Sprachen an der Universität Zürich, hat einen Ruf an die biesige Universität erhalten und wird, wie verlautet, demselben Folge leisten.
Preußen. Berlin. Im Abgeordneten⸗ bause ward die Debatte über die hannover'schen Consistorien fortgeführt Es liegt der Antrag Bieck's vor, wonach die Schulverwaltung in Han- nover den Consistorien abgenommen und nicht⸗ kirchlichen Behörden übertragen werden soll, sowie der Antrag der Commission des Hauses wegen Aufhebung der Provinzial⸗Consistorien in Hannover. An der sehr lebhaften Diskussion betheiligten sich Windthorst, Miquel, der Cultusminister, Richter, Wartrup und Lasker. Die beiden Anträge wur⸗ den angenommen.
— Die„Provinzial ⸗Correspondenz“ meldet: Der Bundeskanzler Graf Bismarck wird, wie ursprünglich bestimmt war, zu Weihnachten von Varzin nach Berlin zurückkehren.
— Zu dem bekannten leidenschaftlichen Auf⸗ treten des Kriegsministers in der Debatte über die Celler Denkmals affaire bemerkt der hiesige Correspondent der„N. fr. Pr.“: In der Auf⸗ regung spricht Jeder, wie er denkt, und es ist gut— daß mitunter die Leiderschaft die luftigen Schleier zerreißt, an welchen die seine Klugbeit der Staatskünstler wie Camphausen spinnt, um das eigentliche Angesicht zu verdecken, das in jedem „Militärstaate“ immer wieder uns angrinst, wenn wir ihm unverhüllt begegnen, und das da heiß:: „Gewalt über Recht!“
— In dem Abgeordnetenhause brachte Minister Eulenburg einen Gesetzentwurf ein, betreffend die Auflösung der Wittwen⸗ und Waisenkassen der polizeimannschaften in Frankfurt a. M.
Sachsen. Dresden. In der Abgeord⸗ netenkammer wurde das neue Preßgesetz mit 70 gegen 1 Stimme angenommen, dagegen wurde der Antrag auf Straflosigkeit wahrheitsgetreuer Berichte über Gerichts ⸗, Landtags und Reichs ⸗ tagsverhandlungen mit Rücksicht auf die bevor- stehende Bundesgesetzgebung zurückgezegen, und die Erwartung ausgesprochen, die Staatsregierung werde bei der Bundtsstrasprozeßordnung auf Uebertragung der Preßvergehen an die Geschwor⸗ nen hinwirken.
Bayern München. Zwischen Bapern und Frankreich ist ein Staatsvertrag, beireffend die Auslieferung von Verbrechern, am 2. d. im Ministerium des Auswärtigen von Fürst Hoben⸗ lohe und dem hitsigen französischen Gesandten unterzeichnet worden.
aden. Karlsruhe. Die Abgeordneten kammer genehmigte einstimmig die zwischen den Rheinuferstaaten vereinbarte Rheinschifffahrtsakte vom 17. Oktober 1868.
Oesterreich. Wien. Kaiser Franz Jo- seph I. hat am 2. Dezember das 21. Jahr seiner Regierung vollendet, welche er an demselben Monatstage des Jahres 1848, im Alter von 18 Jahren, augetreten.
— Die Wiener Theaterpolizei hat die Auf⸗ sührung des Schauspiels„Barbara Übryk“ nicht gestattet. In mehreren Provinzstädten ist es jedoch erlaubt worden.
— Die„N. Fr. Pr.“ vom Mittwoch schreibt: Der am 29. Nov. an den Khedive expedirte Ferman verlangt kategorisch unbedingte Unter wersung unter die Forde: ung der Pforte und Publicirung des Fermans bei Androhung der Absetzung.
— Bei dem ungarischen Reichstage laufen fortwährend Petitionen um Aufhebung der Klöster aus verschiedenen Comitaten und Städten ein.
Frankreich. Paris. Im gesctz gebenden Körper überreichte Jules Favre folgende Inter- pellationen: 1) über die verspätete Einberufung der Kammern; 2) über die Aufrechterhaltung der ossiziellen Candidaturen; 3) uber das Verhalter der Behörden bei den Unruhen in Ricamarie und Aveyron. Er deponirt ferner einen Gesetzentwurf, welcher den Kammern ausschließlich die constituirende Macht beilegt. Raepail verlangt Anklage der Minister wegen der Tötung unschuldiger Per- sonen; er übergibt Interpellationen, betreffend die zu späte Einberufung der Kammern. Ueber die
Anträge Favre's und Raspail's wird nach Con- stituirung der Burkaus verhandelt werden. — In gesetzgebenden Körper fand am 2. d.
die Präsidentenwahl statt. 272 Abgeordnete nahmen an der Abstimmung Theil. Schneider erhielt 141, Grevy, der Candidat der Linken, und einige Mitglieder des linken Centrums, 37, Alfred Le Roux 5 Stimmen; die äußerste Rechte gab leere Stimmzettel, und zwar in der Zahl von 89 ab. Talhouet-Dumiral, Chevandier und Jerome David wurden zu Vicepräsidenten gewählt. Raspail und Rochefort haben an der Abstimmung nicht Theil genommen. Präsident Schneider nahm nach der Wahl das Wort, indem er sich Glück wünschte, den Präsidentenstuhl in Folge der Achtung seiner Collegen inne zu haben. Es sei eine Ehie für ihn, daß er an die Spitze der Versammlung gestellt sei. Persönliche Gründe könnten ihn ver⸗ anlassen, diese Ehre abzulehnen, er betrachte es aber als eine Pflicht, sich überall zur Disposition seiner Collegen zu halten zu einer Zeit, wo das Land Dienste fordere.
