Ausgabe 
18.6.1867
 
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Hessen. Darmstadt. Chef des Generalstabs der Großherzoglichen Armee division während des vorjährigen Feldzuges, ist in den Pensionsstand versetzt worden.

1 Friedberg. Kaiser Alexander von Ruß- land traf am 14. d., Abends 11½ Uhr, mit vielem Gefolge in Darmstadt ein, woselbst er von des Großherzogs K. H. und den daselbst an⸗ wesenden Mitgliedern des Großherzoglichen Hauses empfangen wurde. Das zahlreich versammelte Publikum begrüßte den Kaiser mit lebhaftem Hoch rufen. Bei der Fahrt nach dem Schlosse war das Ludwigsmonument bengalisch beleuchtet und mit einem Transparent geziert. Während der Anwesenheit des Kaisers sah man viele Häuser mit russischen und hessischen Fahnen geschmückt. Am Abend des 15. reiste derselbe vermittelst Extra⸗ zug auf der Main ⸗Neckar⸗Bahn ab und passirte gegen 11 Uhr Nachts an unserer Stadt vorbei.

Preußen. Berlin. Die national⸗ liberale Partei hat nunmehr ein Programm veröffentlicht, worin sie sich zu folgenden Grund- sätzen bekennt, und dadurch nun auch äußerlich die Scheidung von der demokratischen Partei kundgibt: Die Herstellung der Einheit Deutschlands zur Macht und Freiheit; die Einigung ganz Deutsch⸗ lands unter einer Verfassung sei die höchste Auf⸗ gabe und der Beitritt Süddeutschlands daher zu befördern. Das Programm führt auch die an- zustrebenden Verfassungsreformen auf, worunter Ministerverantwortlichkeit, Revision der preußischen Verfassung, Reform des Herrenhauses. Die Ver- schmelzung der neuen Landestheile mit den alten sei nothwendig, aber mit Wahrung des Grund- satzes, daß wir den neuen Provinzen folgen, wo sie uns in Justiz und Verwaltung voran sind. Eine den Gesetzen entsprechende Verwaltung sei für das Zusammenwirken der Regierung und der

Oberst Becker,

Volksvertretung unerläßlich.

ueber den bereits berichteten Mord des Schuhmachers Seiffert durch den Artillerielieute⸗ nant v. Schewe vernimmt man, daß letzterer am

Vormittag jenes Tages einen Verdacht hinsichtlich der Ehrlichkeit der Seiffert'schen Eheleute geäußert, was den Mann bewogen, den Lieutenant zur ede zu stellen und, da er die Ewald im Zimmer getroffen, deren Entfernung gleichzeitig verlangt habe. Der Lieutenant soll darauf den Seiffert aufgefordert haben, das Zimmer zu verlassen und sich keiner Hausrechtsverletzung schuldig zu machen. Das soll den ohnehin schon Zornigen noch mehr erregt und zu weiteren beleidigenden Aeußerungen geführt haben. Der Lieutenant habe nun erklärt, daß er den Störer, falls dieser nicht seiner Wege ginge, niederschießen werde, auch einen geladenen Revolver von der Wand genommen. Darauf wäre der Schuhmacher Seiffert trotzig im Zimmer geblieben und ein erster Schuß gefallen, der jedoch abprallte. Seiffert und auch die Ewald fielen, so wird weiter erzählt, dem Lieutenant in den Arm, eine zweite tödtliche Kugel hat dann den Unglücklichen niedergestreckt. Die Obduction der Leiche findet heute durch das Militärgericht statt. Daß der Erschossene Soldat gewesen und den Feldzug 1866 mitgemacht habe, wird als unrich⸗ tig bezeichnet.

Der neuesteStaatsanzeiger meldet die Ernennung des bisherigen ordentlichen Professors, Geheimen Kirchenrathes Dr. Hundeshagen zu Heidelberg zum ordentlichen Professor in der evan⸗ gelisch-theologischen Facultät zu Bonn.

