Ausgabe 
11.3.1869
 
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Hessen. Gießen. Nach offizieller Be- kanntmachung nehmen die Vorlesungen auf der biesigen Universttät im Sommersemester l. 55 am 12. April ihren Anfang. Beginn der Immatri⸗ culation am 8. April.

Preußen. Berlix. In der Reichstags⸗ sitzung vom 9. d. wurde zum ersten Präsidenten Simson mit 165 von 181 Stimmen gewählt. Derselbe nahm die Wahl an. Der Herzog von Ujest wurde mit 158 von 177 Stimmen zum ersten, Herr v. Bennigsen mit 124 von 170 Stimmen zum zweiten Vicepräsidenten gewählt. Löwe erhielt 44 Stimmen.

Bayern. München. Sämmtliche, hier am Freitag zur Post gegebenen, nach Frankfurt bestimmten Pakete mit Geld, Werthpapieren, be deutende Summen enthaltend, sind hier abhanden gekommen, Ein Postpacker, der inzwischen slüchtig ging, steht im Verdacht, dieselben unterschlagen zu haben. i

Aus Baden Die siegreiche Durchkämpfung der gemischten Schule in Mannheim wirkt an- steckend auf die Umgegend. In den dortigen Nachbardörsern Neckarau, Käferthal und Feuden heim, in der zwischen Heidelberg und Mannheim gelegenen Amtsstadt Ladenburg und in Heidelberg selbst ist eine starke Agitation dafür im Gang.

HOesterreich. Wien. Das Abgeordneten haus bewilligte die Nachtrags- Credite von 2,286,520 fl. für 1868 und begann die Budget berathung. Die Erfordernisse für den Hofstaat mit 3,450,000 fl., den Reichsrath, das Ministerium des Innern mit 12,624,674 fl. und das Ministerium der Landesvertheidigung mit 3,544,304 fl. wur⸗ den genehmigt.

Nach derN. fr. Pr. ist der französtsche Botschafter dahier, Herzog v. Grammont, nach Paris berufen worden, angeblich wegen nicht be friedigender Beziehungen zwischen Preußen und Frankreich, nach anderen Angaben lediglich in Familienangelegenheiten.

Das österreichische Kaiserpaar ist in Agram angekommen und wurde in dem festlich erleuchteten Bahnhofe mit Jubel empfangen.

Schweiz. Bern. Die Vorbesprechungen wegen des Handelsvertrages mit dem Zollverein eröffnen sichere Aussichten auf einen baldigen günstigen Abschluß. Baden und Württemberg haben bereits der proponirten Fassung des strei tigen Artikels vertraulich zugestimmt. Bayerns Zustimmung wird nicht bezweifelt.

Frankreich. Paris. Eine Anzahl Pariser Blätler setzen noch immer ihre Polemik gegen die belgische Regierung fort und es will dadurch die Ansicht nicht unbegründet erscheinen, daß die Be ziehungen zwischen den Cabinetten von Paris und Brüssel einen sehr delicaten Charakter an genommen hätten.

Belgien. Brüssel. Die Kammer hat den Gesetzentwurf über die Aufhebung der persön lichen Haft genehmigt und ein auf Beibehaltung derselben für Preßvergehen abzielendes Amendement verworfen. 6

In Betreff der Eisenbahnfrage wind die belgische Regierung nicht nachgeben, und das zweite Kaiserreich wird ebensowenig durch Unter handlungen Das erhalten, was ihm nicht gelang, durch List an sich zu bringen.

Spanien. Madrid. In der Sitzung der Cortes ist der Vorschlag des Hrn. E. Castelar, der eine Amnestie für alle politischen Vergehen verlangt, die vom 30. September 1868 bis zum 11. Februar vorgekommen sind, mit 135 Stimmen gegen 94 zurückgewiesen worden.