— Der„Public“ bemerkt betreffs des ägyp⸗ tischen Conflikts:„Der Vicckönig muß jedenfalls nachgeben. Thut er dies nicht, so verlangt die Würde der Pforte seine Absetzung.“
Großbritannien. London. Die„Mor- ningpost“ ist in Stand gesetzt zu constatiren, daß bei den türkisch⸗egyptischen Differenzen Mißver · ständnisse obgewaltet haben. Dank den Bemühungen der Diplomatie Englands und Frankreichs, sowie der Haltung der Pforte und dem Zusammenwirken der auswärtigen Minister, wird kaum ein vorüber ⸗ gehender Friedensbruch zu besorgen sein. Das anerkannte internationale Gesetz steht auf türkischer Seite.
Italien. Florenz. Der Vervollständigung des Tabinets setzen sich noch immer Schwierig ⸗ keiten entgegen. Die Ministerien des Auswärtigen, des Kriegs und der Marine sind noch unbesetzt. — Die„Nazione“,„Gazetta“ und„Italia“ be- haupten, Lanza habe es aufgegeben, seine Mission zur Neubildung des Cabinets auszuführen. Lanza's Programm bringt eine beträchtliche Reduktion der Ausgaben im Militär- und Marine Etat in Vorschlag.
Neapel. Der Vesuv ist wieder in Thätig⸗ keit und stößt weiße mit Asche vermischte Rauch⸗ wolken aus.
Amerika. Vom Kriegsschauplatze in Para- guay trifft die Nachricht ein, daß der Graf d'Eu am 14. October mit der brasilianischen Armee in Estanislao eintraf. Lopez hatte Curuguath ge⸗ räumt und in Iguatemy, 30 Meilen von Estanislao, Pesition gefaßt. Man glaubte, er gehe mit dem Gedanken um, nach Bolivia zu flichen und General Camara war auf dem Wege nach Concticcao, um ihm den Rückzug abzuschneiden.
Afrika. Am Sonntag den 5. Dezember wird in Cairo in feierlicher Weise und in Gegenwart des Kronprinzen von Preußen der Giundstein zur evangelischen Kirche gelegt.
„„Was kosten die Kohlen? Ueberall in Deuischland wurde vor einiger Zeit zu milden Gaben für die, Hinter⸗ pliebenen der im Plauen'schen Grunde verunglückten Berg⸗ leute aufgefordert. Mehr wie je waren hier Werke der Mildthätigkeit am Platze, und nur wenige Berussarten sino es, deren Arbeiter um für sich und die Ihrigen das zägliche Brod zu gewinnen, dem Tode einen so surchibaren Tribut zu ennichten haben, wie diejenigen, welche in der Einsankeit des tiefen Schachtes beim Scheine der Gruben; lampe der Erde den Stoff abringen müssen, durch den allein unsere ganze moderne Industrie, unser ganzer Vei⸗ kehr in Athem erhalten wird. Die Kohle, für Hundert⸗ tausende das Miitel zur Begründung ihres Wohestandes, ist für die Arbeiter in den Berewerken die Ursache eines srüben Siechthums. Lungenschwindsucht, Asihma, Bron⸗ chitis und Lungenentzündung sind in den Bergwerksdistrikten heimisch, und man hat sestgestellt, daß sich die Arbeiter in den Kohl nwerken von dem 20. bis zu dem 60. Jahre im Ganzen 95 Wochen lang krank befinden. Schon in dem Aller zwischen 30 und 40 Jahren werden die meisten Arbeiter invalid. Prof ssor Z uner in Freiberg hat er⸗ miuelt, daß von 10,000 Meuschen nur 1 Bergmann ein Alter von 90 Jihren erreicht, während diesem einen 10 Nichtbergleute gegenütberstehen, In England nehmen die Bergleute auf den Sterbelisten die zweite Steile ein. Man sechnet, daß in den dortigen Kohleubergwerken jährlich 880 Meuschen getödtet und 10.000 sonst veschädtet werden.
Jede Produktion von 71.880 Centuer Kohlen kostet durch- schnittlich ein Menschenleben!
„ Die Grubenunglücks fälle, an denen das ablaufende Jahr leider so reich gewesen, haben sich in jünzster Zeit noch um einige vermehrt, Wie aus Pgrig
Grenay, die der Gesellschast von Bethune gehört, neu Arbeiter todt gefunden worden. Eine auf 350 Mete
der Kohlen hatte am Abende des 17. um 11 Uhr zug Helzwerk der Grube in Brand geneckt; der Ingenien lieh, uͤm das Feuer zu löschen, die Oeffnung der Grube schluhen, Jetzt drang der Rauch hinunter: 65 Arbeiter waren in der Grube, wovon 46 sich reiteien, 19 aber erstickten, vun diesen waren 13 unter 16 Jabren, die anderen Famillen⸗ väter, die 19 Waisen hinterlassen. Auch der Ingenleu Deladerriere, der zur Leitung der Löscharbeiten in die Grube gefahren war, erstickte. Auch aus der Nähe von Wigan, welches in letzter Zeit durch seine Kohlengruben⸗ unglücksfälle eine so traurige Berühmthrit erlangt ha, wird abermals eine Explesion gemeldet. In Glatibridge wurde eines der Bergwerke der Moß⸗Hall⸗Compauy durch eine Explesion stuk beschäbigt. Es ist leider keinem Zweifel mehr unterworfen, daß 27 Menschenleben bei diesem Un⸗ glücke verloren gingen. Neunzehn Personen befinden sich noch immer in dem Bergwerke, dessen Zugänge veeschlltlel werden mußten, um die brennenden Kohlen zu erslcken,
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