den Stand gesetzt, anzukündigen, daß die fran⸗ zösische und die belgische Regierung übereingetemmen
seien, die zwischen beiden schwebenden Fragen ö
einer gemischten Commission zu über weiser.
Amerika. Neuere Berichte vom Kriegs⸗ schauplatze in Paraguay beweisen, daß die brasilianischen Angaben von der angeblich voll⸗ ständigen Beendigung des Krieges doch gar zu viel behauptet hatten. Die„Anglo Bresilian Times“ melcet, daß eine Abtheilung Panzerschiffe, die von Asumcion ausgelaufen waren, um sechs varaguitische Dampfer zu jagen, unverrichteter Sache zurückkommen mußten, da die Fahrt strom⸗ aufwaris ihnen durch ein verseuktes feind liches Schiff gewehrt wurde; und ferner, daß Lepez mit 80. Mann eine neue Stellung bei Birabill in den Bergen befestige und fleißig reccutire.
Newpork. Die Cuba'schen Ja sargenten wurden mit großem Verlast bei Puerio- Principe in die Flucht geschlagen.
— Fat nach allen Seiten hin hat die Minister⸗ liste des neuen Präsidenten der Union Enttäuschung und Ueberraspung gebracht. Die Demokraten wie die Radicclen halten ihre Candidaten, deren
beauftrazt, den Kaiser Franz Joseph in Triest Eintritt in das Cabinet sie beiderseits mit aller
zu begrüßen.— Die„N. jr. Pr.“ wie die „Peesse“ vernehmen, daß zwischen Frankreich und
Zuversicht erwarteten. Statt dessen ist dasselbe zusammengesetzt aus verhältnißmäßig jungen und
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