Man hat die Entschließung des Gouver nements, den Krieg auf Cuba mit erneuten Kräften fortzuführen, in ganz Spanien mit großer Be geisterung aufgenommen. An allen Ecken und Enden bilden sich Voluntariosbatalllone: so in Asturias, in Santander, in Cadix und vor allem in Barcelona.

In der spanischen Cortesversammlung hat das erste kleine Vorpostengefecht bezüglich der Frage: Monarchie oder Republik? stattgefunden. Aus Anlaß einer aus Ministerium in der Cortes sitzung gerichteten Interpellation antwortete Prim,

er würde die Candidatur des Herzogs v. Mont- penster aufrecht erhalten Marschall Castelar und Figueras greifen Montpensier an. Topete erklärte, bei der Wahl zwischen Republik und Montpenster würde er den Letzteren vorziehen. Serrano sagte: Die Frage der künftigen Regierungsform müsse bis zur Discusston über die Constitution eine offene bleiben.

Portugal. Das Ministerium hat dem König ein Decret zur Unterzeichnung vorgelegt, nach welchem alle Sclaven der überseeischen Pro vinzen für frei erklärt werden, mit der Verpflich- tung jedoch, bis zum Jahre 1878 für ihre ehe maligen Herren als Freigelassene zu arbeiten.

Italien. Florenz. Die Abberufung des preußischen Gesandten Grafen Usedom war in den offiziellen und diplomatischen Kreisen schon seit einiger Zeit erwartet worden. In dem Augen blick, wo es entschieden war, daß das Cabinet Menabrea aus der parlamentarischen Campagne siegreich hervorgehen werde, konnte Graf Usedom unmöglich länger auf dem hiesigen Posten bleiben. Er hatte offenkundig freundliche Beziehungen mit der Opposition angeknüpft und sich auch von der Actionspartei nicht fern gehalten.

Serbien. Belgrad. Offiziöse und andere Blätter tabeln mit scharfen Worten die Absicht der Pforte, Serbien bei Anlage der Orientbahn umgehen und dieselbe über Bosnien führen zu wollen und sagen, daß Serbien diese Verletzung seiner Lebensinteressen nie zugeben werde.

Rußland. Petersburg. Die Docu- mente über den orientalischen Zwist sind ver öffentlicht worden. Dieselben geben den Beweis, daß der Kaiser aufs Ernstlichste zum Frieden gemahnt und für die Erhaltung desselben gewirkt habe.

Amerika.(Schluß der Antrittsrede des Präsidenten Grant.) Der darniederliegende Verkehr muß wieder gehoben und die Industrie ermuthigt werden. Die jungen Männer dieses Landes haben ein besonderes Interesse daran, die Nationalehre aufrecht zu erhalten. Augen- blicke des Nachdenkens über unseren künftigen ge⸗ bietenden Einfluß unter den Nationen sollten sie mit Nationalstolz erfüllen. In welcher Weise die öffentliche Schuld getilgt und die Metallzahlung wieder aufgenommen werden soll, ist nicht so wichtig, als daß der Plan dazu gefaßt wird. Die geeinigte Entschließung zum Handeln ist mehr werth als der getheilte Rath über die Art des Handelns. Eine Gesetzgebung über diesen Gegen stand mag jetzt vielleicht nicht nothwendig, noch selbst rathsam sein, doch sie wird es werden. Sobald das Gesetz überall im Lande in voller Kraft wiederhergestellt und der Handel in sein gewohntes Geleise gebracht ist, wird es mein Be mühen sein, die Gesetze getreulich auszuführen und für die regelmäßige Erhebung aller Staats- innahmen zu sorgen. Ich werde nach bestem Ermessen nur solche Beamte ernennen, welche zur Ausführung dieses Planes geeignet sind. Betreffs der auswärtigen Politik beabsichtige ich, mit den andern Nationen auf dem Fuße der gleichen Billigkeit zu verkehren, als sie Privatpersonen gegen einander beobachten müssen. Ich beabsich⸗ tige, den gesetzlichen Schutz allen hier wohnenden Bürgern, mögen sie eingeborene oder von fremder Abkunft sein, zu gewähren, sobald irgend ihre Rechte gefährdet sind. Wo irgend die Flagge unseres Landes weht, beabsichtige ich die Rechte aller Völker zu achten, doch gleiche Achtung für unsere eignen Rechte zu fordern. Wenn Andere von dieser Regel des Verkehrs mit uns abweichen sollten, so könnten wir veranlaßt werden, ihrem Vorgange zu folgen. Die angemessene Behand lung der Indianer verlangt die sorgfältigste Er- wägung. Ich gedenke jedes Verfahren zu begün stigen, welches ihre Civilisirung, ihre Bekehrung zum Christenthum und schließlich die Verleihung des Bürgerrechts an sie zum Ziele hat. Ich hoffe und wünsche die endliche Annahme des Amen dements zur Constitution, wodurch das allgemeine Stimmrecht gesichert wird. Schließlich bitte ich darum, daß im ganzen Lande Einer gegen den Anderen geduldige Nachsicht übe, und daß jeder

