Ausgabe 
10.7.1869
 
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Nachmittag verweilte S. K. H. in Jugenheim und kehrte am Abend hierher zurück.

O Friedberg. Die erste Kammer unserer hess. Stände hat den vom Abg. Kritzler ge⸗ stellten und von der zweiten Kammer angenom- menen Antrag auf Aufbesserung des Gehaltes älterer Volksschullehrer mit 8 gegen 8 Stimmen abgelehnt. Vergeblich vertheidigte der Präsident, Graf v. Erbach⸗Fürstenau, mit warmen Worten diese Aufbesserung; vergeblich wies Prälat Dr. Zimmermann auf den jetzt schon ein- getretenen Mangel an Schulamts-Aspiranten und auf die Thatsache bin, daß hinsichtlich der Be⸗ zahlung der Lehrer nur Preußen und Mecklen⸗ burg(J) hinter Hessen stehe, vergeblich machte er geltend, daß die höhere Besoldung durch die ge steigerten Lebensbedürfnisse und die geforderte höhere Bildung bedingt sei. Auf alle Billig denkenden muß diese Abstimmung einen peinlichen Eindruck machen; den Lehrern ist dadurch eine wohlberechtigte Hoffnung wieder in die Ferne gerückt. Es ist wahr, die Kammern waren in dieser Session mehr als je in der Lage, viel, mitunter sündhaft viel Geld zu verwilligen, und mancher Steuerzahler athmete leichter auf, wenn hie und da eine Forderung abgelehnt oder redu cirt wurde. Wenn aber gegen Ersparnisse, die von der ersten Kammer gefordert werden, von vornherein das Bedenken sich geltend macht, ob dieselben auch am rechten Orte möchten verlangt sein, so werden in unserem Falle insbesondere nur äußerst Wenige für dit Behauptung einstehen mögen, der Aufwand von 500 fl. für eine Lehrtr⸗ besoldung sei ein unnöthiger und überflüssiger. Im Volke und bei allen Wohimeinenden lebt eine andere Ueberzeugung, die Ueberzeugung nämlich: Wenn irgend eine Forderung gerechtfertigt war, so war es diese. Die Frage liegt einfach so: Soll es mit der Volksschule vorwärts gehen oder nicht? Wem freilich Volksbildung als eine gleich gültige oder gar lästige Sache erscheint, der wird die Frage verneinen; das Volk selbst aber, die große Masse der Steuerzahler, deren Kinder auf die Volksschule als ihre Bildungsstätte hingewiesen sind, hat ein wohlbegründetes Recht auf Hebung dieser Bildungsstätte. Frhr. v. Riedesel meint zwar, es sei in der letzten Zeit genug geschehen. Ist dem wirklich so? Wir sind die Letzten, die verkennen, was wirklich geschehen ist. Aber sind dadurch die Schulstellen in der That, den heutigen Geldwerth in Betracht gezogen, besser geworden, als sie vor 30 Jahren und früher schon waren? Wir bestreiten dies ganz entschieden. Es ist da mit gegangen wie jenen Nordpolfahrern, die mit Schlitten auf dem Eise nach Norden vorgedrungen und endlich gewahr worden sind, daß die ganze Eismasse, während sie mit aller Anstrengung vor- wärts drangen, rückwärts nach Süden sich bewegte. Es kann hier nicht die Rede sein von den Vica⸗ riaten, die geben keinen Ausschlag. Aber die definitiv besetzten Schulstellen werden zu zählen sein, die nicht mindestens ihre 200- 300 fl. ein⸗ trugen, und das zu einer Zeit, wo die Preise aller Lebensbedürfnisse mehr als um die Hälfte niedriger waren als jetzt. War das nicht ebenso viel und mehr als jetzt 500 fl.? Ja noch mehr. Damals gab es selbst auf dem platten Lande eine Anzahl Stellen, die weit mehr, bis zu 1000 fl. ein- brachten. Man hat, wo sie existirten, dies nicht für zu viel gehalten, sonst wären sie wahrscheinlich nicht so reichlich dotirt worden. Erst der neueren Zeit, war es vorbehalten, solche Stellen mehr und mehr verschwinden zu machen; man hat sie be⸗ schnitten, hat aus einer zwei gemacht. Und vor so und so viel Jahren war man nicht der Meinung, daß es so herrlichgut mit den Schuldotationen stünde, im Gegentheil, man wollte eben mit der Aufbesserung erst eigentlich beginnen. Gra Görz hat ein anderes Bedenken: Die Revolution buhle mit dem Lehrerstande, dem Drängen müsse Einhalt gethan werden. Sollte damit gesagt sein, daß der weiteren Entwickelung der Volksschule Einhalt geboten werden müsse, so wäre dies ein vergeblich Bemühen. Der Staat der Zukunft kann nicht existiren ohne eine tüchtige Volksbildung. Im Uebrigen wäre es wenigstens erklärlich, wenn

