Ausgabe 
20.6.1868
 
Einzelbild herunterladen

abweichendes Meditinalgewicht findet nicht statt. Maße, Gewichte und Meß werkzeuge, welche von einer Aichungsstelle des Bundesgebietes geaicht und mit den vorschriftsmäßigen Stempelzeichen beglaubigt sind, dürfen im ganzen Umfange des Bundesgebiets im öffentlichen Verkehr angewendet werden. Diese Maß- und Gewichtsordnung tritt mit dem 1. Januar 1872 in Kraft. Die Lan⸗ desregierungen haben die Verhältnißzahlen für die Umrechnung der bisherigen Landesmaße und Gewichte in die neuen festzustellen und bekannt zu machen. Die Anwendung der dieser Maß⸗ und Gewichtsordnung entsprechenden Maße und Gewichte ist jedoch bereits vom 1. Januar 1870 an gestattet, in so fern die Betheiligten hierüber einig sind.

Mainz. Die Strafcompagnie des königlich preußischen 11. Armeecorps, deren Standort in hiesiger Festung angeordnet worden ist, traf per Eisenbahn von Coblenz hier ein und wurde unter militärischer Escorte nach der Citadelle geführt, woselbst sie kasernirt wird.

Preußen. Berlin, 16. Juni. Der Reichstag nahm das Bundesbeamten⸗Gesetz mit einem Zusatze, wonach die Execution gegen die Bundesdeamten bei Gemeindelasten fortfällt, in heutiger Sitzung an. Darauf wurde das die Beschränkung resp. Aufhebung der Spielbanken betreffende Gesetz genehmigt. Es kam nun der Antrag Wiggers auf Beseitigung der Rechts- beschränkungen durch das Glaubensbekenntniß zur Verhandlung. Der Referent beantregt Speciali- sirung in: 1) Aufhebung der jüdisch⸗christlichen Ehebeschränkungen und 2) des Juden Eides. 3) Gleiche Berechtigung der Juden zur Bekleidung öffentlicher Aemter. Der Reichstag nahm den Antrag des Referenten an mit Ausnahme des ersten Punktes.

17. Juni. Reichstag. Löwe interpellirt über den Schutz der Auswanderer. Delbrück verspricht die Vorlage eines hierauf bezüglichen Gesetzts für die nächste Session. Bei Berathung des Marine⸗Etats erklärt der Vice⸗ Admiral Jachmann, die preußischen Panzerschiffe entsprächen allen Anforderungen und die Ausbildung der Offiziere stehe hinter der anderer Nationen nicht zurück. Ein von Bockum ⸗Dolffs eingebrachtes Amendement, die Combinirung des Kriegs- und Marineministeriums aufzuheben, wird abgelehnt. Die Einnahmen, die ordentlichen und außerordent⸗ lichen Ausgaben des Marineetats werden genehmigt.

In der Sitzung des Reichstages vom 17. ds. wurde ein Antrag des Abg. Grafen Bethusy⸗Huc angenommen, welcher die Einver⸗ leibung der Gesammtkosten für die auswärtige Vertretung des Bundes in den Bundeshaushalta- etat pro 1870 verlangt, dagegen der Antrag Krüger's(Hadersleben) auf Einsetzung einer provisorischen Steuercommission in Nordschleswig bis zur Regelung der dortigen Verhältnisse, ab; gelehnt. Schließlich erfolgte die Annahme des Bundesbudgets in zweiter Lesung des Gesetzes, betreffend die Bundesrechnungsbehörde, mit den

