Ausgabe 
6.5.1869
 
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essen. Darmstadt. Der weitere Bericht des ersten Ausschusses 11 10 8 Kammer über das Militärbudget ist erschsenen. Derselbe beantragt Ramens der Majorität fast überall, den weiter- gehenden Verwilligungen der ersten Kammer nicht

beizutreten und bei den früheren Beschlüssen der

zweiten Kammer zu beharren.

Der Commandeur Großh. Feldartillerie, Generalmajor Seederer, ist auf Nachsuchen pensionirt worden. Wie es heißt, soll einem preuß. Offizier das erledigte Commando über- tragen werden.

Preußen. Berlin. Am verflossenen Sonntag fand dahier unter dem Vorsitze des Reichstagsabgeordneten Dr. v. Schweitzer eine zahlreiche Volksversammlung statt, wie Berlin seit dem Jahre 1848 keine gesehen. Sie war von ungefaͤhr 5000 Personen besucht, welche fol⸗ gende Resolution faßten:Der norddeutsche Reichstag hat durch seine bisherigen Verhand lungen und Beschlüsse gezeigt, daß er vorwiegend aus Vertretern der reaetionären Staatsmacht und der Capitalherrschaft besteht. Von einer solchen Versammlung hat das arbeitende Volk nichts zu erwarten. Es ist Pflicht der Arbeiter, in Zukunft eigene Candidaten der Arbeiter durchzusetzen, um dadurch thatkräftige Vertreter politischer und socialer Freiheit in den Reichskag zu bringen. Die Debatte war eine sehr lebhafte, namentlich gegen die Nationalliberalen und auch gegen die Fort schrittspartei gerichtete, verlief jedoch ohne Störung.

Der Steuern-Wolkenbruch, der sich am 26. April im Sitzungssaale des Reichstags ent- leert hat, gibt derBresl. Morgenztg. zu fol genden Bemerkungen Anlaß:Wenn der nord deutsche Bundesbruder seinen Lebenslauf darnach einrichtet, so kann er dem Bunde in einem Tage viel Geld einbringen. Früh Morgens widmet er sich vier Stunden dem Studium vor einer Petro leumlampe. Während er seinen Geist bereichert, verbrennt ein Theil seines irdischen Besitzthums in dem petroleumgefüllten Glasbassin. Mittags geht er zur Börse. Was er beginnt, ob er A la hausse oder baisse ist, ob er discontirt oder acceptirt, der Bund geht ihm nicht von der Seite und verlangt seinen Zehent. Abends schlen⸗ dert er durch die erleuchteten Straßen. Das Steuerprojekt des Bundes, die Gasflammen der Laternen züngeln bis in sein Portemonaie. In den Schweidnitzer Keller oder zu Kießling! Der Bund ruckt an des Zechersgrüne Seite und kann ihn leide denn bei jedem Seitel und bei jedem Schnitt fällt für den lieben guten Bund etwas ab. Versteigt sich das Steuer-Opfer nach- her noch vielleicht zu einer Schlafmütze, zu einem Tropsen Gebrannten: der Bund nippt mit. Manche Gelehrte behaupten, daß die Steuern in dem Menschen das Bewußtsein der Zugehörigkeit zu einem großen Staatsganzen stärken. Wenn das wahr ist, so wird sich bald Niemand mehr im norddeutschen Bunde vorfinden, dem nicht ein außerordentlich lebhaftes Gefühl der Zugehörig⸗ keit zu der politischen Schöpfung von 1866 die staats bürgerliche Brust schwellte.

Im Reichstage wurde ein Antrag Ben- nigsen's, die Aufhebung der Untersuchungshaft Mende's während der Dauer der Sitzungsperiode zu verlangen, bei namentlicher Abstimmung mit 107 gegen 90 Stimmen angenommen.

Auf eine Interpellation des Abg. Gumbrecht, ob die Verhandlungen wegen des Postpertrags mit England abgebrochen seien, erklaͤrte der General⸗ Postdirektor Philipsborn: Die Verhandlungen mit den betr. Eisenbahnverwaltungen über den Transit der Packete schwebten noch. Die Resultate dieser Verhand- lungen würden dann der englischen Regierung zu⸗ gehen. Die süddeutschen Verwaltungen forderten keineswegs zu hohe Porti's. Die Bundesverwaltung hoffe, daß alle Bedenken überwunden werden würden.

Frankfurt. Wegen käuflicher Abtretung der Taunusbahn an den preußischen Staat hat dieser Tage die erste Conserenz zwischen den kgl. Commissären, Geh. Regierungsrath Händel und Oberbaurath Hilf von Wiesbaden, und den Be vollmächtigten des Verwaltungsraths der Taunus bahn stattgefunden.

