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Friedberger Intelligenzblatt.
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
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Nu. 419.
Freitag, den 26. Juni.
1837.
Auszug aus dem Groſtherzoglichen Negierungsblatte.
Nr. 13 vom 30. April enthält: 1. Bekanntmachung Gr. Miniſteriums des Großh. Hauſes und des Aeußern vom 17. April, welche den in der 10. Sitzung der deutſchen Bundesverſamm— lung vom 12. März d. J gefaßken Bundesbeſchluß, den Schutz mu⸗ ſikaliſcher u. dramatiſcher Werke gegen unbefugte Aufführung betreffend, zur Nachachtung im Großherzogthum Heſſen bringt. II. Beſtätigung folgender Stiftungen und Vermächtniſſe im I. Quartal 1857. 1. Ver⸗ mächtniß des Joh. Friedr. Zahn zu Darmſtadt von 500 fl. zu Gun⸗ ſten des Landkrankenhauſes daſelbſt; 2. Stiftung eines Ungenannten an die kath. Kirche zu Weiſenau von 100 fl. zu Gunſten der daſigen Armen; 3. Schenkung verſchiedener Einwohner von Darsberg und von benachbarten Orten von 101 fl. 35 kr. an die evang. und kath. Gemeinde zu Oarsberg zur Anſchaffung eines Harmoniums in der gemeinſchaftlichen Kirche daſ.; 4. Vermächtniß der ledigen Eliſabetha Adam von Bürgel an die kath. Kirche daſelbſt von 100 fl. zur Aus⸗ ſchmückung dieſer Kirche und von 50 fl. zur Abhaltung eines Jahrge— dächtniſſes für die Stifterin; 5. Schenkung des israelitiſchen Wohl⸗ thätigkeitsvereins zu Reichelsheim von 424 fl. an die israelitiſche Religionsgemeinde daſelbſt zur Anlegung eines israelitiſchen Fried⸗ hofs, insbeſondere zum Ankauf des hierzu erforderlichen Geländes; 6. Stiftung der Maria Katharina Haßlocher zu Worms an die kath Kirche St. Martin daſelbſt von 100 fl. für die Abhaltung eines jähr- lichen Seelenamtes; 7. Vermächtniß des Karl Ludwig Semler zu Grünberg an den Armenfonds daſelbſt von 2000 fl.; 8. Schenkung des Joh. Adam Keſſel zu Selzen an die evang. Kirche das., beſtehend aus 9 neuen Kirchenfenſtern im Werthe von 225 fl.; 9. des Paul
Kiſſinger zu Selzen an die evang. Kirche das., beſtehend aus einer
Gußſtahlglocke im Werthe von 109 fl.; 10. der Erben des Forſtmei⸗ ſters Heyer zu Oberramſtadt von 100 fl. an die evang. Kirche daſ. zu Gunſten der Ortsarmen; 11. der Wittwe des Lederfabrikanten Carl Deninger in Mainz und ihrer Kinder an die Stadt Mainz von 1000 fl. zu Gunſten der daſigen Handwerkerſchule; 12. eines Unge⸗ nannten an die kath. Kirche St. Martin zu Worms von 100 fl. zur Stiftung eines jährlichen feierlichen Amtes in dieſer Kirche; 13. Ver⸗ mächtniſſe des Hermann Otto von Erbach an die kath. Kirche daſ.,
beſtehend aus einem geſchnitzten Crucifix und einem aus Elfenbein geſchnitzten Antoniusbilde, ſowie einem Legate von 100 fl.; 14. Schenkung des Frauenvereins zu Alsfeld an die evangel. Kirchenge⸗ meinde zu Herbſtein von 100 fl.; 15. des Caspar Weil III. und ſeiner Ehefrau Katharina, geb. Schmidt, zu Oppershofen an die kath. Kirche daſ. von 100 fl. zu Gunſten der daſigen Ortsarmen; 16. Ver⸗ mächtniß des Karl Ludwig Semler zu Grünberg an das Taubſtum⸗ meninſtitut zu Friedberg von 2000 fl., wovon die Zinſen zur Er⸗ ziehung eines taubſtummen Kindes armer Eltern aus der Stadt Grün⸗ berg, eventuell dem Landgerichtsbezirk Grünberg oder der Provinz Oberheſſen, in genannter Anſtalt zu verwenden find; 17. Legat des verſt. Simon Deſſauer zu Worms von 350 fl. zur Anſchaffung einer Orgel für die Synagoge zu Worms. III. Umlagen zur Beſtreitung von Communalbedürfniſſen in den Gemeinden des Kr. Alzei für 1857.— IX. Nichterhebung einer Umlage 3. Cl. von 183 fl. in der Gemeinde Seehof für 1856.