Anträgen Twesten's. Der Lasker'sche Entwurf eines Gewerbegesetzes wird paragraphenweise an⸗ genommen, mit Ausnahme des F. 2. 18. Juni. Reichstag. Duncker's Inter- pellation betreffs der Ausführung des Freizügig⸗ keitsgesetzes wird von Delbrück dahin beantwortet, daß dem Bundeskanzler nicht die Ausführung der Gesetze, sondern nur die Ueberwachung der Aus- führung derselben zustehe. Das Letztere geschehe und habe man über gegründete Beschwerden mit den Regierungen correspondirt. Man dürfe die persönliche Freizügigkeit nicht mit der gewerblichen verwechseln und müsse Niederlassung von Natura- lisation unterscheiden. Ob zum Zwecke der Na⸗ turalisation noch ein Auswanderungsconsens er forderlich sei, wäre ein Gegenstand der Berathung. Hanau. Nach derHess. Volksztg. sind dem Handels- und Gewerbverein dahier direkte Nachrichten aus Berlin zugegangen, welche bestä tigen, daß die Inangriffnahme des Baues einer Eisenbahn von Hanau nach Offenbach als bevorstehend zu betrachten sei. Die betreffenden Verhandlungen erfreuten sich eines befriedigenden Verlaufs und sei der Abschluß nunmehr mit Sicherheit zu erwarten. Die für die Bahn her zustellende Brücke werde auch für Fußgänger passirbar gemacht werden, aber nicht für gewöhn liches Frachtfuhrwerk, da hieraus ein Mehrkosten aufwand von 157,000 Thalern entstehen würde. Weiter meldet dasselbe Blatt, daß eine Vorlage in Betreff der Friedberg⸗Hanauer Bahn dem Landtage in diesem Jahre leider nicht werde gemacht werden. Man scheint dort die Sache nicht für sehr eilig zu betrachten und vielmehr der Meinung zu sein, mit der Friedberg-Hanauer Bahn noch immer rascher fertig werden zu können, als es mit dem hessischen Projekte über Gelnhausen zu erwarten ist, auch wenn man dieser, den von der Stadt Hanau mit Recht befürchteten Vorsprung gewährt. Letztere Bahnlinie, die über Gelnhausen, hat allerdings sehr erhebliche Schwierigkeiten zu überwinden und die Hanau⸗ Friedberger Bahn durchaus nicht.

» Friedberg. Am 19. d. traf der preuß. General⸗ major von Wittich, interimistischer Divisionär des großh. Armeecorps dahier ein, um das hiesige Bataillon sowie die Localitäten desselben zu inspiciren. Die Besichtigung ging, wie man hört, bis ins Einzelne mit der größten Präcision und Strenge vor sich, so daß selbst mehrere Gewehr-Putzstöcke von vorschriftswidriger krummer Haltung des Herrn Generals Mißsallen erregt haben sollen. Es wäre sofort der Befehl ergangen, dieselben für die Folge ohne Weiteres aufzuhängen.

Frankfurt. In hicsigen Blättern ist zu lesen: Dieser Tage kam hier ein Mann auf der Reise nach Amerika durch, welcher als junger Mensch in einer Rauferei aus Eifersucht seinen Widerpart erstochen und deßhalb zu 20 Jahren Zuchthaus verurtheilt worden war. Zwölf Jahre hatte er schon in Marienschloß gesessen, als ihm durch Begnadigung die Kerkerthüren geöffnet wurden. Wenige Stunden nach seiner Entlassung befand er sich hier in der Stadt. Daß der inzwischen zum Manne Herange⸗ reifte sich seiner Freiheit freute, redselig war, und sein Schicksal Allen erzählte, darf nicht Wunder nehmen, Staunen rief es jedoch hervor als der Betreffende mittheilte, er habe sich in den zwölf Jahren Zuchthaus 550 fl. erspart, die

er von der Verwaltung ausbezahlt erhalten und nun zu! gütige Beitäge bittet

seiner Auswanderung benutzt. Der Maun hatte die Wahr⸗ heit gesprochen, denn gerade wegen seiner musterhaften Führung war er begnadigt worden.

Bensheim. Am Nachmittag des 17. d. brach dag ier Feuer aus, das so heftig um sich griff, daß in kurzer Zelt 6 Häuser in Flammen standen. Zwei derselben brannten nieder, die übrigen vier wurden jedoch gereitet.

