die Prüfungen der Examenkandidaten vornabm fer ihnen keine Arbeit geben kann. Den armen
und nunmehr zum Kreisveterinärarzt des Bezirke Gießen ernannt worden ist. Den Studirenden der Thierarzueikunde, welche sich bisher genöthigt sahen, wenigstens eine Zeit lang die Thlerarznei— schulen in Stuttgart, Wien, Dresden oder Han- nover zu besuchen, ist hiermit eine bedeutende Er- leichterung geboten.— Trotz dem schon seit Jahren empfundenen Mangel an tüchtigen, Mathematik- lehrern für Gymnasien, haben sich in diesem Se⸗ mester, zum erstenmal wieder seit drei Jahren, drei Candidaten für die Prüfung vom mathemalisch— naturwissenschaftlichen Standpunkt angemeldet.
Offenbach. In Offenbach wurde dieser Tage nachstehende Mittheilung öffentlich verbreitet: Nach hierher gekommenen ganz zuverlässigen Be— richten hat sich Preußen bereit erklärt, die Bebra— Fulda⸗Hanauer Bahn über Offenbach nach Frank— furt weiterzubauen, wenn ihm die hessische Regierung ihren Antheil an der Offenbach⸗Frankfurter Bahn gegen volle Entschädigung käuflich abtritt, damit die ganze Bahnstrecke unter einheitliche Verwaltung komme. Geht unsere Regierung auf diesen letzten Vorschlag Preußens nicht ein, so baut dieses mit Umgehung Steinheims und Offenbachs auf der rechten Mainseite nach Frankfurt und überbrückt den Main bei Oberrad und dies Alles zwar sehr rasch, da es die Bahn aus militärischen Gründen dringend nöthig hat.
Preußen. Berlin Ueber die Höhe des Unglücks in Ostpreußen scheeibt man der„Königs- berger N. Ztg.:„Die Noth auf dem Lande greift in immer weiteren Kreisen um sich und hat bereits die gefährlichsten Formen angenommen. 8 Die Hoffnung, die man auf das System der Hülfs— leistungen, welches bis jetzt der Staat eingehalten hat, setzen konnte, sind an der Ungunst der Wit— terung gescheitert. Von Arbeiten an Chausseen, Eisenbahnen und Landesmeliorationen, für welche das Geld bewilligt worden ist, kann bei 15 bis 20 Grad Kälte und 3 Fuß hohem Schnee gar nicht die Rede sein. Die Gelder, die also schon jetzt zu diesem Zwecke vom Staate hergegeben worden sind oder noch hergegeben werden, können für jetzt nicht in dieser Weise verwendet werden, und müssen deßhalb alle diese Projekte als solche bezeichnet werden, die durchaus nicht geeignet sind, die sofortige unbedingt nöthige Hülse zu schaffen. Die zum Frühjahr in Aussicht gestellten Arbeiten können dem heute mit Frau und Kind hungernden Losmanne auch nicht eine einzige Mahlzeit ver- schaffen; Arbeiten im Freien, und besonders Erd— arbeiten für Straßenbauten, sind nun einmal in diesem Augenblicke ganz unmöglich. Wenn der Staat sich überhaupt zur Hülfe verpflichtet hält, und diese Hülfe nicht zu spät kommen soll, so muß er ganz andere Wege einschlagen; er muß die Hülfe unmittelbar in die Hütte der Nothleiden⸗ den bringen; er muß den hungernden Arbeitern, soweit die Mittel reichen, direkt und sosort Brod und Heizmaterial verabreichen lassen, auch wenn
Losleuten kann nur geholfen werden, wenn ste so lange mit den notbdürftigsten Mitteln zum Leben versehen werden, bis das Frühjahr die Möglich- keit gibt, ihnen Arbeit und Verdienst zu verschaffen.“
— Man sieht hier wieder vielfach die Fahnen der Genfer Convention flattern; sie bezeichnen die Sammelstellen für Ostpreußen. Das Zeichen scheint uns richtig gewählt, den es ist ja in Wahrheit ein Krieg, der in Ostpreußzen geführt wird, ein Krieg gegen den ärgsten und unerbitt— lichsten Feind, gegen den Hunger, und den Fern— stehenden liegt die Pflicht ob, die in dem Kampfe Verwundeten zu pflegen und die Anderen zu kräf— tigen, damit sie den Kampf siegreich bestehen können.
