so bitten wir Gott, daß er ihn durch seinen Geist zur reuigen Erkenntniß seiner Schuld und auf- richtigen Umkehr von seinen Irrwegen führen möge, damit er des dem heiligen Ehestande ver heißenen Segens theilhaftig werde.“
Oesterreich. Wien. Das Wormser Manifest wird von allen österreichischen und un⸗ garischen Blättern besprochen. Wie verlautet, werden sämmtliche protestantische Gemeinden dies ⸗ seits der Leitha eine zustimmende Erklärung ab ⸗ geben. Auch von einem österreichisch- ungarischen Protestantentag ist die Rede. Die Zahl der Protestanten(Lutberaner, Reformirte und Unitarier) in Ungarn beträgt über 3¼ 0 Millionen. In Oesterreich gibt es nur 315,000 Protestanten.
Linz, 5. Juni. Die hiesige„Tagespost“ schreibt: Artikel 2 des Staatsgrundgesetzes vom 21. Dec 1867, welcher lautet:„Vor dem Gesetze sind alle Staatsbürger gleich“, ist heute zu Linz in befriedigendster Weise zum Vollzug gelangt. Der Bischof Joseph Rudigier ist heute um 10 Minuten vor 2 Uhr Nachmittags zu seiner Ver⸗ nehmung zu dem hiesigen Landesgerichte abgeführt worden. Gestern erhielt die hiesige Gemeindevor— stehung von dem Landesgerichte den Auftrag, den Bischof, welcher sich standhaft weigerte, auf mehr⸗ malige Vorladungen zu erscheinen, auf den heutigen Tag unter Anwendung von Zwangsmitteln zum Landesgerichte zu stellen. Demgemäß begab sich heute Mittag der Bürgermeistet Victor Drouot zum Bischof, um denselben zu bewegen, freiwillig und mit Vermeidung alles Aufsehens vor Gericht zu erscheinen. Nachdem der Bischof ungeachtet eines inständigen Zuredens hierzu nicht zu bewegen war und erklärte, nur der Gewalt weichen zu wollen, begab sich der Gemeindeseeretär Thum in Begleitung von zwei Polizeiwachmännern in die bischöfliche Wohnung, um den Bischof nochmals zur freiwilligen Respektirurg des Gesetzes aufzu— fordern. Auch diesem gegenüber erklärte der Bischof, daß er von seinem Standpunkte aus die Competenz des Landesgerichtes nicht anerkenne, weil die Sache nur eine kirchliche Angelegenheit ist und das Concordat noch vor Gott und dem Gewissen vollkommen aufrecht bestehe; er werde daher nur der Gewalt weichen und mache sowohl Jene, welche diese Gewaltthat angeordnet, als Jene, welche diese Gewaltthat vollführen, für die Folgen verantwortlich. Als hierauf Gemeinde— Sekretär Thum erinnert, daß der Augenblick ge— kommen sei, in welchem die bereits zwei Stunden dauernde Verhandlung ein Ende nehmen müsse, und der Bischof, welcher sich in seinem vollen Ornate befand, bei seinem Widerstande verharrte, trat der Führer der städtischen Polizei an den⸗ selben heran und berührte ihn mit der Hand am Arme, worauf der Bischof ohne Widerrede die Wohnung verließ, in den seit zwei Stunden im Hofe befindlichen Fiaker stieg, und im Geleite des Gemeindesecretärs Thum, des bischöflichen Secre— tärs Spannlang und des Führers der städtischen Polizei Bacher in das Landesgericht fuhr. Als der Wagen aus dem Bischofshofe herausfuhr, trat zugleich mit dem Wagen der bischöfliche Kammer⸗ diener auf die Gasse und fing an aus Leibeskräften „Vivat“ zu rufen, worin von der zahlreich ver⸗ sammelten Menge einige fromme Seelen weiblichen Geschlechtes einstimmmten, während andere„Bravo“ riefen. So ist endlich dem Gesetze, vor welchem alle Staatsbürger, mögen sie Taglöhner, Bischöfe oder Feldzeugmeister heißen, gleich sind, sein Recht geschehen. Allgemein verlautet, daß der Bischof bei Gericht alle Rede und Antwort verweigert habe, was vielleicht aus dem Umstande geschlossen wurde, daß derselbe in kaum einer Viertelstunde nach seinem Eintreffen beim Landesgerichte in seiner Privatequipage wieder in sein Palais zurück⸗ gekehrt ist.
