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freiheit, Aufhebung der Strafbestimmungen gegen Coalitionen, Selbständigkeit der Volksschulen, Aufhebung kirchlicher Inspectionen, Verbesserung der Besoldung und wissenschaftliche Vorbildung der Lehrer zu erlangen. 4) Die Sicherung des Friedens dadurch zu begründen, daß der dem Volke verfassungsmäßig zustehende Einfluß auf die Staatsangelegenheiten zur Geltung gebracht wird. Zum Vorstand wurden Löwe, Duncker und Runge wiedergewählt.
— Die Nachrichten aus Ostpreußen geben ein immer düsteres Bild der dortigen Verhältnisse, und eine Beschleunigung der in Aussicht gestellten Hülfe thut dringend noth, wenn die Hülfe nicht für Tausende von Familien zu spät kommen soll. In Berlin haben jetzt auch die letzten Bauarbeiten eingestellt werden müssen, und es dürften sich die Anzeichen einer großen Noth, welche schon jetzt nicht vereinzelt auftreten, sehr bald in bemerkbarer Weise vermehren.
— Wie die„Kreuzztg.“ mittheilt, sagte Graf Bismarck in der Sitzung des Abgeordneten⸗ hauses bei Besprechung des Verfahrens Seitens der königl. sächsischen Regierung in der Angelegen- heit über die Einladung zur Conferenz:„Correcter Weise hätte auch die großh. hessische Regierung dem Bundespräsidium die Einladung überreichen müssen.“
— Der„Staatsanzeiger“ enthält eine Cabi⸗ netsordre vom 2. v. Mts., betreffend die in den neu erworbenen Landestheilen, einschließlich Lauen⸗ burgs, an die Schulbildung der einjährigen Freiwilligen vom Jahre 1871 ab zu stellenden Anforderungen. Hiernach soll die Berechtigung zum einjährigen Dienste für die im Jahr 1871 diensipflichtig werdenden jungen Leute von dem⸗ jenigen Grade wissenschaftlicher Bildung abhängig sein, welcher durch einjährigen, erfolgreichen Besuch der Gymnasial⸗Tertia erzielt wird; für die im Jahre 1872 dienstpflichtig werdenden von dem Grade wissenschaftlicher Bildung, welcher der Reife für die Gymnasial⸗Secunda entspricht; und erst für die im Jahre 1873— und später in das dienstpflichtige Alter eintretenden von dem⸗ selben Grade wissenschaftlicher Bildung, welcher in den alten Provinzen hierfür erfordert wird.
Bayern. München. Bei der am 7. d. geschlossenen süddeutschen Militärconserenz wurde allseitig die loyale Durchführung der Stuttgarter Beschlüsse über eine möglichst gemeinsame Ein ⸗ führung der Grundsätze, wie sie bei der preußi⸗ schen Htereseinrichtung bestehen, constatirt, damit die nöthige Schlagfertigkeit der süddeutschen Wehr⸗ kräfte erlangt werde. Weitere diese Angelegenheit betreffende erforderliche Einrichtungen stehen bald zu erwarten. Bezüglich der Festungs fragen ist printipielles Einverständniß erzielt worden, wenn auch die praktische Ausführung auch noch mannig⸗ faltig behindert ist. Die Vertreter der süddeutschen Regierungen sprachen noch den festen Entschluß aus, bei einem etwaigen Kriege mit Frankreich einmüthig mit Preußer zusammenzugehen.
— Der Reichsrath nahm den Gewerbegesetz · artikel an, welcher die Freiheit des Gewerbe ⸗ betriebs sowohl den Inländern als den Aus⸗ ländern ohne Unterschied des Geschlechts noch des Glaubens einräumt. Drei Stimmen waren da⸗
gegen.
Oesterreich. Wien. Die Morgenpost ver⸗ öffentlicht folgende Sensationsnachricht: Der fran⸗ zösische Votschafter Gramont hat ein Notifications⸗ schreiben erhalten, wonach Napoleon mit dem Jaiserlichen Prinzen vor Weihnachten den Papst in Rom besuchen wird. Der Wiener Hof ist während der Anwesenheit Napoleons in Rom durch Erzherzog Albrecht vertreten.
