Ausgabe 
7.8.1869
 
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testantismus einen telegraphischen Gruß zu senden. Die nächste Jabresversammiung soll in Salzburg stattfinden.

Sämmtliche demokratische Vereine Wiens sprechen sich für die gänzliche Aufhebung der Klöster aus. Ein Linzer Blatt macht darauf auf. nerksam, daß unter dem Bischof Rudigier die Zahl der Klöster in Oberösterreich von 18 auf 56 gestiegen ist. Man ist hier mit der Bildung eines Comite's beschäftigt behufs Einberufung einer Volksversammlung zum Zwecke der Dis- eussion über die Klosterfrage und Resolutionsfassung, die Aufhebung derselben betreffend.

Krakau. Die Untersuchung der Krakauer Klosteraffaire wird mit aller Energie geführt. Die bis zum 30. Juli aus derselben gewonnenen Details, von denen sich, wie begreiflich, die meisten der Oeffentlichkeit entziehen, werfen ein schreckliches Licht auf den Zustand der geistigen Verwilderung, die in jenem Nonnenkloster herrschte. Die Vor steherin des Klosters, Marie Wenzyk, ist seit ihrem 20 Jahre, heute bereits 16 Jahre im Kloster. Man sieht es ihren weichen Zügen kaum an, welche Grausamkeit und Härte jenes Weib be herrschen, wenn sie selbst kaltblütig zugesteht, sie habe früher aus Mittheilungen einzelner Nonnen erfahren, daß Barbara Ubryk als verrückt ein- Zesperrt sei, sie habe selbst(trotz ihres 16 jährigen Aufenthaltes im Kloster und trotzdem, daß sie bereits zweimal Oberin war!) blos zweimal in ähre Zelle gesehen und sie daselbst belassen, weil sie die Übryk so von ihrer Vorgängerin über nommen und weil der Ordensgeneral aus Rom werboten habe, die Kranke anderswohin zu geben! Wenn möglich, so klingen die Aussagen der zweiten änhaftirten Nonne, der Theresia Közierkiewicz, moch empörender und roher. Man sieht es diesem Weibe an, daß es bereits 38 Jahre ihres Lebens üm Kloster verlebte. Wie diese Nonne, die vitr- mal zu je drei Jahren Klostervorsteherin war, Hehauptet, sei Barbara Ubryk im neunten Jahre ühres Aufenthaltes im Klosterunruhig gewor den, habe öfters an Krampfanfällen gelitten und ei daher in Haft gehalten worden. Weil die Aerzte die Schädlichkeit des Lichtes für sie aner⸗ kannten, so hätte man das Fenster in der Zelle dis auf eine kleine Oeffnung vermauern lassen eine Arbeit, die, nebenbei bemerkt, der frühere slostergärtner Casimir Gregorczyk im Auftrag der Bertits verstorbenen Vorsteherin Zdziarska vornahm. Im auf dieliebe Schwester Kozierkiewicz zurück- zukommen, so gestand sie selbst, daß die Übryk n der Zelle, in der man sie fand, 20 Jahre zu⸗ vrachte, in's Irrenhaus jedoch nicht übertragen wurde, weil der General aus Rom dies unter- sagte und sie selbst der Meinung war, Barbara Abryk werde nach dem 50. Jahreruhiger werden! Barbara Übryk wurde, wenn selbe in ihrem Kerker lärmte, öfter von zwei oder drei tonnen und dem Beichtvater durch körperliche Mißhandlung zur Ruhe gebracht. Der Geistes⸗ zustand der Barbara Übryk hat sich bedeutend hebessert. Hauptsächlich ist ihre geistige Verwil⸗ verung, die eine Folge der so langen Einsamkeit zu sein scheint, von ihr gewichen. Seit einigen Tagen spricht sie in zusammenhängender Rede und seginrt allmälig ihre so traurige Vergangenheit zu vergessen. Auch ist sie gegenwärtig ein Muster on Reinlichkeit, hat eine fast kindische Freude, wenn man ihr weiße Wäsche gibt und hat seit hrem Aufenthalte im Irrenhause weder Wäschte noch Bettzeug beschäbigt.

