Anwälte, ihre Heranziehung zur Gemeindesteuer betreffend, hat die hiesige königl. Regierung eine Resolution ertheilt, worin ausgeführt wird, daß die Rechtsanwälte zur Zahlung der vollen Ge- meindesteuer verpflichtet, dagegen aber auch zur Tbeilnahme an den Gemeindenutzungen, den Ge— meinderechten und Versammlungen, sowie zur Uebernahme der Gemeindeämter berechtigt seien.
Bayern. München. Das Gerücht. Graf Bismarck habe die Südstaaten aufgefordert, sich für den 1. April in Kriegsbereitschaft zu setzen, wird von der„Bayerischen Landeszeitung“ als unbegründet erachtet.
— Die„R. Würzb. Ztg.“ schreibt: Ein ultramontanes Organ knüpft an die Zusammen— stellung der nach dem neuen Schulgesetze nöthig werdenden Mittel von Seite des Staates, des Kreises, der Stiftungen und Gemeinden mit In⸗ begriff aller Dienstgründe, Wohnungs ⸗Anschläge u. s. w., in Summa 5,582,486 fl., die höhnische Bemerkung:„Da heißt es stark blechen! das „Gescheidtwerden“ kostet heidenmäßige Opfer!“ Es wäre nun wirklich interessant, nachzurechnen, was das so beliebte„Dummbleiben“ kostet, und zu ermitteln, was, nachdem man nun weiß, wie viel die Lehrer und das Lernen kosten, die Geist⸗ lichen eigentlich nöthig haben. Es wird sich jedenfalls eine weit höhere Summe entziffern, trotzdem der Pfründebesitzer weit weniger sind. Um nun den Geldbeutel der Bevölkerung Bayerns zu schonen, macht genanntes Blatt den Vorschlag: Man addire die Bezüge der Lehrer und Geist— lichen der einzelnen Orte, dividire sie in gleiche Theile und theils sie gleichheitlich unter die Lehrer und Beistlichen wieder aus und es wird Viel erspart werden.
Baden. Der„Bad. Losztg.“ wird von Freiburg berichtet, daß der Bisthumsverweser Kübel demnächst vom Papste zum Delegaten des apostolischen Stuhles mit außerordentlichen Voll“ machten für Baden ernannt werde. Rom habe Kübel beruftragt, der großh. Regierung das Verleihungsrecht über jene Pfründen, die seither dem Landesherrn unterstanden, zu künden und mit Vergebung aller Pfarreien und überhaupt im Sinne des Concordats entschieden vorzugehen.— Nachdem der Recurs gegen die Aufhebung des Klosters Lindenberg von großh. Staatsministerium als unbegründet zurückgewiesen worden ist, steht nunmehr dessen Vollzug im Laufe dieser Woche zu erwarten.
Oester teich. Wien Hiesige Blätter ver— öffentlichen ein Telegramm aus München vom 10. Febr., worin allen anderslautenden Behaup— tungen gegenüber entschieden versichert wird, Fürst Hohenlohe sei mit aller Energie bestrebt, ein Bündniß der süddeutschen Staaten auf Grundlage selbständiger Verträge zu Stande zu bringen.
— Ein Telegramm der„Presse“ aus Athen vom 9. Februar meldet: Das neue Ministerium berief die Kammer ein. Der diplomatische Ver⸗ kehr mit der Pforte wird nun gleichfalls wieder hergestellt, aber der bisherige, resp. frühere Ver⸗ treter durch einer anderen ersetzt werden.
Pest. Auf industriellem Gebiete herrscht große Regsamkeit, besonders blühen, wie in Wien, auch hier die Actienunternehmungen. Zuckerfabriken und andere industrielle Etablissements werden auf Actien errichtet; Zweig⸗ und Verbindungsbahnen werden in großer Anzahl projektirt, namentlich auf der böhmisch⸗bayerischen Linie.
— Der„Pester Lloyd“ berichtet, in Bukarest sei die ungarische Fahne insultirt worden. Eine Schaar habe die ungarische Fahne aufgepflanzt, Pereats darauf ausgebracht und dieselbe schließlich zerfetzt.
Frankreich. Paris. Die Regierung hatte vom 6. bis 9. d. M. keine Nachricht aus Athen erhalten. Der„Etendard“ und die„France“ fragen, ob die Unterbrechung der Telegraphen— linien oder gewicktige Ereignisse daran Schuld seien.— Die„Patrie“ dementirt das Gerücht eines Bündnisses zwischen Italien, Oesterreich und Frankreich.
— Das„Offizielle Journal“ berichtet: Durch ein neuerliches Dekret hat der Minister des öffent—
lichen Unterrichts in Spanien die ausländischen Professoren ermächtigt, die Lehrstühle auf den Universitäten, sowie auf den anderen öffentlichen Unterrichtsanstalten der Halbinsel, einnehmen zu dürfen.
— Die Regierung hat Nachricht von der Bildung des Ministeriums Zaimis, sowie von der Abreise Walewski's erhalten. Letzterer hat Athen am Montag verlassen und überbringt die Annahme der Conferenzdeclaration von Seiten Griechenlands.
