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Der Juden Teich. (Schluß.)
Jahre waren vergangen. Im Hauſe des Senators Wöhler ſah es oͤde aus. Der rüſtige, ſtolze Maun war zum ſchwachen, gebeugten Greiſe geworden. Das Ver⸗ ſchwinden ſeines Sohnes hatte ſeine glänzenden, hochfliegen— den Plane vernichtet. Und nach und nach hatte ſich auch der hinkende Bote, die Reue, eingefunden. In einſamen, ſpäten Stunden geſtand er es ſich, wiewohl ungern, ſelbſt, daß er durch ſeinen ungemeſſenen Stolz, durch ſeine Härte, nicht allein zwei arme unſchuldige Frauen geopfert, ſondern auch den einzigen Sohn vielleicht in's Elend getrieben habe. Die Troſtgründe, die ihm der Prediger Garberus hin und. wieder ſpendete, widerten ihn an, denn er kannte die un⸗ lautere Quelle, woraus ſie floſſen, und außerdem ſah er in dem Pfarrer den Miturheber ſeines Unglücks. Als ihn nun ein heftiger Gichtanfall ſchwer darniederwarf, befahl er, ſeinen Schwager aus Hildesheim nach Hannover zu beſcheiden, damit er wenigſtens einen Verwandten um ſich habe. Der alte Kaufherr, der Ohm, von dem früher Jo⸗ hannes Wöhler ſo viel Gutes ſeiner Anna erzählt hatte, kam auf den an ihn ergangenen Ruf eiligſt nach Hannover; allein er bemerkte nur zu bald, daß der Senator raſch ſei⸗ ner Auflöſung entgegeneilte.
Der Kranke ſelbſt ſah mit Reſignation auf ſein nahes Ende. Sein einziger Wunſch war, nur noch einmal den verlorenen Sohn wieder zu ſehen. Die Kräfte des Er⸗ krankten nahmen raſch ab und die Aerzte hatten eine bal⸗ dige Auflöſung deſſelben verkündet, da trat, im Zwielicht des Krankenzimmers, der Schwager an das Bett des Lei⸗ denden und ſprach zu ihm:„Nicht ohne Troſt, Schwager, ſollſt Du von hinnen ſcheiden, da Dein Herz verſoöhnt iſt. Fühlſt Du Dich noch ſtark genug, einen unerwarteten Ein⸗ druck zu ertragen?“
„Ich hoffe es,“ ächzte der Kranke.
Da öffnete, auf ein Zeichen des Verwandten, der Wärter die Thüre, und herein trat Johannes Wöhler mit ſeiner Anna und gefolgt von zwei lieblichen Kindern.
„Erkennſt Du dieſe hier?“ fragte der Schwager, während Johannes und Anna mit den Kindern zu den Füßen des Bettes niederknieeten.„Siehe, es ſind Deine Kinder und Deine Enkel!“
„Gott, Du biſt gerecht, aber auch barmherzig,“ ſprach leiſe der Kranke, indem er ſich aufrichtete und ſegnend die Hände auf die Häupter der Kinder legte,„ich danke Dir!“
Dann ſank er langſam zurück; die Augen, ſchloſſen ſich; er war nicht mehr.—
Wir haben jetzt nur noch Weniges zur Erklärung hinzuzufügen.
Johannes Wöhler hatte ſich nach jenem ſchrecklichen Vorfalle am Judenteiche mit Anna zu ſeinem Ohm nach Hildesheim begeben, nachdem auf ſeine Veranlaſſung vorher der Leichnam der Wittwe auf dem Kirchhofe heimlich be⸗ erdigt worden war. Der treffliche Oheim nahm ſich der Flüchtlinge väterlich an und bot ihnen einen Zufluchtsort auf einem Hofe, den er am Harzgebirge beſaß. Hier un⸗ terſtützte er das junge Paar, das des Prieſters Segen verbunden hatte, auf jede Weiſe, ſo daß Johannes Wöhler, der ſich mit Eifer und Luſt der Landwirthſchaft widmete, ſich und die Seinen bald jeder Sorge enthoben ſah. Von dort rief ihn der Ohm an das Sterbelager des Vaters.
Die Hannoveraner ſtaunten nicht wenig, als ſie die Kunde von dem Tode des Senators und der, demſelben vorhergehenden Verſöhnung mit ſeinem Sohne erfuhren. Am betroffenſten über dieſe Nachricht wurde beſonders der Prediger Garberus. Johannes Wöhler aber, der in den vollen Beſitz des Reichthums und der Guter ſeines Vaters
trat, behandelte den Pfarrer nur mit ſchweigender Verach⸗ tung. Den ſauberen Gehülfen des Geiſtlichen, den Schnei⸗ der Hencke, hatte ſchon vor längerer Zeit der ſtrafende Arm der Gerechtigkeit, wenn auch wegen einer anderen Frevelthat hier ereilt; er war wegen Raubes gehangen worden, nachdem er vorher bekannt hatte, auf welche Weiſe er das Wunder mit dem Hund in's Werk gerichtet.