— Das zweite Verzeichniß der beim„Vater— ländischen Frauenvereine für den ostpreußischen Nothstand“ eingereichten Gaben schließt mit einer Summe von 13,803 Thalern ab. Unter den Gebern finden wir„Prinz Adalbert von Preußen, königliche Hoheit“ 25 Thlr., Direktion der Dis— conto-Gesellschaft, die Firmen Gebr. Schickler, S. Bleichröder, Mendelesohn u. Comp., Robert Warschauer u. Comp. mit je 1000 Thlr., Com- merzienrath Borsig 500 Thlr., Frör. v. Moltke 5 Thlr. Der Generalfeldmarschall v. Wrangel bat seiner heimathlichen Provinz sich durch eine Gabe zweier Bilder erinnert(eines Oelgemäldes: Gegend bei Warmbrunn, und einer Photographie: Steglitz).
Oesterreich. Wien. Das„Tagblatt“
sagt: Die Verständigung zwischen Italien und Frankreich sei dem Abschluß nahe. Die Grund— lage der Verständigung sei den Wiener und
Londoner Cabinetten mitgetheilt und von den— selben gebilligt.
— Wie die„N. fr. Pr.“ hört, sind einige Dekorirungen politischen Anstrichs vorgenommen worden. Es sollen nämlich die beiden Mitglieder des Herrenhauses, Altgraf Salm und Graf Anton Auersperg(Anastasius Grün) das Comthurkreuz, sowie die beiden Reichsraths- Abgeordneten von Kaiserfeld und Kuranda das Ritterkreuz des Leopold⸗Ordens erhalten haben. Es ist unschwer, in dieser Ordensverleihung eine pelitische Mani— festation zu erkennen. Sie gilt jedenfalls dem hervorragenden thätigen Antheil, den auch diese vier Personen an den letzten Verhandlungen bei der Revision der Verfassung und der Bildung des neuen Ministeriums haben.
Frankreich. Paris. In gleicher Weise wie das„Journal des Debats“, eifert Herr Guéroult in der„Opinion nationale“ gegen die kriegerischen Tendenzen, welche man der Re— gierung unterlegt:„Alles zu verlieren, nichts zu gewinnen; zwei sichere Feinde: Preußen und Italien; ein wahrscheinlicher Feind: England, wenn wir nämlich von dem Kriege etwas profitiren wollen; ein ohnmächtiger Freund: Oesterreich; im Orient die Freiheit ganz Europa's bedroht, das wäre in wenig Worten die Bilanz des
Wenn wir slegen, alter erloschener Haß auf ein Jahrhundert wiederbelebt und die Freiheit auf unbestimmte Zeik vertagt; wenn wir bestegt werden, der Ruin und unberechenbares Unglück. Und alles das warum? Um nichts, als höchstens um zu wissen, ob das Chassepot-Gewehr besser
Krleges.
ist als das Dreyse-Gewehr, oder vielmehr, um eine in die Enge gerathene Regierung aus der Verlegenheit zu ziehen, um den Franzosen blutige Zerstreuungen zu gewähren und um die Fehler und Niederlagen einer planlosen Politik mit dem Rauch der Schlachten zu bedecken.
Für die Nothleidenden in Ostpreußen
sind bei dem Vorstande des Hülfsvereins eingegangen: f Erste Liste.
1) Bei Herrn Pfarrer Baur: Fr. Ofrath Reuß, K. B. Reuß und Frau 2 fl. 45 kr.— Frau Apolheser Trapp 3 fl.— Frl. Wüstenseld 1 fl.— H. Z. 2 fl.— L. W. 30 kr.— Fr. Pfarrer Baur 2 fl.— J. S. 24 kr. — Verwalter Gatzert 48 kr.— Pfarrer Ebel von Stein- surth 1 fl. 45 kr.— C. Th. K. 2 fl.— Ch. K. 6 kr.— Zusammen 16 fl. 18 kr.
