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andern Ende des Bezirks nach der Stadt üͤberſiedelt und das kleine Häuschen im Skim-Gäßchen bezogen hatten, war zwiſchen Weſtland und der älteren Tochter Bennett's, Beſſy, allmählig eine Bekanntſchaft und im Verlauf der Zeit aus dieſer ein innigeres Verhältniß zu Stande ge— kommen. Weſtland begann nun erſt einzuſehen, was ihm ſein Gewiſſen ſchon zuvor oft zugefluſtert hatte, daß die Zeit dem Menſchen zu ernſteren Dingen gegeben ſei als zu bloßer Erholung, und daß die Dichtkunſt ſchon ſeit Ho⸗ mer's Zeiten eine brodloſe Kunſt ſei; daß man einer ge⸗ wiſſen Verſorgung für das Leben bedürfe, zumal wenn man das Loos eines geliebten Weſens an das ſeinige ketten wolle. Er legte daher ſeine Manuſkripte, ſein Reinlexikon und die Taſchenausgaben der Dichter bei Seite, berieth ſich mit Mutter und Muhmen, und legte ſich, mit der Billigung derſelben, ernſtlich auf das Studium der Heil— kunde.
Die Weſtlands waren im dritten, die Bennett's gar nur im vierten Grade verwandt mit dem reichen Nat Nor⸗ ton; aber von allen Verwandten waren die Bennetts die ärmſten. So war es freilich nicht von jeher mit ihnen beſtellt, ſondern Jonathan Bennett früher einmal ſogar in
ſehr guten Verhältniſſen geweſen. Er hatte von ſeinem
Vater ein großes, ſchuldenfreies Landgut geerbt, und ſeine Frau und Töchter waren ſparſam, fleißig und haushälte— riſch. Vielleicht war Mrs. Bennett nur eine allzu gute Haushälterin für ihn geweſen, denn das Gewicht und Be⸗ wußtſein von dem Umfang ſeiner Verantwortlichkeiten hilft manchmal einen Mann beharrlich und getreu in ſeinen Pflichten erhalten; aber ob ſie mehr als ihren eigenen Antheil an den Laſten und Sorgen des Hausweſens auf ſich nahm oder nicht, genug, Jonathan verlegte ſich im Verlauf ſeines ehemaligen Lebens auf's Kannegießern und auf das Waidwerk. Er fehlte bei keiner Jagdparthie, wo es ein Gelage gab; bei keiner politiſchen Verſammlung, wo er eine Rede halten konnte, und wenn man nach Jo⸗ nathan ſchicken mußte, ſo traf man ihn am ſicherſten im nächſten Kaffee- oder Gaſthaus. Jagen, Redenhalten, in den Schenken politiſiren, waren ſeine Lieblingsbeſchäfti— gungen, und verfehlten nicht, ihren Einfluß auf Jonathan's Verhältniſſe bald geltend zu machen. Seine verwahrloſte Maierei gewährte keinen Ertrag mehr, es kamen ſogenannte ſchlechte Zeiten, welche ihn, im Verein mit ſeiner eigenen Verſchwendung, in Schulden ſtürzten, und gerade unter dieſen Umſtänden ward ſeine geduldige, umſichtige Gattin nach einer kurzen aber heftigen Krankheit in ein beſſeres Leben abgerufen; Mrs. Bennet ſtarb in größerem Frieden als ſie gelebt hatte. Das Rohr, auf das ſie ſich ſtützte, war ein Speer geworden, und ſie hatte bei'm Fehlſchlagen ihres irdiſchen Glückes ihr Vertrauen nachgerade auf etwas Höheres und Bleibenderes ſetzen gelernt als auf den Wechſel der Zeit und den Unbeſtand der Menſchen. Dieſe Weisheit war zwar nur allmählig in ihrem Geiſte aufge— dämmert, aber ſie verſüͤßte ihr den Abſchied vom Leben. Sie überantwortete ihre noch jungen Töchter ohne Furcht oder Murren der Pflege ihres Vaters im Himmel und ihren thörichten Gatten dem göttlichen Erbarmen. Ihr Tod war ein erſchütternder Schlag für Jonathau, denn er ver— mißte die treue Pflege und geduldige Liebe der Verewigten ſchmerzlich und betrauerte ſie eine Zeitlang tief. Als aber die Zeit ſeine Wunden vernarbt hatte, gewannen die alten, boͤſen Gewohnheiten bei ihm wieder die Oberhand, und er hätte die Bitten und Rathſchläge ſeines ſterbenden Weibes vielleicht abermals in den Wind geſchlagen, wäre ihm nicht bei der erſten Fuchsjagd, welcher er wieder anwohnte, das Unglück paſſirt, daß er ſammt dem Pferde in einen Abgrund ſturzte und beide Beine brach. Dieſes Ereigniß, eine wahre
Schickung der Vorſehung, bewirkte bei Jonathan eine voll⸗ kommene Sinnesänderung. Er erſtand zwar wieder von ſeinem Schmerzenlager, blieb aber für Lebenszeit an beiden Beinen lahm; er hatte während der Heilung Muße gehabt, die Sünden und Thorheiten einzuſehen, in welchen er ſeine Kraft und Zeit vergeudet hatte, und genas mit neuen Vor⸗ ſaͤtzen und Lebensanſchauungen. Tief verſchuldet und nun unfähig, ſeine Maierei ſelbſt zu bewirthſchaften, verkaufte er ſie nun mit dem ganzen Viehſtand und Ackergeräthe, be⸗ zahlte all ſeine Gläubiger bis auf den letzten Heller und bezog eine wohlfeile Wohnung in jenem kleinen Häuschen am Ende unſerer ſtillen Stadt, wo er ſich mit feineren Tiſchlerarbeiten, für welche er ein beſondres Geſchick hatte, einiges Geld verdiente, während ſeine älteſte Tochter für fremde Leute nähte und die jüngſte, nach der vernünftigen und löblichen Sitte Neuenglands, es nicht unter ihrer Würde hielt, ein Unterkommen in einem Dienſte zu ſuchen.