Frankreich. Paris.(Gesetzgebender Körper) Ve der Interpellation über Deutsch⸗ land führt Garnier ⸗Pagés aus, wie die Ursache der gegenwärtigen industriellen Krisis und der Beunruhigung Europas in dem Widerspruch der Worte und der Handlungen der Regierung zu suchen sei. Die Worte seien stets friedlich, die Thaten stets beunruhigend. Die Salzburger Zu⸗ sammenkuuft habe Deutschland beuntuhigt. Die Zurückhaltung Frankreichs in Bezug auf die deutschen
wonnen, wohl aber thrilweise Haß erzeugt. Das Prinzip der Regierung sei angeblich das nationale und doch seien alle Nationalitäten Frankreich feindlich, so Amerika, wie Rußland, so Deutsch⸗ land, wie Italien. Man hätte den Rückhalt nicht in Oesterreich, sondern in Deutschland suchen müssen. Olivier charakterisirte die auswärtige Politik der Regierung und bezeichnet sie als eine verworrene Agitation, die nur zur Ohnmacht führe. Die Regierung halte sich in jeder vorliegenden Frage zwei Thüren offen. Speciell über die deutschen Angelegenheiten sei es unmöglich, die wahre Absicht der Regierung kennen zu lernen.
Großbritannien. Eine in Dublin am 8. d. stattgehabte Massenprozession von 16,000 Personen verlief ohne Unordnung.
— In London wurde am 8. d. das größte und einflußreichste Meeting, das bisher in Eng⸗ land für den Papfst stattfand, unter dem Vor- sitze von Erzbischof Manning abgehalten, bei dem sich die Elite der, eben in der Hauptstadt an⸗ wesenden, Katholiken eingefunden hatte. Der Vorsitzende erklärte der zahlreichen Versammlung, der Zweck des Meetings sei, dem heiligen Vater seine Sympathie auszusprechen gegenüber den kirchenschänderischen Angriffen auf dessen Person und Amt. Die Zeit sei gekommen, daß die ge sammte katholische Welt, die sich allein bisher stille verhalten, ihre Meinung laut ausspreche. Wohl sei die Zahl der Katholiken in England eine geringe, aber eine große Zahl katholischer Nationen stehen ihr zur Seite. Schließlich wurden verschiedene Resolutionen beantragt und ange— nommen.
Italien. Florenz. Die Rede des fran⸗ zösischen Ministers Rouher wird hier als die Grabrede der Conferenz betrachtet. Die„Opi⸗ nione“ sagt: Frankreich inaugurirte dadurch eine clericale Politik und kann nicht erwarten, daß man ihm auf dieser Bahn folge. Unser Recht muß Allen, die es leugnen, gegenüber in fried⸗ licher Weise vom Parlamente bekräftigt werden.
— Marquis de Moustier soll an die italie⸗ nische Regierung eine Note gesendet haben, in der er erklärt, daß der Kaiser Napoleon, wenn er auch mehr denn je entschlossen sei, sich einer gewaltsamen Annexion Roms zu widersetzen, nichtsdestoweniger die Lösung der römischen Frage, die man im gemeinsamen Einvernehmen erbei⸗ führen könnte, nicht zu verhindern wünsche.
