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Friedberger Jutelligenzblatt.
Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen
fl. 1. 30 kr.
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
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Nu 9. Dienſtag, den
30. Januar. 1855.
Regierungsblatt- Auszüge.
Nr. 44 vom 30. Dezember: 1. Bekanntmachung Großh. Hofgerichts der Provinz Oberheſſen vom 11. Dez, die Ver⸗ nichkung älterer Acten bei dieſem Gerichtshofe und den Stadt⸗ und Landgerichten dieſer Provinz betr.— II. Bekanntmachung Großh. Oberpoſtinſpection vom 9. Dez., wornach auf dem Poſtcurs zwiſchen Marburg und Siegen über Biedenkopf die Perſonengeld- und Ue— berfrachttaxe ermäßigt wird. UI. Dienſtnachrichten S. K. H. der Großherzog haben allergnädigſt geruht: am 28. Nov. dem wirkl. Geheimerath und Ober-Conſiſtorial-Präſidenten Dr. Jaup die Dienſtſtelle des Directors des Muſeums zu übertragen;— 12. Dez. den Regierungsacceſſiſten Böckmann dahier zum Kreisaſſeſſor bei dem Kreisamte Darmſtadt— und den Regierungsacceſſiſten Römheld zu Erbach zum Kreisaſſeſſor bei dem Kreisamte Lauterbach, ſowie den Kanzleigehülfen Ihm zum Kanzliſten bei der Oberſtudiendirection zu ernennen;— dem Schulvicar Martin zu Spiesheim die proviſoriſch von ihm verwaltete 1. Lehrerſtelle an der Communalſchule zu Spies⸗ heim,— und dem Schulvicar Vogel zu Hermannſtein die proviſoriſch von ihm verwaltete evangel. Schullehrerſtelle zu Hermannſtein zu übertragen;— 15. Dez. den Kreisdiener Ullmann zu Großgerau zum 2. Landgerichtsdiener in Biedenkopf,— den 2. Landgerichtsdiener Heilmann zu Zwingenberg zum 1. Landgerichtsdiener daſelbſt,— den 3. Landgerichtsdiener Frohnhäuſer zum 2. Gerichtsdiener an dieſem Gerichte, und den Polizeidiener Bickel zu Darmſtadt zum 3. Landgerichtsdiener in Zwingenberg zu ernennen.— IV. Charakter- ertheilung: am 8. Dez. dem Poſtſecretär Müller bei dem Ober⸗ poſtamte zu Darmſtadt als„Poſtmeiſter“.— V. Verſetzung in den Ruheſtand: am 28. Nov. Geheimerath Schleiermacher dahier, auf ſein Nachſuchen, in ſeiner Eigenſchaft als Direktor des Muſeums, unter Anerkennung ſeiner langjährigen treu geleiſteten Dienſte mit der Erlaubniß, die Uniform der activen Civilbeamten zu tragen.— VI. Concurrenz für die evangeliſche Pfarrſtelle zu Bruchenbrücken, mit jährlich 881 fl. 15 kr.(Präſentation des Hrn. Grafen zu Jſenburg und Büdingen⸗Wächtersbach);— die evangeliſche Pfarrſtelle zu Eich mit 1504 fl.;— die evang. Schulſtelle zu Niederflörsheim mit 307 fl. 40 kr., nebſt einer Vergütung von 30 fl. für Heizung des Schullokals; nach dem Ableben des Penſionärs tritt eine entſprechende Erhöhung der Beſoldung ein.
Nr. 1 vom 4. Jan.: 1. Großh. Edict vom 29. Nov. 1854, die Mitglieder des Staatsraths für 1855 betr. wornach außer den in dem Edikte vom 28. Mai 1821, in den Bekanntmachungen in den Regierungsblättern vom 11. Juli 1823, 1. Febr. 1853 und 7. Januar 1854 als bleibend bezeichneten Mitgliedern, für das Jahr 1855 folgende Perſonen als außerordentliche Mitglieder berufen ſind: Präfident Weller, die Geheimeräthe v. Grolman, v. Hombergk, Frhr. v. Starck, Goldmann, v. Heſſe, Oberſtudiendirektor Dr. Breidenbach, Adminiſtrativ⸗Juſtiz- und Lehnhofs-Direktor Maurer, Miniſterialrath Franck, Oberappellations- u. Caſſationsgerichtsrath Schenck.— 11. Bekanntmachung Gr. Miniſteriums der Finanzen vom 2. Jan., welcher nach Allerhöchſter Entſchließung S. K. H. des Groß— herzogs die Ausfuhr von Pferden über die Gränzen des Zollvereinsgebiets, von dem Erſcheinen gegenwärtiger Bekannt— machung im Regierungsblatt an, bis auf Weiteres unterſagt, unter Hinweiſung auf die im§. 1 des 3. Theils der Zollordnung vom 9. März 1838 angedrohten Strafen.— III. Dienſt nachricht. Am 6. Nov. v. J. iſt der Regens des biſchöflichen Seminars zu Mainz, Mou— fang, von dem biſchöflichen Domkapital zum 6. Domkapitular ge— wählt worden.— IV. Verſetzungen in den Ruheſtand: am 12. Dez. Schullehrer Gönner zu Dodenau.— V. Geſtorben: am 12. Dez. 1854 penſ. Hppothekenbewahrer Berninger zu Nierſtein; 14. Dez. penſ. Rechnungsreviſor Müller zu Darmſtadt.
