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iſt in geweihter Erde begraben bei anderen Chriſtenmen⸗ ſchen, ſondern Allen iſt der Abgrund ihr Grab und die Lawine ihr Leichentuch geworden.“ 5
„Wer beſtreitet denn das?“ rief die Alte mit ſtolzer Kälte,„hab ich Dir denn Reichthümer, oder Ruhe, oder langes Leben verſprochen? Weißt Du nicht aus den alten Geſchichten und Sagen, welche die Kinder uns an den Winterabenden vorleſen, daß von manchen edlen Geſchlech— tern alle Männer im Kriege umgekommen ſind? Nun denn, die Unſrigen ſind droben im Gebirge umgekommen — das iſt ihr Schlachtfeld,— und Schmach ſoll uͤber denjenigen von unſeren Männern kommen, der zuerſt im Bette ſtirbt.(Fortſetzung folgt.)
Verſchiedenes.
Herzog Karl von Württemberg hat ein⸗ mal im heißen Sommer in dem Städtchen Nagold zu Mittag gegeſſen, oder eigentlich geſpeiſt, wie die großen Herren thun. Kommt eine Unzahl von Fliegen und ſpeiſt mit, uneingeladen, und ſummen mit einander, und laufen hin und her, und gehören doch gar nicht an eine fürſt⸗ liche Tafel. Da wird der Herzog bös und ſagt zu der Wirthin:„In's Teufels Namen, deck' ſie den Mücken beſonders.“ Die Wirthin iſt ſtill, und thut wie ihr befohlen. Nach einer Weile tritt ſie wieder vor den Herzog, macht einen Knixr und ſagt:„Gedeckt iſt, befehlen jetzt auch Eure Durchlaucht, daß ſich die Mücken ſetzen.“
* Für den immer wahrſcheinlicher werdenden Fall, daß der Friede zu Stande kommt, ſoll in Sebaſtopol ein Franzöſiſch-Ruſſiſcher Ball ſtattfinden. Jedenfalls wird alſo zum Frühjahr der Tanz dort nochmals los- gehen.
* Aus den Conferenzen wird gemeldet, daß Graf Orloff und Lord Clarendon mit einander nur ein Tin⸗ tenfaß haben. Dieſes iſt offenbar eine ſinnbildliche An⸗ ſpielung auf die Neutraliſation des ſchwarzen Meeres.
— 5 8 Kinder-Verſorgungs-Kaſſen.
Ein in der Darmſtädter Zeitung Nr. 51 vom 20. Febr. d. J. ſtehender, der Berliner„Nationalzeitung“ entnommener Aufſatz über „Kinder⸗Verſorgungs-Kaſſen, ſtellt den Gewinn, welcher den Mitgliedern, die das 21. Jahr überleben, durch die Erbſchaft von ihren geſtorbenen Altersgenoſſen zufällt, in einer Weiſe dar, daß man glauben ſollte, es könne dadurch ein Capital errungen werden, welches zur Ausbildung des Sohnes, oder zur Ausſteuer der Tochter einen einigermaßen bedeutenden Zuſchuß zu liefern vermöge.„Man kann ſich ungefähr eine Vorſtellung von dem Gewinn machen, der ſich durch die gegenſeitige Beerbung ergibt,“ ruft die Berliner„Natio⸗ nalzeitung“ aus. Dem muß aber widerſprochen werden. Könnte man ſich ohne Rechnung eine Vorſtellung von dieſem Gewinne machen, ſo würde wohl Niemand, der Gelegenheit hat, ſein Geld in eine Spar— kaſſe zu legen, zum Zwecke der Kinderverſorgung der„Concordia“ (der in genanntem Aufſatze empfohlenen Kaſſe) der Caisse paternelle, oder einer andern derartigen„Kinder-Verſorgungs-Kaſſe“ beitreten.— Dies wird nun freilich durch Rechnung nachgewieſen werden müſſen und es ſoll dies hier ſo kurz wie möglich geſchehen.— Die Berliner „Nationalzeitung,“ im Beſitze der beſten Erfahrungen“ über das Ableben der Kinder bis zum 21. Lebensjahre, behauptet, daß nach den⸗ ſelben von 1000 Kindern unter einem Jahre im erſten Jahre 19, im zweiten 18 und bis zum zurückgelegten 21. Lebensjahre 170 ſterben.— Dieſe Angaben entſprechen faſt ganz genau der von Finlaiſon nach den Beobachtungen bei den Staatstontinen in England aufgeſtellten Sterblichkeitstafelk) und es ſoll alſo auch dieſe der nachſtehenden Unterſuchung zur Grundlage dienen.— Behält man die Zahlen der Sterblichkeitstafel, durch welchen die Lebenden ausgedrückt werden, bei; unterſtellt man von jedem lebenden Mitgliede einen jährlichen
*) Nach derſelben ſtarben von 1000 Kindern unter 1 Jahr im erſten Jahre 19, im zweiten Jahre 18, bis zum zurückgelegten 21. Lebensfahre 173, folglich 3 mehr als die Berliner Nationalzeitung angibt.