Dem Vernehmen nach wurden die von dem Staate Preußen an die ehemals freie Stadt Frankfurt zu zahlenden drei Millionen nicht von dem Bankhause M. A. v. Rothschild in Baar, E durch die hiesige Kreiskasse bezahlt. Die Regierung leistete die Zahlung in preußischen prozentigen Obligationen. Ob zum Tages- cours(93 Proz.) oder zu Pari, ist nicht bekannt.

Wiesbaden. DerRh. K. registrirt fol- genden Beitrag zum preußischen Gerichtskosten- gesetz: Vor einigen Tagen ließ sich Jemand von einem hiesigen Rechtsanwalte eine Quittung über den Empfang von 50,000 Thlrn. Kaufschilling aufsetzen und ging damit zum Zweck der Beglau⸗ bigung seiner Unterschrift auf das Amtsgericht dahier. Diese Beglaubigung kostete 45 Thlr. 25 Sgr., und zwar a) für die Recognition und Beglaubigung der Unterschrift 4 Thlr. 5 Sgr.; b) den Quittungsstempel ½2 Prozent 41 Thlr. 20 Sgr. Für die fragl. Beglaubigung würden nach der früheren nassauischen Gebührentaxe im Ganzen 10 kr., schreibe zehn Kreuzer, zu ent richten gewesen sein!! N

Weimar. In den Pfingsttagen findet da hier in den Sälen der Erholung der vierte deutsche Schriftstellertag statt.

Detmold. Ueber das Verhalten der Lehrer wird im Fürstenthum Lippe eine Liste geführt, welche folgende Rubriken enthält: 1) Liest der Lehrer Zeitungen und welche 2) Welches sind seine Mitleser? 3) Welches ist seine sonstige Lectüre? 4) Trägt er einen Schnurrbart? 5) Wie kleidet er sich? 6) Besucht er Wirthshäuser und welche? 7) Gehört er Vereinen an und welchen? 8) Wie wählt er? 9) Besucht er die Kirche fleißig? 10) Kegelt er Sonntags? 11) Besucht er Misstons⸗, Enthaltsamkeits-, Bibel- und andere Feste? 12) Trinkt er auch Bier, Branntwein?

Bayern. Aus der Pfaltz. Die Stadt Landau hat dieser Tage über die Einführung der Communalschulen abgestimmt. Von 504 Prote- stanten ergaben sich 503 Stimmen dafür, 1 da gegen; von 436 Katholiken 433 dafür, 3 dagegen; sämmtliche Israeliten(68) dafür.

Würtemberg. Stuttgart. Nach dem Staatsanzeiger für Würtemberg ist der Tod des bejahrten Bischofss von Rottenburg, eines Mannes von freien und sehr toleranten Ansichten, am 4. d. erfolgt.

Oesterreich. Wien. Große Sensation erregt das Verschwinden von 20 Mill. Gulden, welche von den Offizieren der Armee als Heiraths Cautionen hinterlegt worden sind. Gesuche bereits pensionirter Offiziere um Rückzahlung dieser Cau⸗ tionen sind nach der österreichischenWehrztg. vom Kriegsministerium abschlägig beschieden wor den, weil man nicht wisse, woher die betreffenden Summen zu nehmen sind. Die Cautionen sind nicht mehr vorhanden und sollen bereits im Jahre 1859 zu Staatszwecken verausgabt sein!

Der Kaiser hat dieser Tage den ultra montanen Kirchenrechtslehrer Schulte an der Universität Prag in den Ritterstand erhoben. Diese Ernennung macht um so mehr Aufssehen, da sie zu einer Zeit geschieht, wo die juristische und medieinische Facultät bei dem Ministerium in Wien Beschwerde über die Anmaßung führt, mit welcher der genannte Professor eine von ihm ver faßte Ergebenheitsadresse an den Papst als eine Kundgebung des akademischen Lehrkörpers procla⸗ mirte.

Die Regierung ist mit einem Gesetz für die Rekrutenbewilligung des laufenden Jahres vor das Abgeordnetenhaus getreten. Um die im Wehrgesetz vorgesehene Kriegsstärke von 800,000 Mann zu erreichen, hält sie ein Rekruten-Jahres- contingent von 95,474 Mann und von 9547 Mann Ersatzreserve für unerläßlich. Davon ent fallen auf die diesseitige Reichshälfte 56,041 bezw. 5604 Mann, der Rest auf Ungarn.

Spanien. Madrid. In der Sitzung der Cortes erklärte der Justizminister, die Carlisten seien rührig, die Banden in Asturien jedoch bereits zersprengt, weßhalb Ausnahmevollmachten unnöthig wären. Die Armee sei treu, die Freiwilligen

als zuverlässig, da am 3. d. die erste Anlehens⸗

rate eingehe. Die Amnesti W le Se r In den Cortes fand die Discussion der Artikel 20 und 21 der Verfassungsvorl

welche von der katholischen Kirche r Geistlichkeit und von der Auzübung anderer Cu als des katholischen handelt. Figueras beantragte die Trennung der Kirche vom Staat, Mata, Mitglied der zur Berichterstattung ernannten Commission, vertheidigte die Artikel. Gerücht weise verlautet, daß Olozaga und seine Anhänger die Einsetzung eines Direktoriums verlangen.

