je beunruhigter und beunruhigender? Wer hat diese Lage geschassen? Wir nicht. Bei den Er⸗ eignissen, die bevorstehen, welche Haltung wird Frankreich annehmen? Ich weiß es nicht. Wenn ich die Ehre hätte, Ihnen meinen Rath zu zeben, so würde ich Ihnen zum Frieden rathen; ich würde Ihnen rathen, demselben nur dann zu entsagen, wenn ganz unerträgliche Ereignisse Frankreich dazu zwingen, wenn es die ganze Welt als Verbündete haben würde. Wem steht es aber zu, einen solchen Beschluß zu fassen 2 Frankreich allein! Es darf nicht dem ausgesetzt sein, daß, wenn es eines Morgens aufsteht, seine Kin- der den Befehlerhalten, an die Gränze zu marschiren. Die Freiheit bedeutet also heute, daß die Nation über Krieg und Frieden entscheiden muß. Es ist ihr Recht, ihr theuerstes Interesse ihrer Existenz!
— In der Sitzung des gesetzgebenden Körpers vom 6. d. unternahm es Garnier-Vagès, die Amendements der Opposition, welche Vermin— derung der Militärausgaben verlangt, zu ent— wickeln. Er zählt alle Nachtheile des Systems des bewaffneten Friedens auf: Ruin in den Finanzen, Störung in den Geschäften, nie endende Unruhe. Dieses System kostet Frankreich für seine Armee und Marine mehr, als die Armee und Marine dem norddeutschen Bunde und Oesterreich zusammen kosten. 643 Mill. auf Seiten Frank reichs stehen 481 auf Seiten Oesterreichs und Preußens gegenüber. Redner schlägt vor die Waffenübung in die Jugenderziehung mit auf— zunehmen, so daß jeder Franzose von 21 Jahren im Stande sei, das Vaterland mit zu vertheidigen. Man brächte dann nur 1 Jahr oder 18 Morate bei den Fahnen zu, um sich an das militärische Leben zu gewöhnen. Durch eine solche Armeec— organisation würden ungeheure Ersparnisse möglich.
— Der„Public“ sagt, daß die politischen Beziehungen zwischen Paris und Berlin weniger als je einen gereizten Charakter, welcher die von Speculanten verbreiteten kriegerischen Gerüchte rechtfertigen könnte, darböte.
— Die Wahlen für den gesetzgebenden Körper werden wahrscheinlich am 23. Mai stattfinden.— Nachrichlen aus Spanien lassen es in Folge der Weigerung Don Fernando's, die Krone Spaniens anzunehmen, als wahrscheinlich erscheinen, daß Serrano und Topete ihre Demission geben werden. Man beschäftige sich nach diesen Nachrichten in Madrid mit den Vorbereitungen zur Einsetzung eines Direktoriums.
Großbritannien. London. Die Frage wegen Aufrechterhaltung der süddeutschen Allianz— verträge mit Preußen wird von dem hiesigen „International“ wie folgt besprochen:„Die offi— ziellen Pariser Blätter bestreiten hartnäckig die von uns gebrachte Nachricht, daß Preußen daran denke, auf die mit den süddeutschen Staaten im Jahr 1866 abgeschlossenen Allianzverträge zu ver- zichten. Wir beharren auf unserer Behauptung, daß die Frage angeregt ist und sagen, daß das Berliner Cabinet nur um deßwillen dieselbe ver— ließ, weil es die Gewißheit erlangte, daß der französischen Regierung diese Genugthuung keines- wege hinreichte, um ihre Besorgnisse vor einer gänzlichen Aufsaugung Deutschlands durch Preußen zu beschwichtigen. Was Oesterreich betrifft, so hat das Wiener Cabinet in Berlin andeuten lassen, daß es durch das Projekt in keiner Weise berührt werde, und deßhalb auf seine Verwirklichung keinen Werth lege.“
Spauien. Madrid. Die Cortes haben die Verfassungsdebatte begonnen. Der portugie— sische Gesaͤndte hat Befehl erhalten, der Regierung mitzuthetlen, Fernando verweigere kalegorisch die ihm angebotene spanische Krone.
— Obgleich die Revolution alles Mögliche gethan hat, um den Elementarunterricht zu be⸗ fördern, scheint es mit den Schulen doch nicht nur nicht vorwärts, sondern entsetzlich rückwärts zu gehen. Der„Siglo“ bringt die fast unglaub-⸗ liche Mittheilung, daß seit dem September v. J. an 2700(7) Schulen ihre Thätigkeit eingestellt haben.
— In der Sitzung der Cortes bestätigte
Sagasta die Nachricht von der Weigerung des Königs Ferdinand, die spanische Krone anzunehmen. Italien. Florenz. Der König hat dem
Kaiser von Oesterreich den Annunciata- Orden
übersendet.