der Lehrerstand in die Arme der Revolution ge⸗

trieben würde; denn kein Stand in der jetzigen

Gesellschaft ist im Verhältniß zu den Anforderungen an die Qualität seiner Leistungen kärglicher bezahlt als gerade der Lehrerstand. Die Lehrer unseres Landes aber dürfen eine Insinuation, als lieb⸗ äugelten sie mit der Revolution, mit gutem Ge⸗ wissen zurückweisen. Sie werden sich auch durch einen Kammerbeschluß nicht entmuthigen lassen, in treuer Erfüllung ihrer Berufspflichten fort zuarbeiten. Sie leiden in ihrer überwiegenden Mehrheit nicht an anmaßlicher Selbstüberhebung; sie fühlen, daß wenn ihre Bildung ihrer jetzigen Stellung mehr als entspricht, dieselbe gleichwohl noch vielfach mangelhaft erscheint im Vergleich zu der hohen Aufgabe ihres Berufes. Sie werden auch ferner der Ueberzeugung sich nicht verschließen, daß die thatsächliche Anerkennung, deren ein Stand in seiner Gesammtheit ganz und vollständig sich würdig erweist, ihm für die Dauer nicht vorenthalten werden kann.

Mainz. Die Gesellschaft Jesu hat, wie all- jährlich, auch in diesem Jahre den Katalog ihrer Mitglieder im römischen Gebiet veröffentlicht. Darnach hat sich von 1844 bis 1869 die Zahl der Mitglieder verdoppelt. Im Jahre 1838 lebten 3067 Jrsuiten in allen Ländern der Welt. Das Jahr 1844 weist eine Vermehrung der Mit⸗ gliederzahl um 1072 Personen auf, indem der Orden in diesem Jahr 4139 Angehörige zählt e Am 1. Januar 1869 beläuft sich die Zahl der Jesuiten auf 8584. In Deutschland, Frankreich, Oesterreich, Belgien und den Niederlanden war die Zahl der Väter der Gesellschaft 641 im Jahre 1838; im Jahre 1868 aber, also gerade 30 Jahre später, belief sich die Zahl der Jesuiten in den genannten Ländern auf 2190.

Preußen. Berlin. Wie verlautet, soll der Finanzminister beabsichtigen, den Etat, welcher bis daher ein Ganzes bildete, für das Jahr 1870 in zwei Abtheilungen zu theilen, von denen die erste dienothwendigen Ausgaben, die zweite dienützlichen enthalten wird, und so dem Land tage vorzulegen. Lehnt der Landtag nun die Bewilligung der verlangten Einnahmeerhöhungen ab, so würde der Etat für die nützlichen Aus gaben einfach zu den Acten gelegt werden, das beißt die Staatskasse leistet nur Zahlungen für das Militär, sowie die nothwendigsten Ausgaben für die Verwaltung.

Höchst. Auf dem rechten und linken Main- ufer finden gegenwärtig für das Projekt der An- legung eines Mainschifffahrtscanals von Frank furt a M. nach dem Rheine zu Vermessungen und Untersuchungsarbeiten statt. Zur Vornahme dieser Arbeiten hat die Frankfurter Handelskammer die Concession erwirkt.

Bayern München. DieCorrespon denz Hoffmann meldet: In der Bundesliquida tions Commission haben sich sämmtliche Bevoll mächtigte nach Darlegung des Standpunktes ihrer Regierungen über die Behandlung des vormaligen Bundesfestungs-Eigenthums gegen die Theilung des Materials in Natura oder durch Verkauf und Erlösrepartition ausgesprochen, weil solches weder im Interesse der süddeutschen Staaten, noch ohne große Opfer durchführbar wäre.

Frankreich. Paris. Folgendes ist der Wortlaut der Interpellation des Tiers-Parti, wie er wahrscheinlic) im gesetzgebenden Körper gleich nach dessen Constituirung niedergelegt werden wird:Wir wünschen die Regierung zu inter pelliren über die Nothwendigkeit, der Stimmung des Landes zu entsprechen, indem sie dasselbe auf eine wirksamere Weise an der Leitung seiner Ge schäfte theilnehmen lasse. Die Schaffung einer Ministerverantwortlichkeit und das Recht für den gesetzgebenden Körper, die organischen Bedingungen seiner Arbeiten und seiner Beziehungen zu der Regierung zu reguliren, würden nach unserer Ansicht die Hauptmaßregeln zur Erreichung dieses Zweckes sein.

Zur belgischen Eisenbahnfrage bringen Pariser Blätter folgende Aufklärungen: Es han delt sich in diesem Momente durchaus nicht mehr um eine Convention zwischen dem Staate Frank

lediglich um die Aufstellung als Norm derje

reich und dem Staate Belgien, nN

Grundsätze, welche einem Vertrage als dienen können, der später von den franzö und belgischen Eisenhahn⸗Gesellschaften a ist und den alsdann die beiden Staaten mehr anfechten zu wollen sich verpflichten. 8 also morgen oder übermorgen unterzeichnet werden soll, ist nichts als eine Art Protokoll, welches di⸗ Basen der später abzuschließenden Eisenbahn-Con⸗ vention der betreffenden Gesellschaften aufstellt.

