— Die Notb im Gumbinner Krelse scheint eine furchtbare Höhe erreicht zu haben. Die„Zukunft“ veröffentlicht zwei ihr von dort zugegangene Privatschreiben, welche die Lage wahrhaft entsetz⸗ lich schildern. Es wird darin nachgewiesen, daß die Hülfe, welche bis jetzt von Seiten des Staates gebracht, in Folge der mangelhaften Ausführung sich auf so gut wie auf nichts reduzire, und daß die Behörden sogar fortfahren mit der größten Strenge die Steuern einzutreiben. f
Zur Beurtheilung des Nothstandes in Osi preußen sind die dortigen Witterungsverhältnisse selbstverständlich nicht obne Interesse. Die Kälte hat dort nach den amtlichen Telegrammen eine recht empfindliche Höhe erreicht. In Königsberg hat das neue Jahr mit einer Temperatur von — 22½ R. angefangen; am nächsten Tage (2. Januar) sind— 14½ gemeldet. In Danzig waren am 1. d. über 11, am 2. d. 8½ 0 Kälte. Memel hat am 1. Jan.— 15 ½ o, am folgenden Tage— 13½“ aufzuweisen. In Gumbinnen schwankt in den letzten Tagen die Kälte zwischen 21 und 25 U.
— Der„Hall. Kur.“ meldet von hier folgende Säbelaffaire. In der Nacht vom ersten zum zweiten Weihnachtsfeiertage hatte sich ein in Civil gekleideter Fähnrich in Gesellschaft eines Offiziers, eines Kaufmanns dieners u. A., noch spät in ein Haus begeben, woselbst ein Schanklocal befindlich ist. Da dasselbe schon geschlossen war und eine Darreichung von Getränken verweigert wurde, so erfolgte von Seiten der Eingedrungenen tumul- marische Drohung, worauf mehrere Einwohner des Hauses sich einfanden, namentlich ein Cigarren⸗ macher, welcher von jenem Fähnrich mit dem Degen des Offiziers derartig verwundet wurde, daß er am dritten Tagt darauf der tödtlichen Verletzung erlegen ist.
Aus Wiesbaden wird gemeldet, daß dort Thalerwährung mit dem Neujahrstage bei allen öffentlichen Kassen ins Leben getreten; im Handel und Wandel scheinen sich jedoch die Groschen noch nicht einbürgern zu wollen. Da die alten Münzsorten aus zugeben und einzunehmen nicht verboten ist, so wird voraussichtlich die Thaler⸗ währung vorläufig nur in den Staatsrechnungen eine Wahrheit werden und der rheinische Gulden nach wie vor im Verkehr die herrschende Münzsorte bleiben.
Bayern. München. Abgeordnetenkammer. Der Antrag des Ausschusses, gegen die Erhöhung des Standesgehalts der Minister von 3000 auf 6000 Gulden ausdrückliche Verwahrung einzulegen, wurde mit 52 gegen 44 Stimmen angenommen.
Baden. Mannheim. Für den Nothstand in Ostpreußen sind am hiesigen Platze auf dem Wege der Privatsammlung 1500 fl. aufgebracht worden, was die„Zukunft“ als gutes Beispiel mittheilt mit der Bemerkung:„Das ist nicht Sache der Mainlinie, bemerkt man uns dabei, und wir fügen hinzu: auch nicht Sache irgend einer Partei, sondern nur und allein Sache des Herzens und: Kein fest Herz, das nicht auch zur rechten Stunde ein bewegt Herz!“
Oesterreich. Wien. Dit offiziöse„Cor · respondenz Schweitzer“ meldet: daß der preußische Gesandte am Wiener Hofe, Baron Werther, dem Kaiser am Neujahrstage sein Beglaubigungsschreiben als Gesandter des norddeutschen Bundes überreichte.