Amerika. Nach dem neuesten Havanna- Almanach zählt die Insel Cuba 1,370,000 Ein⸗ wohner, von diesen 764,500 Weiße und 605,500 Farbige. Von letzteren sind, einschließlich einer großen Zahl Chinesen, 226,000 frei, die übrigen Sclaven.
„ Friedberg. Wir verfehlen nicht, die Leser dieses Blattes auf die vom 11. bis 15. April in Mainz statt⸗ findende Blumenausstellung des Rheinischen Garten⸗ bauvereins aufmerksam zu machen. Mainzer Blätter be— richten darüber: Daß diese Ausstellung in jeder Beziehung eine gelungene wird, dafür bürgen die tüchtigen vereinigten Kräfte und insbesondere der wohlerworbene, bei so vielen Ausstellungen bewährte Ruf der Mainzer Gärtner. Welchen Werth auf diese Ausstellung gelegt wird, beweisen die von Seiten des Großherzogs von Hessen, des Königs von Preußen, des Großherzogs von Baden, des Prinzen Ludwig und der Prinzessin Alice(der Protectorin des Mainzer Vereins), des Gartenbauvereins in Baden, der Mainzer Frauen und der Stadt Mainz ausgesetzten und in sehr werthvollen Gegenständen bestehenden Ehrenpreise, die bis zum Schlusse der Ausstellung in der Halle aus⸗ gestellt bleiben. Die Fruchthalle selbst wird in einen prachtvoll decorirten Saal verwandelt, in dessen Miste ein mächtiger Springbrunnen emporsteigt. Den Hintergrund bildet eine Alpenlandschaft als Fernsicht. Einen magischen Eindruck wird das am 15. April in der glänzend er— leuchteten Halle abgehaltene Abendeoncert machen. Noch sei erwähnt, daß die hessische Ludwigsbahn für den 13. April den Besuchern der Ausstellung freie Rückfahrt bewilligt hat.
Giesten. Weitere Verhandlungen des Schwurgerichts: Montag den 12. April, Vormittags 9 Uhr, gegen Bern— hard Schmidt von Gambach, wegen Verführung zur Un⸗ zucht; Vertheidiger Großherzogl. Hofgerichts-Advokat Barth. — Dienstag den 13. April, Vormittags 8 Uhr, gegen Peter Joseph Witzel von Nieder-Mörlen, wegen Körper— verletzung mite tödtlichem Erfolg; Vertheidiger Großherzogl. Hofgerichts-Advokat Weidig.— Mittwoch den 14. April, Vormittags 8 Uhr, gegen Johannes Fölsig von Wallen— rod, wegen Körperverletzung mit tödtlichem Erfolg; Ver— theidiger Großherzogl. Hofgerichts-Advokat Engelbach II. — Donnerstag den 15. April, Vormittags 8 Uhr, gegen Feldschütze Pfaff von Fraurombach und Fuldmüller Fischer von da, wegen Bestechungz Vertheidiger für den ersteren Großherzogl. Hofgerichts-Advokat Hirschhorn, für den letzteren Großherzogl. Hofgerichts-Advokat Steinberger.— Freitag den 16. April, Vormittags 8 Uhr, gegen Johannes Grill III. von Ober-Rosbach, wegen versuchter Ver— giftung; Vertheidiger Großherzogl. Hofgerichts-Advokat Diery.— Montag den 19. April, Vormittags 9 Uhr, gegen Georg Schmelz II. von Großen-Linden, wegen
Bersuch der Töͤdtung, sowie wegen Körperve 9 Vertbeidiger Großherzogl. Hofgerichts⸗Abvokat Dr. Gp g
Darmstadt. Der mit 717 Stück befahrene Zucht⸗ viehmarkt war von Käufern äußerst belebt und ging ber Verkauf flott zu guten Preisen von Statten. Da über 16,000 Loose verkauft waren, se wurde für ca. 8000 fl. Vieh angekauft, welches zur Verloosung gekommen. Das schönste Vieh hatten Schönberger und Haas von Groß⸗ Bieberau, sowie Gütlich vom Weilerhof, Mayer in Bessungen und C. Nitsert von hier, Musterexemplare Metzger Frommann von hier geliefert. Die Pferde, meistens sehr schön, 200 Stück fanden gleichfalls guten Absatz und wurden 6 Stück für die Verloosung acquirirt.
