Ausgabe 
22.1.1856
 
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Zuchhandlung

riefe

verband. 0 Jan. 1854 1 neigen. 20. J St dttirch rakirche: Lung.

Friedberger Intelligenzblatt.

Erſcheint woͤ⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen

fl. 1. 30 kr.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

Einrückungsge bühren für die ge ſpaltene Petitzeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗

ſammen 7 kr.

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Dienſtag, den 22. Januar.

1836.

N 2 24 Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Landgericht Altenſtadt an die Ortsgerichte der zum diesſeitigen Gerichtsbezirke gehörigen Gemeinden. Nach Art. 15 des Edictes vom 26. October 1852:die Organiſation der Ortsgerichte betr. ſollen die Einträge und Löſchungen im Ortshypothekenbuche von dem Vorſteher vorgenommen und, in Gemeinſchaft mit den Ge

richts männern, beglaubigt werden.

Gemachte Wahrnehmungen zu Folge hat dieſe Vorſchrift ſeither wenig Beachtung gefunden, weßhalb wir uns ver anlaßt ſehen, Ihnen für die Zukunft deren genaue Befolgung anzuempfehlen.

Altenſtadt den 14. Jauuar 1856.

Dr. Gil mer.

Erinnerungen eines Londoner Polizeibeamten. (Fortſetzung.)

Wohlan! Ich wendete mich an mehrere Geldver leiher mit gleich ungünſtigem Erfolge, bis vergangenen Montag vor vierzehn Tagen, wo ich auf Mr. Hutton's Geſchäftsplatz an der Korubörſe, als ich zufällig einige Minuten allein war, von einem Manne von mittleren Jahren und anſtändigem Aeußern angeredet ward, der mich fragte, ob ich der Mr. Edmund Webſter wäre, der am vorigen Sonnabend bei Mr. Curtis in Biſhopsgate ſtreet einen Brief abgegeben, worin ich gegen Sola-Wech ſel fünfhundert Pfund auf ſechs Monate geliehen zu ha ben wünſchte. Ich antwortete begierig mit Ja, worauf Mr. Brown, wie der Mann ſich nannte, fragte, ob ich den Wechſel auf fünfhundert und fünfzig Pfund, wie ich vorgeſchlagen, ſchon geſchrieben hätte; wenn dieß der Fall wäre, ſo wolle er mir das Geld ſofort einhändigen. Ich antwortete in freudiger Aufregung, ich hätte den Wechſel noch nicht geſchrieben und auch kein geſtempeltes Formu lar bei mir; wenn er aber ein paar Minuten warten wolle, bis Mr. Hutton oder ein Commis käme, ſo wollte ich eins holen und den Wechſel ſogleich ausfertigen. Er zögerte einen Augenblick und ſagte dann:Ich habe heute morgen viel zu thun, will aber in dem Kaffeezimmer zum Lorbeerbaum auf Sie warten; machen Sie gefälligſt ſo ſchnell als möglich und ſtellen Sie das Papier auf Mr. Brown. Er war kaum drei oder vier Minuten fort, ſo kam einer unſerer Commis. Ich eilte ſogleich in eine Papierhandlung, kaufte ein Wechſelformular, füllte es gleich an Ort und Stelle aus und begab mich dann da mit ſchnell nach der Taverne zum Lorbeerbaum. Das Kaffeezimmer war ſehr beſucht, mit Ausnahme des Ver ſchlags, wo Mr. Browu ſaß, der, nachdem er den Wech ſel angeſehen und ſchnell eingeſteckt, mir eine Rolle Bank noten in die Hand drückte.Laſſen Sie das Geld nicht ſehen, ſagte er,es ſind ſo viel Leute da. Sie können die Noten unter dem Tiſche zählen. Ich that dieß; ſie waren ganz richtig zehn Fünfziger, und ich beſtellte ſogleich eine Flaſche Wein. Mr. Brown gab jedoch vor, er habe noch viel Geſchäfte zu beſorgen, wartete nicht, bis der Wein gebracht ward, ſondern wünſchte mir guten Tag und verſchwand, indem er in der Eile meinen Hut anſtatt des ſeinen mitnahm.

Ich jubelte, wie Sie gern glauben werden, nicht

wenig uber dieſe glückliche Wendung meiner Angelegeu heiten, und ſo ſeltſam es Ihnen auch erſcheinen muß und mir jetzt ſelbſt erſcheint, ſo fiel es mir doch damals gar nicht als etwas Außerordentliches oder Ungeſchäftsmäßiges auf, daß ein Mann, dem ich perſönlich unbekannt war, und der deshalb gar nicht wiſſen konnte, ob ich auch der Edmund Webſter ſei, den er zu ſuchen vorgab, mir ſo ohne Weiteres fünfhundert Pfund in die Hand drückte. Ju Folge des Weines, den ich trank, und meines innigen Frohlockens befand ich mich, wie ich mich recht wohl ent ſinne, in einem Zuſtande bedeutender Aufregung, als ich die Taverne verließ, und ich ſchien kaum den Boden un ter meinen Füßen zu fühlen, als ich nach Marklane eilte, um Mr. Hutton von meinem Glück in Kenntniß zu ſetzen und ſeinem Comptoir und dem Getreidehandel auf immer Lebewohl zu ſagen. Er war nicht zu Hauſe, und ich ging hinein in ſein Privatzimmer und ſetzte mich, um ſeine Rückkehr zu erwarten. Ich zweifelte nicht, daß ich, wie der Commis ſpäter ausgeſagt hat, wirklich ſehr aufgeregt ausſah, und es iſt auch vollkommen wahr, daß ich, nach dem ich über eine Stunde vergebens gewartet, ploͤtzlich wieder fortging und zwar, ohne daß es Jemand bemerkte. Ich eilte unmittelbar darauf, nachdem ich Marklane ver laſſen, nach Hampſtead, ſprach Miß Bramſton, und da, mit Ausnahme des Geldes, Alles ſchon ſeit längerer Zeit in Bereitſchaft gehalten worden war, ſo ward beſchloſſen, daß wir den folgenden Morgen mit dem erſten Grauen des Tages nach Schottland fliehen und von da nach Frankreich gehen ſollten. Zunächſt begab ich mich nun nach Regents-Park, wo ich ſpeiste und meinen Schweſtern Alles vertraute, nur nicht wie ich zu den nöthigen Geld mitteln gelangt war. Gegen acht Uhr Abends nahm ich einen Fiaker bis zum Haymarket, um dort einen vier ſpännigen Poſtwagen zu miethen und in der dortigen Nachbarſchaft einige Ehrenſchulden zu bezahlen. Ich war dem Poſtmeiſter perſönlich unbekannt; es war daher noth wendig, den Wagen bis St. Albans vorauszubezahlen, zu welchem Zwecke ich dem Poſtmeiſter eine der Fünfzigpfund noten hinlegte. Er ſchien durch die Große der Summe weiter nicht überraſcht zu werden, erſuchte mich aber, meinen Namen und meine Adreſſe auf die Rückſeite der Note zu ſchreiben, ehe er ſie wechſelte. Aus abgeſchmack ter Beſorgniß, jeder Möglichkeit, unſerer Flucht auf die Spur zu kommen, vorzubeugen, endoſſirte ich die Note