— Der„Moniteur“ veröffentlicht ein authen⸗ tisches Manifest der Königin Isabella, welches gegen die Cortes Constituaentes protestirt und die Absicht ausdrückt, eventuell zu Gunsten des Prinzen von Asturien abzudanken.
Grosibritannien. London. Die„Mor⸗ ning Post“ vom 10. d. meldet: Das Ministerium Zaimis nahm das Protokoll mit der Beschränkung an, daß dasselbe nur rückwirkende Kraft in Bezug auf die Vergangenheit haben solle.
Spanien. In Barcelona cursiren Flug⸗ schriften, in denen dem dortigen Gouverneur ein ähnliches Schicksal angedroht wird, wie dem von Burgos. Ueber Pamplona treffen fortwährend Waffensendungen in allen Theilen des Landes ein, und die Zahl der carlistischen und isabellinischen Agenten ist Legion. An der französischen Gränze halten sich, einer Iruner Correspondenz des „Pueblo“ zufolge, mit stillschweigender Genehmigung der französischen Regierung an 2000 Carlisten auf, die nur auf das Losungswort aus Paris warten, um sich zu bewaffnen und die Gränze zu über— schreiten.
— Die Carlisten, welche im Begriffe standen, die spanische Gränze zu überschreiten, wurden in Bayonne internirt. Das Urtheil über die wegen des Meuchelmordes in Burgos Angeklagten lautet gegen einen auf Tod, gegen zwei zum Halseisen und lebenslängliche Zwangsarbeit. Zwei anderere wurden zu je 20 Jahren, zwei weitere zu je 12 Jahren verurtheilt.
Italien. Aus Rom kommen nähere Nach— richten über die für das öcumenische Concil ge— machten Vorbereitungen. Es werden 900 Sitze eingerichtet, eine Estrade für die Redner und eine vergitterte Tribüne für die Geistlichen, die steno⸗ graphiren sollen. Der Papst wird zur Rechten die Cardinäle, zur Linken die Gesandten, wenn solche eintreffen, sitzen haben. Man rechnet auf's Eintreffen von 700 Bischöfen(es gibt deren un- gefähr 850, ohne die Bischöfe in partibus).
Donaufürstenthümer. Bukarest. Die Kammer verlangte mit 68 gegen 42 Stimmen, daß die Regierung die Ernennung des Generals Maudovyski annullire, sprach somit ein Tadels⸗ votum gegen das Ministerium aus.
— Nachdem der Fürst die von dem Mini⸗ sterium eingereichte Demission nicht angenommen, sind beide Kammern aufgelöst worden.
Türkei. Konstantinopel. Das„Journal impartial“ in Smyrna sagt: Die Kaufleute in Syra drohten den Geschäftsverkehr zu suspendiren, wenn Griechenland durch seine Weigerung die Sachlage verlängere.
Griechenland. Athen. Graf Walewski ist am 8. d. mit einer durchaus befriedigenden Antwort aßbgereist.
— Das neue Cabinet ist in folgender Weise constituirt: Zaimis, Präsident und Inneres; Soutzos, Krieg; Averinos, Finanzen; Petzali, Justiz; Sacabas, Cultus; Tringhetta, Marine; Theodor Delyannis, Auswärtiges. Das Programm des neuen Cabinets ist die Annahme der Decla— ration der Conferenz, welche unterzeichnet wer— den wird.
Rußland. Die Berichte über den Noth stand Polens und Litthauens überbieten an Grau— sigkeit die Schilderungen von dem Elend, welches im vorigen Winter den größeren Theil der Provinz Preußen heimsuchte. In Kowno und Umgegend fordert der Hungertyphus seit Wochen in täglich zunehmender Anzahl seine Opfer. Die Lazarethe sind überall so überfüllt, daß seit mehreren Tagen schon Kranke zurückgewiesen werden müssen.
Die Sicherheit von Personen und Eigenthum soll dort denn auch niemals gefährdeter gewesen sein,
als zur Zeit. Diebstähle, Raubanfälle und Mordihaten seien an der Tagesordnung. Anstatt alle Sorgfalt auf die Hebung dieser Leiden zu verwenden, beschäftigen sich die Beamten in Litthauen nach wie vor mit der strengsten Ver- folgung des öffentlichen Gebrauchs der polnischen Sprache.
Amerika. Newyork. Der Senat hat mit 40 gegen 16 Stimmen die Resolution an⸗ genommen, wodurch das Amendement zur, Con⸗ stitution beantragt wird, daß ein Unterschied im Wahlrecht weder wegen der Farbe, noch wegen Geburts-, Eigenthums⸗ oder Glaubensverhältnissen gemacht werden dürfe.
— Der Schatzsekretär hat seinen gewöhnlichen Monatsausweis veröffentlicht und weist darin nach, daß am 1. Februar sich die Nationalschuld auf 2,662, 400,000 Doll. belief. Es stellt sich dabei eine Zunahme von 9,800,000 Dollar während des Monats heraus. Die Staatsausgaben über stiegen ebenfalls während des Monats die Ein⸗ nahmen um 16,000,000 Doll.
