1
Friedberger Intelligenzblatt.
Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl.
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum
ſammen 7 kr.
ect Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
Ni 12. Freitag, den
S. Februar. 1856.
Regierungsblatt⸗ Auszug.
Nr. 3 vom 2. Febr. 1. Das aus 20 Artikeln beſtebende Geſetz vom 17. Jan., die Einquartierung und Verpflegung Großh. Truppen betr., nebſt dem Tarif über die Gebühr der einquartierten Truppen und die Vergütung dafür.— II. Verordnung vom 17. Jan., den Verkehr mit Giften und giftartigen Subſtanzen betr.— III. Be⸗ kanntmachung Großh. Oberrechnungskammer vom 17. Jan,, betr. die Vergütung für die in 1856 in Geld zu berichtigenden Beſoldungs— und penſtons-Naturalien. Aus den in 1855 vorgekommenen, verord— nungsmäßig der vorgenannten Vergütung zur Grundlage dienenden Fruchtverkäufen berechnet ſich der Durchſchnittspreis eines Malters von 99,028 Malter Waizen auf 15 fl. 53 kr., 55,341 Korn 12 fl. 31, 74,852 Gerſte 8 fl. 57, 14,226 Hafer 5 fl. 27 kr., folglich der Werth von 100 fl. Naturalien auf 242 fl. 6 kr., für welchen nach der Verordnung vom 4. Febr. 1827, Reg.⸗Blatt Nr. 4, 115 fl. zu vergüten ſind. Der Zuſaß für Holz, Verordnung vom 13 October 1810, Reg.⸗Bl. Nr. 26, und Tarif vom 1. Octbr. 1855, Reg-Blatt Nr. 36, beträgt 55 kr. für je 100 fl. Beſoldung.— IV. Bekannt⸗ machung Gr. Oberpoſtinſpection vom 8. Januar, die Extrapoſtentfer— nung und Perſonentaxe zwiſchen Biedenkopf und Laasphe betreffend, welch' erſtere auf 1% Meile- ½ Station beſtimmt worden iſt.— V. Aufbringung der Mittel zur Beſtreitung der Bedürfniſſe der iſrael. Religionsgemeinde zu Offenbach für 1856.— VI. Umlagen zur Be— ſtreitung der Communalbedürfniſſe der Gemeinden des Kreiſes Wim— pfen für 1856.— VII. Desgl. im Kreiſe Vöhl.— VIII. Umlagen zur Beſtreitung der Bedürfniſſe der iſraelit. Religionsgemeinden im Kreiſe Vilbel für 1856.— IX. Desgl. der iſrael. Religionsgemein⸗ den im Kreiſe Offenbach.— X. Dienſtnachricht. S. K. H. der Großherzog haben am 15. Dec. v. J. die Freifrau qu Bos du Thil, Excellenz, zur Oberhofmeiſterin J. K. H. der Großherzogin aller— gnädigſt zu ernennen geruht.— XI. Concurrenz für: die evang. Pfarrſtelle zu Freienſeen, mit jährlich 749 fl.(Präſentation des Hrn. Grafen zu Solms-Laubach).
Drei Monate dato. (Fortſetzung.)
Mar deponirte die Piſtolen und die Doppelflinte bei dem Oberkellner im Rieſen gegen einen entſprechenden Vorſchuß, und kam eine Viertelſtunde ſpäter mit ſeinem Gepäcke. Er richtete ſich behaglich ein, und am Abend kam Herr Glitſch ſelber herauf und erkundigte ſich nach des Miethsmannes Bedürfniſſen. Er hatte keine, war ganz mit ſeiner Lage zufrieden, und las in einem franzö— ſiſchen oder engliſchen Buche.
„Sie gehen nicht aus, Ihr Schöppchen zu trinken, Herr Gall?“ fragte Gllitſch.