— V. Umlagen zur Beſtreitung der Communalbedürfniſſe in den Gemeinden des Kr. Biedenkopf für 1857. — VI. Umlagen zur Beſtreitung der Bedürfniſſe der israelitiſchen Religionsgemeinden im Kreiſe Heppenheim für 1857.— VII. Er⸗ hebung in den Freiherrnſtand: S. K. H. der Großherzog haben allergnädigſt geruht: am 25. Febr. den Dr. Friedrich Ludwig Dael zu Mainz für ſich und ſeine gegenwärtigen und zukünftigen ehelichen Nachkommen beiderlei Geſchlechts in den Freiherrnſtand des Groß⸗ herzogthums, unter Beilegung des Namens und Prädicates„Freiberr Dael von Köth-Wanſcheid, zu erheben.— VIII. Dienſtnachrichten: Am 20. Febr. wurde der Decan und Pfarrer Himioben zu Mainz von dem biſchöflichen Domeapitel zum 6. Domceapitular gewählt; 26. dem Pfarrverwalter Wagner die kath. Pfarrſtelle zu Offenbach, 12. März dem Altariſterei-Verwalter Hinkel zu Seligenſtadt die kath. Pfarrſtelle zu Oberabtſteinach, und dem Pfarrverwalter Noſtadt die kath. Pfarrſtelle zu Lindenfels, und am 19. März dem Pfarrer Hil⸗ genreiner zu Holzhauſen die kath. Pfarrſtelle zu Oromersheim, dem Pfarrverw. Hamman die kath. Pfarrſtelle zu Oſthofen, dem Pfarr⸗ verwalter Strobel die kath. Pfarrſtelle zu Bechtheim übertragen.
Verſchie denes.
Survi. Die Acclimatiſations⸗Geſellſchaft in Paris hat eine neue Pflanze aus Aſien erhalten, welche in Bezug auf ihren Nutzen alle bis jetzt cultivirten Knollenpflanzen übertreffen ſoll. Dieſe Pflanze(Survi) liebt einen leich— ten Boden, vermehrt ſich ſowohl durch Samen als auch durch Ableger, die man im Frühjahr in die Erde gibt, um im September deren Wurzeln zu eſſen. Dieſe letzteren, deren ſich an jeder Pflanze 20 bis 30 vorfinden, ſind finger⸗ dick und 7 bis 10 Zoll lang. Das Fleiſch iſt weiß, mehlig, von ſüßlichem Geſchmack, wie jener der Rüben, und läßt ſich in wenig Minuten in ſiedendem Waſſer kochen. Ein Vortheil dieſer Pflanze iſt auch der, daß ſte keine Kälte fürchtet und daß man ſie nach Bedarf im Winter ernten kann. Sie bietet ein vortreffliches Viehfutter und ent⸗ hält 18 Procent ihres Gewichts an Stärkemehl, iſt daher auch zur Zuckerfabrikation geeignet.
Seitdem man es ſich Seitens der Aerzte zur Auf— gabe gemacht hat, Menſchen künſtliche Augen einzuſetzen, welches Verfahren jetzt zu einer hohen Stufe der Aus— bildung gekommen, iſt es auch dem kurfürſtlich heſſiſchen Kreisthierarzt, Fr. Bauer in Schmalkalden, gelungen, mit demſelben Erfolge dasſelbe Experiment bei Pferden an⸗
zuwenden. Derſelbe ſetzt ſolche künſtliche Augen derart ein, daß es nur einem genau prüfenden Sachkenner ge⸗ liugen wird, dieſelben zu erkennen. Der damit verbun— dene Hauptzweck iſt der, bei noch brauchbaren und ſelbſt Luxuspferden das durch den Verluſt eines Auges ſehr ge⸗ ſtörte äußere Anſehen wieder herzuſtellen und das Ein— dringen von Inſekten, Staub, Kälte ꝛc. in die Augen— höhle abzuhalten, was für dieſe Thiere eine große Plage iſt. Kreisthierarzt Bauer ſetzt aber nicht nur ſelbſt ſolche Augen ein, ſondern gibt auch zum Einſetzen vorbereitete Augen an andere Thierärzte mit der nöthigen Behand— lungsweiſe auf Verlangen ab.
Hundertjähriges Kartoffeljubiläum. Am 11. März hat man in Weimar den Tag gefeiert, an welchem vor 100 Jahren, alſo am 11. März 1757, durch eine Verordnung des Herzogs Ernſt Auguſt Conſtantin„das Säen und Erbauen der Tartuffeln, als einer zum Lebens— unterhalt und vielerlei anderem Gebrauch höchſt nöthigen und nützlichen Frucht“ ermuntert wurde. Es wurde in dieſer Verordnung zugleich beſtimmt, daß,„wer im Jahre 1757 die meiſten Tartuffeln, beſonders von der weißen Art er— bauen und ſolches durch obrigkeitliche Atteſt dociren würde, eine Belohnung von 40 Thlr., die demnächſt folgenden Kartoffelbauer 30, 20 und 10 Thlr. erhalten ſollten..


