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Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen
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Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
Friedberger Intelligenzblatt.
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ſammen 7 kr.
* 76. Freitag, den
28. September. 1855.
Ein Heirathsgeſuch. (Fortſetzung.)
Es hat ſich etwas recht Unangenehmes gleich beim Beginn meines Unternehmens, mir eine Frau zu ſuchen, ereignet, etwas, das mir ganz meinen Muth dazu ver— dorben hat. Ich hatte an dieſem Tage mehre Briefe zu ſchreiben; zwei derſelben, der eine an meinen ſchon er— wähnten Freund in Cheltenham, der andere für die Zeitung lagen geſiegelt vor mir, beide in ganz gleichem Couvert. In dem Augenblick, wo ich die Adreſſen darauf ſchreiben wollte, ward ich durch einen Beſuch unterbrochen, und eine Stunde ſpäter, als derſelbe fort war, irrte ich mich unglücklicher Weiſe in den beiden Briefen. So kam meine Anzeige des Heirathsgeſuches an meinen Freund in Chel— tenham, und der Brief an dieſen nach der Morning Post; beide wurden mir natürlich zurückgeſandt. Mein Freund, ein braver, wackerer Mann, überſtroͤmte mich in ſeinem Schreiben mit einer Suͤndfluth gutmüthiger Satyre, ſchloß aber ſo:„Verſuch' es! Du ſcheinſt mir nicht verurtheilt zu ſein, Dein ganzes Leben lang die üble Laune der Dame Fortuna zu ertragen; vielleicht gelingt's, und dann biſt Du für's ganze Leben in Ordnung!“
Wenn ich die Wahrheit geſtehen ſoll, ſo hatte ich ein Gefühl von Scham bei Leſung dieſes Briefes. So lange das Geheimniß noch mir angehörte, erſchien mir die Sache angenehm und anziehend: aber nun, da ein anderes Auge hineingeblickt, erſchien ſie mir abſurd und geſchmacklos. Ich hatte die größte Neigung, mein Meiſter— ſtück in's Feuer zu werfen und meinen Plan für immer aufzugeben. Aber ein Blick auf den deſolaten Zuſtand meiner Börſe, auf die Einöde meines künftigen Lebens, in der ich keinen grünen oder erfriſchenden Platz entdecken konnte, beſiegte mein widerſtrebendes Gefühl und trieb mich zum Handeln. Ich kam mir vor wie ein Spieler, der ſeinen letzten Sovereign auf eine Karte ſetzt, um Alles oder Nichts zu haben: diesmal war der Einſatz meine eigene reizende Perſon, und meine Gefühle waren in die— ſem Augenblicke ſo finſter und traurig, daß ich, ganz gegen meine ſonſtige Gewohnheit, von dem Werthe des Spiel— ſatzes eine ſehr geringe Meinung hatte. Ich brachte die Anzeige ſelbſt nach der Expedition der Zeitung und hatte die außerordentliche Genugthuung, ſie am folgenden Tage eng umſchloſſen von zwei anderen abgedruckt zu finden, von denen die obere eine Belohnung für einen entlaufenen und wiederzubringenden Hund, die untere den höchſten Preis für abgelegte Kleidungsſtücke anbot.
Eine ganze Woche ging ich täglich nach der Expe— dition der Zeitung, und erhielt jedesmal auf meine ſchüch— terne und verſchämte Anfrage die Antwort:„Nichts!“ — Mit jedem„Nichts!“ ſank meine Hoffnung einen Grad mehr zu Null herab, und ſie war gerade dem Gefrierpunkt nahe, als ſie am neunten Tage durch einen plötzlichen Wechſel der Temperatur zehn Grade ſtieg. Endlich war ein Brief da mit meinen Buchſtaben; ein zierlich gefalztes
billet doux— das Siegel einer Taube mit einem Oel— zweig. Meine Hand, vor Aufregung zitternd faßte das Billet ziemlich rauh an und ehe ich noch das Bureau ver— laſſen hatte, las ich folgendes:
„Mein Herr,— Ich habe Ihre Anzeige in der Morning Post geleſen; in der Vorausſetzung der Ehren— haftigkeit Ihrer Abſichten, bin ich nicht abgeneigt, mit Ihnen in Unterhandlung zu treten. Kommen Sie morgen früh um 10 Uhr nach Edward's Hotel, wo ich Sie auf Nr. 3 erwarten werde. Aber eine Bedingung iſt uner— läßlich, nämlich, daß ich bei unſerer erſten Zuſammenkunft maskirt erſcheine. Ich habe nothwenidge Gründe dafür, die Sie ſpäter ſelbſt billigen werden.“
(Fortſetzung folgt.)
