110
lichen Munterkeit war ein bruͤtender Ernſt getreten. Der Senator glaubte nun in dieſer Umwandlung des Charakters den Einfluß einer ernſteren Leidenſchaft zu erblicken, der
er auf den Grund zu kommen ſuchte. Er umgab ſeinen Sohn daher mit geheimen Spähern und erhielt nur zu bald, wie wir geſehen haben, von dieſen die nöthige Aus— kunft über die ſpäten Gänge ſeines Sohnes und ihren Zweck.
Konnten ihm nun zwar die erhaltenen Mittheilungen nicht unerwartet kommen, ſo wurde er doch durch dieſelben in eine große Aufregung und Wuth verſetzt, denn ſie drohten einen ſchon lange von ihm gehegten Plan zu ver⸗ eiteln. Der erſte Bürgermeiſter der Stadt Hannover nämlich, der Dr. J. Bünting, ein Mann von hohem Anſehen und großem Reichthume, hatte eine einzige Tochter. Brigitte, ſo hieß ſie, und zwar nur von mittelmäßiger Schönheit des Leibes und des Geiſtes, aber dafür die dereinſtige Erbin eines unermeßlichen Vermögens. Schon mancher Junker aus der Umgegend Hannovers, der nichts weiter als ſeinen alten Stammbaum und ſein tapferes Schwert ſein nannte, und der nach den Goldgulden des Bürgermeiſters lüſtern war, hatte ſich, wiewohl vergeblich, um Brigittens Hand beworben. Denn der Hochmuth und die Launen der ſtolzen Patricierstochter zwangen die Brautwerber zu einem bal— digen Rückzuge.
So waren einige Jahre vergangen und Brigitte näherte ſich mit ſtarken Schritten dem Zeitpunkte ihres Alters, an welchen jede heirathsluſtige Jungfrau nur mit geheimem Grauen zu denken wagt, als Johannes Wöhler von der Hochſchule zu Leyden nach Hannover zurückkehrte. Der Jüngling, der ſich vor ſeinen Gefährten durch ein ſchönes, einnehmendes Aeußere, durch ein ſittliches, edles Benehmen auf das Vortheilhafteſte auszeichnete, machte einen tiefen, bleibenden Eindruck auf die Jungfrau und ſie ſuchte ihn auf jede Weiſe auszuzeichnen. Während Johannes ſich wenig um die augenfälligen Gunſtbezeugniſſe, mit denen ihm die ſtolze Bürgermeiſterstochter entgegenkam, zu kümmern ſchien, war der alte Senator hoch erfreut darüber. Ihm war eine Verbindung ſeines Sohnes mit Brigitten ein Ereigniß, das ſeinem Haus neue Würde und größeres Anſehen verleihen mußte, und deßhalb benutzte
er jede Gelegenheit, um eine Annäherung der jungen Leute herbeizuführen. Schien nun auch das Benehmen des Sohnes dieſer Verbindung nicht beſonders günſtig zu ſein, ſo hatte er bis jetzt auf die Zeit und nöthigenfalls auf ſein väter⸗ liches Anſehen vertraut. Die Nachricht, die er aber jetzt durch ſeinen Späher Hencke erhalten, drohte ſeinen ganzen Plan zu vernichten, und es war daher natürlich, daß er auf Mittel ſann, um die Hinderniſſe, die ſich ihm in den Weg zu ſtellen drohten, zu beſeitigen.
Während der Senator, nach der Entfernung des Hencke, über den vom ihm einzuſchlagenden Weg nachſann, und zu dem Entſchluß gekommen war, im Nothfalle ein wenig Gewalt nicht zu verſchmähen, wurde ihm der Beſuch des Magiſters Garberus, erſten Predigers an der Kirche St. Georgii und Jacobi, gemeldet. Bei dieſer Nachricht fuhr der Patricier aus ſeinem unheilvollen Brüten auf, und die Furchen ſeiner duͤſtern Stirne glätteten ſich.
2„Bei meinem Haupte,“ rief er aus,„das iſt ein Fingerzeig des Himmels! Vergeblich dachte ich daruber nach, was ich in dieſer kitzlichen Sache am beſten thun könne und jetzt ſendet mir der Zufall einen trefflichen Helfer und Rather in der Noth. Habe ich es doch ſtets erfunden, daß ein Pfaffe für Alles Rath weiß. Er ſoll mir willkommen ein.
ö(Fortſetzung folgt.)
Markt⸗ Bericht von Friedberg. 27. März.
Waizen aufgefahren 344 Malter, verkauft 314 ½, 15 fl. 53 kr.; Korn aufg. 59, verk. 30, 13 fl. 12 kr.; Gerſte aufg. 21 ½, verk. 16 ½, 8 fl. 15 kr.; Hafer aufg. 34 ½, verk. 28 ½, 5 fl. 42 kr.; Vor⸗ ſchußmehl aufg. 21, verk. 20, 18 fl. 28 kr.; Waizenmehl aufg. 18, verk. 18, 14 fl.; Wicken aufg. 1, verk. 1, 9 fl. 45 kr.; Kartoffeln aufg. 2 ½, verk. 2½, 4 fl. 20 kr.
