lich zürnen, wenn es bei der Aufhebung der erwähnten Portofreiheit sein Bewenden behielte, dafür aber der Volksvertretung ungesohmälerte Redefreiheit wiader zugesichert würde.
— Johann Jacoby ist aus der Fraction der Fertschrittepartei ausgetrelen. Er hat dies sofort deim Zusammentritt der Kammern den früheren Genessen in einem Schreiben angezeigt, in welchem er die Heffnung ausspricht, daß sie die Gründe, welche ihn zu diesem Schritte veranlassen, zu würdigen wissen werden und die Bitte hinzufügt, ihm erforderlichen Falls den Zutritt zu den Fractionsverbandlungen als Gast zu gewähren. Wie verlautet hat die Fraction in einer ihrer Sitzung beschlossen, das Schreiben in derselben freundlichen Weise zu beantworten.
— Das Consistorirm der Mark Brendenburg bat die kirchliche Feier zur Erinnerung an Schlcier- macher nicht gestattet.
— Die Nachricht, di mit Beschlag belegte Nr. 51 des Kladderadatsch sei wieder freigegeben worden, wird dahin berichtigt, daß dieß nur in Bezug auf das Beiblatt stattgefunden habe. Das Haupiblott ist bis jetzt noch consiscirt.
— Dem Vernehmen nach liegt es in der Absicht der Postverwaltung des norddeutschen Bundes, die Beförderung von Personen mit den Posten aufhören zu lassen und diesen Industrie⸗ zweig dem Betriebe des Privaifuhrgewerbes anheim zu geben. Das bei dem immer mehr sich aus⸗ breitenden Eisenbahnnetze noch zu unterhaltende, unverhältnißmäßig große und kostspielige Wagen; Inventarium und die für die Beförderung der Personenposten zu gewährenden hohen Vergütungen, sowie die bei den jetzigen Futterpreisen auf die Unterhaltung von Pferden stetig zahlbaren Fourage⸗ Adjuta sollen zu dieser Entschließung Veranlassung gegeben baben.
— Die norddeutische Bundes Kriegsmarine hat zur Zeit folgenden Bestand: 1) Dampf⸗ Fahrzeuge: 3 Panzer⸗Fregatten, 1 Panzer- Corvette in der Construction, 2 Panzer⸗Fahrzeuge, 5 ge⸗ deckte Corvetten, wovon eine im Bau, 5 Glatt⸗ deck⸗Corvetten, wovon eine in der Construktion, 2 Avisos, 1 königl. Nacht, 4 Fahrzeuge zum Hafendienst, 8 Kanonenboote 1. Klasse, 14 Ka⸗ nonenboote 2. Klasse. 2) Segel Fahrzeuge: 3 Fregatten, 3 Briggs, 4 Fahrzeuge zum Hafen⸗ dienst 3) Ruder ⸗ Fahrzeuge: 32 Kanonen⸗ Schaluppen und 4 Kanonen⸗Jellen.
Kassel. Wahrend die Streitfrage über die Verwaltung des Hauefideicommißvermögens noch schwebt, hat der Kurfürst in diesen Tagen die Weisung hierher ergehen lassen, 30 Stück Pferde aus dem Leibgestüt Beberbeck nach Hanau zu transportiren. Man vermuthet, daß dieselben dort verkauft werden solltn.
Kassel. Die„Hess. Morgenztg.“ schreibt: „Prinz Wilhelm von Hanau hat, dem Ver— nehmen nach, bei dem königl. Appellations⸗ gerichte dahier gegen seinen Vater, den vor⸗ maligen Kurfürsten von Hessen, Klage erhoben wegen erfolgter Zurückziehung der ihm bei Ein⸗ gehung seiner Ehe vertragsmäßig zugesicherten Apanage von jährlich 10,000 Thalern.“
Frankfurt. Die Freitag snummer des „Frankf. Brob.“ ist wegen eines Artikels über die preußische Thronrede consiscirt worden und hatte diese Maßregel noch eine weitere im Ge⸗ folge, intem auch eine Haussuchung nach dem Manusesipte statifand. Wie gewöhnlich fand man nicht, was man such e, da das Manuscript nach einer Bemerkung der Redaktion bereits in Stemb und Asche verwandelt war.
Wiesbaden. Das königl. Consistorium dahts hat an sämmtliche Geistlichen des Wies⸗ badener Verwaltungsbezirkes eine Verfügung er⸗ lassen, wonach fortan in Nassau wie in der ganzen übrigen Monarchie allsonntäglich in das Kirchen ⸗ gebet die Fürbitte für die segene reiche Wirksamkeit der Verhandlungen des Landtages, des Reichs⸗ tages und des Zollparlamentes aufgenommen wereen soll.