Für die Schullehrers-Wittwe
ging bei der Exped. d. Bl. ferner ein: von Lehrer Stadelmann, Lich, 15 kr.; Israel. Lehrer Wertheimer, Lich, 15 kr. Zuſammen mit dem früher Angezeigten 9 fl. 45 kr.
Um weitere Gaben wird gebeten.
Aſſiſen⸗Verhandlungen für Oberheſſen. IV. Quartal 1855.
Zur Verhandlung kommen folgende Anklagen:
1) Montag den 1. Oktober, Vorm. 9 Uhr, Peter Ochſenhirt von Düdelsheim, wegen ausgezeichneten Diebstahls; Verth. Hofger.-Adv.
Roſenthal.— 2) Dienſtag den 2. Oktober, Vorm. 8 Uhr, Peter Lein⸗ weber von Eckartsborn, wegen ausgezeichneten Diebſtahls; Verth. H.⸗G.⸗A. Hensler.— 3) Denſelben, Vorm. 9½ Uhr, Conrad Preuſch II. von
Nidda, wegen ausgezeichneten Diebstahls; Verth. 5.⸗G.⸗A. Hensler.— 4) Denſelben, Nachm. 2 Uhr, Heinrich Gemmecker von Bleichenbach, wegen ausgezeichneten Diebſtahls; Verth. H.⸗G.⸗A. Pfannmüller 11.— 5) Mittwoch den 3. Oktober, Vorm. 8 Uhr, Johannes Rohn von Storn— dorf und Johannes Hamel von Dirlammen wegen ausgezeichneten Dieb⸗ ſtahls; Verth. H.-G.⸗A. Dr. Schüler.— 6) Denſelben, Nachm. 2 Uhr, Johannes Oppeler und Peter Streb von Villingen wegen ausgezeichneten Diebſtahls und die Ehefrau des erſteren wegen Begünſtigung; Vertb. H.⸗G.⸗A. Dr. Schüler.— 7) Donnerſtag den 4. Oktober, Vorm. 8 Uhr, Paul Heiſer von Kirtorf, wegen ausgezeichneten Diebſtahls; Verth. H.⸗H.⸗A. Dornſeif.— 8) Freitag den 5. Oktober, Vorm. 8 Uhr, Peter Geißler von Brauerſchwend, wegen ausgezeichneten Diebſtahls; Verth. H.⸗G.⸗A. Baiſt.— 9) Samſtag den 6. Oktober, Vorm. 8 Ühr, Kon⸗ rad Ranft II. von Oberofleiden, wegen ausgezeichneten Diebſtahls, Verth. H.⸗G.⸗A. Dr. Muhl.— 10) Montag den 8. Oktober, Vorm. 8 Uhr, Johannes Lotz von Ulfa und Heinrich Gottwals III. von da, wegen Meineids; Verth. H.⸗G.⸗A Roſenthal und Dr. Engelbach.— Dienſtag den 9. Oktober Johannes Baſt II. von Rabertshauſen, wegen Verlei⸗ tung zum Meineid; Verth. H.⸗G.⸗A. Dr. Eckſtein.— 11) Mittwoch den 10. Oktober, Vorm. 8 Uhr, Wilhelm Kirchner von Schlitz, wegen ausge⸗ zeichneten Diebſtahls; Verth. H.⸗G.⸗A. Briel.— 12) Denſelben, Nachm. 2 Uhr, Johannes Deckenbach von Mittelſeemen, wegen ausgezeichneten Diebſtahls.— 13) Donnerſtag den 1 t., Freitag den 12. und Samſtag den 13. Oktober, Vorm. 8 Uhr, Johannes Wieſemann, ledig, und Wil⸗ helm Zarges von Altlotheim, wegen Brandſtiftung; Verth. H.⸗G.⸗A. Roſenberg und Dornſeif.(Schluß folgt.)