— Die zwischen Reverdy Johnson und dem englischen auswärtigen Amte abgeschlossene Con- vention über die Alabamafrage hat allem Anscheine nach wenig Aussicht, im amerikanischen Senate bestätigt zu werden. Die mit der letzten Post eingetroffenen amerikanischen Blätter nehmen fast sämmtlich dem Vertrage gegenüber eine Haltung an, die dessen Annahme geradezu als unmöglich erscheinen läßt.
* Friedberg. Am 11. b. sind dahier die einjährig Dienenden, welche im vorigen Jahre unter gleichem Datum zum Militär eingetreten waren, entlassen worden. Nur zwei derselben blieben zur demnächstigen Ablegung des Offizier⸗Examens noch im Dienst.
Friedberg. Am Abend des 9. d. hatlen wu auch hier ein Gewitter mit viel Regen und heftigem Sturm.
* Oppershofen. Vorige Woche trug man bier den ältesten Mann der Gemeinde zu Grabe. Derselbe hatte den spanischen Feldzug mitgemacht und war in spanische Gefangenschaft gerathen. Später kämpfte er unter Wellingtons Fahne. Mehrere Veteranen gaben dem Waffengesährten das letzte Geleit, an welchem sich da der
Verstorbene ein allgemein geachteter und beliebter Mann
war, sast die ganze Gemeinde betheiligte.
„ Darmstadt. Ein Comite biesiger Damen ver⸗ schiedener Stände und Confessionen bat vor Kurzem in unseren Blättern einen Auftuf erlassen. in welchem zu Beiträzen für eine von ihm gegründete und dem Vec⸗ nehmen nach bereits in's Leben getretene„Krippe“ für Säuglinge armer Eltern aufgefordert wird. So sehr auch vielleicht eine derarlige Anstall bei vorsichtiger und richtiger Organtsation derselben der allgemeinen Unter⸗ stützung zu empfehlen sein würde, io hat es doch bei einem großen Theil der hiesigen Bevölkerung von vornherein Bedenken erregt, daß jenes Comite laut seiner öffentlichen Bekanntmachung die Abwartung und Pflege der Säuglinge den hiesigen barmherzigen Schwestern und die innere Verwaltung der„Krippe“ der Oberin derselben anvertraut hat. Eme große Anzahl sehr achibarer Männer aus allen Ständen der Residenz hat sich hierdurch veranlaßt ge⸗ sehen, eine gemeinsame Erklärung an die Bewohner Darmsiadis zu richten, in welcher es heißt: Bei aller Anerkennung des wohlthätigen Strebens der Damen jenes Comites können wir es doch nicht billigen, daß man die Funktionen und die ganze innere Verwaliung einer so ef an das Familienleben eingreifenden Anstalt, welche, wenn sie segensreich wirken soll, nur von der allgemeinen, von keiner consessionellen Rücksicht geleiteten Menschen⸗ liebe getragen sein muß, gerade einem kirchlichen Institul in die Hände gibt, welches in seinem Handeln nicht frei, sondern an strenge Glaubensnormen und Ordensregeln gebunden ist und welcher nach dem Wesen der von ihm vertretenen Kirche für diese Propaganda machen muß und wird. Da die erwähnten Männer weder Veranlassung zu einer Vermehrung der barmherzigen Schwestern in Darm⸗ siadt gegeben, noch überhaupt den Anschein hervorgerufen zu sehen wünschen, als ob die hiesige Bevölkerung irgendwie die Einbürgerung religiöser Orden in Hessen billige, so halten sie sich für verpflichtet, ibre Auffassung in Bezug auf diese Angelegenheit öffentlich kundzugeben und die Bewohner Darmstadts, au welche das Comite seinen Auf⸗ ruf um Gel dunterslützungen gerichtet hat, zu ernster Er⸗ wägung der Stellung, welche einem so verwalteten Institut gegenüber einzunehmen sein wird, aufzufordern.
Bensheim. Der hiesige Gemeinderat hat für dle Volksschullehrer der Stadt eine Gehaltsaufbesserung be— schlossen. Der Lehrer der untersten Schule soll 200 Gulden Zulage, die übrigen Lehrer je 100 Gulden bekommen, so daß jetzt der Lehrer der obersten Schule 800 Gulden, die auderen drei Lehrer je 700 Gulden jährlich beziehen. Auch dem hiesigen protestant. Lehrer wurde eine Zulage von 100 fl. bestimmt, obwohl derselbe nur wenige Kinder zu unterrichten hat. l
Bingen. Der des Mordes an dem Wirthe Diehl dahier dringend verdächtige Johann Kröhler aus Alzey auf welchen seither vergeblich gefahndet worden war, ist
*
gehen loch die W Johan ihn ei
gewore. ein sole Auen“ wißhal —
404
Hat die d Wahl Herr
andert seiner