Daß übrigens das Ausſpeien der Hunde durch den Heucke allgemein geglaubt und für Wunder gehalten wurde, davon zeugt eine Stelle in M. Henricum Büntings„Braun⸗ ſchweig'ſche und Lüneburg'ſche Chronica“ vom Jahr 1586, worin es— im dritten Theile Seite 78— alſo heißt: „Im Jar Chriſti Geburt 1580 hat ſich in der Stadt Han⸗ ober, ein ſeltzames, und vorhin unerhörtes Wunder zuge⸗ tragen. Ein Bürger daſelbſt, Albert Hencke, ſeines Hand⸗ werks eine Schneider, ging eine lange raume Zeit, und befand ſich ſehr übel, das er auch ſehr jemmerlich und ungeſtalt ward.“ 0
„Nun begab es ſich eines Tages, das er an ſeine Hausfrawen begeret, ſie ſolle ihm ſüße Milch zu eſſen geben, als er die geſſen, kam ihm mit züchten ein brechen an, indem er ſich alſo engſtet, und ſehr hefftig mit züchten ſpeiet, hat man alsbald in den unflat, den er gebrochen, zween kleine, weiſſe lebendige Junge Hündelein, die noch blind waren, kriechen geſehen. Dieſe Hündelein wurden in einer Irden Schüſſel, in Sanct Georgen Kirchen ge— ſetzet, daß jedermann dahin gehen, und ſie beſehen mochte. Doch lebten dieſelben Hündelein nicht lange, ſondern ſtürben bald dahin. Der Mann aber ward nach der Zeit immer beſſer geſund, lebet auch noch heutigen tages.“—
(Erheit.)
Butzbacher Kirchenbuchsauszug vom Monat März. Get rau te: ein Getaufte: 4. Ein unehel. S., Johann Peter Philipp Carl, geb. 14. Febr. 11. Dem Zimmermann und Ortsb, zu Storndorf Johann Hein⸗ rich Herchenröder ein S., Chriſtoph, geb. 20. 18. Dem Wachtmeiſter in der vierten Schwadron des Garde⸗ e geh rege dahier, Johannes Löſch eine T., Chriſtine Doro⸗ ea, geb. 22. 18. Dem hſ. B. u. Metzgermeiſter Moritz Winter II. eine T. Anna Eliſabetha, geb. 27. 18. Dem hſ. B. u. Steindeckermeiſter Johannes Heyd ein S., Chriſtian Heinrich, geb. 23. 25. Ein unehel. S., Johann Gernand Carl, geb. 25. 25. Dem hſ. B. u. Wagnermeiſter Georg Friedrich Schab eine TV, Margaretha, geb. 3. März. 25. Dem hf. B. u. Seribenten Heinrich Bergauer eine T., Jo⸗ hanna Chriſtiane, geb. 3. 5
Beerdigte: 1. Luiſe Kath. Feldmann geb. Klaum von Pohlgöns, des weiland B. u. Bäckermeifters Georg Feldmann nachgelaſſene Wiw., alt 81 J. 4 M. 1 T. f 27. Febr. 5. Ein unehel. S. Carl, alt 10 M. 5 T., 1 3. März. 30. Anna Margaretha Heyd, Ehefrau des Spenglermeiſters Sieg⸗ fried Heyd, geb. Lotz von Uſingen, alt 37 J. 2 T., 1 28. März.
Butzbacher Kirchenbuchsauszug vom Monat April. Getraute: f g e Gert a u ft:
8. Dem Ortsb. u. Geometer zweiter Klaſſe zu Eichelſachſen, der⸗ malen Scribent dahier Carl Chriſtian Auguſt Schäfer ein S., Wilhelm Carl, geb. 15. März. 1 181 5
8. Dem hſ. B. u. Metzgermeiſter Heinrich Waiblinger eine T., Eva Margaretha, geb. 14. März. 8 0
8. Dem hſ. B. u. Schuhmachermeiſter, Kirchenvorſteher u. Ge⸗ meinderath Chriſtian Häuſer ein S., geb. 16. März.
Be bid i get ee:
10. Ludwig Dietrich, led. S. des Johann Dietrich von Flanborn,
im Kreiſe Alzei, Garde⸗Chevauxlegers in der vierten Schwadron der
zweiten Diviſion zu Butzbach, alt 23 J. 8 M. 11 T., 1 7. März.
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