Diese Grundlage einer großen nationalen Zukunft zu be⸗ festigen und im Sinne bürgerlicher Freiheit und volks⸗ wirihschaftlicher Woblfahrt auszubauen, wird fortan das Ziel aller Bestrebungen des Reichstages sein.— Seit der staatlichen Einigung Norddeutschlands sind wir uns in erböbtem Maße der Pflicht bewußt, jedem Wunsche und Bedürfniß der süddeutschen Staaten nach Herbeiführung der den Süden und Norden umfassenden nationalen Ver⸗ bindung entgegenzukommen. Wir unsererseiis dürfen das große Werk erst dann für vollendet erachten, wenn der Eintritt der süddeutschen Staaten in den Bund auf Grund des Artikels 79 der Verfassung des Norddeutschen Bundes erfolgt sein wird. Mit Freuden begrüßen wir deßhalb jede Maßregel Eurer Majestät, welche, wie die Vorlage wegen der Wiederherstellung des Zollvereins, uns diesem ersehnten Ziel in freier Vereinbarung aller Theile näher führt.— Die unwiderstehliche Macht nationaler Zusam⸗ mengebörigkeit und die Harmonie aller materiellen und geistigen Juteressen schließt jeden Rückschriit auf dem be⸗ tretenen Wege aus. Wir sind überzeugt, daß die hohen verbündeten Regierungen, ihres Weges und Zieles unbe⸗ irrt gewiß, nicht befürchten, daß andere Nationen uns das Recht auf nationale Existenz streitig machen könnten. — Das deutsche Volk, von dem Wunsche beseelt, mit allen Völkern in Frieden zu leben, hat nur das Verlan⸗ gen, seine eigenen Angelegenheiten in voller Unabhängig keit zu ordnen. Entschlossen, jeden Versuch fremder Ein⸗ mischung in ruhigem Selbstvertrauen zurückzuweisen, wird Deuischland dies unbestreitbare Recht unter allen Umstän⸗ den zur thatsächlichen Geltung bringen.— So gehen wir in froher Zuversicht an das Werk des Friedens, welches jetzt und künftig dem Reichstage obliegt. Durch sorgfäl⸗ nige Pflege der geistlichen und siitlichen Güter des Volkes, durch weise Sparsamkeit in den Ausgaben und gerechte Vertheilung der Lasten, durch gleiches Recht für Alle und gleiche Pflicht eines Jeden, durch treue Hingabe an das Vaterland wird das von der Nation unter der glorreichen Führung des königlichen Hauses der Hohenzollern begrün dete Gemeinwesen unerschütterlich sein.— In tiesster Ehr⸗ furcht verharren wir Ew. königl. Majestät allerunterthä⸗ nigst treugehorsamst— Der Reichs lag des Norddeutschen Bundes:
Dr. Aegidi, v. Blankenburg, Dr. Braun(Wiesbaden,)
Antragsteller. Unterstützt durch: Fürst zu Solms, Graf Bethusy⸗Huc, Freiherr v. Unruh(Bomst,) v. Sänger, Freiherr v. Doͤrn⸗ derg⸗Dewens, v. Schwarzkoppen, Otto, Graf zu Solms. Laubach, Freiherr Nordeck zur Rabenau, Graf v. Franken⸗ berg, Hagemeister, Lieutenant Blum, Graf v. Oppersdorf, Dr. Michaelis, Krieger(Posen.) Nebelthau, Weigel, For⸗ kel, Dr. Meyer(Tborn,) Dr. Oetker, Dr. Prosch, v. Saltz⸗ wedel, v. Below, Dr. Köster, v. Arnim⸗Heinrichsdorf, Dr. Eichmann, Graf zu Eulenburg, v. Cranach, v. Denzin, v. Weitzel, Wagener(Neu⸗Slettin,) v. Seidewitz(Bitter feld,) v. Lewetzow.
