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nungen von Treuloſigkeit kommen auch ruͤhrende Beiſpiele der alten Heſſentreue vor. Der Geiſt, in welchem das Ganze abgefaßt iſt, macht es auch in religiöſer Beziehung zu einer nützlichen Lectüre. Doch kann der Einſender nicht umhin, auf den Widerſpruch aufmerkſam zu machen, in welchen der Verfaſſer mit der allgemein angenommenen Meinung wegen der Sage vom Kyffhäuſer Berg getreten iſt. Friedrich I. der Rothbart iſt nach jener der Grund und der Held derſelben. Der Verfaſſer bezieht ſie mehr auf Friedrich II., nach deſſen Tod ein Betrüger auftrat, der ſich für den verſtorbenen Kaiſer ausgegeben hat.
Es freut den Einſender, daß der Verleger den Preis dieſes zweiten Bändchens billiger geſtellt hat als den des
erſten. ch. K. Str.
Verſchiedenes.
Die Dampfnudeln. Der alte Glaſer Brittinger war doch ein verdammt pfiffiger Kerl! Er hörte zwar auf beiden Ohren nicht zum Beſten, aber er hatte doch genug damit gehört, um zu wiſſen, wie man's anzufangen hat, um von der Welt ſo viel als menſchenmöglich zu pro— fttiren. Da hängte er eines Tages ſeinen Kaſten um und ging auf das Land hinaus, um auf den Bauerndörfern die Fenſter auszubeſſern. Heute kam er auch in ein Haus, wo die Leute g'rade über'm Mittageſſen her waren. Die Schüſſel voll Dampfnudeln, an denen die Kruſten ſuperb gerathen waren, ſchielte ſo einladend nach dem alten Glaſer hin— und da ſchielte der alte Glaſer natürlich auch wie— der nach ihr, ſo lange bis ihm das Waſſer auf die Zunge trat. Da hätte er es nun fuͤr ſein Leben gern gehabt, daß Jemand geſagt hätte:„Nu, Alter, wollt Ihr's mithaben?“ Aber er wartete vergebens und ſah eine Dampfnudel nach der andern in die offenen Mäuler hinunterfahren, wie Bergleute in einen Schacht.
Jetzt fing die Hausfrau, nur um des Redens willen, mit ihm ein Geſpräch an und ſagte recht laut, weil ſie wußte, das er harthörig war:„'S is heut kalt Wetter d'raus, he Alter!“ Da ging dem Alten ein Licht auf, und was rathet ihr nun, was er antwortete:„Ne,, ſagt er, „ich danke!“ und klopfte ruhig an ſeinem Fenſter weiter. —„Was hat er geſagt?/ ſprach die Frau und lachte und
alle Andern mit,„der Mann wird doch alle Tage tauber. — Verſteht Ihr denn nit, Alter, kalt Wetter wär' d'raus, ſagt' ich!,„Ne, ich danke ſchön— ich han ſchon zu Mit⸗ tag'geſſen!“— Jetzt ging das Gelächter noch lauter an über den überzwergen Alten, und die Frau ſchrie ihm ſo laut ſie konnte in's Ohr:„Hört Ihr denn gar nix mehr, Mann? kalt Wetter is d'raus, mein' ich l.—„Nu,“ ſagt er,„wenn's denn abſolut ſein muß!“— und mit dieſen Worten ſetzte er ſich auch an den Tiſch zu den Dampf⸗
nudeln hin und klapperte tüchtig mit, während die Andern
über dieſe unerwartete Entwickelung des Spaßes verblüfft und ſtillſchweigend d'reinſchauten.*
In einer Weinſtube der Stadt B., wo gewöhn⸗ lich wohlhabende Gewerbsleute ihr Gläschen zu leeren pflegen, befindet ſich unter Glas und Rahmen folgende curioſe Beſchreibung eines vor mehr als dreißig Jahren von einem Dutzend ehrſamen Bürgern, anſcheinlich in ſehr heiterer Stimmung genoſſenen Frühſtücks. Das Gedenk⸗ blatt lautet:
„Am 3. Auguſt 1820.