Italien. Florenz. DieNazione meldet: In einer im Beisein der Minister statt⸗ gehabten Versammlung der Deputirten der Rechten erklärten die Minister Menabrea und Cambray Digny: Die Permanenten-⸗Partei habe die Initiative zu einer Vereinigung mit der Rechten auf Grund des alten Programms der letzteren ergriffen. Das Ministerium habe kein Ministerportefeuille ver⸗ sprochen, sondern nur die Nothwendigkeit einer entsprechenden Vertretung der Majorität im Ca- binet anerkannt. Sobald eine Einigung erzielt sei, werde das Ministerium seine Eatlassung geben und die Krone ein der Majorität entsprechendes Cabinet berufen.

Rußland. Petersburg. Admiral Men⸗ schikow, bekanntlich als Urheber des Krimkrieges angesehen, ist, 80 Jahre alt, gestorben. Ein Urenkel jenes Pastetenbäckerjungen, den Peter der Große zu den höchsten Würden erhob, wurde er 1789 geboren und trat 1805 in die Armee ein, machte die Feldzüge 1813 15 als persönlicher Adjutant des Kaisers Alexander I. mit. Im Kriege gegen Persien, 1827, führte er noch kein besonderes Commando, im Jahre darauf befehligte er in Kleinasien eine Division gegen die Türken und nahm Anapa ein. Bei der Belagerung von Varna schwer verwundet, trat er nach seiner Ge⸗ nesung zum Seedienste über, ward 1834 Admiral, 1836 Marine-Minister. Das Jahr 1853 machte ihn plötzlich zu einer europäischen Berühmtheit. Nach Konstantinopel geschickt, um vom Sultan für

Christen zu begehren, erschien der bärenhafte Diplomat vor dem festlich gekleideten Divan in Paletot und schmutzigen Juchtenstiefeln und legte eine solche Verachtung gegen alles Türkische an den Tag, daß die Pforte, aufs äußerste erbittert, unter Gutheißung der Westmächte den russischen Gesandten abtrumpfte. Der Krieg brach aus und Menschikow's erste That war die Vernichtung der türkischen Flotte bei Sinope. Im Jahre 1854 war er Gouverneur der Krim und Commandant von Sebastopol. Gleich nach dem Tode des Kaisers Nikolaus ward er im März 1855 ab- berufen. Nach Petersburg zurückgekehrt, hat der greise Admiral sich seitdem nicht weiter hervorgethan.

Frankfurt. Im verflossenen Monat April herrschte im Immoblliengeschäfte eine erfreuliche Regsamkeit, welche lebhaft an das Aufblühen dieser Branche in hiesiger Stadt zu Anfang der 60er Jahre erinnerte. Die umgeseßzten Immobilien beziffern sich auf fast 800,000 fl. Während seither die Käufe nur zur Deckung von Privaldedürf⸗ nissen stattfanden, macht sich nunmehr auch die Speculation wieder darin bemerkbar, es befanden sich unter der eben angegebenen Summe allein fl. 210,000, welche für Bau⸗ plätze verausgabt wurden. Mit der Bebauung einzelner wurde bereits begonnen.

Darmstadt. ihrer Famuien am Sonniag Abend von Cberstadt heim⸗ kehrten, wurden in der Eberstädter Tanne von zwei Strolchen angefallen. Der Angriff wurde zwar energisch zurückgewiesen, allein einer der beiden Herren vemißte nach dem Kampfe seine Uhr. 126 5

Velocipòdes. In großen und kleinen Städten, in Straßen und über Land fahren jetzt die glücklichen Leute auf Velocipödes(Schnellfüßler), auf jenen kleinen ein⸗, zwei- und dreirädrigen Wagen, die kein Pferd zieht und kein Dampf treibt, die allein der energische Fuß des Fahrenden in schuellste Bewegung setzt. Die Sache sieht sich recht amüsant an und diese neue Art des Fortschritis mit Brems⸗ vorrichtung ist namentlich in den großen Städten schon zur Mode geworden. Man beschäfligt sich dort angelegenm⸗ lich mit der Auffindung eines geeigneten deutschen Namens für diesen Neuling und es werden schon verschiedene be⸗ zügliche Vorschläge gemacht, als: Tretwagen, Schnellwagen (=sich sorischnellen?), Reitwagen, Reitsahrzeug, Rittling, Riltingssuhre, Strampelwagen, Eisengaul, Selbsttraber,

loyal. Figuerola bezeichnete die Couponszahlung

Rennhold, Reitrad, Narrenroß. Dr. Oppolzer aber, der weltberühmte Arzt in Wien, hat sein Bedenken

Rußland das Protektorat über alle griechischen

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