— In den neuen Landestheilen soll, da die Gesetzgebung über die Polizei sich dort als un- zulänglich erwiesen und namentlich in dem poli⸗ zeilichen Verordnungs⸗ und Executions⸗Recht Lücken enthält, das preußische Gesetz vom 11. März 1850 über die Polizeiverwaltung eingeführt werden.
— Der„Staats⸗Anzeiger“ enthält eine könig⸗ liche Verordnung, die Auflösung des Abgeordneten⸗ hauses betreffend, nebst einem Bericht des Staats ministeriums, welcher als Motiv der Auflösung die Erweiterung des Staatsgebietes und die po⸗ litische Umgestaltung Deutschlands aufführt, wo⸗ durch die bisherigen Abgeordneten nicht mehr als Vertreter des gesammten Volkes erscheinen.
— Der„Staatsanzeiger“ meldet die Er⸗ nennung des bisherigen Landratbs Guido v. Madai, dessen Function als Civilcommissär der Stadt Frankfurt jetzt aufhört, zum Polizeipräsi⸗ denten daselbst.
— Schulze ⸗Delitzsch hat als Anwalt der deutschen Genossenschaften einen Protest gegen das von Seiten der französischen Regierung ergangene Verbot des Congresses der Cooperativ-Gesellschaften erlassen.
— Durch den Genuß trichinenhaltigen Schweinenfleisches ist während der letzten Wochen in Berlin eine große Zahl von Erkran- kungen, deren etwa 70 ermittelt sind, zwei sogar mit tödtlichem Ausgange, veranlaßt worden. Sämmtliche Erkrankte gehören mit einzelnen Aus- nahmen einer und derselben Stadtgegend an und haben Schweinefleisch genossen, welches von einem und demselben Schlächter entnommen ist.
— Der König wird sich am 27. d. nach der Insel Mainau begeben und am 2. October über Friedrichshafen, woselbst er sich 2 Stunden aufhalten wird, nach Burg Hohenzollern, Hechingen und Sigmaringen reisen, sodann am 6. October nach Nürnberg gehen und dort übernachten, wo⸗ rauf er am folgenden Tage über Coburg, wo ein kurzer Aufenthalt stattfindet, nach Weimar sich
— Die nassauischen Reichstagsab⸗ geordneten wurden als nassauische Vertrauens- männer zu Berathungen über Kreisverfassung und Communalverfassung vom Minister des Innern berufen und haben am 24. d. die erste Zusammen⸗ kunft gehabt.
Hannover. Die hannover'schen Provinzial⸗ stände sind heute eröffnet worden. In der vom Grafen Stolberg gehaltenen Eröffnungsrede be— zeichnete derselbe die Förderung der Provinzial⸗ Interessen als Hauptaufgabe der Stände. Graf Münster dankte Namens der letztern, wozu ihm Lenthe das Recht bestritt. Er wurde darüber zur Ordnung gerufen.
Der Geburtstag des Kronprinzen von Hannover hat dahier zu Demonstrationen Veran- lassung gegeben, welche mit der Verhaftung von etwa 30 Personen, darunter angeblich auch meh— rere Reservisten, endeten. Auch sollen Verletzungen einiger Ruhestörer vorgekommen sein.
— Wie von Berlin gemeldet wird, wären die Verhandlungen mit dem König Georg von Han— nover beendet; derselbe würde keine Domänen, sondern eine Abfindungssumme erhalten. Wetzlar. Die übertriebenen Gerüchte von dem Ausbruch der Cholera dahier sind auf fol— gende vereinzelte Fälle zu reduciren: Ein hiesiger Einwohner, der von Köln kam, wo er in einem Hause übernachtet hatte, worin mehrere Cholera— kranke lagen, wurde bei seiner Ankunft in Wetz— lar sofort von dieser Krankheit befallen. Er ver— schied erst nach einigen Tagen, während seine Frau, die durch ihn angesteckt wurde, schon wenige Stunden nach ihrer Erkrankung starb. In einem anderen Hause erkrankte noch ein Kind, der Mann und die Frau; bei den ersteren trat ein schneller Tov ein, während die Frau sich noch in Behand- lung befindet. So hat die Cholera in Wetzlar 4 Opfer gefordert und kann jetzt, da seit dem 17. d. M. keine Erkrankung mehr vorgekommen ist, als erloschen betrachtet werden.
