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Spanien. Madrid. Die San⸗ Domingo die Nachricht, daß Salvare die Städte Torbeck, Por⸗Saluk und Aquin angegriffen und zerstört hat. Die Einwohner der benachbarten Städte sind von Schrecken ergrissen und wer irgend kann, wandert nach Jamaica aus.“ i N
— Serrano zeigt den Cortes an, daß er die alten Minister wieder ernannt habe.
— Bei Uebernahme der Executivgewalt uer— klärte Serrano in der Sitzung der Cortes Fol⸗ gendes: Er nehme die ihm übertragene Executiv— gewalt aus Patriotismus an, trotz seiner Abneigung dagegen; er werde jedoch die aus der höchsten Gewalt entstammenden Vorrechte nicht annehmen. Er zähle auf die Mitwirkung der Majorität wie der Minorität bei dem gemeinsamen Werke; sein Ehrgeiz gehe lediglich darauf hinaus, sich, nach. dem er seine Pflicht gegen das Vaterland erfüllt habe, wieder in das Privatleben zurückziehen zu können.
verlas
In der Sitzung der Cortes vom 25, Febr. Serrano ein Telegramm des General Dulce, wonach der Aufstand auf Cuba bedeutend eingeschränkt ist. Ein Anlehen von 8 Millionen Dollars wurde in Cuba aufgenommen.
Serrano conferirte am 25. mit Prim, Topete und den Führern der Cortes⸗Majorität. Die Bildung eines radicasen Cabinets hat über Erwarten an Anhängern gewonnen und wird nunmehr für möglich gehalten.
Italien. Rom unterm 20. d. M., daß das Tribunal der heiligen Consulta das Todesurtheil gegen Ariani und Luzzi in lebenslängliche Zwangsarbeit um— gewandelt hat. Die gegen die übrigen Angeklagten verhängten Strafen wurden um einen Grad ver— mindert. Nur zwei sind freigesprochen worden, Dominicali und Tedeschi.— Der„Gazzetta di Torino“ meldet man aus Florenz, daß dort
eine bedenkliche Nachricht im Umlauf sei. Man spreche nämlich von der nahe bevorstehenden
Auflösung der Kammer und von einem Manifest des Königs an die Nation.
Türkei. Konstantinopel. Die Pforte sandte am 24. Febr. an ihre Vertreter im Aus- lande eine Circulardepesche, worin den Mächten Europas für die Haltung anläßlich der letzten Differenz mit Griechenland gedankt und die Vor- behalte, welche Griechenland machte, constatirt werden. Das Rundschreiben der Pforte behält letzteren im Falle neuer Ereignisse die Beurtheilung und Haltung gegenüber denselben vor.
Griechenland. Athen. Ein Circular der Regierung kündigt die Wiederanknüpfung der Beziehungen zwischen Griechenland und der Turkei an und die Zulassung der griechischen Schiffe in den türkischen Häfen, sowie die Abreise der belder— seitigen Gesandten an ihre resp. Posten als nahe bevorstehend.
Darmstadt. Dieser Tage ist dahier die Trauernach— richt von dem am 23. l. M. zu Humprecht in Böhmen erfolgten Ableben der frühereren Großh. Hofsänerin, Fräulein Bertha Großmann, eingetroffen. Sie starb im 25. Lebensjahr an einer Lungenlähmung.
Kassel. Der„Elb. 31g.“ wird von bier nachstehenbe gut erfundene Anecdote gemeldet:„Die Depulstion der Getreuen von Hessen, welche dem Kursürsten den Thron— essel überreichte, hat bei ihrem guten Willen erstaun liches Pech gehabt. Als nämlich die Aurede und Ueber— reichung des Sessels Seitens ber Deputation statigefunden, dankte der Fürst in warmen Worten und sagte zum Schlusse, während er sich auf den Sessel niederließ: So wahr ich mich hier im Kreise einer Teputalon meiner Getreuen auf den mir so werthen Sessel niederlasse, werde ich mich bald in meinem Staate wieder.......“ Die letzten Worte waren noch nicht ganz ausgesprochen, als plötzlich das Untergestell des Sessels zusammenbrach. Flugs griffen Alle zu, um den Fürsten zu halten, und der schnell gefaßte Fürst tröstete selbst die Tiefergriffenen mit u den Worten:„Nur aus dem Leim!“ worauf wie ein Echo die Deputation einstimmte:„Nur aus dem Leim!“ Der Sessel hatte auf dem Trausporte einen Fehler er— halten, den man beim Auspacken nicht bemerkt hafte.“
Aus Herrieden, wird unterm 22. Februar ge— chrieben: Ein intenstver Polarstrom, welcher im nordöst— lichen Europa am 19. Morgens 8 Uhr die Temperatur
n Haparanda auf— 23,60, in Hernösand auf— 10,40 ind in Petersburg auf— 13,50 erniedrigte, bringt auch ins wieder rauhere Witterung, indem der Aequatorial— trom zu schwach ist,
„Correspon⸗ dencia“ meldet aus Haiti: Wir empfangen von
Man meldet der„Nazione“ aus
gestiegen.
