Ausgabe 
24.4.1855
 
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Die Kartoffel⸗Krankheit, ihre Urſachen und die Mittel dagegen.

Nach der über dieſen Gegenſtand veröffentlichten Schrift des Herrn L. Vorſter zu Coesfeld.

I. Urſache der Kartoffel⸗Krankheit.

Es ſind dieß zwei, erſt im Jahre 1852 von Herrn Vorſter entdeckte früher unbekannte Inſecten; ſie gehören zum Geſchlechte des Vielfußes. Das eine iſt bläulich, wird ¼ Zoll lang und ½ Zoll dick, ſeine Brut iſt röth⸗ lich. Das andere iſt gelblich, wird Zoll lang und / Zoll dick. Beide haben an jedem Ringel zwei Paar Beine.

Dieſen gelblichen Vielfuß trifft man allenthalben an, wo die jungen Kartoffeln krankhaft werden; es iſt der gefährlichſte Feind der Kartoffeln. Seine Vermehrung hat von Jahr zu Jahr zugenommen, ſo daß man auf dem Boden, der in dieſem Jahre Kartoffeln getra⸗ gen hat, im künftigen nicht wieder Kartoffeln, und auch keinen Roggen und Weizen bringen darf, will man nicht einer noch ſchlechter ausfallenden Ernte gewiß ſein.

II. Beobachtungen und Erfahrungen über dieſe Inſeeten.

Die Pflanzkartoffel wird ſowohl auf ſchwerem, als mittlerem feuchten Boden, wo der Vielfuß beſonders hauſt, während der erſten 8 Tage bereits angebohrt; wo er in großer Zahl vorhanden iſt, bleibt kaum eine Kar⸗ toffel verſchont. Nach 3 bis 4 Wochen findet man in den Bohrlöchern die Brut des Inſectes, welche die etwas glaſig werdende, übrigens geſunde Pflanzkartoffel aushöhlt und dann zu dem Wurzelſtengel übergeht, und die Haarwurzeln und Wurzeltriebe abnagt. Dadurch entſtehen faulige Flecken und ein aͤtzender Saft, welcher die Fäule bewirkt.

Das zweite Inſect, von bläulicher Farbe, wird an den Kartoffeln auf trockenem Boden getroffen. Hebt man, ehe das Kartoffelkraut abgeſtorben iſt, einen Strauch mit der Erde tief aus, und legt ihn auf ein Papier in die Sonne, ſo finden ſich an jedem Strauche mindeſtens ein halbes Dutzend jener Inſecten; nur muß man jede Meſſer⸗ ſpitze Erde mit der Loupe unterſuchen, weil viele Inſecten nur wie Nadelſpitzen groß ſind.

Das Inſect zerfrißt nicht nur allein die Wurzelſtengel und die Pflanzkartoffel, ſondern geht auch zu den jungen

Kartoffeln über, nagt die Keime aus, und pflanzt ſich durch

die Kartoffel fort, indem es in die junge Frucht durch die

aber ruhen im Winter, während die Kartoffel eingekellert iſt, geſichert gegen Kälte, und werden mit der Pſtanzkar⸗ toffel in den Boden gebracht und durch die Bodenwärme ausgebrütet. 08

III. Entſtehung der Krankheit der jungen Kartoffeln.

Die Krankheit der jungen Kartoffel entſteht dadurch, daß in dem Boden, welchen der kleine gelbe Vielfuß durch das Zernagen der Pflanzkartoffel und Wurzel faulig machte, im Herbſte ſchon an den Stellen in der Schaale, wo das Inſect ſeine Eier hineingelegt hat, eine Gährung entſteht.

Die Krankheit zeigt ſich nun auf zweierlei Art, je nach dem die Kartoffel, in welche die Eier gelegt ſind, noch zart oder ſchon hart waren.

Wenn man die Kartoffel, bevor ſie ganz in Fäulniß übergegangen iſt, an der Sonne oder an dem Ofen trock⸗ net, behält ſie ihre Keimkraft, ein Beweis alſo, daß nur ihre Schaale beſchädigt war.

Man kann ſich von der Richtigkeit der Thatſache der Beſchädigung der Kartoffelpflanzen durch das Inſect durch eigene Beobachtung überzeugen, wenn man die Kartoffel und den Wurzelſtengel aus einem Klumpen Erde behutſam herausnimmt, ſo daß deſſen Abdrücke in der Erde ſtehen bleiben; es zeigen ſich dann die Gänge des Inſectes, und daß es an den beſchaͤdigten Stellen gehauſt hat. Selbſt im Winter kann man das Inſect bemerken, wenn man einen Spaten Erde 5 Zoll tief aus einem Loche nimmt, wo kranke Kartoffeln geſtanden haben, und die Erde auf dem Ofen erwärmt.