Napoleon scheint gegenwärtig gute Miene zum bösen Spiel zu machen, indem er eine Art

Verständigung mit der Opposition sucht und sogar vor einer Berührung mit der äußersten Linken nicht zurückschreckt. Es wird nämlich berichtet, daß unter den am 5. d. bei Hofe Eingeladenen sich auch die Herren Ferry, Gambetta, Leferre, Portalis, Kératry befanden, welche jedoch so wenig Takt hatten, die Einladung abzulehnen. An- derwärts weiß man sich besser, nicht so linkisch unhöflich, zu benehmen, und schlägt eine so freund⸗ liche Einladung nicht aus.

Großbritannien. London. Oberhaus. Specialdebatte der Kirchenbill. Das Amendement Cairn's, betreffend die Reservirung des Ueber schusses der Kirchenrevenuen zur zukünftigen Ver- fügung des Parlaments anstatt dieselben wohl⸗ thätigen Zwecken zu widmen, wurde krotz des ernsten Widerspruchs Granville's mit 150 gegen 90 Stimmen angenommen. Das Haus genehmigte ferner sämmtliche noch übrigen Paragraphen und schloß somit die Spezialberathung. Die Bill muß nunmehr noch die dritte Lesung passiren.

Spauien. Madrid. Die Ministerkrisis ist als beendet anzusehen. Zu Ministern wurden ernannt: Zulla für Justiz, Martos für öffentliche Arbeiten und Bercerra für die Colonien.

Serbien. Belgrad. Die von einer Commission entworfene Verfassung gewährt Minister⸗ verantwortlichkeit, Preßfreiheit, Gleichheit aller Bürger, Gemeinde-Autonomie und Unabhängigkeit der Gerichte. Der Senat bleibt ein der Re gierung berathend zur Seite stehender Körper, die Skuptschina theilt die Letzislative mit dem Fürsten. Die Repräsentanten werden auf 4 Jahre gewählt, eine Anleihe von der Regierung darf nicht ohne Einwilligung der Skuptschina gemacht werden.

Amerika. Newpyork. Die Feier der Unabhängigkeits Erklärung wurde in den nörd⸗ lichen Staaten mit großem Enthusiasmus began; gen. kerang der suͤdlichen Staaten der ofssziellen Feier gegenüber ein sehr apathisches.

Friedberg. Die wiederholt besprochenen, zu Wölfers⸗ heim stattgehabten Excesse zwischen dortigen Einwohnern und preußischer Einquarlterung betressend, erhalten wir von unserem ersten Herrn Berichterstatter eine in die Details eingehende Widerlegung der unter dem Mottoder Wahr⸗ heit die Ehre erschienenen Berichtigung. Der Einsender hält darin seine Darstellung der beklagenswerthen Ereig- nisse, als durch die glaubwürdißsten Zeugen festgestellt, aufrecht und erklärt die Darstellung jener Berichtigung für eine Verdächtigung der Wölfersheimer Bürger. Wir glauben um so mehr, hier auf diese Angelegenheit nicht weiter eingehen zu sollen, da der Herr Beischterstatter eine von Wölfersheim aus beautragle gerichtliche Untersuchung in Aussicht siellt, welche jedenfalls Wahrheit und Klarheit über diese Vorfälle bringen wird.

Frankfurt. Das Project unsere Stadt durch eine Wasserleitung aus dem Vogelsberg mit gutem Wasser zu versehen, ist jetzt seiner Ausführung um einen Schritt näher

gerückt, indem von Seiten der Staatsregierung die Con⸗ cession zur Vornahme der nöthigen Vermessungsarbeiten ertheilt wurde, welche unter Leitung des Hrn. Ingenienrs

Schmick ausgeführt werden sollen.

Fraukfurt. Vor Kurzem entfernte sich von hier ein

11järhiger Knabe, ohne daß man ermitteln konnte, wohin sich derselbe begeben hatte. wieder habhaft geworden, indem die Miltelrh. Zeitung aus

Dillenburg meldet: Dieser Tage traf ein Knabe von 10

12 Jahren, gut gekleidet, mit einem Schulranzen auf dem

Rücken, in Gesellschaft eines Handwerksburschen hier ein

und suchte in der hiesigen Herberge Untejkommen. Der

selbe gehörte einer angesehenen Familie in Frankfurt au.

Er war in der Schule bestraft worden, und da er die Strafe, die ihn in Folge dessen zu Hause erwartete, be fürchtete, zog er es vor, das Weite zu suchen. Er kam auf seiner Flucht glücklich bis Wetzlar, wo ihm das Geld ausging; er versuchte nun seine Schulbücher zu verkausen, was ihm jedoch nicht glückte, dagegen wurde ihm von

einem Herrn wegen seines gesälligen Aussehens die Eisem

Hingegen war das Verhalten der Bevöl⸗

Es scheint, daß man nun seiner

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