Wiesbaden. Die Nachricht, daß der Her⸗ zog die Unterhandlungen mit Preußen in Betreff der Domänen⸗Aus einandersetzung abgebrochen habe, erweist sich als falsch. Durch die Abwesenheit des Königs von Preußen und des Grafen v. Bis- marck mußten die gepflogenen Unterhandlungen unterbrochen und sollen in kurzer Frist wieder aufgenommen werden.

Aus Thüringen. Die Rinder pest die man schon für erloschen bielt, hat trotz aller Vorsichtsmaßregeln den Thüringerwald übersprun⸗ gen und ist neuerdings in Bechstädt(Kreis Erfurt) ausgebrochen.

Baden. Mannheim. Die bevorstehende

herzogthum, das den Tabaksbau in ausgedehntester Weise tultivirt, auf großen Wiederstand stoßen von Seiten der Tabaksproducenten und Fabrikanten. Es werden bereits größere Versammlungen vor⸗ bereitet, um diese wichtige Angelegenheit zu bespre⸗ chen und geeignet scheinende Schritte zu berathen.

Oesterreich. Wien. Nachdem nunmehr

als gewiß angenommen werden kann, daß sich Kaiser Maximilian am geben und in Gefangen schaft befindet, sollen Seitens des Wiener Hofes Verhandlungen wegen seiner Auslieferung an- geknüpft worden seien. Das wahrscheinlich in Frage kommende Lösegeld als welches sogar die ohne Zweifel übertriebene Summe von 60 Millionen(Gulden?) bezeichnet wurde soll theilweise von dem Oheim des Gefangenen, dem Kaiser Ferdinand, und von den Eltern Maximilian's, dem Erzherzoge Franz und seiner Gemahlin, beschafft werden. Man hofft, wie es scheint, die Todesgefahr von dem Haupte des Exkaisers ab⸗ wenden zu können und setzt alle Hoffnungen auf die Verwendung des Kaisers von Rußland sowie die des Königs von Preußen, welche sich zu jeder Anstrengung, um das Leben Maximilians zu retten bereit erklärt hätten. Diese Angelegenheit soll auch Gegenstand der Erwegung unter den in Paris versammelten Monarchen gewesen sein. Frankreich. Paris. Nachdem der Kaiser Alexander abgereist, auch der König von Preußen und der Kronprinz ihm gefolgt, tritt eine kleine Pause ein in dem glänzenden Schauspiel, das Napoleon seinen Franzosen nach kaum überstan⸗ denem Kriegsfieber gleichsam als Beruhigungs- und Erholungsmittel gegeben; noch ein Kaiser, der von Oesterreich, und zahlreiche Fürsten aus aller Welt rüsten sich zur Wallfahrt nach Paris.

Man spricht davon, daß auch die Königin Vic⸗ toria von England, wenngleich incognito, Paris besuchen werde, und selbst zu einem Besuch des Papstes soll Hoffnung vorhanden sein. Der Kai- ser von Oesterreich wird Mitte Juli, d. h. nach Abreise des Sultans und der Königin von Spa⸗ nien, in Paris erwartet. Der Ankunft der Königin Victoria sieht man nächste Woche ent⸗ gegen. Der Kaiser Napoleon hat seinen beiden hohen Gästen den Wunsch, daß ein Arrangement der europäischen Mächte über eine Verringe⸗ rung der Militärkräfte erfolge, gesprächs⸗ weise wiederholt ausgesprochen. Von Rußland und Preußen ist die Bereitwilligkeit, darüber zu verhandeln, ausgedrückt und sind von Frankreich e Vorschläge in dieser Beziehung vorbe alten.

Der Kaiser Napoleon gedenkt, wie sicherem Vernehmen nach berichtet wird, nach Berlin zu rei. sen, sobald der Sultan Paris wieder verlassen hat. Auf dem Balle bei dem preußischen Bot⸗ schafter trank König Wilhelm, sich zu den dort anwesenden Oesterreichern wendend, die Gesund⸗ heit des Königs von Ungarn.

Amerika. Nach eingetroffenen Nachrichten aus New⸗-York wäre Kaiser Maximilian vor ein geheimes Kriegsgericht gestellt.