Frankfurt, Die so lang erwartete Rege- lung der Frankfurter Angelegenheiten dürfte nun in den nächsten Tagen erfolgen, da dies noch vor dem 1. October geschehen muß, wenn man die Mitwirkung des Abgeordnetenhauses vermeiden will. Obwohl viele und vielleicht auch berechtigte Wünsche durch die endgültige Regelung nicht befriedigt werden dürften, so hört man doch, vaß dieselbe günstiger für Frankfurt ausfallen wird, als es lange Zeit den Anschein hatte. Die Vermögensverhältnisse der Stadt Frankfurt sollen so gestaltet werden, daß die Einwohnerschaft die
damit verbundenen Lasten ohne Schwierigkeit tragen kann. Wiesbaden. Wie der„Rhein. Kur.“ aus
zuverlässiger Quelle erfährt, ist die Domanial“ Angelegenheit zwischen der Krone Preußen und dem Herzog von Nassau endgültig erledigt, indem der Herzog den Vertrag am 19. ds. unter⸗ zeichnet hat Er behält die Schlösser: Biebrich, Weilburg und Platte nebst Parks und Neben- gebäuden, ferner die russische Capelle, das Hof⸗ gut Hornau und die Besitzung in Königstein mit den dazu gehörigen Gebäulichkeiten und Gärten. Außerdem erhält er eine Abfindungssumme von 15 Millionen Gulden.
— In Bezug auf den Ausgleich zwischen der Krone Preußen und dem Herzog von Nassau berichtet der„Rh. K.,“ daß die dem Herzoge auszuzahlenden 15 Millionen Gulden Familien- Fideicommiß des nassauischen Hauses werden. Die in Straßburg lagernden Cabinetsweine im Werthe von einer halben Million sollen ebenfalls noch dem Herzoge überlassen werden.
— Die in der beabsichtigten Zusammenberu⸗ fung nassauischer Vertrauensmänner eingetretene Verzögerung hatte vielfach zu der Annahme ge⸗ führt, daß dieselbe gar nicht oder doch nicht mehr vor dem 1. October erfolgen werde. Die„N. A. Ztg.“ meldet indeß jetzt, daß die Berufung in den nächsten Tagen bevorstehe.(Siehe Berlin.)
Oesterreich. Wien. Die heutige„Wie⸗ ner Abendpost“ versichert, die Reise des vorgestern mit Familie hier eingetroffenen französischen Ge⸗
begeben wird.
sondern sie sei lediglich als eine Vergnügungsreise anzusehen.— Gegenüber der Zeitungsnachricht; der Admiral Tegethoff werde, im Falle ihm die Ueberlieferung der Leiche des Kaisers Maximilia verweigert würde, mexicanische Häfen bonfatpirnf wiederholt die„Abendpost,“ daß die Sendung Tegethoffs eine durchaus friedliche sei und daß et keinerlei gewaltsame Maßregeln zur Erreichung des Zweckes seiner Sendung anwenden werde. — In den nächsten Tagen soll eine amtliche Publication bevorstehen, wonach die Converston der Staatsschulden auf die rententragenden Papiere beschränkt, die Loospapiere ausdrücklich davon ausgeschlossen und Garantien für die Nichl⸗ verletzung der Staats-Gläubiger in verschärsten officiellen Ausdrücken gegeben werden sollen. Holland gehört zu jenen glücklichen Län— dern, in welchen sich trotz der Erhöhung der Mili— tärlasten Ausgaben und Einnahmen vollständig decken. Fast alle anderen Länder haben bekannt lich ein hübsches Defieit. Frankreich. Paris. zufolge ist die Nachricht falsch, daß zwischen Ber⸗ lin und Paris Erklärungen betreffs des Bismarck“, schen Circulars stattgefunden haben, ebenso sei auch von einer Modification der September ⸗Con⸗ vention keine Rede; Italien werde seinen Ver pflichtungen nachkommen, nur für etwaige unvor— hergesehene Eventualitäten sei eine neue Verstän; digung zwischen den beiden Mächten Frankreich und Italien nothwendig.