Beitrag von 10 fl.; zieht man von der Summe der jährlichen Ge⸗ ſammtbeiträge 5 Procent für Verwaltungskoſten ab und verzinſt man den Reſt nach Zinſeszinsrechnung mit 3½ Procent bis zum Schluſſe der Sammelperiode, ſo bildet ſich ein Vertheilungscapital von 279,201 fl. 36 kr., wovon jedes der überlebenden 827 Mitglieder zu erhalten hat 337 fl. 37 kr.“— Gibt man dagegen 22 mal den jährlichen Beitrag von 10 fl. in eine Sparkaſſe zu 3½ Procent Zin⸗ ſeszins— und dergleichen Sparkaſſen hat man ja hierorts in großer Anzahl— ſo empfängt man(da dieſe Sparkaſſen keinen Abzug für Verwaltungskoſten machen, ſondern dieſe aus dem Ueberſchuſſe des Zinsertrags beſtreiten, auch daraus noch einen Reſervefonds bilden) am 31. December nach Vollendung des 21. Lebensjahres 323 fl. 20 kr. — Die ganze Erbſchaft beträgt daher für einen jeden Ueberlebenden nur 14 fl. 17 kr.!!!— Um dieſes geringfügigen Betrags willen muß man aber den Geſammtbetrag der jährlichen Beitraͤge, ſammt Zinſen und Zinſeszinſen a 3½ Procent, wie ſie hierorts jede Sparkaſſe und die Depoſitenkaſſe der Renten- und Le⸗ bensverſicherungs-Anſtalt, gibt, riskiren!— Wie werden ſich die Eltern in ihren Erwartungen getäuſcht finden, welche im Vertrauen auf die Anpreiſungen und Empfehlungen von Zeitungsartikeln, wie der der„Nationalzeitung“, ihre Kinder bei einer ſolchen„Kinder— Verſorgungs-Anſtalt“(J) mit einem größeren oder geringeren jähr- lichen Beitrage betheiligt haben. Um ſo ſchlimmer, wenn dies von Leuten aus den„minder wohlhabenden Klaſſen“ geſchehen iſt, da dieſe für ihre Kinder keine anderen Hülfsmittel haben und ihre ganze Hoff— nung auf den Antheil aus der Kinder-Verſorgungs-Anſtalt ſetzen müſſen!— Schließlich will ich übrigens auch noch den Werth der 5 Procent Verwaltungskoſten während der Oauer und bis zur Auflöſung einer Jahresgeſellſchaft angeben.— Die Verſorgungs-Kaſſe bezieht nämlich 5 Procent der jährlichen Beiträge, welche bei einer Geſell⸗ ſchaft von urſprünglich 1000 Perſonen, die nach der Sterblichkeits— Tabelle von Finlaiſon abſterben, bei einem jährlichen Beitrage der Lebenden von je 10 fl. und bei 3½ Procent Zinſeszins— alles An⸗ nahmen, wie in obiger Unterſuchung— am Schluſſe der Periode werth ſind 14,695 fl.— Außerdem fallen aber der Kaſſe noch die Zinſenüberſchüſſe zu, aus welchen allein, wie ſchon angegeben, unſere Spar- und Depoſitenkaſſen nicht nur den ganzen Verwalkungsaufwand beſtreiten, ſondern auch noch recht ſchöne Erſparniſſe machen.