Bayern. München. Gutem Vernehmen nach hat die österreichische Regierung bei Geligen⸗ heit der von den deutschen Regierungen beab⸗
sichtigten Wiederaufnahme der Liquidation des beweglichen ehemaligen Bundeseigenthums ihre schon früher geltend gemachten Ansprüche auf das unbewegliche Festungseigenthum wieder in Erin- nerung gebracht.
— Die Ratificationen über die Vereinbarungen, welcke zwischen Bayern, Württemberg und Baden hinsichtlich der Liquidationscommission jüngst ge⸗ troffen sind, sind dieser Tage hier ausgewechselt worden.
Baden. Die„Karlsr. Ztg.“ bringt fol⸗ gende, etwas seltsam klingende Notiz: Dem Ver⸗ nehmen nach sind Verbandlungen im Gange, welche den Zweck haben, für gewisse Eventualitäten eine bewaffnete Neutralität Oesterreichs im Bunde mit Italien zu proklamiren und sicher zu stellen.
Oesterreich. Wien. In der Sitzung des Reichsrathes fand die Debatte über die Ver⸗ hängung des Ausnahmezustandes in Prag statt. Nachdem der Minister des Innern erklärt hatte, daß die Regierung nach offiziellen Mittheilungen in nächster Zeit Ereignisse in Prag vorauszusehen hatte, wobei ein Zusammenstoß gesucht wurde; daß ihr somit nur die Wahl zwischen Blutver⸗ gießen und Ausnahmezustand blieb; daß ferner die Regierung die Opfosition nicht unterdrücke, sondern nur den Verfassungsstandpunkt gewissen⸗ haft wahre, wurde die Ausnahmsverordnung mit großer Majorität als gerechtfertigt erklärt.— Nach Eröffnung der Generaldebatte über das Ausnahms⸗ gesetz warnte der slovenische Abgeordnete Svetee die Deutschen, diesem Gesetze ihre Zustimmung zu geben, denn es könnte auch einst gegen sie mit derselben Strenge, wie jetzt gegen die Tschechen, verfahren werden. Ferner verwies er auf Belgien, wo bei viel ernsteren Unruhen, als die böhmischen waren, die verfassungsmäßigen Rechte der Staats- bürger doch nicht suspendirt worden seien.
— In Betreff der Verwüstungen, welche die Etsch in Süd⸗Tprol angerichtet hat, wird be⸗ richtet, daß allein im Bezirk Roveredo der Schaden amtlich auf 90,000 fl. geschätzt wurde. Die Südbahn erlitt in diesem Bezirk Beschädigungen, welche eine Ausgabe von 600,000 fl. erfordern.
— Herr v. Beust hat durch ein an die diplo⸗ matischen Repräsentanten gerichtetes Rundschreiben die eminent„friedliche“ Bedertung der neuen Heeresorganisation constatirt.
Innsbruck. Dieser Tage wurde ein Plakat an das hiesige Magistrats⸗Gebäude angeheftet, welches das erste civileheliche Aufgebot in Tyrol enthält.
Frankreich. Paris. Der„Constitutionel“ sagt, die Rede des Königs von Preugen werde Wiederball in ganz Europa finden. Die fried⸗ lichen Erklärungen derselben würden um so mehr Beachtung finden, als sie sich auf die friedfertigen Gesinnungen der Fürsten und Völker stützten und dieselben direkt zur Wahrung ihrer durch be⸗ dauerliche Gerüchte nur zu oft gefährdeten In- teressen auffordere.— Auch die anderen Journale constatiren den friedfertigen Charakter der preußi⸗ schen Thronrede.
— Der„Gaulois“ meldet:„Hr. Ceballos, ehemaliger Secretär der Kaiserin, heute im Dienste des Don Carlos, hat einen Brief an die spani⸗ schen Carlisten gerichtet, worin er ankündigt, daß der Kaiser ihre Sache unterstützen wird, sowei: die Klugheit dieß zuläßt. Er wird den Weg über die Pyrenäen offen halten und den Carlisten eine Summe von 100 Mill. Fr. zur Verfügung stellen. Diese Unterstützung würde ihnen in dem einzigen Falle nicht gewährt werden, wenn der König Don Fernando von seiner Weigerung, die spanische Krone anzunehmen, zurückträte. Man sügt hinzu, daß in Paris in aller Eile Uniformen für die carlistischen Regimenter angefertigt werden.“
— Die„Patrie“ hat Nachrichten aus Madrid über die Zustände in den spanischen Colonien. Darnach wären die Unruhen von Cuba noch keineswegs vollkommen unterdrückt und herrsche unter den Schwarzen eine solche Gährung, daß der geringste Zwischenfall eine allgemeine Erhebung herbeiführen könnte. Der General-
Capitän Lersundi hat nach Madrid um Verstärkungen geschrieben uno mehrere Blätter confisciren lassen,
welche die Nothwendigkeit der sofortigen Abschassung der Sclaverei entwickeln. Auch in Porto⸗Rico sei die Lage bedrohlich, zumal in San Juan, der Hauptstadt dieser Insel, wo eine sehr fort⸗ geschrittene demokratische Partei eint lebhafte Thätigkeit entwickele.