Aus Michelstadt wird berichtet: Der in der Schlacht bei Königgrätz durch einen Granatschuß sehr schwer am Kopf verwundete k. k. Oberst des 2. Kürassier⸗ Regiments Edgar Graf zu Erbach⸗Fürstenau hatte dieser Tage in Baden immer noch in Folge seiner Verwundung eine schmerzhafte Operalion zu bestehen. Ein großer, schon seit langen Monaten aus der bereits vernarbten Wunde hervorgewachsener Knochensplitter wurde ausgeschnutten, bei welcher Gelegenheit nebst mehreren Knochentheilen auch Splitter des Geschosses, ja sogar ein etwa zwei Zoll langes Stück Metall zum Vorschein kam, welches als Bestandtheil des Helmes erkannt wurde. Die Operation war sehr geschickt und glücklich.

Mainz. In der letzten Zeit sind dahler falsche bayrische Zweiguldenstücke mit den Jahreszahlen 1850 und 1855, sowie falsche preußische Einthalerstücke mit den Jahreszahlen 1859 und 1860 ausgegeben worden. Sie sind gegossen wahrscheinlich in einer Form von Eyps oder Thon und sehr leicht daran zu erkennen, daß der Glanz matt, die Oberfläche porss, die Kante unegal und un⸗ auber und die Münzen im Gewicht zu leicht sind.

Aus Reinhessen. DerRheinische Her. bringt die wunderliche Nachricht, Pfarrer Schlosser von Reichen⸗ bach, der Redacteur des strengorthodoren hessischen Kirchen blattes habe dem Bischof Freiherrn v. Ketteler das An⸗ erbielen gemacht,wenn die Jesuiten aus dem Lanbe enifernt würden: so wolle er dahin wirken, daß das Er⸗ scheinen des Gustav-Adolfs-Kalenders aufhöre und der Verein den mißliebigen Namen, Gustav Adolf gegen einen andern vertausche.(77)

Zwei Junge unverheirathete Frauenzimmer in New⸗Pork sind eine sonderbare Weite eingegangen. Die⸗ jenige Dame, welche zuerst das Gewicht von 150 Pfund erreicht, ist Siegerin. Die eine der wettenden Damen nährt sich von sogenann'en Kaldaunen, Eiern und Sherry, die andere von Fischrogen und Chocolade.

Schiffsnachricht. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent.

Das Hamburger Posidampfschiff Allemania Capt. Bardua, welches am 3. Juni von Hamburg vis Sout⸗ hampton abging, ist nach einer ausgezeichnet schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen 22 Stunden wohlbehalten in New-York angekommen.

Das Hamburger Postdampfschiff Cimdria Capt. Haack, trat am 17. Juni wiederum eine Reise via Southampton nach New⸗York an und hatte außer einer starken Brief⸗ und Packet⸗Post 550 Tons Ladung, 95 Passagiere in der Cajüte und das Zwischendeck ganz mit Passagieren besetzt.

Das Bremer Posidampfschiff Bremen Capt. Neynaber, welches am 4. Juni New⸗York verließ, ist nach einer sehr schnellen glücklichen Reise von 10 Tagen 14 Stunden wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselest die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten gelandet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe bringt 121 Passagiere und volle Ladung.

Das Bremer Postdampfschiff Baltimore Capt. Vöckler, welches am 1. Juni Baltimore verließ, ist nach einer glücklichen Reise von 15 Tagen wohlbehalten in Cowes angelangt, und hat, nachdem es daselbst die für England und Frankreich bestimmten Passagiere und Posten ge⸗ landet, unverzüglich die Reise nach Bremen fortgesetzt. Dasselbe bringt 115 Passagiere und volle Ladung.