Der Nauheimer Teich. Die in der vorigen Nummer dieses Blattes von Nauheim aus gebrachte Nach⸗ richt von einem im dortigen Teich verunglückten Pferd lenkt die Aufmerksamkeit des Publikums in erhöhtem Grade auf diese herrliche Partie des Nauheimer Parks in, an der eben Verschönerungsarbeiten vorgenommen werden, die sich des allgemeinen Beifalls nicht im gleichen Grade zu erfreuen haben, wie die übrigen so überaus genialen und geschmackrollen Anlagen. Man schüttet näm⸗ lich im Augenblick(auf wessen Anordnung wissen wir nicht) viele hundert Wagen Erdabhub, der hinter dem neuen Badhaus gewonnen wird, in den Teich, um dessen südlichen Uferdamm zu verbreitern und mehrere Terrassen herzustellen, die weit in den Wasserspiegel hineinreichen und nach allen Seiten bin eine freie Aussicht über den⸗ selben gestatten. Die Abficht ist gewiß die beste und da⸗ rum nur lobenswerth; aber sie hälte sich unseres Erachtens ebensogut erreichen lassen, wenn man die ungeheuere Masse Erde an die hintere Seite des Dammes angelehnt und so eine eiwa 25 30 Fuß breite ebene Fläche hergestellt hätte, die, mit Bäumen und Strauchwerk bepflanzt, eine neue Zierde des herrlichen Parks gebildet haben würde. So aber schüttet man die Erdmasse Wagen für Wagen in den Teich hinein und verkleinerk denselben in täglich wachsendem Maße. Wer sich aber erinnert, wie ängstlich

Einführung der Tabakssteuer wird in unserem Groß⸗

man früher den herrlichen Teich im seiner Integrität be⸗ schützt, wie man ihn alle paar Jahre ausgeschlämmt und

jede Erdscholle, ja jedes noch so kleine Steinchen aus seiner Nähe entfernt hat, damit sie nicht von Kindern hinein⸗ geworfen werden konnten; wer da weiß, wie seit langen Zeiten die grandiose Wasserfläche für eine der schönsten Sehenswürdigkeiten der ganzen Umgegend galt und wie man von weit ber in Massen herbeiströmte, um sich an dem Anblick derselben zu ergötzen; den überfällt jetzt ein sehr wehmüthiges Gefühl, wenn er die Unmasse Schutt in den Teich versenken und den klaren Spiegel desselben sich von Tag zu Tag verringern sieht. Die geschäfligen Wellen haben nalürlich nichts Anderes zu thun, als die lockere Erde in die Tiefe hineinzuschwemmen, und so wird nicht nur der Teich um viele Quadratklafter kleiner, son⸗ dern auch der südliche Theil desselben wahrscheinlich bald verseichtet und zuletzt zu einer stagnirenden Lache werden.

Man wird uns zwar erwidern:Dein Rath kommt zu spät. Aber als ein alter Freund des Teichs, an dem wir uns schon länger als ein Menschenalter hindurch er Walen konnten wir uns nicht enthalten, unserem