Köln. Die„Köln. Zeitung“ bringt bezüglich des dortigen Theaterbrandes vom 16. Februar die Mittheilung, daß die Annahme, an der dem Brande zum Opfer ge⸗ sallenen Familie des Theaterkassirs Backhaus könne mög⸗ licherweise ein grausiger Raubmord verübt und das Theater nach der That nur in Brand gesteckt worden sei, um das Verbrechen zu verdecken, habe nunmehr eine praktische Unterlage bekommen und zwar durch vertrauliche Mit⸗ theilungen, welche die als Brandstifterin sich selbst an⸗ klagende Ursula Schmitz im Arresthause einer Mitge⸗ sangenen gemacht. Den fraglichen Mittheilungen zufolge hätte das Verbrechen schon früher verübt werden sollen, dann aber habe man für besser gehalten, das Gastspiel der Hedwig Raabe(15. und 16. Februar) abzuwarten, das eine sehr bedeutende Einnahme in Aussicht gestellt habe. Diese Zeit war von den angeblichen Raubmördern wirklich sehr klug gewählt, denn es waren außer den ein⸗ gezogenen Abonnementsgeldern auch noch die Tages⸗Ein⸗ nahmen von Sonntag und Montag im Verwahrsam des Kassicers, weil am 16. Februar die Gagen ausgezahlt werden sollten. In der Hauptsache gehen die vertraulichen Geständnisse der Ursula Schmitz dahin:„Ich und mein Franz Joseph und noch Einer haben es gethan.“ In einigen der zur Untersuchung gezogenen Theaterarbeitern vermuthet man die Mitschuldigen der ꝛc. Schmitz.
ür die nothleidenden Juden in Westrußland ist bei Mayer Hirsch hier weiter eingegangen: Ungenannt 1 fl.— Alexander Maaß 1 fl.— Aus der Sparbüchse der Johanna und Emma Nußbaum in Nauheim 3 fl. 30 kr.— Durch A. Maaß gesammelt bei einem Beschnei⸗ gungsseste 5 fl. 42 kr.— Eine Wette von S. G. u. N. 45 kr.— Ungenannt 1 fl. 12 kr.— Durch Leopold Schiff in Ober-Erlenbach in der dortigen Gemeinde gesammelt 17 fl. 30 kr.— Bei J. Goldbeck durch A. Nauheim: Von Pfarrer Becker in Bruchenbrücken 1 fl. 10 kr.— Von Frau Groß Wittwe 1 fl. 45 kr.— Von Bernbeck 1 fl. 10 kr.
Bei der Expedition: Von Fräulein Renner 1 fl.— Von Frau H. 1 fl.— Von Anton Schöpff I., Anton Schöpff II. und Konrad Schöpff in Pohlgöns 3 fl.
Sitzung des Local-Gewerbvereins Samstag den 10. April, Abends 8 Uhr. Tagesordnung: 1) Rechnungsabhör; 2) Wahl des Vorstandes und des Ausschusses N.
Vorsta nd.
II. Die Realschule zu Friedberg.
1) Zur weiteren Belehrung des Publicums lassen wir hier noch einige Notizen folgen, welche die veränderten Einrichtungen unsrer Realschule betreffen. Bisher wurden 10 jährige Schüler“) in die unterste Classe aufgenommen, welche die Nummer IV. hatte; mit dem 11. Jahre traten diese
Schüler bei regelmäßigem Verlaufe der Dinge II. Classe, mit dem 13. Jahre in die J. Classe,
in die III. Classe, mit dem 12. Jahre in die welche aus einem zweijährigen Cursus bestand, so
daß der Schüler mit dem vollendeten 15. Jahre die ganze Anstalt durchlaufen hatte.— Mit dem neuen
Schuljahre werden Y jährige Schüler in die Vo
rschulelasse VIb. aufgenommen, während mit dem
15. Jahre der Eintritt in die neue Oberclasse, der Austritt aus derselben mit dem vollendeten 16. Jahre erfolgt.— Die bisherige J. Classe wird in zwei einjährige Classen getrennt, und, wie
wir in dem ersten Artikel andeuteten, hoffen wir Vorschulclasse(resp.— classen) erreichen zu könne
in der Folgezeit eine vollständige Abtrennung der n. So wird dann eine Veranschaulichung der drei
Zustände: des jetzigen, des neueintretenden und des gehofften sich durch nachstehende Tafel er⸗
möglichen. Für das Alter von 0 9101011121213 13—144—15 15—16 war bisber Classe F e 7 bree wird demnächst Classe Fee * 3 Vorschule 0 2 5 N 5 wird in Zukunft Classe n V IV III 11 1 enn 0 i
„) In Folge unsrer ersten Darstellung kamen Anfragen an uns, ob jetzt, zu Pfingsten 1869, schon bei
der Aufnahme dieser 10 jährigen Kenntnisse im Französis
chen verlangt würden: Mein! erst mit nächstem Jahre.
20. Ein andrer Punet betrifft das Schulgeld. Bisher hatten diejenigen Schüler, deren Eltern nicht in Friedberg wohnen, ein höheres Schulgeld zu entrichten als die Friedberger Kinder. Diese Ausnahmestellung der auswärtigen hört bei der neuen Einrichtung auf, alle Schüler zahlen
das gleiche Schulgeld, und zwar in der
Classe VIhb ein jährliches Schuldgeld von 12 fl. 0 7 Vla„ 2 5„ 14„ * V 77 7 7„ 16 7 a 1. in 1 5„e vierteljährig im Voraus an ie„ 1 e den Stadtrechner. 1 II. 105* 7 Den 7 1 5* 11% 1 24„
Friedberg im April 1869.
Dir. M öller.
108ʃ daß in Tau werde N
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