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Friedberger Jutelligenzblatt.
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54.
Dienſtag, den 21. Juli.
1855.
Eine Wechſelſchuld. (Fortſetzung.)
Waidmoſer, der mehr und mehr verlegen wurde, fühlte die Gluth der Scham in ſein Geſicht ſteigen, als er die zuletzt vorgelegte Schrift betrachtete. Er las ſie flüchtig, dann ſchaute er auf, und ſich an den Alten wendend, fragte er verlegen:„Und Sie ſelbſt verbürgen ſich mit Ihrem Vermögen für das Geſagte und Verſprochene?“
Der alte Wildhahn lächelte glücklich, gutmüthig, ſpot— tend:„Ja, Herr, ſo zeigt's die letzte Schrift, die ich Ihnen vorlegte. Sie meinen vielleicht im Herzen: der alte Mann iſt kindiſch, ſich auf ſeine alten Tage für Fremde zu verbürgen. Das thut in jetziger Zeit der Bruder nicht für den Bruder. Doch, Herr, ich handelte nicht ohne Ueberlegung. Meine Anſicht bei der Sache war: Raſch gehandelt, bringt am ſchnellſten zum Ziel; und offen mit den Gläubigern geſprochen, offen und klar die Verhältniſſe dargelegt, gleicht am ſchnellſten die Sache aus. Dreißig Procent ſicher, ſind beſſer, als achtzig unſicher,— ein magerer, gütlicher Vergleich iſt beſſer, als ein langſamer gerichtlicher Concurs. Das dachte ich und darnach handelte ich.— Was die Bürgſchaft betrifft, ſo iſt die Sache nicht ſo ſchlimm als ſie ausſieht. Seht, Herr!“— mit dieſen Worten trat der alte Wildhahn dem Fabrikherrn näher— „der junge Mann, der Friedrich, hat eine Summe von Ihnen zu fordern; ich kenne denſelben, er hat bei mir gelernt — der hat das Geld der Erdmuthe verſprochen und wird es geben, und Sie, Herr, kenne ich Sie anders noch von früher her, werden daſſelbe dem Werkführer nicht länger vorenthalten— da iſt es alſo mit meiner Bürgſchaft nicht ſo weit her! Vertrauen weckt Vertrauen, ich denke, ich bin hier nicht unrecht gegangen.“
Waidmoſer fühlte ſich überwunden, er mochte dem alten Mann gegenüber, dem er im Grunde des Herzens aus früheren Zeiten her ſich verpflichtet fühlte, nicht hart und ſchlecht erſcheinen; ſchweigend ging er zum Pult, unter— ſchrieb die von den übrigen Gläubigern gemachte Erklärung in gleichem Sinne wie die übrigen, zählte dem Werkführer das gewünſchte Geld auf und reichte dem alten Wildhahn die Hand, indem er lächelnd ſagte:“ Sie ſind noch immer der Alte, gerade, offen, feſt. Hier nehmen Sie die Pa— piere und das Geld— kommen Sie in das Nebenzimmer, ein Glas Wein mit mir zu trinken!“
„Danke, danke, Herr!“ ſagte der Alte und griff nach Hut und Stock.„Mein Geſchaͤft iſt noch nicht zu Ende. Die Hauptperſon, iſt noch nicht erlöſt!“
„Nun denn, auf Wiederſehn!“ ſagte der Fabrikherr und reichte dem ſchon Forteilenden die Hand.
Der alte Wildhahn, grüßte noch einmal und eilte zum Hauſe hinaus. Stumm, unbemerkt verließ der Werk— führer das Zimmer.
Die Zeit geht raſch und ändert viel! Feiertag iſt's. Die Glocken läuten, die Menge eilt zur Kirche, Alles ath— met Ruhe— Feiertagsruhe. Niemand aber iſt glücklicher als Erdmuthe, die an der Seite des Geliebten in der
Wohnung des alten Wildhahn nicht müde wird, von ihren Leiden, von ihren Thränen, von ihrer Angſt zu ſprechen, die ſie ausgeſtanden, und von dem Glück und der Freude, die ſie empfunden, als der Geliebte geſtern in ihre Ge⸗ fängnißzelle getreten und ihr die Freiheit verkündet habe. Ach, frei ſein iſt nichts— aber frei werden iſt der Himmel; frei werden ſchließt ein Glück in ſich, welches nur Der zu würdigen verſteht, der die Freiheit entbehrte und frei ge— worden. Erdmuthe war frei! Sie hatte nicht Ruhe, nicht Raſt, an die Zukunft zu denken, ſie ſonnte ſich nur in des Geliebten Blick, fiel abwechſelnd bald dem alten Wildhahn um den Hals, bald ſeiner Frau, und ward nicht müde zu danken für alle Liebe, alle Güte, die ſie empfangen. Der alte Meiſter ſchmunzelte und freute ſich des Glücks der Vereinten. Doch den Blick in die Zukunft vergaß er ob dieſer Liebkoſungen nicht. Als der erſte Rauſch des Glückes und des Wiederſehens vorüber war, beſprach er mit den jungen Leuten ihre Lage, ſuchte zu rathen, zu ſchlichten und anzuordnen. Als er auch dies vollführt, nahm er den jungen Mann bei Seite, befragte ihn noch ein Mal ausführlich nach allen Worten, die er in der Nacht von den Dieben vernommen, dann griff er nach Hut und Stock und eilte geſchäftig zum Hauſe hinaus. Montag Abend jedoch war der Alte beſchäftig und rührig, wie man ihn ſeit langer Zeit nicht geſehen. Er hatte der Polizei von jenen vernommenen Worten, die der Friedrich von den Dieben erlauſcht, Anzeige gemacht, und da nun Montag Mittag der Fabrikherr wirklich eine ſehr bedeutende Summe eingenommen, ſo ließ ſich erwarten, daß der Anſchlag in Ausführung kommen werde, und die Polizei hegte die Hoff— nung, die Diebe auf der That zu ertappen. Der alte Wildhahn und Friedrich hatten ſich freiwillig erboten, an der Gefangennehmung der Diebe Theil zu nehmen.
Der Fabrikherr war von der Sache nicht in Kennt⸗ niß geſetzt worden, um bei den Dieben keinen Verdacht zu erwecken.
Der junge Werkführer hatte ſich am Abend unbe— merkt in der Fabrik, die mit dem Hauſe durch einen ver⸗ ſchließbaͤren Gang verbunden war, einſchließen laſſen. Den Schluͤſſel zu der Verbindungsthür hatte er ſich zu ver⸗ ſchaffen gewußt und er ſchlich durch dieſelbe, als die Nacht einbrach, ſich in das Haus hinein. Der alte Wildhahn und einige Polizei-Beamte in Civil-Kleidern hatten ſich in der Nähe auf die Lauer gelegt.(Fortſetzung folgt.)
Verſchie den es.
Wirthin.„Herr Buchelmaier, dörft ich Ihna bitten?“
Buchelmaier.„Tauſend, wie können's ſchon Be— zahlung verlangen, hab' ich doch mei Lebtag nit eher be— zahlt, bis ich ausgetrunken hab'!“
Wirthin(weist auf den Anſchlag: Man bittet ſo⸗ gleich zu bezahlen):„Schauen's, dort ham mer's ange⸗ ſchlagen.“
Buchelmeier.„Ja das ſind de Folgen von de ver⸗ maledeite Preßfreiheit.“(Fl. Bl.)