jebling bei seiner jetzigen Verstümmelung unser herzliches Beileid zu bezeugen. Wir wissen wohl, daß man heut zu Tage bei Zier⸗Wasser⸗ Anlagen die grade Uferbinie nicht mehr für schön hält; aber im gegebenen Falle, in welchem nicht nur Verschönerungs⸗ sondern auch practische Zwecke vorwallen und in welchem doch einmal die gerade Linie auf drei Seiten die vorherrschende ist und auch im⸗ mer der ganzen Situation nach bleiben wird, hätte die⸗ selbe auch auf der vierten Seite beibehalten werden können, ohne daß das Auge dadurch beleidigt worden wäre. Un⸗ serer Meinung nach hätte der erste Grundsatz, mit dem man an eine Veränderung der Umgebung des Teichs her⸗ angetreten wäre, lauten müssen:es wird kein Juß breit von der herrlichen Wasserfläche geopfert; im Uebrigen wäre jede Verschönerung der Ufer willkommen gewesen. Aus diesem Grundsatz entspringt auch unser Vorschlag, den Damm nach hinten, wo hinreichend Platz dazu ist nicht aber nach vorn, zu erweitern. Kann von diesem Vorschlag im jetzigen Stadium der Arbeiten noch Gebrauch gemacht werden, so soll es uns freuen; wo nicht, so haben wir wenigstens einem Schmerz Ausdruck gegeben, der, wie wir bestimmt wissen, von vielen Beobachtern Dessen, was eben am Teich vorgeht, getheilt wird. Ausdrücklich wollen wir aber noch einmal betonen, daß wir nicht die Absicht angreifen, die bei dem besprochenen Vorgang zu Grunde liegt und die sicherlich die allerbeste ist, sondern daß wir es nur mit der offen vorliegenden Thatsache zu thun haben. Oeffentliche Thatsachen aber unterliegen auch der öffentlichen Kritik. Werden wir übrigens mit Grün⸗ den überführt, daß unsere Ansicht falsch und unsere Be⸗ fürchtungen grundlos sind, so werden wir uns dankbar belehren lassen und verzichten gerne im Voraus auf jede fernere Discuassion.

Darmstadt Das am 29. d. zum Besten des Abbe Vogler⸗Denkmals stattfindende Concert des Kölner Männer ⸗Gesangvereins wird im großen Saale des Drangerie⸗Gebäudes zu Bessungen gegeben, und sind viele Musikfreunde hierzu bereits angemeldet. Die Verwaltung der hessischen Ludwigsbahn hat den Mitgliedern des Gesangvereins zur Her⸗ und Rückreise freie Fahrt in Waggons II. Classe bewilligt.

Lahnstein. Kürzlich kam dahier eine Vergiftung durch Friedrichshaller Bitterwasser vor. Das Opfer derselben wurde durch schnell herbeigerufene ärztliche Hülfe gerettet. Es scheint, daß der Krug, auf richtigem Wege bezogen, statt des Wassers eine starke Lauge enthalten hat. Möge die amtliche Untersuchung, welche eingeleitet ist, den des Versehens Schuldigen ermitteln und so das Publikum beruhigen.

Aus Kempten, in Bayern, wird berichtet: Eine gräßliche Unthat wurde in dem brei Stunden von hier entfernten Dorse Altusried verübt. Ein dreißigjähriger Bauernsohn erstach in einem Anfalle von Tobsucht seine Mutter und seine zwei Brüder; den Vater verwundete er und die Schwester konnte nur durch eine schleunige Flucht sich retten. Den Leichnamen der Gemordeten hieb der Wüthende mit einem Beile die Köpfe ab, warf erstere vor die Hausthüre und stellte letztere daneben.

Telegraphischer Bericht.

Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agenn.

Das Bremer PostdampfschiffAmerika Capt. Meyer des Norddeutschen Lloyd, welches am 29. Mai von Bremen abging, ist nach einer glücklichen Reise von 12 Tagen wohlbehalten in New⸗York angekommen.

Das Hamburger PostdampfschiffAllemenia Capt. Meyer, welches am 25. Mai von Hamburg abging, ist nach einer glücklichen Reise wohlbehalten in New⸗Pork angekommen.

Schiffs nachrichten. Mitgetheilt von Chr. Hecht in Friedberg, Spec.⸗Agent. Angekommen in New⸗ York:

Am 23. Mai SegelschiffEugenie von Hamburg. Am 23. Mai SegelschiffColumbus von Bremen. Am 23. Mai SegelschiffHelmuth und Simonis von Bremen. Am 26. Mai SegelschiffHumboldt von Bremen. Am 27. Mai SegelschiffArgonaut von Bremen.

Die Mitglieder des Lokalgewerbpereins

werden zu einer Besprechung über den Fortbestand der lechnischen Schule in Darmstadt auf Mittwoch den 19. d. M., Abends 8 Uhr, und diesmal aus wiftigem Grunde ohne Zusendung von Kärichen, mit dem Wunsche sich zahlreich zu betheiligen, hiermit eingeladen.

Friedberg den 17. Juni 1867.

Der Vorstand.

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