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wir an der Suͤdküſte hin und dann oſtwärts durch die Meerenge in das Faule oder Aſowſche Meer, ſo treffen wir nacheinander die Städte: Szudack, St. Krym, Kaffa (Theodoſia), Kertſch und Jenikale, von denen die vier er— ſteren herabgekommene Größen und die letztere nur wegen ihrer Befeſtigungen und des Handels mit den Ländern am Aſowſchen Meere von Wichtigkeit iſt. Baktſchiſarai, d. h. die Stadt der Gärten, die alte Reſidenz der Khane, liegt in einem von Kalkfelſen umſchloſſenen Gebirgsthale und hat ihren tartariſchen Charakter am meiſten bewahrt. Die⸗ ſem Stamme gehört faſt ausſchließlich die etwa 12,000 Seelen betragende Bevölkerung an. Obgleich vernach⸗ laͤſſigt, bleibt der Palaſt der Khane mit ſeinen Gärten noch immer ſehenswerth. Zum Hauptort der Halbinſel erhoben die Ruſſen Akmeſchet, und nannten es Simferopol — die Stadt der gemeinſamen Duldung. Nur die neu⸗ angelegten Stadttheile ſind nett gebaut, und die Zahl der Bewohner kommt der von Baktſchiſarei ziemlich gleich. Die Lage am Eingange in das Gebirge erleichtert die Ver⸗ bindung mit den wichtigſten Plätzen, und Straßen laufen von hier nach Sebaſtopol, Eupatoria, Perekop und Kaffa. Das ſtark befeſtigte Perekop iſt vornehmlich eine Soldaten— ſtadt und bewacht den Eingang zur Krim, dieſer Perle unter den Ländern des Pontus. 5
Die Hauptbevölkerung der Krim iſt tartariſchen Stam— mes, allein wenn Kerim Gherai im Jahre 1764 noch 50,000 Krieger ins Feld führte und doch die waffenfä⸗ higen Manner ſeines Volks nur etwa zur Hälfte aufgeboten hatte, ſo ſchätzt man dagegen heut die Geſammtzahl der krimſchen Tartaren nur noch auf 80,000, die außer der alten Hauptſtadt an 300 Dörfer bewohnen. Eine ungleich größere Zahl von Dörfern wurde in den ſeit 1736 gegen die Ruſſen geführten Kriegen zerſtört und iſt nicht wieder aufgebaut worden. Als ein Reitervolk ziehen die Tar⸗ taren noch heut ſchöne Pferde, wie Viehzucht überhaupt ihr wichtigſter Erwerb iſt. Städtiſche Gewerbe betreiben ſie vornehmlich in der Hauptſtadt, wo die meilenlange, enge Hauptſtraße ganz mit Läden und Werkſtätten ange— füllt iſt. Fenſter fehlen; dagegen iſt die ganze Breite der Häuſer am Tage geöffnet, und der vorübergehende kann alle Handwerke und Geſchäfte vor ſeinen Augen betreiben ſehen. Auf dem Weltmarkte kann ſich dieſer Gewerbfleiß, dem der Fortſchritt unſerer Zeit fremd geblieben iſt, wohl nüt zeigen; doch werden manche Gegenſtände, beſonders Sättel, Zäume und Pferdegeſchirre, wie ſie dort landüb— lich ſind, in guter Beſchaffenheit gearbeitet. Zu anſtren⸗ gender Thätigkeit zeigt der Tartar wenig Luſt, und darbt lieber, als daß er mit Mühe erwirbt. Der Krieg, der unerwartet dieſe entlegene Halbinſel heimgeſucht hat, er— ſchüttert den ohnehin geringen Wohlſtand der Tartaren empfindlich, und die Bevölkerung wird noch weiter ſchmelzen.
