Ausgabe 
5.2.1856
 
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Friedberger Intelligenzblatt.

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D* N. II.

Dienſtag, den 5. Februar.

1856.

Amtlicher Theil. Das Großherzogliche Kreisamt Friedberg an die Großherzoglichen Bürgermeiſtereien der nachſtehenden Orte.

Betreffend: Die Stellvertretungs-Aſſecuranzanſtalt für das Muſterungs- und Ziebungs jahr 1855. l Nach Art. 7 des Geſetzes vom 14. Juli 1851 die Stellvertretung im Militärdienſt betreffend(Reg.-Bl. S. 191)

und§ 11 der Verordnung vom 16. Juli 1851(Reg.-Bl. S

199) hat die Staatsaſſecuranzanſtalt, wenn ein Militärpflichtiger,

für welchen von der Aſſecuranzkaſſe die Vertretungsſumme zur Einſtandskaſſe bezahlt worden iſt, vor dem Anfang ſeiner

Dienſtzeit ſtirbt oder untauglich wird, die zur Einſtandskaſſe bezahlte Vertretungsſumme zurückzuerhalten,

der Geſammtheit der Verſicherten zu gut kommt.

welche alsdann

Sie werden daher unverzüglich Anzeige machen, wenn ſich unter den nachſtehend aufgeführten Leuten ſolche befinden, welche nach der vorjährigen Muſterung geſtorben ſind, oder welche ſeitdem ein Uebel oder ein Gebrechen erhalten haben, das ſie zum Militärdienſt augenſcheinlich untauglich machen würde, oder wenn einer dieſer Fälle vor dem 1. April d. J.(oder überhaupt vor dem zum Dienſteintritt beſtimmten Tage) eintreten ſollte.

Um Nachtheile und unangenehme Verfügungen zu verhüten, werden Sie am 25. März d. J. ſchon Anzeige von

ſolchen bis dahin eingetretenen Fällen, oder wenn dergleichen Fälle nicht eingetreten ſind,

der betreffenden militärpflichtigen Leute erſtatten.

mit namhafter Anführung

Friedberg den 29. Januar 1856. Möller. 1) Heinrich Georg Friedr. Keller von Oſſenheim, 8) Jobann Steinebach von Ilbenſtadt, 15) Konrad Kuntz von Niederrosbach, 2) Heinrich Wilhelm Alles von Florſtadt, 9) J Conrad Thönges von Steinfurth, 16) Johann Jacob Jung von Oſtheim, 3) Philipp Schneider von Bruchenbrücken, 10) Lob Hirſchhorn von Friedberg, 17) Jacob Rübſamen von Butzbach, 4) Johann Georg Landvogt von Rockenberg, 11) Wilhelm Hachenburger von Beienheim, 18) Johann Ludwig Falk von Friedberg, 5) Chriſtoph Leonhardt von Steinfurth, 12) Conrad Winter von Fauerbach J., 19) Franz Schweitzer von Obermörlen,

6) Friedrich Heinrich Schudt von Steinfurth, 7) Moſes Simon von Aſſenheim,

13) Johannes Philipps von Fauerbach J., 11) Samuel Vollmann von Aſſenheim,

20) Auguſtin Sauer von Rockenberg 21) Johannes Balthaſer Kling von Slorſtadt.

Drei Monate dato. (Fortſetzung.)

Am folgenden Morgen war Max zu der Anſicht gekom

men, daß der Aufenthalt im Gaſthofe allzu theuer für ſeine Börſe und allzu gewagt für ſeine Verhältniſſe ſein würde; er ging daher ſchon am frühen Morgen durch die Stadt, um ſich eine Privatwohnung zu ſuchen. Als er in die Nähe der Jeſuiten-Kirche kam, leuchtete ihm von Wei tem ein gelber Meſſingſchild in die Augen, auf den er zuſteuerte. Als er aber vor demſelben anlangte und die eingeprägten Buchſtaben las, erſchrack er nicht wenig, denn hier ſtand:F. S. Glitſch, Huiſſier. Wie die kleinen Vögel, die ſich vom Blick eines Schlangenauges bezaubern laſſen ſollen, ſo fühlte ſich Max an die Stelle gebannt durch ſeine Nähe bei der Gefahr, der er auszuweichen ſuchte. Einen Augenblick ſtand er da ganz rathlos vor Schrecken und wußte nicht, ob er in Ohnmacht fallen oder in die nächſte Seitengaſſe einbiegen ſollte. Große Nöthen führen aber auch zu kühnen Entſchlüſſen: auf der andern Seite der Thüre ſah nämlich Max ein Papier an einem Fenſterladen angeklebt, worauf mit grober Schrift zu leſen war:Zimmer zu vermiethen. Das war ein Licht von oben. Im nächſten Augenblick pochte er an der Thüre von Herrn Glitſch's Geſchäftsſtube; ein kleiner dicker Mann mit einem niedrigen grauen Hute auf dem Kopfe öffnete.

Sie haben möblirte Zimmer zu vermiethen für le dige Herren; kann ich ſie ſehen?

Warum denn nicht? war die Antwort;folgen Sie mir gefälligſt! Sie ſtiegen mit einander die Treppe hinan und der dicke Mann öffnete ein hübſches Zimmer mit Alkoven, die Ausſicht nach der Kirche.

Hab' ich das Vergnügen, Herrn Glitſch ſelbſt zu ſprech en?. fragte Max.

Mein Name iſt Glitſch, Huiſſier beim Appelhofe! verſetzte der Dicke, und als Max an die Fenſter trat, die Anſicht zu beſchauen, und die Möbeln und das Bett des Alkoven zu beſichtigen, ſah ihn Glitſch bedenklich und for ſchend an, ſchuͤttelte den Kopf, zog einen Brief aus der Taſche und ſchien das Signalement ſeines Gaſtes zu ver gleichen.Seltſam, murmelte er,das iſt doch wahrlich eine ſonderbare Aehnlichkeit! Die ganze Perſonalbeſchrei bung trifft zu: der Schnurrbart, der Backenbart, der Wuchs, das dunkle Haar, die braunen Augen, ſogar der aufrechte ſteife Hemdkragen! Das Signalement trifft auf ein Haar zu, aber bah! es iſt unmöglich! es kann nicht ſein! Ein Mann, auf den ein Verhaftsbefehl läuft, wird doch nicht ſo toll ſein, bei einem Huiſſier ſich einlogiren zu wollen! Bah, Unſinn! lauter Unſinn!

Max fragte nach dem Preiſe.Die Wohnung und der Preis ſind ganz nach meinem Beduͤrfniß und mei nen Anſprüchen, ſagte Max:ich denke, wir können Han dels Eins werden!

Sehr gut, mein Herr! und wann wollen Sie ein ziehen? fragte Glitſch.

Wenn es Ihnen nichts verſchlägt, ſogleich! ver ſetzte Max.Ich wohne nicht gern im Gaſthofe; man entbehrt dadurch aller Häuslichkeit. Ich will daher mei nen Reiſeſack und mein Gepäcke herholen, und hier iſt die Miethe für zwei Monate im Voraus. Mein Name iſt Leonhard Gall aus Trier, Kandidat der Oekonomie; ich wohne vorerſt im Rieſen.