— Der„Rsvoeil“ bringt einen Artikel„An die Landleute“, worin er dieselben über die wahren Bedürfnisse des Landes zu belehren sucht und sie auf die mancherlei herrschenden Uebelstände auf⸗ merksam macht. Besonders führt er das Drückende des Militärdienstes den Landlevten vor, als der⸗ jenigen Classe, welche am härtesten dadurch be⸗ troffen wird.„Ihr wißt“, sagt er,„daß zu Friedenszeiten die Armee jedes Jahr 4 bis 500 Millionen Unterhaltungskosten erfordert, ohne die verlorne Arbeit von 7 bis 800,000 Menschen zu rechnen, die in voller Kraft dastehend, zur Träg⸗ heit der Casernen oder der Lager verurtheilt sind, und dieser Verlust ist nicht unter 7 bis 800 Millionen, im Ganzen ungefähr 1½ Milliarden im Jahre, 125 Millionen monatlich.“
— Der„Avenir national“ theilt mit, daß sein Chefredacteur Peyrat, sowie die Redactcure des„Reveil“, Delescluze und Quentin, vor den Untersuchungsrichter berufen worden sind, um sich wegen der Kundgebungen auf dem Friedhof Montmartre und wegen der Subseription für ein Denkmal zu Ehren Baudin's zu verantworten.
— Königin Isabella ist in Paris einge— troffen. Graf Castelnau, der Adjutant des Kaisers, empfing die Königin am Bahnhofe. Isabella bezog in der Rivolistraße das Haus Nr. 172 gegenüber den Tuilerien, wo die Königin Christine sie erwartete.
— Wie das„Journal de Paris“ meldet, hat der Herzog von Aumale 5000 Fr. fuͤr die bei den Ueberschwemmungen in der Schweiz Verunglückten gespendet
Großbritannien. London. Die Kron⸗ prinzessin ven Preußen ist in Windsor ein⸗ getroffen, wo sämmtliche Prinzen und Prin⸗ zessinnen bei der kurz zuvor angekommenen Königin versammelt waren.— Die Morgen⸗ blätter sprechen sich dahin aus, die so feste Betonung des Friedens in der Rede des Königs von Preußen mache die anderwärts herrschende unfriedliche Gesinnung um so bedauerlicher. Die„Times“ finden in der Stelle über Spanien eine Bestätigung der Ansicht Derjenigen, welche in der dortigen Revolution eine Fugung der Vocsehung zu Gunsten der Sache Deutschlands erblicken.
— Aus Blackburn werden Wahlunruhen besorglicher Natur gemeldet. Kürzlich Abends wurden in einem Wirthshause Wahlreden ge⸗ halten und die Anwesenden nach der Sitte mit geistigen Getränken bewirthet, es setzte blutige Köpfe, und auf beiden Seiten mußte Mancher das Schlachtfeld als blessirt verlassen. Die Polizei war schnell zur Hand, hatte aber große Mühe, den Haufen mit ihren Stäben aus⸗ einanderzutreiben.
— Berichte vom 4. November lauten: Seit 36 Stunden wüthet ein heftiger Sturm über London und den Vorstädten, welcher bereits an sehnlichen Schaden angerichtet hat und einem Menschen das Leben kostete. Von der Küste wird gleichfalls gemeldet, daß der Wind stark ist und die See boch geht, vorzüglich an der Südküste und im Canal. Mehrere Schiffsunfälle sind be⸗ reits gemeldet, und es steht zu fürchten, daß die Liste der Schiffbrüche für diese Woche wieder eine lange wird.
Italien. Florenz. Durch ein erlassenes k. Deeret ist das italienische Parlament auf den 24. December einberufen worden.— Die„Ital. Corr.“ bezeichnet die Meldungen verschiedener Blätter über angebliche Unterhandlungen zur Re⸗ gelung der römischen Frage, sowie die an die Reise eines hoben Beamten des Ministeriums des Aeußeren geknüpften Auslegungen als völlig grund⸗ los. Die Lage der Dinge habe in der römischen Angelegenheit keine wesentliche Veränderung er⸗ fahren; daß eine neue Convention abgeschlossen worden, sei falsch.
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