— Bei dem Empfange der Beamten des Ministeriums des Innern durch Minister Giskra betonte derselbe, daß mit seinem Amtsantritte der Geist der Verfassungsmäßigkeit und Verfassungs⸗ treue in die Verwaltung einziehen müsse. Giskra erwarte und fordere von den Beamten, daß die⸗ selben vollständig zum neuen System stehen würden. Wem dieser unbedingte Anschluß mit seiner Ueber⸗ zeugung nicht vereinbarlich, möge sich zurückziehen. Von Denjenigen, welche trotzdem im Amte blieben, erwarte der Minister unbedingte treue Unterstützung der Maßnahmen, welche das Wohl des konstitu⸗ tionellen Staates erheischen. Auch der Minister Hasner hielt eine Ansprache an die Beamten
des Kultus ministeriums, in welcher er betonte, geset
daß im Geiste der sanktionirten Grundgesetze gewirkt werden müsse.
Frankreich. Paris. Die„Patrie“ kündigt an, daß nach den letzten über das Con⸗ serenzprojekt stattgefundenen Pourparlers die Ver ⸗ tagung der Verhandlungen mit allseitigem Ein⸗ verständniß beschlossen ward.
Großbritannien. London. Die „Anglo-amerikanische Correspondenz“ meldet: Gestern Nacht, 3. d., wurde bei Cork ein Pulver- magazin erbrochen und zehn Centner Schießpulver gestohlen. Von den Dieben zeigte sich keine Spur.
Dollars Contanten eingetroffen und bringt fol gende Nachrichten aus Newyork vom 25. Dez.: Die Baumwollernte in Missisippt entspricht nicht zur Hälfte den Erwartungen der Plantagenbesitzer, weßhalb dieselben den Lohn der emancipirten Arbeiter nicht bezahlen können. Unter den Arbeitern herrscht Unzufriedenheit und bedrohen dieselben, sich organistrend, die öffentliche Ruhe. Das Ein⸗ schreiten von Militär wird wahrscheinlich noth⸗ wendig.— Der Dampfer„Virginta“ ist von Newyork eingetroffen und bringt 347,500 Dollars Contanten mit.
Italien. Florenz. Die Publication der neuen Ministerliste wird erwartet. Der Kammer- präsident Lanza machte bekannt, daß die Eröffnung des Parlaments, wegen der durch den starken Schneefall auf den Eisenbahnen Norditaliens hervorgerufenen Störungen, bis zum 11. Januar vertagt werden mußte.
Neapel. Vom 4. d. wird geweldet, daß der Ausbruch des Vesuvs beunruhigende Dimensionen angenommen. Beständige Stöße und Detonationen fanden statt. Großer Schrecken herrscht in den Dörfern am Fuße des Vesuvs.
— Die Ministerkrisis in Italien zieht sich
noch immer hin. Nach den letzten Berichten wird an den bekannten Unterhändler Visconti-Venosta als Minister des Aeußeren gedacht, Menabrea würde dann das Ministerium des Inneren über- nehmen. Rußland. Der Minister des Innern ordnet an, daß der Aufenthalt in Rußland nur gegen Austausch ver ausländischen Pässe gegen russische gestattet ist; als Motiv dieser Verordnung wird bezeichnet, das Herumstreichen von Individuen aus Mittelasien und dem Kaukasus mit persischen und türkischen Pässen zu verhindern.