Eine gute Lehre. (Fortſetzung.) Nicht ohne banges Herzklopfen und eine gewiſſe Be— engung falzte und ſiegelte er dieſen Brief, mit welchem
er gewiſſermaßen Unabhängigkeit, Geſundheit und Leben an ſeinen künftigen Brodherrn verkaufte. Als er aber die Adreſſe ſchreiben wollte, zitterte ſeine Hand: vor ſeinem innern Auge zogen plötzlich jene ſüßen Bilder häuslichen Glückes und geſchäftiger Muße, die er ſich in den Tagen vor dem Verluſt ſeiner Brieftaſche ſo ſchön ausgemalt hatte, vorüber. Er dachte an ſeine Töchter, die er unterrichten wollte, an die Studien, die er ſich ſelber vorgenommen, an das viele Gute, welches er in ſeinem Kreiſe auszuüben beabſichtigt hatte, und es traten ihm unwillkürlich Thränen in's Auge. Allein dieſe Schwäche dauerte nur etwa eine Minute, und das Bewußtſein der ihm obliegenden Pflichten gewann beinahe augenblicklich in ihm wieder die Oberhand. Er ſagte ſich: Die Nächſtenliebe und die häuslichen Freu— den beſcheerten uns nicht bloß Genüſſe, ſondern legten uns auch Pflichten auf, und da die Stimme dieſes Gewiſſens dieſer Anſicht beipflichtete, ſo raffte er ſich auf, ſchrieb raſch die Adreſſe auf den Brief und erhob ſich, um ihn ſelbſt nach der Poſt zu tragen.
Eben öffnete er die Thüre, als ſich unten an der Treppe eine Stimme vernehmen ließ, die ihm nicht unbekannt dünkte; der Fremde, dem ſie angehörte, fragte nach ihm und begehrte hartnäckig, ihn zu ſprechen.„Aber ich ſage Ihnen, daß ich Herrn Raymond ſprechen muß, daß ich ihn nicht ſtören werde!“ rief er.„Nicht wahr, Ihr weiſt mich nur wegen meines lumpigen Aufzuges ab? Aber wenn Ihr jemals La Fontaine geleſen hättet, ſo würdet Ihr wiſſen, daß man den Mann nicht nach dem Kleide be— urtheilen ſoll!/
An dieſer Aeußerung erkannte Herr Raymond den Vater Loriot, und da dieſer unter ſeiner Rede die Treppe herangeſtiegen war, ſo ſtanden ſie ſich Beide bald gegenüber.
„Ah, ſiehe da, Herr Raymond! guten Tag!“ rief der Alte und zog ſeine wollene Mütze ab.„Ich muß immer gerade dann ankommen, wenn ſie gehen wollen!“
„Ah ſo, Ihr ſeid's, Alter?“ erwiderte Herr Raymond; „wie kommt's, daß Ihr nicht in La Verpillière ſeid? Sollte man Euch etwa dort nicht aufgenommen haben?“
„Ei doch, doch!“ ſagte Loriot.„Ich befinde mich gottlob ſchon ſeit acht Tagen dort, und trage ja ſchon die Kleidung der Pfründner. Ich ſelber hätte ſie mir vielleicht nicht ſo gewählt, wie ſie iſt; aber ich habe ſie doch ſo an— genommen und mich in den statum quo gefuͤgt und ge— dacht, die Verwaltung ſeie ungefähr wie die Vorſehung und wiſſe am beſten, was uns frommt.“
„Aber was führt Euch denn nach Lyon?“ fragte Raymond.
„Jenun, zunächſt wollte ich mich bei Ihnen bedanken,“ verſetzte der alte Bettler.„Halten Sie mich denn für einen Heiden, oder für fähig, Das zu vergeſſen, was Sie an mir gethan haben? Bah, wenn einem das Elend die Haut auch noch ſo ſehr gegerbt hat, ſo hat man doch im— mer einige Stellen, an welchen man das Kitzeln nicht er— tragen kann!“
„Ich danke Euch,, ſagte Raymond gerührt;„Eure