um jenem genügend entgegentreten
zu können. Die höchste Temperatur Europas war zu obiger Zelt in Perpignan(Südfrankreich) mit 14,40.
Köln. Ueber die Entstehungsart des Theaterbrandes verlautet noch immer nichts Positives. Bezüglich der Frauensperson, die sich als Thäterin selbst angegeben, macht sich hier die Ausicht geltend, daß man es mit einer Verrückten oder Obdachlosen zu thun habe, die durch eine falsche Selbstbezüchtigung ein vorläufiges Unterkommen im Gesänguiß suche. Gegen die Wahrheit ihrer Aussagen sprechen nämlich die verschiedensten Umstände.
Schiffsnachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.-Agent:
Das Hamburg-New-Yorker Post-Dampfschiff Bavaria! Capt., Hebig, welches am 1. Februar von hier und am J. Februar von Hädre abgegangen, ist nach einer schnellen Reise von 18 Tagen am 23. d. wohlbehalten in Habanna angekemmen.
Das Hamburg-New Yorker Post-Dampsschiff Alle— mannia, Cpt. Winzen, welches am 3. Februar von bier und am 6. Februar von Häore abgegangen, ist am 21. d. 9 Uhr Abends wohlbehalten in New-York angekommen.
Das Hamburger Post⸗Dampfschiff Cimbria, Cpt. Haack,
ging, expedirt von Herrn August Bolten, William Miller's Nachf., am 24. Februar von Hamburg via Hävre nach New-VYVork ab. Außer einer starken Brief
und Packelpost hatte dasselbe 59 Passagiete in der Cajüle und 256 Passagiere im Zwischendeck, so wie 800 Tous Ladung.
a Neue Klagen über schlechte Behandlung auf einem Auswanderung sschisse. Der Leser wird sich noch des Aufsehens erinnern, welches die Schiffs— affaire Lerbnitz im Jahre 1867 erregte. Von Neuem drinzen ähnliche Klagen, das Bremer Schiff„Ocean“, Capilain Gerdes, betreffend, über das Meee herüber, Klagen, welche, wenn auch nur theilweise begründet, die Auswanderungsbehörden in Bremen vetanlassen sollten, ein strenges Gericht zu halten. Wir citireu nach der N.. Y. H. Z. hier nur einige der gravitendsten Punkle: „Die Verpflegung während der langen Seereise war sehr schlecht. Die Häringe und das eingepöckelte Rinofleisch waren total verfault; das Brod, welches wir in den ersten sechs Wochen erhielten, so verschimmelt und mit Würmern versehen, daß wir es nur aus wirklichem Hunger und mit dem prößsen Widerwillen essen lonnien. Auch die Quantität der Lebensmittel war so gering, daß die meisten von uns öfters Hunger lien. Klagen blieben bei dem Capilän erfolglos. Der Schiffskoch solgie einem der Passagiere, welcher beim Capifän Klage geführt, in die zweite Cajüte und gab ihm einen so gewaltigen Schlag mit der Faust in's linke Auge daß Blut herausquoll und die beschädigte Stelle sür langere Zeit geschwollen blieb. Der Koch und die Matrosen setzien uns durch Drohungen in solche Furcht, daß wie wenere Klagen unterließen. Der Verwalter des Schisses(2. Steuermann) hal un
während der Reise mu Genehmigung des Capitäns beim
Verkauf geistiger Geiränke übervorthalt und ausgebeutet. Die kranken Passagiere versicherien uns, daß der Wein aus Molasses, Essig und Wasser bestand. Essig erhielten wir während der Reise alle 14 Tage nur 3 Quart; auch dieser Essig war total verdorben. Es war kein Arzl auf dem Schiffe und es starben eine Frau und drei Kinder. Von den Passagieren waren ungefähr fünfzehn krank, die keine Medien und keine bessere Verpflegung, als andere Passagiere erhielten. Der Capiiän, die Steuer— leute, der Verwalter, der Koch und die Matrosen lebten alle mit weiblichen Passagieren, böhmischen und deutschen Mädchen, im Concubinat und erhielten letztere von den Beamten und Matrosen des Schiffes bessere Verpflegung ue.