Daß das Laub vor der Zeit abſtirbt, hat darin ſei⸗ nen Grund, daß das Inſect die Wurzel und die Stengel beſchädigt, und daß die Wurzelſtengel da, wo daſſelbe ſei⸗ nen Verkehr hat, faulige Flecken bekommen. 4

Ohne ernſthafte Maßregeln gegen dieſen Feind wer⸗ den fortdauernd magere Jahre zu erwarten ſein; denn dieſe gefährliche Landplage iſt fortwährend im Zunehmen, und häugt dieſes Inſect nicht wie andere Inſecten, die zur Landplage werden können, z. B. Proceſſionsraupen, Bohr⸗ käfer, Heuſchrecken ꝛc., von der Temperatur ab; es iſt im Boden geſchützt und hat durch den Kartoffelbau ſein ſiche⸗ res Fortkommen; der Menſch bewahrt die Brut deſſelben ſorgfältig in dem Keller vor Froſt, und bringt ſie im Früh⸗ jahre wieder in den Boden..

Durch die Anwendung nachſtehender Vorſchriften ge⸗ gen die Krankheit wird die Kartoffelernte mindeſtens den doppelten Ertrag liefern.

Schaale, welche es durchſticht, ſeine Eier legt. Die Eier

(Schluß folgt.)

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat⸗Anzeigen.

Edietalladung.

15191 Johannes Bechtoldt 1. zu Niederwöllſtadt beſitzt die Grundſtücke Y 192. 55 Kl. am Ried⸗ berg und XII 277. 16 Kl. auf die Okarber Landwehr beſcheinigtermaßen ſchon über die Ver⸗ jährungszeit, obgleich ſolche im Grundbuche der Johannes Bechtoldt 1 Wittwe zugeſchrieben ſind, welcher Name ſeit Jahren in Niederwöll⸗ ſtadt nicht exiſtirt.

Ebenſo beſitzt Peter Klühe zu Niederwöllſtadt als Erbe ſeines Vaters das auf den Namen Nicolaus Klee Erben eingetragene Grundſtück 1 612. 40 Kl. in den Brachgärten, und eine auf den Namen des Peter Klee eingetragene Hofraithe 1 1103. Grundbuchs, ſowie einen Grabgarten im Ort 11102, welche Immobilien durch Kauf erworben worden ſein ſollen, der

urkundlich nicht nachgewieſen werden kann, ſchon über die Verjährungszeit und die Namen Peter Klee und Nicolaus Klee Erben find in Niederwöllſtadt ebenfalls unbekannt.

Auf Antrag der Beſitzer werden daher alle, welche auf die bezeichneten Immobilien Eigen⸗ thumsanſprüche zu haben vermeinen, aufgefor⸗ dert, ſolche ſogewiß binnen ſechs Wochen von heute an hier anzuzeigen, als ſonſt jene Immobilien den obgedachten Befitzern als durch Verjährung er⸗ worben im Mutationsverzeichniſſe und Grund⸗ buche werden zugeſchrieben werden.

Friedberg, den 7. April 1855.

Großherzogliches Landgericht Friedberg Hofmann.

Oeffentliche Aufforderung.

meinde Niederweiſel von dem damaligen Ge⸗ richtsſchöffen Johann Georg Haub J. ein verzinsliches Kapital von 300 fl. Dieſes Ka⸗ pital iſt zwar laut Quittung vom 30. Dezem⸗ ber 1835 wieder abgetragen worden; der be⸗ treffende Schuldſchein aber kann nicht aufge⸗

funden werden. 8

Auf Antrag der Intereſſenten ſind deßhalb alle etwaigen Anſprüche aus dieſem Schuldſchein binnen einer Friſt von 6 Wochen bei dem un⸗ terzeichneten Gericht ſo gewiß anzumelden, als ſonſt derſelbe für erloſchen und mortifieirt er⸗ klärt werden wird.

Butzbach am 29. April 1855. Großherzoglich Heſſiſches Landgericht Butzbach Ebel,

1559 Unterm 15. Juni 1821 entlieh die Ge⸗

Landrichter.

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