Ausgabe 
7.10.1869
 
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ehe die eigentlichen Verhandlungen begannen, ver⸗ anlaßte der Ausbruch einer Schlägerei die polizei liche Auflösung der Versammlung. b

Frankfurt. Die Neuwahl eines Abgeord neten für Frankfurt zum Berliner Landtag hatte am verflossenen Sonntag im Saalbau eine Anzahl Wahlmänner(etwa 70 bis 80) zusammengeführt, welche sich für Wiederwahl des bisherigen Ab- geordneten Dr. Kugler entschied, nachdem der Letztere seine Mandatsniederlegung damit erklärt hatte, daß er des Vertrauens seiner Wähler durch seine Haltung in der Rezeßfrage verlustig gegangen zu sein geglaubt habe.

Bayern München. Die zum siebenten Male wiederholte Abstimmung zur Präsidentenwahl ergab wiederum Stimmengleichheit für die beiden Candidaten Weiß und Edel.

Baden. Karlsruhe. In der zweiten Kammer fand die Debatte über die an den Großherzog zu richtende Adresse statt. Der von Lamey verfaßte Adresse-Entwurf betont, daß, wenn bis jetzt auch entscheidende Schritte zu der nationalen Einigung ganz Deutschlands nicht möglich waren, doch die Erkenntniß ihrer Nothwendigkeit fort⸗ während wachse; die Abgeordnetenkammer stehe in der Ueberzeugung, daß die Umgestaltung Deutsch lands nur durch Vereinigung der süddeutschen Staaten mit dem großen norddeutschen Bunde erfolgen könne. Mit vollem Vertrauen auf die bewährte deutsche Gesinnung und Weisheit des Regenten erwarte die Kammer den Zeitpunkt, wo es möglich sein werde, daß diese hoffnungsreiche Einigung sich vollziehe. Die Debatte war sehr erregt und wurde schließlich der Adreßentwurf der national- liberalen Partei mit allen gegen sechs Stimmen angenommen, hingegen der Adreßentwurf der Ultramontanen verworfen. Letzterer spricht sich für die Errichtung eines Südbundes, die Auflösung der Kammern und die Entlassung der Minister aus. Es entstanden heftige Scenen zwischen den Ministeen und den Ultramontanen.

Oesterreich. DerMähr. Corr. meldet, der Ministerrath habe beschlossen, die Temporalien des Linzer Bischofs im Betrage von 36,000 fl. zu sperren, und dieser Beschluß habe die aller- höchste Sanetion erhalten.

Der von dem Feldmarschall Erzherzog Albrecht gegründete Vorschußsonds für unbemittelte Offiziere ist durch die Beiträge der Erzherzoge Wilhelm(Großmeister des deutschen Ordens) und Karl Ferdinand, Bruder des Stifters, urd des Bankiers v. Schey auf 145,000 fl. erhöht wor⸗ den. Weitere Beiträge stehen in Aussicht. Frankreich. Paris. DerFigaro mel⸗ det, daß der Obergeneral des Carmeliterordens in Rom dem Pater Hyacinthe brieflich eine Frist von 10 Tagen gewährt habe, um in das Kloster zurückzukehren, unter Androhung der Strafe der

Excommunication und der Belegung mit der Censur

als infam.

In seiner letzten Wochenchronik imRappel

verräth Henri Rochefort, daß er während der Emeute vom Juni nach Paris gekommen war und sich hier zwei Tage aufgehalten hatte, ohne daß die Behörde davon unterrichtet gewesen wäre. Ich hatte, sagte er,diese gefährliche Reise lediglich unternommen, um mich durch den Augen- schein von der in den Straßen von Paris herr⸗ schenden Stimmung zu überzeugen.

Spanien. Ein wichtiges Aktenstück zur spanischen Bewegung liegt vor. Die republikanischen Blätter des Landes veröffentlichen den von Castelar verfaßten Protest der republikanischen Minorität der Cortes gegen die Acte der Regierung und namentlich gegen das letzte Circular des Ministers des Innern.