Spanien. Madrid. DerImparcial laubt zu wissen, daß Don Carlos auf alle seine Entwürfe verzichtet und seinen Anhängern befohlen

habe, sich zurückzuzsehen, weil das Land der Be⸗ wegung nicht entsprochen habe. Man dementirt lategorisch das Gerücht von Unterhandlungen zwischen den Vereinigten Staaten und der spanischen Regierung, um zur Anerkennung der Unabhängig⸗ keit von Cuba zu gelangen. Der neue Gesandte der Vereinigten Staaten in Spanien hat durch- aus keine Misston dieser Art von seiner Regierung erhalten und die spanische Regierung ist weit entfernt von jeder Idee dieser Art.

Türkei. DieTurquie meldet die Abreise von Hassan Effendi, Adjutanten des Großveziers, nach Aegypten. Derselbe ist Ueberbringer eines Schreibens des Sultans an den Viceckönig von Aegypten, in welchem kategorische Aufklärung ver langt wird über die Zurückziehung der ägyptischen Truppen aus Kreta sowie über die Unterhand lungen dee Vicekönigs auf seiner Reise durch Europa. Für den Fall, daß die Aufklärungen nicht befriedigend ausfallen sollten, erklärt der Sultan, die Pforte werde bezüglich Aegyptens auf die Ausführung des Firmans von 1841 zurückkommen.

Amerika. Newpork. Die Regierung hat auf 15 Kanonenboote, welche für Spanien im Bau begriffen waren, Beschlag gelegt, da der peruanische Gesandte dieselben als zu dem An griffskriig gegen Peru bestimmt bezeichnete.

2 Nauheim. Die Ausstellung von amerikanischen opto⸗ plastischen Ansichten im Alten Kurhaus in Nauheim können wir dem Besuch des Publikums auf's Beste empfehlen. Die Aufstellung ist so gelungen angeordnet, daß man sich der Täuschung vollständig hingeben kann, als stehe man theils auf einem hohen Thurm und sehe über das Häuser⸗ mier von New⸗York, Baltimore und Philadelphia hinweg bis an den meilenweit entfernten Horizont, oder man stehe dicht vor einzelnen bedeutenden Bauwerken dieser Silädte, von denen uns das Kapitol in Washington, die katholische Kirche in New⸗Pork besonders angesprochen haben. Noch interessanter sind aber eine Anzahl Ansichten vom Niagara falle und der über ihn führenden Hängebrücken, unbestritten das genialste und großartigste Bauweck unserer Zeit. Da alle diese Ansichten in den natürlichsten Farben dargestellt sind, so scheint Alles vor unseren Augen zu leben, und je länger wir unseren Blick darauf richten, um so plastischer trin auch jeder Stein, jedes Blatt hervor. Alle diese amerikanischen Ansichten sind vor ungefähr 10 Jahren von einem französischen Photographen an Ort und Stelle aufge⸗ nommen worden, und zwar nut in diesen einzigen Exemplaren, so daß in der That etwas Aehnliches nicht wieder gesehen werden kann. Der Intendant der New- Yorker Firma Kornfield hat sich durch Ausstellung derselben in Europa den wohlbegründeisten Beifall erworben. Derselbe ist stets im Saale anwesend und macht mit der größten Bereit; willigkeit den Cicerone bei dieser Wanderung zu den Sehenswürdigkeiten der westlichen Hemisphäre. Außer diesen amerikanischen Ansichten sind noch zwei sogenannte Revolver⸗Siereoskope aufgestellt. Auch diese sind in den natürlichsten Farben, deßhalb von einer Wahrheit, daß man sich unwillkürlich plötzlich in dieselben versetzt glaubt. Der Eintrittepreis ist im Verhältniß zu dem dafür Ge botenen ein sehr bescheidener, so daß sich auch Unbemittelte diesen Genuß und zugleich Erweiterung der Kenntnisse unserer Erde verschaffen können.

Frankfurt. Vor den Assisen steht eben eine aus 13 Mitgliedern bestehende Räuvberbande, die seit October 1867 bis Dezember 1868 14 Diebstähle und einen Dicb⸗ stahlsversuch ausführt, darunter mehrere Raubanfälle.