Auf die Geſundheit ihres Fürſten tranken hier
Zwölf Bürger ſechsmal zwölf Bouteillen aus,
Und gingen dann Nachmittag um halb vier
In folgender Beſchaffenheit nach Haus:
Herr Glaſermeiſter R. hatte zu tief in Glas geguckt, Herr Spediteur M. hatte ſchief geladen, Herr Inſtrumentenmacher P. ſah den Himmel für eine
Baßgeige an,
Schwertfegermeiſter J. hatte einen Stich erhalten,
Herr Gewehrfabrikant A. jedoch einen Schuß,
Herr Kravattenhändler N. hatte etwas zu viel hinter die Halsbinde gegoſſen,
Müllermeiſter F. hatte zu viel auf's Korn genommen,
Bei dem Maurermeiſter Z. war es im Oberſtübchen nicht richtig,
Schuſtermeiſter M. hatte einen gehörigen Stiefel ge— trunken,
Fiſcher B. hatte einen tüchtigen Zug gethan,
Friſeur P. hatte ſich einen ungeheuren Haarbeutel an— geſchnaͤllt.“
Bekanntmachungen von Behoͤrden und
Privat⸗Anzeigen.
Edicetalladung.
[305] Der im Jahre 1765 geborne, ſeit mehr denn 50 Jahren abweſende Nikolaus Blecher von Oberrosbach, oder deſſen allenfallſige Lei⸗ bes⸗ oder Teſtaments⸗ oder Vertragserben wer⸗ den aufgefordert, ſich unter gehöriger Legitima⸗ tion, wegen Empfangnahme des jenem gehöri⸗ gen, ſeither curatoriſch verwalteten Vermögens ſogewiß binnen 3 Monaten
von heute an hier anzumelden, als ſonſt das⸗ ſelbe den aufgetretenen nächſten Seitenverwand⸗ ten eigenthümlich ohne Caution überlaſſen wer⸗ den wird.
Binnen gleicher Friſt hat der zu den erbbe— rechtigten Seitenverwandten gehörige, unbekannt wo abweſende Joh. Marx Blecher von Ober— rosbach, oder deſſen etwaige Erben ſich über Antretung oder Ausſchlagung der Erbſchaft zu erklären, widrigenfalls Verzicht auf das Erb⸗ recht unterſtellt und die Erbſchaft den allein ſich gemeldet habenden Erben überlaſſen werden wied.
Friedberg, am 14. Februar 1856.
Großherzogliches Landgericht Friedberg Hofmann.
Edietalladung.
306] Die Erben des längſt verſtorbenen Georg Schneider von Oberros bach beabſichtigen die nachbenannten in den Gemarkungen Ober- und Niederrosbach gelegenen, in dem Flurbuche auf den Namen des Konrad Becker II. von Ober- rosbach eingetragenen Grundſtücke, nämlich:
Flur 6/343, 7/234, 8/340, 8,533, 11/180,
10/1330,
zu veräußern, beziehungsweiſe von dem Namen ihres Erblaſſers auf den ihrigen in dem Grund⸗ buche übertragen zu laſſen, vermögen aber Ei⸗ genthumsnachweis über dieſelben nicht zu liefern.
Es werden deshalb auf Antrag der Erbin⸗ tereſſenten alle Diejenigen, welche Eigenthums⸗ anſprüche an dieſelben zu haben glauben, auf⸗ gefordert, ſolche innerhalb
6 0 Tagen
dahier geltend zu machen, widrigenfalls das Eigenthum Jener an den genannten Grund⸗ ſtücken anerkannt, die Kaufbriefe beſtätigt wer⸗ den und der Eintrag in das Mutationsverzeich⸗ niß auf Grund dieſer Urkunden ſtattfinden wird.
Friedberg, den 7. Februar 1856.
8 Landgericht Friedberg
o fmann.
Einladung.
1307] Zu der in Gemäßheit höberer Verfügung am 7. März d. J. und zwar im Prüfungs⸗ ſaale des Gr. Schullehrerſeminars Vormittags von 8 bis gegen 12 Uhr Statt findenden Prü⸗ fung der Taubſtummen laden wir hierdurch er⸗ gebenſt ein.
Friedberg, am 25. Februar 1856. Großherzogliche Direction des Taubſtummen⸗ Inſtituts Dr. Matthias.
Bekanntmachung. 1308] Wegen eingelegten Nachgebotes ſoll hö⸗ herer Verfügung zufolge die am 18. d. Mon. der öffentlichen Verpachtung ausgeſetzt geweſene
Jagd in der Gemarkung von Reichelsheim
Montag den 10. März, Nachmittags 3 Uhr, auf hieſiger Recepturſtube nochmals verpachtet werden.
Indem man auf das frühere Ausſchreiben vom 6. d. M. rückſichtlich dieſer Jagd verweiſt, wird weiter bemerkt, daß Nachgebote nun nicht mehr angenommen werden.
Reichelsheim, den 25. Febr. 1856.
Herzogl. Naſſ. Receptur v. Preuſchen.
von jung
309J Montag! boch la ſchule circa 40 amme öffentlich Oſſenbeim, Großherzogle
— 9 310] Dienſag 100* 10 Uhr der Gemeinde nachſehende Hol 7½ Stecher 58*
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