Sie wohnten nun drei Jahre in der Stadt, und es herrſchte ein wahrhaft ſchweſterliches liebevolles Einver— nehmen zwiſchen Beſſy und Annie Bennett. Beide Mäd⸗ chen waren in der That auch einander an Wuchs, Ge— ſichtsbildung, Farbe des Haars und der Haut ſo ähnlich, daß ein Fremder ſie kaum von einander unterſchieden haben wurde. Nur waren Annie's Züge heiterer und munterer, und Beſſy's Geſichtchen hatte mehr einen ſinnenden, milden Ausdruck. Im Charakter Beider war aber der Unterſchied weit ſtärker ausgeprägt. Die ältere Schweſter verband mit ungewöhnlich ſcharfem praktiſchem Verſtande für welt⸗ liche Dinge auch jene höhere Weisheit, die ihre Beweg— gründe wie ihren Lohn gleicherweiſe jenſeit der irdiſchen Güter ſucht; dieß gab ihrem Charakter Feſtigkeit in den Grundſätzen und ihrem täglichen Leben jenen heitern milden Gleichmuth. Annie dagegen hatte dieſen innern Anker nicht; war zwar herzeusgut, liebreich, aufrichtig und für ihr Alter ſehr geſcheidt aber allen Arten von Launen und ſchwankenden Entſchlüſſen unterworfen und ließ ſich nur
gar zu leicht vom Scheine beſtechen oder von Enttäuſchun⸗ gen entmuthigen.
Es galt damals und gilt noch heutzutage in Neu— england für wohlerzogene Töchter für weit achtbarer, wenn ſie zu ehrenwerthen Familien in Dienſt gehen, als wenn ſie ſich mit Lohnarbeiten wie Putz- und Kleidermachen und ähnlichen Erwerbszweigen befaſſen, und Viele wunderten ſich, daß Beſſy das Letztere vorziehe. Sie war nicht geneigt, über derlei Dinge zu reden und zu rechten, aber ich ver— muthe, ſie zog die ſchlechtgelohnte Näharbeit daheim nur deßhalb vor, weil ſie den Gedanken nicht ertragen konnte, den alten Vater allein zu laſſen, nachdem Annie bei den vornehmen faſhionabeln Mathewſons in Dienſt getreten war. Sie bekam übrigens Arbeit genug, und auch Jonathan entwickelte einen bewundernswerthen Fleiß. Er hatte be⸗ ſonders Talent für runde Tiſche und ein wahres Genie für kleine Kommoden und eingelegte Schatullen. Es war keine einzige angeſehene Familie in der Stadt und Umgegend, welche ihn nicht mit derlei Aufträgen in Anſpruch nahm; und noch mehr, Jonathan's Sinnesänderung erwies ſich als eine dauernde und er blieb nun ein ernſter, ſolider Mann.—
(Fortſetzung folgt.)
Verſchiedenes.
Mittel gegen aufgebrochene Froſtbeulen.— Das beſte Haus- und Heilmittel, das man unter ſolchen Umſtänden auwenden kann, beſteht aus feingeſchabter Kreide, mit gewöhnlichem Thran zu einer nicht zu ſteifen Salbe gemacht, damit ein Stück Leinwand etwas größer als das Geſchwuͤr ſtrohhalmsdick beſtrichen und aufgelegt. Dieſes
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