Bürger den festen Entschluß fasse, sein Möglichstes zu thun, um das Glück der Union zu befestigen, und ich flehe zu Gott, daß er seinen Segen dazu gebe. Ueber den Alabamavertrag und Cuba beobachtet die Rede Schweigen.

»§ Butzbach. Wie wir aus guter Quelle vernehmen, ist in der letzten Ausschußsitzung des land wirthschastlichen Vereines von Oberhessen dem bald von uns scheidenden Stabsveterinärarzte Zimmer, in Anerkennung seiner Leistungen als Lehrer der Ackervauschule zu Friedberg und als langjähriger Leiter des Hufbeschlag- Unterrichtes zu Butzbach, die landwirthschaftliche Verdienstmedaille J. Klasse zuerkannt worden. Außer in beiden Anstalten war Herr Zimmer auch in den Vereinssitzungen stets thätig und wir können dem Vorgehen unseres landwirthschaftlichen Vereins nur unseren ungetheiltesten Beifall zollen. Als Lehrer hat Herr Zimmer sich eine solche Gewandtheit und päbagogischen Takt erworben, die es ihm möglich machten, auch bei der so sehr verschiedenen oft mangelhaften Vor bildung seiner Zöglinge dennoch Ersprießliches zu leisten, was uns namentlich bei der, am 24. Febr. d. J. abge⸗ haltenen, zahlreich besuchten, und von den obersten Spitzen unseres landw. Vereines beehrten Prüfung der Husschmiede, so recht vor Augen trat. Sowohl das praktische Examen in der Reitercaserne, als auch das, in hiesigem Rathhaussaale abgehaltene theoretische, lieferten den Beweis, daß die jungen Husschmiede in dem kaum 10wöchentlichen Unterrichte mit Allem bekannt gemacht worden waren, was für die Erhaltung des Hufes von wirklichem Nutzen ist und daß genaue anakomische Kenntniß bes Hufes die Richischnur angab, wie das nothwendige Uebel des Hufbeschlages bewerkstelligt werden müsse. Bei der Prüfung im praktischen Hufbeschlage zeigten die jungen Leute eine Gewanbtheit und Sicherheit im Anfertigen der Eisen und im Beschlage selbst, die nichts zu wünschen übrig ließen. In der kürzesten Zeit wurden unter drei Hämmern und mit nur 2 Hitzen die Eisen mit der größten Sicherheit angefertigt, allen Gesetzen des anatomischen Baues und der Verrichtungen des Hufes entsprechend. Nicht nur die Sohle und Eckstreben erhielten die gebüh⸗ rende Schonung, sondern es fiel auch keinem der Zöglinge ein, auch nur einen Schnitt an dein Strahl zu vollführen, der dem Pferde Halt auf dem Boden und Sicherung vor Prellungen der Gelenke zu gewähren vermag. Das Be festigen der Eisen wurde eben so schnell, als sicher und correct ausgeführt. Auch die beiden andern Herrn Lehrer der Hufbeschlagsschule, Hr. Schwadronsschmied Müller und Herr Lehrer Wirthwein hatten in alter Bravour für die kurze Dauer des Unterrichtes wirk lich Außerordentliches geleistet und wir versehlen nicht, ihnen hiermit öffentlich unsere Anerkennung auszusprechen; Herrn Stabsveterinärarzt Zimmer, dessen Weggang wir! aufrichtig bedauern, wünschen wir aber in seinem neuen Wirkungskreise dieselbe gesegnete Wirksamkeit, der er sich seit einer Reihe von Jahren hier zu erfreuen hatte.