Frankreich. Paris. Die Nachwahlen zum gesetzgebenden Körper ergeben folgendes Resultat. Gewählt wurden in Paris: im zweiten Wahl— bezirke Thiers mit 15,912 Stimmen gegen Devinck mit 9762 und Dalton mit 5741. Im fünften Wahlbezirk: Garnier-Pagds mit 19,474 gegen Raspail mit 14,771. Im sechsten Wablbezirk: Ferry mit 15,729 gegen Cochin mit 13,537.
Im sicbenten Wahlbezirk: Jules Favre mit 18,350 gegen Rochefort mit 14,761. Die„Unversöhn⸗ lichen“ sind demnach in Paris geschlagen. Der Eindruck auf die Börse ist ein günstiger. Die Gesammtzahl der in den Departements statt⸗ gefundenen Ballotage-Wahlen beträgt 55. Von denselben sind 26 im Sinne der Regierung und 29 oppositionell oder unabhängig ausgefallen.
Großbritannien London. Wie ver⸗ lautet, wird Lord Harrowby im Oberhause die Verwerfung der irischen Kirchenbill beantragen. Die Conservativen erwarten eine Majorität von 80 Stimmen. Im Falle die Bill verworfen wird, ist Prorogation des Parlaments wahrscheinlich. Dieselbe würde dann in der Juli-Session noch— mals eingebracht werden.
Spanien. Madrid. Cortes. In Ant- wort auf eine Interpellatian erklärt der Marschall Serrano, daß die Volontäre der Freiheit in Cuba den General⸗Capitän Dulce genöthigt haben, sich einzuschiffen, daß aber die Ersetzung Dulce's durch den General Caballero de Rodas in jenem Augen- blick in der Havanna schon bekannt war. Der Murschall Serrano hofft, daß Caballero, der schon nach Cuba unterwegs ist, über alle Schwierig— keiten triumphiren und daß Cuba spanisch bleiben wird. Man bereitet eine neue Truppensendung von 5000 Mann dahin vor.
— Die„Correspondencia“ vom 2. d. M. meldet, daß der Deputirte Carballo dem Präsi— denten und dem Sekretär der Kammer fünf große Federn des Königs⸗Adlers geschenkt hat, um da— mit die Verfassung unterzeichnen zu lassen.— Die Gräfin von Espoz h Mina hat den Cortes ein silbernes Tintenfaß von äußerster Pracht zum Geschenk gemacht.
Amerika. Newyork. Die hiesigen Freunde des cubanischen Aufstandes versichern, daß drei— zehn Expeditionen aus amerikanischen Häfen zur Unterstützung des Aufstandes nach Cuba abgegangen seien. Die Gesammtstärke dieser Expeditionen belaufe sich auf 5000 Mann mit sechs Batterien Artillerie.
Nauheim. Am 20. und 21. d. M. wird dahier das 8. Sängecfest des Lahnthalsängerbundes abgehalten. Schon seit einigen Wochen ist das Localcomite mit den Vorbereitungen zu genanntem Feste beschäftigt und wir glauben, daß basselbe ganz richtig handelt, wenn es den das Fest besuchenden Sängern und Nichtsängern mehr zu bieten sucht, als man dies bisher bei ähnlichen Festen ge— wohnt war; man berücksichtigt dabei namentlich in sehr anzuerkennender Weise, daß das Fest gerade in die Zeit fällt, in der Nauheim von einem etwas verwöhnten Kur— publikum angefüllt ist, und hofft auch dessen Ansprüche zu befriedigen. Das sog. provisorische Kurhaus wird zur Festhalle, sowie der um dasselbe herumliegende Theil des Parkes zu einem geräumigen Festplatze hergerichtet und sind die bezüglichen Arbeiten bereits begonnen.
Das Festprogramm wird ungefähr folgendes bieten: Sonntag Morgens gegen 9 Uhr Empfang und Begrüßung der Sänger auf dem Festplatze, 11 Uhr Generalprobe; Mittags 3 Uhr Festzug durch die Stadt und unmittel- bar nach diesem Concert in der Festhalle unter Leitung des Herrn Kapellmeister E. Neumann von hier und des rühmlichst bekannten Liederkomponisten H. Neeb aus Frankfurt. Abends 7 Uhr Ball in ber Festhalle und auf dem Festplatz
Am 21. Morgens 6 Uhr Tagesreveille, um 7 Uhr Spaziergang auf den Johannisberg, um 11 Uhr Sänger⸗ lag auf dem Teichhaus. Mittags 3 Uhr Volksbelastigung auf dem Festplatz. Abends 7 Uhr Ball und um 9 Uhr Feuerwerk und bengalische Beleuchtung auf dem Johannis⸗ berg, ausgeführt von Herrn Vidacovich aus Höchst.