Neben den Tartaren bewohnen etwa 30,000 Griechen und 15,000 Ruſſen die Städte. Auch Armenier und an— deres Volk, wie es im Morgenlande durcheinander gewür— felt iſt, lebt in der Krim. Zu den eigenthümlichſten Er— ſcheinungen des Völkerlebens in dieſem Lande, in welchem auch eine bedeutende Anſiedelung von 60,000 Deutſchen, zum Theil Menoniten beſteht, gehört aber ein jüdiſcher Stamm: die Karaiten, Schriftbekenner. So heißen ſie, weil ſie den Talmud verwerfen und ſich lediglich an die Offenbarungen des Alten Teſtaments halten. Im Mor⸗ genlande zerſtreut, zählen die Karaiten überhaupt nur et— wa 12,000 Seelen, von denen der dritte Theil in der Krim lebt und ſeinen Hauptſitz in dem Felſenneſt Tſchufut Kaleh(Judenburg) oberhalb Baktſchiſarei hat; doch findet man ſie des Handels wegen auch in Eupatoria und ande— ren Hafenſtädten angeſiedelt. Die Juden gehören eben
nicht zu den Schooskindern der ruſſiſchen Regierung; doch machen die Karaiten, die ihr ſehr anhänglich und ſo recht⸗ ſchaffen ſind, daß niemals einer derſelben vor Gericht ge⸗ ſtanden hat, hiervon eine Ausnahme. Sie werden vielfach begünſtigt und genießen ganz beſonders das Vorrecht der Militärbefreiung. Ihr Urſprung iſt dunkel, reicht aber weit in den Hintergrund der Zeiten zurück. Der Glaube an den einigen Gott, ein ewiges Leben, die Auferſtehung der Todten und die Freiheit des menſchlichen Willens, dem durch die Offenbarungen nur der rechte Weg zur Glückſeligkeit gewieſen worden ſei, ſteht bei ihnen feſt. Leiden halten ſie nicht für göttliche Strafgerichte, ſondern für Wege zur Tugend oder für Stützen derſelben. Ihren Lehrern geſtatten ſie, die Heilige Schrift nach beſter Er— kenntniß auszulegen, und erkennen in dieſer allein die Quelle der Wahrheit. Daß ein ſolcher Glaube gute Früchte zu tragen geeignet ſei, leuchtet ein, und es kann kaum fehlen, daß ein ſo vorbereitetes Volk ſich dem Chri⸗ ſtenthum gewiß nicht verſchließen wird, wenn ihm das Heil in rechter Weiſe verkündet wird.
So iſt das Land beſchaffen, das man, obgleich klein und zum geringern Theile ſchön und fruchtbar, den rechten Arm Rußlands nennt, da es durch ſeine Lage, den unver— gleichlichen Hafen von Sebaſtopol und die furchtbare Stärke der Befeſtigung deſſelben als der Ausgangspunkt zur voll— ſtändigen Eroberungen des türkiſchen Reichs betrachtet wird.
Verſchiedenes.
„Der Bazar,“ Muſterzeitung für Frauen, hat ſich während der kurzen Zeit ſeines Beſtehens, er er— ſcheint erſt ſeit Beginn dieſes Jahres, durch den reichen, mannigfaltigen Inhalt des Blattes ſelbſt wie ſeiner Bei— lagen, trotz vielfacher rühriger Concurrenz, ſo viele Freun⸗ dinnen in der Damenwelt erworben, daß er jetzt bereits in 16,000 Exemplaren verbreitet iſt. Dieſe Thatſache iſt an und für ſich die beſte Empfehlung für den Bazar und mag auch unſere Abſicht rechtfertigen, wenn wir deſſen hier empfehlend gedenken wollen.
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Ueberſicht des Reſultats der Frucht-Märkte zu Friedberg vom
4. October 1854 bis Ende September 1855.
Es wurden in dieſem Jahre aufgefahren 77,519 M. Waizen, 9,227 M. Korn, 15,034 M. Gerſte, 8,048 M. Hafer, 2,112 M. Vor⸗ ſchuß, 1,503 M. Weißmehl, 378 M. Roggenmehl, 891 M. Erbſen, 117 M. Wicken, 21 M. Linſen, 115 M. Saamen, 48 M. Bohnen, 2,823 M. Kartoffeln, und wurden hiervon verkauft, Waizen 68,655 M., Korn 6,085 M., Gerſſe 12,596 M., Hafer 6,737 M., Vorſchuß 1,817 M., Weißmehl 1,479 M., Roggenmehl 308 M., Erbſen 505 M., Wicken 79 M., Linſen 9 M., Saamen 113 M., Bohnen 29 M., Kar⸗ toffeln 2,417 M. 7
Der Kapitalwerth hiervon beträgt, 1,456,979 fl.
Friedberg am 1. October 1855. Der Marktmeiſter
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