Die republikanischen Freiwilligen von Reuß haben eine Emeute gemacht. Die Bevölkerung von Bejar wachte den Versuch, Pie und seine Mitschuldigen zu befreien, jedoch wurde die Ord⸗ nung wieder hergestellt. Der republikanische De⸗ putirte für Nagera organisirte eine Bande, welche die Thore der Gefängnisse zu Huesca öffnete; die Truppen schlugen die von dem Deputirten Joaritzio

Madrid, Die von der Regierung den Cortes gemachte Vorlage, wodurch das Kriegs- gesetz an denjenigen Punkten erklärt wird, wo Unruhen vorkommen können, wird vom Ausschuß⸗ bericht befürwortet. Der republikanische Aufstand wächst in Catalonien. Die Republikaner errich⸗ teten ihr Hauptquartier zu Mauresa in Andalusien. Die Republikaner von Greuse(7) haben die Re- gierungskassen beraubt und den Civilgouverneur und Militärcommandanten gefangen genommen. Die Insurrektion hat in Mureia und Reuß gesiegt⸗ Die republikanischen Freischaaren sind aus Mencia verjagt, die Stadt Reus ist wieder unter⸗ worfen und die Freischaaren in Catalonien flohen beim Heranrücken der Truppen. Ein großer Theil der Eisenbahnen in Catalonien ist aufgerissen. In den Cortes fand eine lebhafte Debatte über den Regierungsvorschlag betreffs der Aufhebung der individuellen Rechte statt. Castellar, Orense und Sagasta hielten stürmische Reden.

** Friedberg 17. October. Wer sich für das hiesige Schullehrer-Seminav interessirt, dem empfehlen wir, die für alle Besucher geöffneten neu errichtelen Gedbäulichkeiien derselben in nächster Woche einmal in Augenschein zu nehmen. Wir sind überzeugt, daß Jedermann, der die ebenso stattlich und zweckmäßig angelegten, als anständig und freundlich ausgestatteten Räume betritt, gleich uns mit Anerkennung und Dankbarkeit gegen alle Diejenigen erfüllt werden wird, die zu dieser vollständigen und höchst gelungenen Umwandlung der so wichtigen Landesanstalt beigetragen haben. Möge nun die mit so viel Mühe und so großen Opfern hergestellte schöne Außenseite des Seminars für alle Diejenigen, die lehrend oder lernend demselben angehören, ein neuer Sporn sein, sich den inneren Auf⸗ gaben desselben mit um so größerer Freudigkeit und hoffentlich immer reicherem Erfolge zu widmen! E. Ockstadt. Am 4. d. M. fand dahier ein Jüng⸗ ling von 20 Jahren, der einzige Sohn einer Witlwe, in der Gemeinde- Sandgrube in Folge einer Verschüttung plötzlich seinen Tod. Seither Arbeiler bei Gebr. Grödel in Friedberg, war er Willens, seiner Mutter einige Aus⸗ hülfe zu leisten und zur Tünchung seines Elternhauses Sand herbeizuschaffen. Schon ist der Wagen gefüllt, einiges vom benützten Geschirr liegt darauf, da bricht(als er vermuthlich sein letztes jetzt verschüttetes Geschirr holen will) die oͤrei Fuß überhängende, circa 10 Fuhren fassende Abraumerde herunter und begräbt ihn lebendig. Ein in der Nähe beschäftigter Aepfelbdrecher hört den dumpf⸗ lönenden, wuchtigen Plump, tritt herzu und gewahr! das Unglück. Nach Verlauf zweistündigen Bemühens stießen die Suchenden auf eine Kappe und fanden den Verunglückten in halbstehender und halbknieender Stellung an eine Seitenwand gedrückt. Sein ganzer Körper, be⸗ sonders das Angeficht war schwarzblau; außerdem zeigten sich keine Spuren von Verletzung. Die Abraumerde war des vielen Unterminitens wegen stark überhängend; auf der Oberfläche zeigten sich augenfällige Risse; der Regen hatte sie erweicht und löslicher gemacht und dennoch erkühnie sich der Unglückliche, in unvorsichtiger Weise dieser sichtlich gefährlichen Stelle zu nahen. Er selbst sah das drohende Unglück voraus; denn er soll kurz vorher geäußert haben:Da hängt aber ein Klumpen, wann der los⸗ bricht, dann weiß ich Bescheid! Sein von ihm geladener Sandwagen war das erste Todtenbett, auf dem er seiner Wohnung überbracht wurde. Das Unterminiren der Sand⸗ und Lehmgruben, das schon so vieles Unglück ver⸗ ursachte, sollie polizeilich verboten und strenge überwacht werden; sowohl Gemeinde⸗ als auch Pribat⸗Gruben sollte man nie anders als durchaus nur senkrecht abzu⸗ raumen und auszubeuten gestatten. N. Aus dem Kreise Nidda. Die Maul⸗ und Klauen⸗ seuche, welche zuerst in mehreren Orten der Kreise Vilbel und Friedberg aufgetreten, zeigt sich jetzt auch bei uns, indem dieselde zu Echzell und Uiphe ausgebrochen ist. Darmstadt. Kürzlich har ein Tjähriger Junge einem kleineren mit einem Pfeil ein Auge ausgeschossen. Es kann dies eine neue Warnung sein, wie gefährliches Spiel⸗ werk der Schießbogen und die Armbrust in der Hand kleiner Buben sind. Mainz. Der durch die Geschichte der Schwester Adolphe s. Z. so bekannt gewordene Warburg ist vor einigen Tagen plötzlich gestorben. Vom Rhein wird gemeldet, daß man dort in der Nacht vom 2. zum 3. Oct., kurz vor 12 Uhr, an verschie⸗ denen Orten starke Erdstöße verspürte. In Coblenz stürzten mehrere Schornsteine ein und Bilder und Spiegel schwankten an den Wänden ꝛc. Gleiche Nachrichten kommen aus Neuwied, Remagen, Bonn, Oberlahnstein, Ems, Lorch,