Als Festmusik ist die Wetzlarer Jägermusik engagirt und für das Concert wird dieselbe durch die hiesige Kur— kapelle bis auf 60 Mann verstärkt.— Nach den bereits vorliegenden Anmeldungen dürfen wir auf eine bedeutende Zahl Besuchender rechnen. Die activen Sänger werden bei der hiesigen Einwohnerschaft, von der das Comite in bereitwilligster Weise unterstützt wird, einquartirt.
Frankfurt. Das Programm für die 400 jährige Stiftungsfeier der hiesigen Urschützengesellschaft ist nun festgestellt. Nach bemselben sind zwei ßesttage, 15. und 16. August, in Aussicht genommen.— Der Lassirer eines hiesigen Banquiers, welcher jüngst mit 7000 fl. durch⸗ aing, wurde in Amerika(Newyork) abgefaßt und befindet sich auf der Heimreise.
Frankfurt, Der letzte Sechskreuzertag des zoologi— schen Gartens war von dem schönsten Welter begünstigt. 8543 Personen besuchten den Garten. Sonntag den 20. Juni ist der Eintrittspreis den ganzen Tag über auf 12 kr. per Person ermäßigt. Nachmittags findet Concert statt. Mehrere Eisenbahnen haben für diesen Tag den Besuchern des zoologischen Gartens ermäßigte Fahrpreise zugesichert.
Offenbach. Unsere Einwohnerschaft trifft zu dem este des 4. Mittelrheinischen Bundesschießens, das vom 27. bis einschließlich 30. Juni dahier stattsindet, die rührigsten Vorbereitungen. Die Schießhalle ist für 22 Scheibenstände eingerichtet, am Aufbau der für 450 Couverts berechneten Festhalle wird eifrig gearbeitet. Das Fest⸗
programm kündigt für Sonntag einen Festzug an, sobann
Festbankett und Militärconcert für jeden Festtag; außer⸗ dem für Montag Abend Feuerwerk, Dienstag Concert der Gesangvereine, Mittwoch Militärconcert von zwei Musik⸗ chören, Abends Preisvertheilung.
Darmstadt. Eine in der vorigen Nummer d. Bl. enthaltene Mittheilung über die in der Provinz Starken⸗ burg bestehenden landwirihschaftlichen Fortbildungsschulen bedarf insofern einer kurzen Berichtigung dahin, daß von Seiten der Staatskasse besondere Zuschüsse für diese Schulen nicht geleitet werden, sondern daß dieselben aus den Mitteln der betreffenden Gemeinden unterhalten werden und der landwirthschaftliche Provinzialverein den tüchtigsten unter
diesen Schülern auf Grund vorausgegangener Prüfung
Prämien verleiht.
Aus Rheinhessen. Das deutsche Rettungs! wesen zur See hat im vergangenen Jahre nicht allein recht werkthätig gearbeitet, sondern sich auch bei uns mehr ausgebreitet und heimisch gemacht. Im verflossenen Jahre wurden 68 Schiffbrüchige durch die Rettungsanstalten des Vereins an den deutschen Küsten der Nord- und Ostsee dem Wellentode entrissen. Es fehlen an den gefährlichen Punkten der Küsten der beiden Meere noch vierzig Rettungsstationen, während bis jetzt 61 Statienen errichtet und mit 65 Rettungsbooten, wie mit 41 Mörser- und Naketen⸗Apparaten ausgerüßtet sind.
Vom Nheine. Die Köln'schen Blätter melden von Horchheim, daß dort vor einigen Tagen ein Premier⸗ lieutenant den bei dem Bau der rechtsrheinischen Bahn beschäfligeen Bau⸗Assistenten Schwangen mit dem Degen in dessen Wohnung erstochen hat. Die Motive und näheren Umstände zu dieser Blutgeschichte sind noch nicht bekannt.