Frankfurt. Die diesjährige Herbstmesse beginnt für den Großhandel wie für den Kleintandel am Mitiwoch den 25. August und endigt mit Dienstag den 14. Sept. Das Auspacken der Waaten darf schon am Montag den 23. und Dienstag den 24. August geschehen. Für Leder beginnt die Messe den 1. Sept.

Darmstadt. Nach denHess. Volksbl. fahndet die Polizet eben auf einen Industrieritter, der kürzlich in einem der ersten Frankfurter Hoiels abstieg und sich für einen Ritiergutsbesitzer Stahr aus Rosen ins Fremdenbuch einschrieb. Er bat den Oberkellner um Wechselung eines 100 Thaler⸗Scheins, that nachdem ihm das Geld vorge⸗ zählt worden war, als ob er den Schein auf seinem Zimmer gelassen und strich unter dem Versprechen, sofort nach seiner Rückkehr von einem pressanten Gang den Schein einzuyängigen, das Geld ein. Der Oberkellner schöpfte Verdacht, verfolgte den Fremden und nahm ihm den größten Theil des Geldes wieder ab, während der

Schwindler selbst entkam. Man vermuthet in ihm einen gewissen Stieber aus Ohlau, ber unter verschiedenen Namen genau dasselbe Monöver dreimal mit alücklichem Ersolg in Dresden, Breslau und Ratibor ausgeführt hal. Zwischen Heidelberg und Frankfurt wurde dieser Tage dem Rentier Goffray aus Parlo in dem Mittagszug das Portefeuille mit 4300 Franks gestohlen. Der müthmaß⸗ liche Thäter, auf dessen Entdeckung 1000 Franks Be⸗ lohnung gesetzt sind, ist ein Unbekannter, welcher, obgleich er ein Billet bis Frantsurt hatte, hier in Darmstabt aus⸗ gestlegen ist.

Mainz. Die hiesigen Schuhmachermeister haben in einer stark besuchten Versammlung Maßregeln gegen das dem Handwerkerstande heutzutage zugemuthete lange Borgen berathen und sich darüber versländigt, wie un⸗ billigem Verlangen in dieser Beziehung oder gewissen⸗ losem Vorenthalten des verdienten Lohnes entgegen zu treten sei. Folgende Resolutionen wurden von den An wesenden angenommen:1) Der Handwerker(speciell ber Schuhmacher), welcher kein Capitalist ist und seine Zahlungen selbst in kurzen Zeitabschnitten zu machen hat, kann eben⸗ falls nur Credit geben in vierteljährigen Terminen(oder zu den Messen und Neujahr); 2) Leuten, welche nur ein wöchentliches oder monatliches Einkommen haben, kann auch nur ein wöchentlicher oder monatlicher Credit gewährt werden; 3) säumige(d. h. gemahnte) Schuldner sollen in ein sogenanntes schwarzes Buch eingetragen werden zur Warnung anderer Geschäftscollegen. Ein gräß⸗ licher Unglücksfall bildet das Thema allgemeinster Theilnahme. Ein hiesiger Lohnkutscher wollte am Samsiag bei dem Hagelwetter etwas an dem Kändel seines Hauses aufräumen und fiel dabei unglücklich von der Leiter Eine Tochter desselben sollte zu den ärztlich verordneten Auf⸗ schlägen Eis aus dem Keller der hiesigen Actienbrauerei holen. Auf dem Rückwege gerieth das blühende Mädchen, wie es scheint geblendet, an einen der Faßsörderungs⸗ schächte und stürzte über 100 Fuß tief in die untersten Gewölbe hinab. Sie war augenblicklich eine Leiche.

Herrieden, 2. Aug. Die Lufppellen ziehen etwas schneller über Europa; nachdem uns ein Wellenthal wieder den noch immer ersehnten Regen brachte, zieht be⸗ reits ein Wellenberg von Irland her, um uns den Himmel wieder aufzuheitern. Die Hitze der letzten Tage war an manchen Orten ungewöhnlich groß. Nordamerska hatte in letzter Zeit bei ruhigem Luftmeer und mäßiger Bewölkung ebenfalls einige warme Tage.