— Die französischen Blätter beschäftigen sich des Ausführlicheren mit dem Bismarck'schen Circular über die Salzburger Zusammenkunft, das die Einen friedlich, die Anderen provoeirend finden, Es genügt, anzuführen, daß die eigentlich officib sen Blätter, mit Ausnahme der„France,“ welche consequenterweise sorttobt und Preußen beschuldigt, daß es Frankreich zum Bruche reize, sich der er⸗ steren Auffassung hinzuneigen scheinen..
— Die„Epoque“ meldet unter dem größken Vorbehalt, daß viel davon die Rede wäre, et sei wiederum nach Toulon der Befehl abge⸗ gangen, eine gewisse Anzahl von Schiffen für den Transport von 20,000 Mann Truppen, deren Bestimmungsort Rom wäre, bereit zu halten, damit sie sofort in See gehen können.
Italien. Florenz. Die„Officielle Zei tung“ enthält eine Erklärung über die garibaldische Agitation, welcher zufolge das Ministerium nicht erlauben wird, die Grenzen des römischen Ge— biets zu übertreten, indem es gleichzeitig den Zu⸗ widerbandelnden die Verantwortung für alle Folgen überläßt, welche sie provocirt haben möchten.
— Garibaldi hat in Arezzo eine Rede ge⸗ balten, in welcher er sagte, Italien könnte sich dem Rufe Rons nicht entziehen Die päpstliche Regierung hat ihre Truppen aus der Provinz Frosinone zurückgezogen und dieselden um Rom concentrirt.
Rom. In einem vom Papste abgehaltenen Consistorium sprach derselbe ein Verdammungs⸗ urtheil über das Decret der italienischen Regie/ rung bezüglich der Veräußerung der Kirchengüter aus, indem er gleichzeitig das Decret und dessen Wirkungen für null und nichtig erklärte.
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Homburg, 20. Spi. Der Südd. Polizei⸗T.legtaph melde: Zwei Unbekannte haben am 16. d. M., Morgens 3 Uhr, zwischen Friedrichsdorf und Köppern einen Raub⸗ anfall auf einen Fuhrmann von hier gemacht. Der eine, ewa 24 Jahre alt, von großer Statur, mit roibem Back w⸗ bart, dunkler Tuchkappe, grauer zerrissener Schützen jupe, Wasserstiefel bis an den Leib, hat von dem Augegriff nen mit einer Hacke sosche Schläge bekommen, daß er langt Zeit auf der Chaussce liegen geblieben ist. Spuren dieset Schläge müssen sich an dem Hals und Rücken des Ge⸗ schlagenen finden. Der andere, von mittlerer Stalur, eiwa 20 Jahre alt, mit dünnem dunkelem Schuurrbärtchel, irug gleichfalls eine dunkele Kappe, glatte Schützenjuppt zerrissene Hosen, Schuhe.
Büdesheim, Kr Vilbel, brach in dem Hofgur Büdesheim, der von dem verstorbenen
Feuer aus und legte sämmiliche Gebäulichkeiten bis auf das Wohnhaus in Asche. a
Mainz. Das„M. J.“ berichtet: Am Samsiag unterhielten sich zwei Söhne eines hiesigen Weinhändlers mit Scheibenschießen aus Pistolen, die ihnen ihr Vater zu diesem Zweck gekauft hatte. Damit nicht zufrieden, wußte
nerals Fleury habe keinerlei politische Zwecke,
Dem„Etendard“
Am Nachmittag des 23. b.
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