Heidelberg. Die neulich gebrachte Nachricht von dem tödtlichen Ausgange eines zwischen zwei hiesigen Studenten stattgehabten Duelles wird von Seiten des Universitätsamtes als nicht begründet bezeichnet.
Newyork. Einen Begriff von amerikanischer Wohl⸗ habenheit geben die neuerdings veröffentlichten Steuer listen der Stadt New-Pork, in welchem mit jährlichem Einkommen von über 100,000 Dollars u. A. figuriren die Herren A. T. Stewart 3,015,000 Doll., Elias S., Higgins 431,000 Doll., J. A. Benedict 311.000 Doll., Harvey Fisk 286 000 Doll., Moses Taylor 279,000 Doll., A. S. Hatch 278,000 Doll., W. E. Dodge 221 000 Doll., J. G. Bennet, Eigenthümer des„Herald“, 186,500 Doll., Rbt. Bonner, Eigenthümer des„Ledger“, 134,000 Doll., L. Delmonico, ein berühmter Restaurateur, 126,000 Doll. B. Schl singer 119,000 Doll. u. m. a.
„„ Für Dichter. Es ist noch nicht lange her, daß in San Franzisco, welches jetzt mit den sashioneblen Kreisen Newyorks Concurrenz sucht, ein Frauenzimmer oder ein Kind auf der Straße zu den größten Selten⸗ heiten gehörten, und die Leute auf der Straße ftehen vleiben, um den seltenen Anblick zu genießen. Eines Abends befand sich eine Frau mit ihrem Kinde im Theater. Gerade als das Occhester anfing zu spielen, setzte auch das Baby seine Lungen in Bewegung. Plötzlich erhob sich im„Paradies“ ein alter Miner und rief mit Stentorstimme:„Hört auf mit eurem ver fl.. Fiedeln und laßt das Baby schreien: so was habe ich seit zehn Jahren nicht gehört!“ Das Publikum war mit dieser Aufforderung einverstanden, das Orchester verstummte und das Kind führte sein Concert unter allgemeinem Jubel zu Ende.
„„ In Stafsordshire(England) soll kürzlich ein Prediger genöthigt gewesen sein, eine ganze Hochzelts⸗ gesellschaft unverrichteter Sache nach Hause schicken zu müssen, weil— weder der richtige Name der Braut, noch der des Bräutigams festzustellen war. Unmöglich ist dies dort nicht, denn besonders in den Districten der Kohlen⸗ bergwerke, ist ein Mensch ohne Spitzname gar nicht denk⸗ bar. Ein junger Rechtsanwalt hatte vor einiger Zeit einen Proceß zu führen, worin ein gewisser Adam Green als Zeuge durchaus nothwendig war. Trotz ber größten Mühe gelingt es ihm nicht, in dem kleinen Orte den Gesuchten zu finden. Ein junges Mädchen, welches seine Verlegenheit bemerkt, erbieiet sich, bei ihrer Ortskeuntniß, ihm behilflich zu sein.„Ochsenauge,“ ruft sie den Nächsten an,„kennst Du Adam Green?“ Der Angeredete, ebenso wie die später gefragten Taubenschwanz, Kuhhaut, Bett⸗ lieger, Stummler ꝛc., können keine Auskunft geben. Der Rechtsanwalt erzählt während des Gehens dem Mädchen die ganze Lage des Processes, da klopft sie ihm plötzlich erfreut auf die Schulter und ruft:„Nun weiß ich Bescheid; Sie meinen ja meinen Vater! Es stimmt alles genau, aber Adam Green müssen Sie ihn nicht nennen, sondern Pech— vogel, wie er überall gerufen wird!“
„ Anzucht aromatischer Erdbeeren im Freien. Prof. Dr. Koch empfiehlt in der Wochenschrift zur Beförderung des Gartenbaus in Preußen, da die Walderdbeeren in der Regel ein feineres Aroma haben, deshalb von den Feinschmeckern der Gartenerdbeere vor gezogen werden, den Anbau der letzieren auf Bergabhängen, weil diese dann ebenfalls ein feineres Aroma bekommen. Vor Allem empfiehlt Koch den schlesischen Gutsbesitzeen, noch mehr aber den Bewohnern des Unstrutthals und Nheinihals, sowie Würtembergs und Badens, desfallsige Versuche anzustellen. Möglichst lichte Waldungen, die eine größere Feuchtigkeit, besonders viel Quellen besitzen,
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