» Friedberg. Fabrikant Wilh. Büchner in Pfung⸗ stadt hat folgenden beachtens⸗ und nachahmungswerthen Aufruf an den dortigen Arbeiterstand veröffentlicht.„Die große Theuerung, der theilweise Mangel an genügendem Verdienst, die kalte Jahreszeit, der wir enigegengehen, hat mich veranlaßt, um kommender Noth nach meinen Kräften entgegenzutreten, dem hiesigen Arbeiterstand unter nach⸗ folgenden Bedingungen„Ein tausend Eulben“ leihweise und zinsenfrei zu überlassen. Jeden Sonntag Morgen, vom 8. d. M. anfangend und den letzten Sonntag im Monat März endigend, vorausgesetzt, daß die obige Summe so langt ausreicht, werde ich zwischen 9 und 12 Uhr Jedem dem Arbeiterstand angehörigen Familienvater der mir genügend nachweist, daß er in der abgelaufenen Woche ohne den zur Ernährung seiner Familie nöͤthigen Verdienst war, Beträge von 30 kr. an bis 3 fl., je nach Verlangen behündigen. Der erhaltene Betrag wird einfach in einem dazu vortzandenen Buch quittirt. Ein Arbeiter kann aber im Laufe der angeführten Zeit nicht mehr als zwanzig Gulden erhalten. Die Rückzahlung hat im Laufe des Sommers und namentlich bis längstens Ende Oktober 1868 fattzufinden und kann in Beträgen von 30 kr. jeder Zeit geschehen. Wer bis dahin nicht bezahlt hat, muß erwarten, daß sein Name veröffentlicht wird und geschieht die Beitreibung dann auf gerichtlichem Wege. Der Erfolg der Rückzahlungen wird den Nachweis liefern, ob ich mich in dem Vertrauen zu der Tüchtigkeit und Redlichkeit unseres Arbeiterstandes getäuscht habe und in nachfolgenden Wintern einen gleichen oder ausgedehnteren Credit den Arbeitern gewähren werbe. Notorisch Arme wie Trunken⸗ bolde sind ausgeschlossen.
„ Friedberg. Um der Herebsetzung des Portes in der That theilhaftig zu werden, wird es sich für Ge⸗ schästsleute empfehlen, sich mit auswärtigen Häusern, mit denen sie in Geschäftsverbindung stehen, dahin zu verstänbigen, daß für die Folge der Brieswechsel nur in franlirten Briefen geschieht. Für die Familien⸗ und ber⸗ gleichen Correspondenz ist berselbe Rath zu ertheilen, weil Franco⸗Briese nur den halben Portosatz ersordern.
Friedberg. Der Preie des Nauheimer Salzes 9 der Niederlage zu Friedberg ist wie nachstehend fest⸗ etzt:
1) 1 Sack Kochsalz zu 200 Pfund netto 9 fl. 42 kr. 27 100 4„ 5
*****
%
— Der Dampfer„Russia“ ist mit 1,082,475
1) 1 Sack Viehsal 200 nd netto 2 fl. 22 kr. N 15 16
r 1 1 3„
1 Pfund Taselsalz 6 kr.
Der frühere Regleprels betrug:
****
ad 1) Kochsalz 9 fl. 40 kr. 1 4, 7 „ 1) Viehsalz 4 0 M. „ 1 E 6 1
1 3 1 Pfund 9 6„ Hierbei ist jedoch noch zu berlücksichtigen, daß die Regle Fuhrlohn vom Magazin an jeden Ort des Landes mlt f 1 Stunde vom Centner vergütete, welcher nun wegfällt.
» Södel. Am Morgen des 4. d. brach in der Hofralthe des hiesigen Ortsbürgers W. Kleeberget Feuer aus und legte in kurzer 30f dessen gefüllte Scheuer in Asche. Ein weiteres Umsichhreisen des Feuers wurde durch rasche Hülfe verhindert.
»Ilbenstadt. Am 2. d. starb die Frau Gräfin zu Alt⸗Leiningen⸗Westerburg und erfolgte am 6. die Beisetzung der Leiche in der Familiengruft zu Schloß Ilbenstadt.
Frankfurt. Nach dem 190. Jahresbericht des hie⸗ sigen Waisenhauses bat die Verwaltung dieses Instituls mit dem früheren System der Erziehung der Waisen in casernenartigen Gebäuden gänzlich gebrochen und erklärt, daß sich das neue System der Unterbringung der Kinder in Familien vollständig bewähre. Am Jahresschlusse waren 210 Kinder, 114 Knaben und 96 Mädchen auf diese Weise zur Erziehung untergebracht, 15 mehr als am 1. Januar 1867. Außerdem wurden 49 in der Lehre stehende Zöglinge mit der erforderlichen Kleidung und Wasche versehen. Viele Gesuche um Versorgung von Kindern mußten zurückgewiesen werden. Der Betrag der zugekommenen Geschenke ist noch nie so niebrig geblieben, er belief sich auf 1015 fl. 12 kr.