Berlin. Ein höchst trauriger Fall von Blutverglistung, wird von Berliner Blättern gemeldet. Einer der be⸗ rühmtesten Berliner Aerzte, Prof. Böhm, secirte vor seinem Auditorium einen Leichnam und verwundete sich dabei so geringsügig an der Hand, daß er davon nicht die geringste Notiz nahm. Am darauf folgenden Morgen war die Hand jedoch schon so angeschwollen, daß der Ge⸗ heimerath v. Langenbeck eine Operation vornehmen mußte, bei welcher sich herausstellte, daß eine Blutvergiftung ein⸗ getreten. Es war von dem in der Leiche befindlichen Gift etwas in die kleine Wunde gekommen, die sich der Arzt bei der Section zugefügt hatte. Trotz aller ange⸗ wandten Mühe der degabtesten Aerzte Vetlins ist der Kranke seinen Leiden erlegen. Er starb bei voller Be⸗ finnung, indem er als Arzt sein Schicksal genau voraussah.

Paris. Die Garderobe der Fürstin Metternich, der Gemahlin des österreichischen Botschafters in Paris, besteht nach demFigarro aus: 120 schweren seidenen Roben, 194 Morgenkleidern, 60 Promenadanzügen, 60 Mäntel, 50 Shawls, 152 Untertöcken 280 Hemden und anderen unnennbaren Bekleidungsstücken, 365 Paar Strümpfen, 156 Paar Handschuhen, 50 Paar Stiefelchen und Schuhen, 70 Gürteln und Schleifen in allen nur denkbaren Farben, 64 Brochen, 72 Paar natürlich ächten Ohrgehängen, 31 Fächern und 24 Sonnenschirmen.(Mein Liebchen was willst Du noch mehr?)

Für die Wittwe und Kinder

des im hiesigen Bahnhöfe verunglückten Justus Seifert von Oberwöllstadt

werden, wie die Expedition d. Bl., auch die unterzeichneten

Mitglieder des Hülfsvereins-Vorstandes gern milde Gaben

in Empfang nehmen, und hoffen, daß die Theilnahme an der

traurigen Lage der Familie, welche so plötzlich ihren Ver⸗

sorger verloren hat, ihnen solche Gaben werde zufließen lassen. Baur. Dr. Diegel. Fertsch. Foucar. Mayer⸗Hirsch. Meyer. Müller. Nau. Dr. Pilger. A. Rausch II.

Bel der Expedition d. Bl. ist ferner eingegangen von: K. Renner 1 fl., Ungenannt 2 fl. 10 kr., Photograph Schmidt 1 fl., Hofgerichts⸗-Advokat Seyd 1 fl. 45 kr., Hofgerichts-Advokgt Curtman 1 fl. 45 kre., Districtsein⸗ nehmer Bitsch 1 fl., Bergdircktor Stifft 2 fl. Bürger⸗ meister Foucar 1 fl., Hauptmann Daudistel 1 fl., Lieufe⸗ nant Becker 1 fl., Hofgartendirektor Geyger 1 fl., Frau Theobald 1 fl. 45 kr., Kreisassessor Haas 2 fl.

Lederschürzen

für Damen und Kinder bet ö M. Seligmann, Weißgerber.

Garantie für reine Cacao und Zucker.

Lager der vorzüglichen Chocoladen des Hauses Franz Stollwerck& Söhne in Köln unterhalten örtedberg Wilh. Fertsch; in pungen A. Zuch und in Nauheim Ph. Jac. Weiß.

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Es werden Wiederverkäufer

2247(pefenhändler) von flüssiger Hefe, unter sehr güustigen Bedingungen für dieselben, gesucht. Mündliche oder schriftliche Anerbieten erbiftet die Hesen fabrik zu Oberrad Carl Hensler.

Ein goldner Ohrring 2263 wurde verloren. Der redliche Finder wird ge beleu, denselben bel der Exped. d. Bl. abzugeben

* 71* 2 selbständige 2255 Oeconomie-Inspectoren, 5 Verwalter, 2 Förster, 3 Gärtner, 1 Mühlenwerkführer, 2 Wirthschafterinnen werden günstig placirt durch das landwirthschaftliche Bürcan von E. Erler in Dresden.

Mädchen,

2250 für Trinkhallen gesucht, Rosen⸗Apolbeke, Frankfurt a. M.