Friedberger Intelligenzblatt.
eint wö⸗ 2 2 2 2 Einrückungsge⸗ g Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, 1 8 kern Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg. e „ 56. Freitag, den 20. Juli. 1855.
Amtlicher Theil.
Steckbrief Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.
Suſanna und Johs. Eſter von Villingen, Kreis Nidda. Bettelndes Umherziehen. Suſanna Eſter 15 Jahre alt. Johs. Eſter 12 Jahre alt.
Zuruͤcknahme eines Steckbriefs Großherzoglichen Kreisamts Friedberg. Der gegen Eliſe und Marie Schäfer von Weckesheim erlaſſene Steckbrief wird zurückgenommen, da ſich die— ſelben in ihrer Heimath wieder eingefunden haben.
effentliche Aufforderung.
In dem ſog. Roſenthal dahier wurden dieſer Tage nachfolgende Gegenſtände, welche dem Vermuthen nach geſtohlen wurden, gefunden: 1 altes Unterbett von blau und weißem Zwilch mit Federn, 2 leinene Fruchtſäcke, aus denen in der Mitte die Namen herausgeſchnitten ſind; 2 wirkene Kinderwindeln; 1 Handtuch, gezeichnet E. C. 12; 1 altes wirkenes Tiſchtuch mit verbrannten Ecken; 1 blaue wirkene Schürze. Man fordert die Eigenthümer dieſer Gegenſtände zur alsbaldigen Anmeldung ihrer Anſprüche bei Großherzoglicher Bürgermeiſterei Friedberg, woſelbſt dieſe Gegenſtände aufbewahrt ſind, auf. Friedberg am 9. Juli 1855. Großherzogliches Kreisamt Friedberg Wa LA..
Bekanntmachung.
Von den deutſchen Geſellſchaften in Amerika ſind nachſtehende Rathſchläge aufgeſtellt worden, deren Verbreitung dieſelben unter denjenigen, welche aus Deutſchland auswandern wollen, empfehlen:
1) Laſſet euch nicht durch Vorſpiegelungen von Paſſage-Agenten zur Auswanderung verleiten;
2) Reiſet, wo möglich, nicht vor dem 17. Februar und nach dem 15. September von Europa ab;
3) Machet euch auf eine beſchwerliche Reiſe und auf harte Arbeit in Amerika gefaßt;
4) Verlaſſet die Heimath nur, wenn ihr ſicher ſeid, genug Geld mit nach Amerika zu bringen, um Land zu kaufen oder zu Freunden und Verwandten zu kommen;
5) Bringt alle eure Gelder in amerikaniſchem oder engliſchem oder franzöſiſchem Golde mit,— nehmt keine Haytiſche Dollars, die hier nur 24 Cents werth ſind;
6) Verſprechen eure Verwandten euch Geld nach Amerika zu ſenden, ſo ermahnt ſie, es ja zur verſprochenen Zeit zu thun und unter Adreſſe des Conſuls oder der deutſchen Geſellſchaft an euch zu ſchicken;
7) Habt ihr mehr Geld, wie ihr zur Reiſe braucht, ſo laſſet euch einen Wechſel an ein angeſehenes Handlungs— haus auf Amerika geben,— vertraut weder Geld noch Wechſel dem Capitain, Steuermann oder ſonſt Jemand auf dem Schiffe anz
8) Laſſet euch mit dem Wechſel einen verſiegelten Avis-Brief von dem Ausſteller an den Acceptanten in Amerika mitgeben, der eure Unterſchrift enthält, damit ihr euch hier als Inhaber legitimiren könnt,— ihr vermeidet da— durch viele Umſtände.— Wechſel auf deutſche gute Häuſer verdienen jedenfalls den Vorzug;
9) Ihr verliert gewöhnlich, wenn ihr ſchon in Deutſchland einen Contract für die Weiterreiſe in Amerika macht, und ſetzt euch außerdem dem Betrug aus;
10) Kaufet auf keinen Fall Land in Amerika, ehe ihr es geſehen habt;
11) Bezeichnet euer Gepäck, Stück für Stück, deutlich und unauslöſchlich, wo thunlich mit euerem Namen und Beſtimmungsorte und habt ein ſcharfes Auge darauf beim Ein⸗ und Ausladen der Schiffe ſowohl, wie bei der Reiſe in's Innere,— einmal verloren, findet ihr es ſchwer wieder;
12) Laſſet eure Güter am Orte der Abreiſe durch den Conſul verſichern, falls ihr es wünſchet, und laſſet euch von ſelbem einen Brief an den Conſul in Amerika geben, damit ihr im Falle von Verluſt euren Schaden reclamiren könnt;
13) Bei Ankunft in Amerika ſehet euch ja vor, wem ihr traut,— wendet euch um Rath an eueren Conſul und die deutſche Geſellſchaft und trauet keinen falſchen Freunden, die euch zu betrügen trachten;
14) Wollt ihr in's Land, ſo haltet euch nie länger, wie nothwendig, in der Stadt auf und braucht ihr Rath, ſo geht zum Conſul, es koſtet euch nichts und er wird euch ſicher zum Beſten rathen. Wird euch bei ihm oder in der deutſchen Geſellſchaft für Rath Geld abgefordert, ſo ſeid ihr nicht im rechten Hauſe, zahlet es keinen Falls;