Nachdem Referent in Nr. 56 der Darmſtädter Zeitung die vagen Anpreiſungen und Empfehlungen der ſogenannten Kinder- Verſorgungs-Anſtalten in ihrer Werthlofigkeit darzulegen verſucht hatte, kam ihm ein Exemplar des Proſpectes zu Händen, welchen die Lebens⸗ ꝛc. Verſicherungsbank„Vorſicht“ zu Weimar ausgegeben hat.— Dieſe Anſtalt hat die angebliche Kin derverſorgung ebeg⸗ falls in den Kreis ihrer Thätigkeit gezogen, beſchränkt ſich aber ni auf unbeſtimmte Andeutungen über die Größe des zu erwartenden Capitals, ſondern ſagt in dem betreffenden Proſpecte S. 5 wörtlich: „Wenn man auch berechnet hat, daß durchſchnittlich ein im Geburts— jahre eingeſchriebenes Kind bei Vertheilung der Kaſſe auf je 10 Thl. mindeſtens 1250 Thlr. und ſelbſt mehr erhalten müſſe, ſo läßt ſich doch natürlich eine Garantie für dieſe Zahlen nicht übernehmen.“ — Die Reſultate der in Nr. 56 veröffentlichten kurzen Berechnung würden eigentlich ſchon vollſtändig genügen, das Publikum darauf aufmerkſam zu machen, daß dieſe Behauptung der„Vorſicht“ in Wahrheit nicht beſteht. Zahlen beweiſen, iſt ein altes und wahres Wort; deßhalb werden hier noch einmal einige Zahlen gegeben.— Träten 1000 Kinder im Geburtsjahre mit einem jährlichen Beitrage von 10 Thlr. in die Anſtalt, ſo würde jedes der zur Zeit der Ver— theilung noch lebenden Mitglieder 1250 Thlr. aus der Kaſſe nur dann beziehen können, wenn alle 1000 eingetketenen Kinder bis zu Ende desjenigen Kalenderfahres am Leben blieben, in welchem ſie das 21. Lebensjahr zurückgelegt haben, und wenn dieſer Zeitpunkt doch nur von 246 Verſicherten überlebt würde.— Es müßten alſo in Einem und zwar in dem letzten Jahre vor der Vertheilung 754 von 1000 Mitgliedern ſterbenlil Dadurch, daß die Beiträge ſämmtlicher 1000 Mitglieder während der ganzen Dauer der 22jährigen Periode eingingen, würde der Geſammtbetrag von jährlich 10,000 Thlr.— durch 5 Procent Verwaltungskoſten auf jährlich 9500 ſich vermindernd— bei 3½ Procent Zinſeszins auf 307,124 Thlr. anwachſen. Es iſt nun ein ganz einfaches Diviſions⸗ reſultat, daß aus dieſer allerdings bedeutenden Summe nicht einmal ganz 246 Antheile 4 1250 Thlr. gemacht werden können. Es müßten demnach, wie bemerkt, 754 Mitglieder in dem Jahre vor der Theilung des Capitals plötzlich ſterben. Sollte aber ein überlebendes Mitglied wirklich 1250 Thlr. beziehen können, ſo müßte die Anzahl der Sterben⸗ den noch viel größer ſein, weil die Verſicherten nach den Naturgeſetzen nicht auf einmal und im letzten Jahre vor der Vertheilung, ſondern nach und nach im Laufe der Jahre abgehen und die Beiträge der Ge⸗ ſtorbenen vom Todesjahr ab ausfallen, folglich auch nicht mehr zur Er⸗ höhung der Theilungsſumme beitragen. Die letztere muß alſo um ſo viel geringer, als oben berechnet, ausfallen und es können folglich auch verhältnißmäßig ſo viel weniger Antheile à 1250 Thlr. daraus gebildet werden.— Es dürfte hiernach ſehr rathſam ſein, die wört⸗ lich angegebene Behauptung der„Vorſicht“ mit ſehr großer Vorſicht aufzunehmen.
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