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tigung. Der Gehalt der evang. Schulſtelle zu Kleingerau (Coneurrenz S. 518 des Reg.⸗Bl. Nr. 42) iſt neben der Vergütung von 24 fl. für Heizung des Schullocals, nicht 518 fl. 45 kr., ſondern nach neuerer Mittheilung nur 318 fl. 45 kr.
Eine gute Lehre. Novellette von Emil Souveſtre.
„Alſo es bleibt dabei, Meiſter Jouvencel, ich treffe Sie morgen in Lyon, bei dem Notar, der die Trouſſart'ſche Verlaſſenſchaft zu verwalten hat!“ f
„Gewiß und ich garantire Ihnen, daß die einhundert⸗ undfünfzigtauſend Franken, die Sie dem Verſtorbenen vor⸗ geſchloſſen haben, Ihnen alsbald werden zurückvergütet werden, ſobald Sie mit dem ſo gluͤcklich wieder gefundenen Verſchreibungsbriefe herausrücken,“ verſetzte der junge Ad— vokat.
„Ja es war wohl ein Gluͤck, daß ich ihn wiederge— funden habe, wenn ich gleich volle acht Tage unter den Papieren meines verſtorbenen Bruders darnach ſuchen mußte. Ich war in ſteter Todesangſt um das Papier, denn eine Fahrläſſigkeit, ein Zufall hätte es vernichten oder wenigſtens verloren gehen laſſen können!“
„Das wäre am Ende auf Eins und dasſelbe hinaus— gelaufen, denn in acht Tagen wäre die Friſt zur Geltend— machung Ihrer Anſprüche abgelaufen und dann die Ver— jährung gegen Sie ausgeſprochen worden!“
„Ich weiß es, und darum hielt ich mich ſchon für verloren, und hatte ſo ſehr alle Hoffnungen aufgegeben, daß ich ſchon faſt entſchloſſen geweſen war, noch an dem Tage, wo die Quittung gefunden wurde, mich um die Di— rektion eines Komptoirs am Senegal zu bewerben!“
„Bah! dort wären Sie ja dem Fieber unterlegen,“ ſagte Jouvencel;„nun hat ſich gottlob Alles zum Beſten gefügt und Sie dürfen fürwahr der Glücksgöttin ein Dank— opfer bringen!“ Mit dieſen Worten hatte der junge Ad⸗ vokat ſeine Handſchuhe angezogen und trat mit ſeinem Begleiter, Herrn Raymond, deſſen Reiſerock und leichte Muͤtze auf ſeine bevorſtehende Abreiſe deuteten, unter die Einfahrt des Gaſthauſes. Beide wollten ſich eben von einander verabſchieden, als Meiſter Jouvencel's Blicke auf einen Bettler fielen, der neben der Thürſchwelle ſaß und ſich in der Abendſonne zu wärmen ſchien. Es war ein Greis mit wahrhaft ſokratiſchem Geſicht, der einen oft ge⸗ flickten Sack an einem Tragriemen über die Schulter ge— ſchlungen hatte und in einem abgegriffenen Exemplare von Lafontaine's Fabeln las, deſſen ausgefranſter Schnitt und ſchmierige Ränder einen langen Gebrauch bekundeten.
„Ah, da iſt ja der alte Loriot!“ ſagte Jouvencel und zeigte ſeinem Begleiter den alten Bettler;„nach ſeinem Aeußern zu urtheilen, ſollte man kaum ahnen, daß man in ihm einen Gelehrten vor ſich hat!“
„Unglücklicherweiſe möchte man nach Deinem Aus⸗ ſehen glauben, man habe es mit einem ernſten Manne zu thun“, verſetzte der Greis aufblickend;„allein es gilt von Dir, was La Fontaine ſagt: Dem unwiſſenden Advo— katen leiht nur das Kleid Reſpekt!“
Jouvencel lachte und ſagte zu Raymond:„Hörten Sie es? Nun kommt er ſchon mit ſeinen Citaten aus dem Fabeldichter; Ihm ſtehen eine Menge davon für alle Per— ſonen und Gelegenheiten zu Gebot, denn Vater Loriot läßt Niemand ungeſchoren: er iſt hier zu Lande ein wahrer Diogenes, dem nur die Laterne fehlt!“
„Weil ich ſo viel Advokaten begegne, daß ich längſt darauf verzichtet habe, Menſchen zu ſuchen,“ erwiderte der Alte ſpöttiſch.