„„ Die Maschinenban-In dustrie des Zoll— vereins, obwohl noch sehr zarten Alters, hat sich doch gegen die Concurrenz des Auslandes so tapfer gehalten, daß sie diefelbe aus dem Felde zu schlagen drohl. Dieß ergibt sich aus einer Vergleichung des Ein- und Ausgangs von Maschinen in und aus dem Zollverein im Jahre 1867. Es wurden nämlich an Lokomotiven, Tendern und Dampf— kessein 57,000 Ctr. ein- und 82.000 Cir. ausgeführt. An Maschinen, welche überwiegend aus Holz bestehen, wurden 22,000 Ctr. ein- und 22.600 Cir. ausgeführt; von Maschinen, überwiegend aus Schmiedeeisen oder Sahl bestehend, 64.000 Cir, ein- und 99,000 Ctr. ausgesührl; Maschinen, überwiegend aus Gußeisen, wurden 304,000 Cir. ein⸗ und 885,000 Cir. ausgeführt; Maschinen, über— wiegend aus anderen unedlen Metallen bestehend, wurden 3300 Ctr. ein- und 10,500 Cir. ausgeführt.
„„ Lebensversicherung, Nach den Zusammen— stellungen im„Brem. Handelsblatt“ domieilirlen im Ge— biete des norddeutschen Bundes im Jahre 1863 17 Lebens— versicheruggs⸗Gesellschaften; im Laufe des Jahres wurden 25,539 Personen mit 28,809,623 Thlr. bei denselben ver— sichert, so daß sich am Jahresschluß der Versicherungsstand auf 126,004 fersonen mit 144,250,570 Thaler belief. Im Jahre 1867 war dte Zahl der Gesellschaftlen auf 20 gestiegen, es versicherten in diesem Jahre neu 55,335 Per— sonen min 48,948,950 Thaler, und am Jahresschluß betrug der Versicherungsbestand 240394 Pers. mit 236,897,599 Thlr. Die Zahl der versicherten Personen ist von 1863 zu 1867 also um 91 Proz., das versicherte Capital um 64.3 Proz Von 125 Einwohnern hatte 1 Ende 1867 sein
Leben versichert und auf den Kopf der Bevölkerung fielen etwa 7 Thlr. 25 Sgr. versichertes Capftal. ö
„ Notizen über milde Winter, gesammelt zu Paris. Im Jahr 1172 war der Winter so mild daß sich die Bäume mit Laub bedeckten, die Vögel brüteten und im Februar Junge hatten. Das Jahr 1289 hatte keinen Winter. 1421 blühten die Bäume im März und der Weinstock im April, die Kirschen reiften im April und die Trauben im Mai. 1538 waren die Gärten im Januar mit Blumen übergossen. 1607, 1612 und 1617 waren durch die Milde der Temperatur bemerkenswerth. 1659 gab es weder Eis noch Schnee. 1692 wurden die Oesen in Deutschland nicht geheizt. 1791, 1807 und 1822 waren die Winter ungewöhnlich mild.
4% Nach einer neueren Statistik werben auf der ganzen Erde mittelst Eisenbahnen täglich 27 Mill. Ctr. Fracht und 3 Mill. Menschen befördert; mittelst Telegraph läglich 58,000 Depeschen versendet und burch Briefträger 4 Mill. Briefe ausgetragen Sämmtliche Cisenbahnen in der Welt vereinnahmen, täglich 5 Mill. Thaler, sie be— sitzen 40,000 Locomotiven und 1,200,000 Wagen und be— schäftigen 1 Mill. Menschen.. Die Drähte sämmtlicher Telegraphen sind lang genug, um eine doppelte Verbindung der Erde mit dem Monde herzustellen.(Wenn nur einst⸗ weilen eine einfache Verbindung vorhanden wäte.)