Bürgerhülfe für den Odenwald.
Vei der Unterzeichneten ging ferner ein: Von Forſtmeiſter Win⸗ heim in Bingenheim 1 fl. 453 N. N. 1 fl.; Oberpfarrer Fuhr in Ober⸗ rosbach 1 fl.; bei einer Hochzeitsfeier daſ. geſammelt 3 fl. 30.; von Mädchen der 5. Claſſe der Muſterſchule 1 fl. 4.
Die Exped. des Friedb. Int.⸗Bl.
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.
Mobiliar⸗Verſteig erung. 1363 Montag den 2. April, Morgens 9 Uhr, werden in hieſigem Rathhauſe die Mobilien des Bürgers Chriſtian Müller dahier, beſtehend in Gold, Silber, Kupfer, Meſſing, Zinn, Blech, Eiſen, Holzwerk, Kleider, Bettwerk, Weißgeräth, zwei ſteinernen Thorpfoſten und dergleichen meiſt⸗ bietend gegen Baarzahlung verſteigert. Friedberg den 21. März 1855. In Auftrag Großherzoglichen Landgerichts Friedberg Großherzogliches Ortsgericht Friedberg: Bender, Ortsgerichtsvorſteher.
Fruchtverſteigerung. 13561 Donnerſtag den 5. April, Nachmittags
um 2 Uhr, werden im hieſigen Rathhauſe 50
bis 60 Malter Korn und 15 bis 20 Malter Gerſte, von dem Fruchtvorrath des vereinigten
Armenfonds, meiſtbietend zweimalterweiſe ver⸗
ſteigert. Friedberg den 21. März 1855. Großherzogliche Bürgermeiſterei Friedberg Bender. Bekanntmachung.
1389] Diejenigen, welche das am 8., 29. und
30. Jauuar l. J. dahier erſteigerte Holz im
Walde noch liegen haben, werden, da die Ab⸗
fuhrtermine bereits ſeit dem 20. vorigen und
beziehungsweiſe 15. dieſes Monats abgelaufen
ſind, aufgefordert, ſämmtliches Holz bis zum 14. April, bei Vermeidung geſetzlicher Ruge⸗ ſtrafe, abzufahren. Ockſtadt am 24. März 1855. Freiherrl. v. Franckenſtein'ſches Rentamt Angerer.
—
Holzverſtei gerung. [405] In dem hieſigen Gemeindewalde ſollen, Dienſtag, den 3. April, Vormittags 9 Uhr
63 Stück eichen Bau=, Werk⸗ und Nutz⸗ holzſtämme von 9 33% Durchmeſſer und von 13-60“ Länge.
27 Stück eichen Deichſeln und 35„ buchen Langwieden.
Mittwoch, den Nb Vormittags 9 Uhr: 9 Stecken Buchen⸗Scheitholz,
12„ Stockholz, 950 Stück„Wellen, 51 Stecken Eichen⸗Scheitholz, 18½ 17 17 Prügelholz, 23 5„ Stockholz, 2620 15 7 Wellen verſteigert werden. Södel, am 28. März 1855.
Großherzogliche Bürgermeiſterei Södel Rei tz.
Ziegelhuͤtte-Verpachtung.
[406] Dienſtag den 3. April l. J., Vormittags 10 Uhr, ſoll die dem Moxſtädter Markwalde gehörige, bei Niedermorſtadt gelegene Ziegel⸗ hütte mit den dabei liegenden 3 Morgen Acker⸗ land auf 6 bis 9 Jahre verpachtet werden. Die Zuſammenkunft iſt um genannte Stunde auf dem Rathhaus zu Niedermoxſtadt. Obermorxſtadt, den 26. März 1855. Großherzogliche Bürgermeiſterei Obermoxſtadt Mickel, Markmeiſter.
Holzverſteiger un g. [4071 Dienſtag den 3. April d. J., Morgens 9 Uhr, werden in hieſigem Gemeindewald, Diſtrikt Oberwald, 5,870 Cubikfuß Eichen⸗Bau⸗, Werk⸗ und Nutzholz, in 67 Stämmen beſtehend, unter den im Termin bekannt gemacht werden⸗ den Bedingungen verſteigert.
Großkarben den 24. März 1855. Großherzogliche in Großkarben 5 A.
Lohrinden-Verſteigerung. [408] Mittwoch den 4. April d. J. ſoll das Ergebniß der Eichenlohrinden in dem Ober⸗ mörler Gemeindewald für 1855, abgeſchätzt zu 1000 Centner, in dem Trapp'ſchen Gaſthaus
ao] K mittags p herrschaft Diftrit e