Darmstadt. Dieser Tage wurde der Papiermüllet Steigauf von Groß⸗Zimmern nebst zwei Complicen in das hiesige Arresthaus eingeliefert. Derselbe ist beschuldigt, ein Paket hessisches Papiergeld, das er einstampfen sollte, unterschlagen und verausgabt zu haben. Ein vierter Genosse wurde in Wiesbaden verhaftet.
Darmstadt. Ueber das Vorkommen falschen hessi⸗ schen Papiergeldes theilt die„Fr. Z.“ Folgendes mit: Einem Leipziger Hause und einer diesigen Firma ist die Anfertigung des neuesten hessischen Papiergeldes übertragen worden. Von der letzten Sendung wurde eint größere Anzahl Scheine als Ausschuß zurückgestoßen und unter Aussicht eines Finanzbeamten in einer Papiermühle bei Großzimmern eingestampft. Einem Arbeiter gelang es, ein Paket von 300 Scheinen mit 10,, 5⸗ und 1·fl.⸗ Scheinen rasch zu sich zu stecken. Die noch fehlende— siets geschriebene— Unterschrift des Controlbeamten wurde gesaͤlscht und im Verein mit zwei Mitschuldigen in Wies⸗ daden gespielt. Die dortige Bank soll sich, wie im Publi⸗ kum verlautet, im Vesitze fast des ganzen entwendeten Pakets von 1500 bis 2000 fl. befinden. An dem grünen Tische wurde durch die Wachsamkeit des rühmlichst be⸗ kannten Polizeiraths Leichtweiß von Mainz ein Spieler verhaftet, der im Besitze von falschen, noch des Trocken⸗ stempels entbehrenden Scheinen war, drei weitere Com⸗ licen wurden durch hessische Gerichte hinter Schloß umd iegel gebracht. Die Untersuchung ist in vollem Gange.
Alsheim. Hohes Alter. In Alsheim find unter den im Laufe des Jahres 18867 Berstordenen 5 Personen gewesen, welche das 80. Lebensjahr bereits überschritten batten. Ein Mann hatte sogar das seltene Alter von beinahe 97 Jahren erreicht; er war zugleich vielleicht der letzte Veteran des weiland churpfälzischen Contingents, welchem er in seiner Jugend kurze Zeit als Musketier angehört hatte.
„„ Heimstätte für Frauen. Der Fürst der Kaufleute, Alexander J. Stewart in Newyerk. with nächstens mit einem Kostenaufwanke von 1,000,000 Pfd. St. in der oberen Stadt eine Reihe— herstellen, die zur Aufnahme der arbeitenden Frauen ewyork's be⸗ stimmt sind. Es soll kein Armenbaus werden, sondern eine behagliche Heimstätte, in der sie Kost und Logis zu einem seldst für sie leicht zu eischwingenden Preise finden — und ein etwaiger Ueberschuß soll zur Errichtung Ahn licher Anstalten verwendet werden.
„ Die größte Schlacht. Das Beiheft zum preußischen Militär⸗ Wochenblatt enthält unter Anderem einen Aufsatz:„Betrachtung über größere Schlachten“. woraus man ersieht, daß die Schlacht von Königgrätz in Bezug auf die Gesammtmasse der betheiligten Truppen die größten Schlachten der Neuzeit übertrifft. Während bei Leipzig 240 000 Verbündete und 140 000 Franzosen, alss zusammen 380 000 Mann; bei Wagram 200 000 Franzosen und 140 000 Oesterreicher, zusammen 340 000 Mann; bei Selferino 150 000 Oesterreicher und 150 Verbündete, zusammen 300 000 Mann; bei Borobine 130 000 Franzosen und 120 000 RNussen, zusammen 250 000 Mann; bei Belle ⸗ Alliance 40 000 Preußen, 65 000 Verbündete und 75 000 Franzosen, im Ganzen 180 000 Mann engagirt gewesen find haben del Königgrätz 220 000 Preußen gegen 000 Oesterre icher
gefochten, im Ganzen also 420 000 Mann am Kampfe theilgeuommen.
bicher übrigen 20
Olas, 9
die besse Schuien
Spiegel bäder, Dient Geiler.