„, Eine Reisegesellschaft, welche 1866 über Cairo die Pyramiden besuchle, kam auch in dieser orientalischen Welt— stadt in mehrere arabische Volksschulen und fand dorten in beinahe allen Lehrsälen einen europäischen Cylinderhut (og. Angstrohr) hängen. Ein Lehrer von dem Dollmeischer über die Bedeutung des Hutes befragt, ertheilte die Antwork, daß dieses die größte Straß für ungehorsame Kinder sei,
[wenn sie den Hut aussetzen müssen.—(Wem fällt hierbei,
soserne es ihm fünfundzwanzig Jahre und mehr zurück gedenkt, nicht ein, daß man damals ihm als Confirmanden ein eben solches Angstrohr auf den Kindskopf gesetzt und zur würdigeren Ausstattung noch mit dem Schwalbenschwanz (Frack) ausstaffirte. Das war für die meisten Knaben auch keine kleine Strafe).
„ Eine hübsche Einleitung zu einem Neu⸗ jahre⸗Artikel bringt die deutsch geschriebene ameri⸗ kanische Zeitung„Bucks Conny Expreß“:„Der erst Jenner is en guter Dag sor en Uebersicht zu halte vun den vergangene Tag un Vorsätz zu fasse for die Zukunft.“
„ Ueber die Volksbildung in Italien und Spanien lauten öffentliche als glaubwürdig bezeichnete Mittheilungen geradezu unglaublich. So sollen in Spanien: 12,479 Municipalräthe, 422 Bürgermeister, 938 Adjuncte und 11.119 sonstige Beamte des Lesens und Schreibens unkundig befunden worden sein; in den niedern Volks— klassen lönnen nur Einzelne lesen. In Italien sollen noch im Jahre 1866 von 22 Mill. Einwohnern sicher 18 Mill. des Lesens und Schreibens unkundig gewesen sein.
„ Die britisch⸗indische Submarine-Tele⸗ graphen⸗Compagnie, welche in London unter Be⸗ theiligung des Hauses Erlanger zu dem Zwecke in's Leben getreten ist, eine unterseeische Telegraphenleitung zwischen Sutz, Aden und Bombay herzustellen, welche Linie die bindung Europa's mit, Judien, später auch mit China nd Australien completiren soll,— will nach dem aus⸗ gegebenen Subscripfions-Prospecte ihre Aufgabe bis zum April 1870 erfüllt haben. Das Capital der Unternehmung beträgt 1,200,000 L. in 120 000 Actien zu 10 L., wovon jedoch nur 550,000 L. eingezahlt zu werden brauchen. Was die Tüchrigkeit des heizustellenden Kabels betrifft, so ist von den Anfertigern desselben die Beförderung von mindestens 12 Worten in der Minute garantirt.
Verloos ungen.
Karlsruhe, 27. Febr. Ju der heute hier stattge⸗ habten Serienziehung der badischen fl. 35 Loose wurden nachstehende 50 Serien gezogen: 104 151 236 323 401 681 880 1187 1248 1321 1352 1377 1520 1573 1574 1713 1780 2133 2341 2958 3147 3150 3408 3001 3994 4098 4225 4611 4684 5149 5174 5333 5360 5518 5591 5611 6060 6370 6420 6655 6973 7062 7115 7166 7210 7497 7635 7666 7759 7967.
Jür die hülssbedürftige Familie des verunglückten Friedrich Jung von Wisselsheim
sind ferner eingegangen: In der Gemeinde Wisseloheim
gesammelt die Summe von 10 fl. 41 kr.— Von Müblen⸗
besiger M. Schudt 1 fl., von E. Löb 1 fl., von Pfarrer Decker in Hochweisel 1 fl. 2
Mit herzlichem Dank für die empfangenen Gaben sind wir zur Entgegennahme weiterer Beiträge gerne bereit.
Die Expedition.
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Bei Bindernagel& Schimpff in Friedberg ist vorraͤthig; Neuster
Taschen-Fahrplan
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2
Minter- 7
Mittel Rheingegend,
Hessen, Nossan, Frankfurt, Rhein-Preußen.