Raymond betrachtete aufmerkſam den alten Bettler und Jouvencel fuhr fort:„Nicht wahr, dieſe Antwort hätten Sie nicht von ihm erwartet; aber Vater Loriot iſt
noch ſehr gut in der alten Geſchichte bewandert. Er br ing Ihnen wohl auch gar lateiniſche Citate auf's Tapet, wenn Sie ihm eine Kleinigkeit für Branntwein oder Tabak geben, denn der gute Mann ſchnupft wie ein Kirchenthür⸗ ſteher und trinkt wie ein Komödiant!“
„Jenun,“ meinte Loriot ſcherzend,„wenn man nicht das Nothwendige hat, ſo muß man ſich hie und da etwas vom Ueberflüſſigen zukommen laſſen! Aber die Welt ur— theilt nur nach dem Erfolg: Je nachdem Einer reich oder arm iſt, wird er von den Richtern ſchuldig oder unſchuldig
erfunden!“
„Und woher kommt es, daß Ihr nicht einmal das Nothwendige habt?“ fragte der Reiſende voll Theilnahme.
„Von meinen Thorheiten,“ verſetzte Loriot lakoniſch, „ich war zu arm, um auch nur Fehler zu haben, und er— laubte mir daher Laſter!“
Die Welt kennt Leute g'nug, die nicht viel weiſer find!
Ein jeder kleine Fürſt will auch Geſandte haben,
Ein jeder Marquis hält ſich ſeine Edelknaben. 5
„Und Ihr habt dieſe Laſter beibehalten, obwohl Ihr ſie anerkannt? Wozu habt Ihr aber alsdann Euren Verſtand?“
„Um zu wiſſen, daß ich ein Dummkopf war!“
„Das heißt, Ihr verdammtet Euren ſchlimmen Lebens⸗ wandel und beharrtet dennoch in demſelben?“
„Ei bewahre! nicht ich bin ſo hartnäckig, ſondern das böſe Prinzip läßt mich nicht mehr los. Ich will nichts von ihm, aber es hängt ſich an mich, und da es das Stär— kere iſt, kann ich mich nicht davon losreißen; es bleibt mein Herr und Meiſter, und Sie kennen ja La Fontaine's Ausſpruch: Der Feind iſt immer unſer Herr und Gebieter!“
Jouvencel lachte laut auf und ſagte:„Mit dieſem wunderlichen Alten hier werden Sie niemals fertig werden! Er hat für jedes Vorkommniß einen Ausſpruch von Lafon⸗ taine im Sacke!“ dann zog er Herrn Raymond auf die Seite, ehe er ihn verließ und fluſterte ihm in's Ohr: „Nehmen Sie ſich vor dem alten Kerl in Acht; er wird leicht zudringlich; mit guten Gründen fängt er an und mit Unverſchämtheiten hort er auf; er iſt wie die Hunde, mit welchen man nur aus einiger Entfernung ſpielen kann!“
Der Bettler hatte dieſe Empfehlung Jouvencel's nicht verſtehen können, aber er errieth ſie wohl ohne Zweifel, denn er folgte dem jungen Manne mit düſtrem Blicke und brummte kopfſchüttelnd vor ſich hin:„Geh', geh! mach mir den Herrn da abhold! Verläumde und verſchwatze mich bei ihm. Wer eine ſcharfe Zunge hat, der muß ſie immer wetzen, daß ſie ſcharf bleibt. Ich kenne Dich ſchon von uralter Zeit her.— Schäm' Dich, Du Afterredner! Warm und kalt geht aus Deinem Munde in Einem Athem!“
Herrn Raymond war dieſe letzte Bemerkung nicht entgangen und er kehrte ſich raſch um.„Ihr ſeid ſehr argwöhniſch, Vater Loriot!“ ſagte er zu dieſem in ſeinem gewohnten ſanften Ernſte.
„Kein Wunder! ich bin alt genug dazu! Seh'n Sie nur meine grauen Haare an,“ verſetzte der Alte.„Erfah⸗ rung läßt das Ueble ahnen!“ i
„Aber die Liebe ſollte den Glauben an das Gute nicht untergehen laſſen!“ erwiderte ihm Herr Raymond; „die Bitterkeit hilft in keiner Lage, ſondern macht vielmehr eine jegliche noch drückender. Laßt uns daher lieber ein wenig als gute Freunde plaudern; vielleicht kann ich Euch in irgend Etwas von Nutzen ſein!“(Fortſetzung folg t.)
Markt⸗Bericht von Friedberg. 16. Januar. Waizen aufgefahren 694 Malter, verkauft 589, 16 fl. 39 kr.; Korn aufg. 78 ½, verk. 77, 13 fl. 16 kr.; Gerſte aufg. 50, verk. 12, 8 fl. 17 kr.; Hafer aufg, 32 ½, verk. 32½, 5 fl. 24 kr.; Vorſchußmehl aufg. 14%, verk. 4½, 19 fl. 15 kr.; Waizenmehl aufg. 18, verk. 18, 14 fl. 30 kr.; Erbſen aufg. 2; Kartoffeln aufg. 3 ½, verk. 3½, 3 fl. 30 kr.
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