selbst befehligte Bande vollständig. In Keres ist eine Bewegung ausgebrochen; ernste Eceiguisse. Madrid ist ruhig.

man befürchtet

die Stabtcasse. Die obdachlos gewordenen Fa lien n 800 900 Köpfe arge fo is a sämmtlicher Hausbesitzer u

so

angenommen worden sein.

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zählend, sind

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d Bewohn ert gewese

bis auf etwa 3 Haushaltungen nicht ver resp. der Feuergesährlichkeit halber K

vuzern. Die zur Herstellung einer Rigibahn eröffnet Subscription hat schon am ersten Tage nahezu den doppelle Betrag des gesuchten Capiials ergeben, so daß die Zeich nungen rebucirt werden müssen. 8 2 Paris.(Zum Morde von Pantin.) Nach be g letzten Berichten aus Bollwiller hat man noch nichis Neue.

Bevölkerung an den Nachsorschungen Theil nimmt. Teiche sind trocken gelegt, alle Weinberge, Gärten un Gebüsche, jedoch ohne Resultat, bestätigt sich indeß, daß sich das Gepäck von Johann Kin auf dem Bureau derMassageries Impsériales zu Sulf (Elsaß) vorgefunden hat. Dasselbe trug den Stempi von Epernay und wurde in Sultz von einem alten un jungen Manne vor einem Monat ungefähr zurückgelassen, Da Traupmann sich am 2, oder 3. September von Cernor wo er sich damals aufhielt, ungefähr 18 Stunden lang, wie sein eigener Vater ausgesagt, entfernte, so muß ma annehmen, daß der Mörder den Johann Kinck in Sul

Cernay zu begeden. Unterwegs wird er ihn dann woh beseitigt haben. Der Weg von Sultz nach Cernay, dessen Nähe die Besitzung liegt, welche Johann Kinck en standen, eignet sich übrigens sehr zur Ausführung eines Vun brechens. Derselbe geht nämlich durch dichte Weinberg und Gebüsche und ist theilweise von hohen Abhängen, theilweise von tiefen Gräben begrenzt. Eiwas von Sulz entfernt, befindet sich der Weiher von Ollwiller. Die Be. hörden von Colmar fahnden jetzt auf einen Arbeiter au; der Fabrik von Morel und Motsch in Cernay; diese Arbeiter, welcher eines schlechten Rufes genießt, verlhe nämlich zu gleicher Zeit mit Traupmann die Stadt. Wi Gustav Kinck, den ällesten Sohn der Famslie, anbelang! so ist die Rolle, welche er in der ganzen Sache spielle, noch keineswegs aufgeklärt. Während seines Aufenthaltes in Guebwiller(in der ersten Hälfte des Monats September) wurde er öfter von seinen Verwandten befragt, wo felt Vater sei. Jedesmal erbleichte er und wurde verlegen. Eines Tages sagte er sogar zu einem seiner Verwandten Fragen Sie mich nicht nach meinem Vater; niemal wird man erfahren, was er macht und was aus ihm geworden ist. 8