2 Friedberg. Ueber den in unserem vorigen Blat te erwähnten Vorfall in Rockenberg bringt der ett. Bote“ folgende nähere Angabe: Am 8. d. wurde in Fried⸗ berg garnisonirender Soldat, Gaul aus Gaualgesheim, der im vor. Quartal in Marienschloß auf Commando ge⸗ wesen, gefänglich in Butzbach eingebracht. Derselbe hatte sich einige Tage bei Wirth A. Landvogt in Rockenberg aufgehalten und hierbti wahrgenommen, daß dieser einige hundert Gulden Kausschilling eingenommen. Am 8. ds., Morgens, ging er nach der Kirche, kehrte aber, nachdem die anderen Hausgenossen sich in derselben befanden, zurück, um der Frau Landvogt seine Zeche zu bezahlen. Er be⸗ rechnete dieselbe selbst auf 2 fl. 45 kr. und gab vor, diese mit einem 5 fl. Schein zu bezahlen. Um das Geld herauszugeben, ging Frau Landvogt in die obere Stube und während sie mit dem Zählen aus einem Beuleichen beschäftigt war, kam Gaul ihr nach, brachte ihr mit dem Stahl eines Bügeleisens mehrert bebeutende Verwundungen am Kapf und Hals bei, wodurch sie besinnungslos wurde, nahm dann das Beutelchen mit dem Geld zu sich und ging nach Butzbach. Dier übergab er einem Kaufmann Angeblich bis zum Abend seine Uniformsstücke, kauste sich für 17 fl. einen anderen Anzug und begab sich um 12 Uhr in dit Restauration zum Bahnhof, um etwas zu genießen. Hier erkundigte er sich, wann der Zug nach Gießen geht und als er vernahm, daß dies erst nach 2 Uhr geschehe, entfernte er sich mit dem Bemerken, daß er einstweilen nach Lang⸗Göns gehen wolle. Inzwischen hatte sich die Kunde von der ruchlosen That verbreitet, ein Gensdarm eilte dem Verbächtigen nach und arreürte ihn in der Nähe von Lang⸗Göns. Bet seiner Ablieferung wurden ungefähr 50 fl. bei ihm gefunden.— Die Unter⸗ suchung ist im Gang und hat Gaul bie That eingestanden. Ob die Verwundungen der Frau lebensgefährlich sind, ist noch nicht constatirt.
Frankfurt. Am Samsiag Nachmittag wurde bei anbrechender Dunkelung zwischen Vornheim und Seckbach ein in letzterem Orte wohnender Mann von 4 Strolchen angepackt. Der Anzegrifsene, welcher in Darmstadt sein Geschäft betreibt, ist gewohnt allsamstäglich zu den Seinigen
zurückzukehren, er führte getade eine nicht unerhebliche Summe(Geldes bel sich. Er setzte sich, als sehr slarker
Angelegenheiten habe die Sympathien nicht ge⸗
Mann bekannt, mit seinem Stock energisch zur Wehr. Auf den durch sein Rufen entstandenen Lärm kam ihm durch Grenzjäger Hülfe, worauf die Strolche entspraugen.
Offenbach. An einem Abende der vorigen Woche wurde dahier kurz nach 11 Uhr in einer um diese Zelt nicht sehr gangbaren Straße(Linsenberg, nächst dem Man) ein hiesiger Bürger von zwei Kerlen überfallen, die ihm seine Baarschaft absorderten. Der Angegriffene jedoch, ein starker Mann, schleuderte einen der Räuber gegen eine Mauer, während er von dem andern von hinten gepackt wurde. Nach kurzem Kampfe indessen suchten die Strolche das Weile. Man fürchtet sehr, daß bei sortdauernder Nahrungslosigkeit, deren eben jetzt viele ausgesetzt sind, D im Laufe des Winters noch mehr vorkommen
unten.
Mainz. Die Sammlung zum Unterhalt der Armee des Papstes hat in der hiesigen Dizzese bereits die Summe von 68 fl. erreicht. Für militärfreie junge Leute, welche alt Freiwillige in die päpstliche Armee eintreten wollen, ist die hiesige Weinhandlung von Molihan und Veit bereit, die näheren Bedingungen anzugeben.
— Wie das„Frankf. Journal“ im Mai d. J. mit⸗ theilte, erhielt Warburg im Laufe dieses Jahres nach Ab⸗ zug der für ihn bezahlten Gerichtskosten die ansehnliche Summe von 2235 fl. als Resultat der für ihn veraustal⸗ teten Kollekte. Der Rh. H. schreibt: Es wird uns fort⸗ . versichert, daß Warburg sich in äußerster Noth befinde.