2) Bei Herrn Stadtrat) W. Fertsch: W. Ferlsch 5 fl.,— aus der Sparbüchse von W. Fertsch 1 fl.,— aus der Sparbüchse von Amalie Fertisch 1 fl.— A. F. 24 kr.— Ammann Trösch in Ockstadt 1 fl. 30 kr.— Aus Ockstadt von R. 30 kr.— Von E. B. 30 kr.— Ungenannt 2 fl.— Ungenannt 1 fl.— Assessor Suppes in Nauheim 1 fl. 30 kr.— Georg Hartmann daselbst 1 fl.— Lehrer Störger 1 fl.— Director Möller 1 fl.— Christian Hecht 1 fl.— Obersörster Marchand 1 fl.— Adam Rausch II. 1 fl.— Joseph Hosmang 1 fl.— Heinrich Mack 1 fl. 45 kr.— Emmerich Hanstein 1 fl.— Wilbelm Rumpf 1 fl.— Dr. Trapp 2 fl.— Fr. Dr. Trapp 1 fl. 45 kr.— Aus der Sparbüchse von Theodor Trapp 1 fl.— Fr. Münch 1 fl.— Advocat Trapp IV. 3 fl.— Advocat Jockel 2 fl. 30 kr.— Frau Assessor Steinberger 1 fl. 45 kr.— Zusammen 38 fl. 9 kr.
3) Bei Herrn Bürgermeisterei-Verwalter Foucar: Stabsarzt Pfeiffer 48 kr.— Fr. Major Zumbach 1 fl.— Johs. Bechstein 30 kr.— Zusammen 2 fl. 18 kr.
4) Bei Herrn Mayer Hirsch: Von Assenheim, durch Herrn Seiscl Hirsch daselbst gesammelt: Von C. Koch 3 fl., Fr. Koch 1 fl., Frau Weber 30 kr., Levi Isen⸗ burger 30 kr., Seisel Hirsch 1 fl.— Aus Berstadt von L. Hofmann 30 kr.— Aus Friedberg oon G. A. Velte 1 fl.— Ed. Hirsch 30 kr.— L. Goldmann 1 fl.— Frau Katzenstein 1 fl.— S. Hirschhorn 30 kr.— Gebrüder Löb 1 fl. 30 kr.— Löb Strauß I. 1 fl.— Alexander Maaß 30 kr.— Gebrüder Arnstein 1 fl.— Mayer Hirsch mit dem Motio; Den Hungrigen labe deine Seele, sättige schmachtendes Gemüthe, 1 fl. 30 kr.— Zusammen 16 fl.
5) Bei Herrn Professor Dr Köhler: Dr. K. 2 fl.— Kreisrath Dieffenbach 1 fl.— Bürgermeister Bender 2 fl. 30 kr.— Charlotte Rück 30 kr.— J. A. 30 kr.— G. Diefsenbach 1 fl.— Zusammen 7 fl. 30 kr.
6) Vei Herrn Diakonus Meyer: Director Dr. Schwabe 2 fl.— Rechnungobeflissene Faatz 24 kr.— N. N. 2 fl. N. N. 1 fl. 45 kr.— Zusammen 6 fl. 9 kr.
9 Bei Herrn Rentier Müller: Von ihm selbst 1 fl. 45 kr
9) Bei Herrn Hofrath Dr. Pilger: Fr. Bürgermstr Preußer 1 fl. 45 kr.— Postsecretar Schreiner 1 fl.— Frau Schreiner 1 fl.— Frau Höfeld 1 fl.— Fran Jöckel 30 kr.— Simon 30 kr.— N. N. 30 kr.— Zusammen 6 fl. 15 kr.