Der Gesammtaufwand für sämmtliche höhere Schulen in Preußen belief sich im Jahre 18000 auf 2,573,184 Thaler. Davon brachten auf: der Staa aus unmittelbaren Fonds nur 285,418 Thaler, aus mitte baren Stistungsfonds 238,804 Thaler, die Stadtge mein den 401,046 Thaler, die Kirchen und nicht unter Vn waltung des Staats stehenden Stistungsfonds 75,60% Thaler, die Schüler und Alumnen 1.193,55 Thaler unn nicht nachgewiesene Beiträge sind 384,224 Thaler. So z lesen in Engel's statistischer Zeitschrift, 2. Heft.

4 Von den deutschen Universitäten weist im Somman⸗ semester 1869 die meisten Studirenden Berlin aus, nämlich 1958, hierauf folgt Leipzig mit 1485, dann München mit 1290, Bonn zählte 925, Breslau 845, Halle 833, Tübingen 801, Göttingen 774, Heidelberg 714, Würzburg 667, Jem: 399, Münster 391, Marburg 372, Erlangen 367, Gießen 303, Rostock 173 Studirende; Greifswalde hatte im ven⸗ gangenen Wintersemester 425 und Freiburg 291 Stud rende. Die bemerkbarsten Unterschiede bezüglich der Fig, quenz im Winter⸗ und Sommersemester 1868/69 zeignen sich bei Berlin, wo die Zahl der Studirenden sich u 170 erhöht und bei Breslau, wo sich dieselbe um 98 ga. mindert hat.

Porschuß- und Credit-Verein zu Friedberg Geschäftsbericht pro September 1869.

Mitgliederzahl: 469.

Station Friedberg. Abgang der Bahnzüge in der Richtung nach in der Richtung nach

über das Schicksal Johann Kinck's entdeckt, obgleich die gang A

durchsuch! worden. E

erwartete und ihn überredete, sich mit ihm zu Fuß nag 1

Einnahme. Ausgabe. fl. 13.813. 51 kr. Discontirte Wechsel fl. 13,648. 28 fl 9,071. 29 Conto⸗Corrent 1870 731 4 227. Depositen 3,537. 2,383. 43, Darlehen u. Spareinlagen, 3,84l. 41 265. 3, Wechsel⸗Incasso 273.

Main Weser⸗Bahn

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Nassau, Montabaur, Hennef, Kirberg und andern Orten. 5 1 1 7 Das Städichen Frauenstein bei Chemnitz e Giesten:

ist am 2. d. von einer verheerenden Feuersbrunst heim⸗ 6²² 7. 5 gesucht worden, indem eirca 100 Gebäude, darunter 70 7¹⁸ 855

dis 80 Wohngebäude, in Asche gelegt wurden. Gänzlich 4918 158 abgebrannt sind die Kicche, das Rathhaus, die Schulen, 12²⁵ 35

die Superintendentur, das Diakonat, die Post, der Hengsit⸗ 3⁵⁰ 3⁵⁰

stall(Moritzburger Filiale) und die Amtsfrohnfeste; er⸗ 6³⁶ 62²

halten geblieben sind das Schloß mit den Gerichtsamts⸗ 5 2813 9⁰⁰ und Renlanmtslocalitäten nebst Archiven. Ebenso sind 91 1156

vom Feuer verschont geblieben sämmtliche Scheunen mit den Ernlevorräthen und circa ein Dritiheil der Wohnge⸗* Schnellzüge J., 2. und 3. Klasse. Conti

bäude des Städtchens.

Gerettet ist das Ralhsarchiv und

züge 1. und 2. Klasse.

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