„„ Germanisches Museum. Oeffentlichen Mit⸗ theilungen zufolge hat Se. Majestät der König Ludwig II. von Bayern durch Allerhöchste unmittelbare Entschließung vom 27. November d. J. das Protectorat über das Ger⸗ manische Museum in Nürnberg zu übernehmen geruht, was ohne Zweifel zur Hebung dieser nanonalen, der Er⸗ forschung deutscher Vorzeit gewidmeten Süftung nicht wenig beitragen wird.— In Friedberg ist nach wie vor Directot Dr. Matthias bereit, über genannte Anstalt jede ge⸗ wünscht werdende Auskunft zu ertheilen, sowie Beiträge und Geschenke für dieselben entgegenzunehmen und weiter zu befördern.
% Ueberall die Palme, der Oelzweig und die Frie⸗
denspfeife, ruft die Berliner„Zukunft“ aus. Doch hat
die Sache zwei Seiten. Der Kaiser der Franzosen will Frieden— und will auch bald wieder eine Gelegenheit zum weiteren Erproben der Chassepot⸗Gewehre; König Victor Emanuel will den Frieden— und Rom; der Kaiser von Rußland will den Frieden— und Konstanti⸗ nopel; die Königin von England will den Frieden— und zieht gegen Abyssinien; Oestreich will den Frieden— und eine baldige Demüthigung Preußens u. s. w.— Alle wollen den Frieden— und noch Eiwas dazu.
% Die Vergiftung der Gräfin Ghorinsky. Ueber den weitern Veclauf der? rsuchung in dem Ver⸗ giftungeprozesse der Gräfin Ch insky erfährt man aus Wien, daß die dort verhastete Julie Ebergenyi dem Untersuchungsrichter ein Geständniß gemacht, dasselbe jedoch auch sofort wieder zurückgenommen hatte. Sie soll außer⸗ ordentliche Unruhe zeigen, in der Zelle beständig auf⸗ und abgehen und nur äußerst wenig, etwas Suppe, Thee ꝛc. ꝛc. zu sich nehmen. Als sie nach dem Eesängnisse transportirt wurde, belheuerte sie dem begleitenden Polizei⸗Beamten in erregten Worten ihre Unschuld,„sie müsse durch gam fremde Schuld ihr Schicksal erleiden.“ Den Gefangenen Auffeher soll sie häufig gesnagt haben, ob auch Gia Chorinsky verhaftet, wann und wo derselbe eingezogen worden sei.— Aus München wurde gemeldet, daß dem 3 Grafen Chotinsky nunmehr Eisen angelegt worden sei.
Bitte.
Da wir auch in diesem Jahre deabsichtigen, für die Kinder, welche die hiesige Klein inderschule besuchen, eine Christbescheerung zu veranstalten, so erlauben wir uns im Vertrauen auf den wohlthätigen Sinn der Bewohner unserer Stadt an alle die Bitte zu richten, uns dazu mit Gaben, zu deren Empfang jede der Unterzeichneten bereit ist, freundlichst unterstützen zu wollen.
Friedberg den 3. Dezember 1807.
Lina Baur. Th. Dieffenbach. C. Trapp. Ehr. Werner. W. Wickenhöfer. Julie Sebastiani.
2894 Liebes geschichten. Neues aus den alten vier Wänden von Rudolf Reichenau. Leipzig, F. W. Grunoto.
Der Verfasser des so ungemein schnell und weit ver⸗ breiteten, bereits in 9. Auflage erschienenen Werkes:„Aus unsern vier Wänden“ hat uns mit dem gegenwärtigen eine Fortsetzung gegeben, welche wir mit dem bezeichnend⸗ sten Worte eine„herzige Gabe“ nennen müssen.
Wie iessinnig der Natur abgelauschs, mit wie feiner Beachtung der kleinsten, so anheimelnder Erscheinungen im Familienleben schreibt Reichenau, wie durch und duch hat sein Menschenkennerblick die innersten Regungen des Herzens studirt, wie anmuthig schildert er die Liebe, bas Wachsen ihrer Blumenknospe bis zur Zeit der Entfaltung, welcher Humor herrscht dabei. In der That, das ist ein ächt deuisches Familienbuch! f
Werde, wie das erste Werk, auch dies herzige Buch ein
Gemeingut aller Familien
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