10) Bei Herrn Rentier Steinhäußer: Oberlieutenant Nieß 1 fl.— Frl. Pesiel 1 fl.— P. Hepp 1 fl.— Director Schäfer 1 fl. 45 kr.— J. Steinhäußer 1 fl. 45 kr.— Zusammen 6 fl. 30 kr.
11) Bei Director Steinberger: St. 1 fl. 45 kr. Dekan Görtz in Nieder⸗Florstabt 2 fl.— Phil. Dewell 36 kr.— Director Möller 3 fl.— Seminarlehrer N.
am Oberleibe reichlich
Strom ungehindert auswärts beschiffen, so würde man nicht genöthigt gewesen sein, so lange und so beschwerlich nach der Quelle zu suchen. Jetzt aber muß man mit den Entdeckungen Spekes von Südosten her und Bakers von Norden her wohlzufrieden sein. Und man hat darum auch die Frau Baker unter den geographischen Entdeckern mitzunennen. Freilich wird es mit der genauen Auskundschaftung aller dieser Gewässer sich noch eine Zeit lang hinausziehen, weil man erstens nicht unmittelbar zu Schiffe hingelangen kann, zweitens aber die Reise zu Land sehr beschwerlich und die Gesundheit bedrohend ist.
L ü cken büß er.
„ Den letzten Berichten über die abyssinische Expedition ent⸗ nehmen wir folgende Skizze: In Ober- Suruh, wo sich eine Quelle und etwas Lagergrund findet, hat man eine Zwischensiation mit einem Com missariat eingerichtet, wo man Nachts ein Concert von Schakalen, Hyänen, Affen und dergleichen Gethier genießen kann. Die Schakale halten sich in bescheidener Ferne, die Affen aber kommen ganz nahe, lassen sich gar nicht einschüchtern, marschiren oft in kleinen Rudeln an den Engländern vorüber, oder setzen sich auf die Felswände und lassen die fremden defiliren, schicken aber Angreifer mit blutigen Köpfen zurück. Ein Soldaten⸗ hund, der eines dieser Thiere fassen wollte, wurde allsogleich vom ganzen
Rudel angefallen und war froh mit einigen Wunden davon zu kommen. Die dort einheimische Race erreicht die Größe eines starken Hundes, ist
und am Unterleibe gar nicht behaart, was ihr einen häßlichen Anblick gibt. Thiere und Menschen scheinen überhaupt in diesem Himmelestriche nicht besonders mit Schönheit der Formen gesegnet zu sein, und die Frauen werden als wahre Muster von Häßlich⸗ keit geschildert. Sie kleiden sich gleich den Männern in weite weiße Mäntel, die sie mit weißen Muscheln und rothen Küchelchen verzieren. Beide Geschlechter tätowiren sich Arme und Nacken, graben sich Gestalten von Vögeln und Thieren ein, worauf die Stutzer und Modedamen der Schoho's großen Werth legen. Die Stämme, welche den englischen Truppen bisher zu Gesicht gekommen sind, gehören bekanntlich noch nicht zu den eigentlichen Abyssiniern.
Ueber die Kriegsmacht, die Abyssinien gegen eine feindliche In⸗ vasion ins Feld stellen kann, läßt sich, so berichten englische Blätter anläßlich der jetzt stattfindenden Expedition, wegen der Spaltung zwischen den verschiedenen Herrschern, nichts Gewisses mittheilen. Theodorus konnte einst über eine Armee von 60 000 Mann gebieten. Heute kann er kaum 5000 Krieger um sich schaaren. Diese außerordentliche Verminderung seiner Streitkräfte kann nicht überraschen, wenn man annimmt, daß er öfters in einer Woche 2000 Soldaten obne Weiteres hinschlachten läßt und ebensoviel aus Furcht vor grausamem Tod desertiren. Im Jahre 1863, versichert ein Abyssinischer Reisender, Namens Dufton, waren 20000 Mann mlt Percussionsgewehren, der Ueberrest mit Schwertern und Speeren bewassatt. Die irreguläre Armee zählte damals gegen 100 000 Mann.