„Hm, es amuſirt mich aufrichtig geſagt nicht ſehr! Ich bin ein Bischen Stubenhocker, und eigentlich iſt es ja die Geſellſchaft, die Einem das Wirthshaus angenehm macht!/
„Ja, ganz recht, die Geſellſchaft iſt's!“ rief Glitſch lebhaft;„allein ſchmeckt der beſte Wein nicht halb ſo gut, wie ein Krätzer in fideler Geſellſchaft. Aber Sie finden hier leicht Bekannte; iſt ein heiteres Völkchen um die Coblenzer lauter Schoppenſtecher! Kommen Sie mit mir in meine gewöhnliche Weinſtube, ich will Sie in einen luſtigen Clubb bringen!“
„Sehr verbunden, Herr Glitſch; aber ich fürchte, es geht nicht! Ich bin ein wunderlicher Kerl! Mein hie— ſiger Aufenthalt iſt wahrſcheinlich nicht von Dauer— ſo zwei, drei Monate. Auf's Frühjahr ſuche ich eine Guts—
verwaltersſtelle. Da thut's nicht gut, wenn man ſich an einen heiteren Umgang gewöhnt, von dem man ſich wieder los reißen muß! Mir wenigſtens geht's allemal von der Seele, wenn ich von liebgewonnenen Freunden wieder ſchei— den muß. Und ein Landwirth, der immer draußen auf einſamen Gütern lebt, ſoll ſich nicht verwöhnen!“
„Sehr geſcheidt geſprochen— vernünftig wie ein Buch!“ ſagte Herr Glitſch;„ich ſehe, Sie ſind ein Mann von Grundſätzen. Aber mir werden Sie wenigſtens es nicht ablehnen, in meiner Wohnſtube ein Fläſchchen Wein zu trinken! Habe ein ordentliches Gewächs im Keller! Was ſagen Sie zu einem Ahrwein?“
„Mein Lieblingswein! Einer ſo verbindlichen Ein— ladung läßt ſich nicht ausweichen. Ich nehme mit Ver— gnügen an, Herr Glitſch!“
Fünf Minuten ſpäter ſaßen ſie vor der Flaſche bei— ſammen und plauderten vertraut.„Mich dünkt,“ ſagte Map in einem ernſten philoſophirenden Tone,„es muß doch ein ganz ſeltſames Ding um ihren Beruf ſein, Herr Glitſch!“
„Allerdings, ein ganz kurioſes Handwerk!“ beſtätigte Glitſch.
„Voller Aufregung!“
„Ganz gewiß; die Jagd iſt immer eine Aufregung, und nun vollends die auf Menſchen, namentlich wenn man eine Ehre darein ſetzt!“
„Was Sie gewiß thun, Herr Glitſch!“
„Hm, das kommt ganz auf den Fall an!“ meinte Glitſch;„ſehen Sie, mein lieber Herr Gall, Einen aus— pfänden oder einen Burſchen in den Schuldthurm führen, der ganz ruhig und mit Aengſten zu Hauſe hockt, dabei iſt kein Spaß, kein Plaiſir! Aber wenn Einer ſeinen Gläu— bigern Ferſengeld gibt oder ſich verſteckt, oder die Vorder— thüre von ſeinem Hauſe abſperrt und nur am ſpäten Abend oder am frühen Morgen über die Gartenmauer und durch einen Fenſterladen aus- und eingeht,— das iſt ein Spaß! Da iſt auch Ehre dabei zu holen, wenn man einen ſolchen Burſchen endlich am Aermel faßt, denn man hat dann einen Pfifficus ausgeliſtet!“
„Ich begreife das! es muß ein Hauptſpaß ſein, und kommt wohl häufig vor!“
„O leider nicht, lieber Herr Gall! Die Leute ſind heutzutage ganz ſchafdämlich, obſchon im Grunde das Ge— ſchäft ſo gut geht wie Anno 49. Es iſt, als wäre keine Schande mehr dabei, im Schuldthurm zu ſitzen, ſo ge— laſſen laſſen ſie ſich einſpünten. Heute ſeit langer Zeit hab' ich wieder zum erſten Mal einen Verhaftbefehl auf Einen, der der Wechſelhaft entlaufen iſt! Ein junger Springinsfeld, der einem Kölner Schneider 250 Thaler ſchuldet, die er nicht bezahlen kann, und nun dafür brum— men ſoll!
„So wenig?“ fragte Max und ſuchte ſeine Verle— genheit hinter einer mitleidigen Miene zu verbergen;„ein wahrer Bettel für einen Mann von Genie, und viel zu wenig, um deßhalb verhaftet zu werden!“