Für die Nordpol⸗ Expedition sind bis jetzt 25 fl. 55 kr. bei mir eingegangen. Einst⸗ weilen befsen Dank; Gabenverzeichniß später. Um weitere Dr. Matthias.

Hofraithe⸗ und Güter⸗Versteigerung.

1355 Montag den 20. Juli t. J., Vormittags 9 Uhr, werden in hiesigem Rathhause die dem hiesigen Bürger Joseph Straus gehörenden, vormals Peter Lebeau' schen Immobilien, bestehend in einem sehr geräumigen Wohnpause mit Oeconomie⸗ Gebäuden in der Stadt und circa 20 Normalmorgen Ackerland und Wiesen in Friedberger Gemarkung öffentlich meistbietend varzellen⸗ weise versteigert.

Das Verzeichniß der bttreffenden Güterstücke liegt bie zum Versieigerungs⸗Termine auf dem Büreau des Unterzeichneten zur Einsicht offen.

Friedberg den 30. Mai 1868.

In Auftrag Großberzoglichen Landgerichts Friedberg Greßberzopliches Ortsgericht Friedberg

o uc ar.

Pferde ⸗Versteigerung.

1507 Montag den 22. d. M., Vormittags 11 Uhr, wird in der Reitercaserne zu Butzbach ein zum Reiter⸗ dienst untaugliches Remontepferd an den Meistbietenden öffentlich versteigert. Butzbach den 16. Juni 1868 Freiherr van der Hoop, Nilimeister und Schwadrons⸗ Chef.

Hofraithe-Versteigerung. 1471 Montag den 22. Juni d. J, Vormittags 11 Ubr, soller in hiesigem Rathhause in Folge landgerichtlichen Auftrags die zur Concursmasse des Heinrich Wel ler dahier gehörenden Immobilien, nämlich

Flur. Nr. Klftr. 1. 209. 27,7. Hofraithe in der Stadt, 1. 208. 68.8. Hofraum und Schlachthaus,

1. 207. 106,3. Grabgarten mit Kegelbahn, nochmals unter dem Anfügen öffentlich meistbietend ver⸗ steigert werden, daß dies die letzte Versteigerung ist und Nachgebole nicht mehr zugelassen werden.

Friedberg den 12. Junt 1868. Großherzogliches Orisgericht Friedberg Fouc ar.

1060 Jeder Zahnsehmerz wird durch mein weltbeiühmtes Zahnmundwasser binnen 1 Minute ficher und schmerzlos vertrieben, worüber unzähltge Anerkennungen von den böchsten Personen zur Anficht vorllegen. E. Hückstait in Berlin. Zu haben in Flaschen à 18 kr. und 36 kr. in Friedberg bei J. A. Windecker.

1496 In Frankfurt a. M. ist ein renommirtes

Schmiede ⸗Geschäft zu bermlethen oder zu

verkaufen. Näheres in der Expedition d. Bl.

Holz⸗Versteigerung.

1508 Dienstag den 23. Juni l. J., Vormittags 10 Ubr, sollen im Walddistricte Jungfernwald und Propststämpfe 69 Stecken Eichen Schälprügelbolz, 4770 Stück Schälbolzwellen und 250 Eichen⸗Baumstützen öffentlich an den Meistbictenden versteigert werden. Der Anfang ist im Juygfernwald. Schloß Ilbenstadt den 13. Junk 1868. Gräflich von Leiningen⸗Westerburgische Rentti daselbst Bernhardt.

Schaafpferch-Versteigerung.

1528 Freitag den 26. Juni l. J., Vormittags 11 Uhr, werden in hiesigem Rathhause 10 bis 12 Schaaspferche öffentlich meistbietend versieigert. Friedberg den 19. Junt 1868. Großherzogliche Bürgermeisterei Friedberg Fouc ar.

Clacé- Handschuhe

1194 sowie n f d' Ecosse ꝛc. 1c. bel Friedrich neben der Post.

a0

dec