Frankfurt. Die massenhbaften Ankäuse von Schlacht⸗ vieh, welche seit einigen Wochen für England und Holland statlfinden, üben, was den Zutrieb auf den hiesigen Markt betrifft, ihren nachtheiligen Einfluß in erheblicher Weise aus; daß die Preise in Folge bessen steigen, ist selbstver⸗ ständlich. Um ein Belspiel anzuführen, wollen wir er wähnen, daß Ende verflossener Woche nur von der Station Bischoffsheim allein 36 Wagen Hornvieh nach England gegangen sind. Auch für Schafe und Hämmel ist zur Zeit außerordentlich starke Nachfrage.

Offenbach. Das hiesige Kreisamt bringt zur all⸗ gemeinen Kenntniß, daß in der Gemeinde Fechenheim die Lungensäuge ausgebrochen und deßhalb kein Rindvieh, welches aue diesem Orte kommt oder denselben passirt hat, in den Kreis Offenbach eingeführt oder auf den Vieh⸗ markt zu Offenbach gebracht werden darf. Der Thäter des vor einigen Monaten an einem jungen Manne(Boos) von hier bei Rumpenheim verübten Mordes letzteren vor dem hiesigen Landgericht, das die Untersuchung leitet, eingestanden.

Darmstadt. In dem nahen Eberstadt ereignete sich dieser Tage der traurige Unfall, daß ein Mitglied der bekannten Seiltänzerfamilie Knie von dem hohen, schlecht gespannten Selle herabstürzte und dabei einen Armbruch sowie sonstige gefährliche Körperverletzungen erlitt, so daß man ihn in bas hiesige Landkrankenhaus verbracht hat. (Was müßte die Menschheit entbehren, wenn solche lebens gefährliche Produktionen polizeilich gar nicht gestattet würden?)

Nürnberg. Die Blatternkrankheit in hiesiger Stadt hat in jüngster Zeit so zugenommen, daß seit dem 1, Januar l. J. 103 Fälle zu verzeichnen sind. Glücklicher⸗ weise haben bis jetzt nur einige Fälle mit dem Tode geendet.

Berlin. In der ersten Sitzung des Reichstages vom J. d., die mit so manchen Calamiläten zu kämpfen hatte, diente ein komisches Intermezzo der Versammlung zur Erweckung einer großen Heiterkeit. Bei der Verloosung der Namen in die Abtheilung wurde, als der erste Name aus der Urne gezogen ward, das üblicheLaut gerufen. Der zu Tage geförderte Name hieß:Stumm. Nicht minder heiter klingt die Mittheilung, welche dieFrankf. Zig. biiagt: Ein gewisses lomisches Inleresse erregt der erneute Durchfall des vielgeprüften nationalliberalen Par⸗ lamentscandidaten Dr, Oppenheim von hier in Oberhessen. Derselbe hatte auf die erhaltenen Siegesdepeschen bereits einen Platz im Reichstage belegt und war demzufolge beim Namensaufruf in der Eröffnungssitzung mit verlesen worden. Nachlräglich traf dann die Depesche mit dem Endresultat der Abstimmung und der Wahl des Geguers ein.

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Oren.-N

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froh