53 77¼ 100 15

155675 38%

auuammen

241

Nachweiſung des Aetiv- und Paſſivpſtandes.

U A. Activbobeſtand. fl. kr. — Betrag nach voriger Rechnung. 0 2 0 5 5 363208 33 Hierzu die in dieſem Jahre nach Rubrik IX. ausgeliehenen. 2 60007— a Summe 423215 33 Nach Rubrik V find an Darlehn zurückbezahlt 4 1 1 61997 31 ö Bleiben[361218— Hierzu den Einnahme ⸗Ueberſchuß Nei 16187 51 ¼ Summe 377405 53% 8 B. Paſſivſtand. Betrag nach voriger Rechnung— 0 1 5 1 1 0 353837 57 Hierzu die Einnahme nach Rubrik III 5. 4 1 g 51869 14 . Summe 405707 11 Nach Rubrik X an Einlagen zurückbezahlt. 5 f 36479 1 Bleiben 349228 10 Verglichen mit dem Actipſtand bleibt Ueberſchuß 28177[43%¼

Friedberg den 26. Juni 1855.

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Zur Beglaubigung: Der beauftragte Rechnungs⸗Reviſor F a a tz.

Eine Wechſelſchuld. (Fortſetzung.)

Die Stimme ſchwieg. Der erſte Lichtſtrahl des dämmernden Morgens drang durch das kleine vergitterte Fenſter. Ein Schläfer nach dem andern erwachte, und der Werkführer, mehr und mehr ſeine Umgebung erkennend,

ſehnte ſich nach Freiheit. Endlich erſchien der Schließer

und nach zwei lang durchharrten Stunden ward er vor den Polizeirath geführt und nach vernommener Ausſage und erfolgter Einſicht ſeiner Papiere auch ſofort entlaſſen.

Weshalb war er verhaftet worden, weshalb wurde er ſo ſchnell freigegeben? es bleibt zweifelhaft, dies mit Sicherheit beſtimmen zu können. Genug, er war frei, und der Werkführer eilte nicht nach der Werkſtatt ſeines Herrn, wie er dies eigentlich geſollt, denn die Worte des Herrn konnte er für ſeine Entlaſſung nehmen, ſondern nach der Wohnung des alten Meiſters. Nun das Gemüth ruhiger geworden, nun drängte es ihn, ſich mitzutheilen, nun wollte er einen Rath, eine Meinung hören, um nach Anhörung derſelben ſeinen Entſchluß zu befeſtigen.

Der alte Wildhahn vernahm die Worte ſeines jun— gen Freundes, er hörte dieſelben mit der, alten Leuten eigenen Ruhe an; endlich ſagte er nach einiger Ueberle— gung:„Hätteſt ſollen geſtern Abend zu mir gekommen ſein, hätteſt Dir eine ſchlechte Nacht erſpart, eine Nacht, die Du auf beſſere Weiſe hätteſt verſchlafen können. Doch heftiges Blut thut nimmer gut. Die Welt iſt ſchlecht, aber mich dünkt, die vornehmere Geſellſchaft in derſelben noch mehr als die von jener verachtete. Die gebildeten Leute ſind klüger und wiſſen ihre Schlechtigkeiten mehr unter dem Deckmantel des Geſetzes auszuüben; ſie treiben oft den geringen Mann durch ihre Härte und Liebloſigkeit zur Verzweiflung und zu ſchlechten Streichen. Den Waidmoſer kenne ich, er hat bei mir gearbeitet; er iſt geſchickt, aber leichtſinnig und heftig; wirſt alſo durch Gewalt bei ihm nichts ausrichten. Suche durch Güte Dein Geld von ihm zu erhalten, denn wollteſt Du klagen, würde ſich die Sache in die Länge ziehen. Deines Mädels Sache werde ich mit Einem vom Gericht beſprechen. Find' Dich zu Mit— tag bei mir ein, wenn ich nicht ſelbſt zu Dir ſollt kommen. Nun komm, wir haben Einen Weg!“— Mit dieſen Wor— ten griff der Alte nach ſeinem Hut, gab der Frau die Hand zum Abſchiede und ſchritt zur Thür hinaus. Der junge Werkführer war gezwungen zu folgen. Nach kurzem Gange trennte er ſich von ſeinem alten Meiſter und trat den ſauren Weg zur Wohnung des Fabrikherrn an.

Herr Waidmoſer war nicht zu ſprechen, er war aus— gegangen und wurde erſt nach zwei Stunden zurückerwartet.

Als dieſe endlich vergangen, ſtand der Werkführer vor ſei— nem Herrn.

Waidmoſer blickte flüchtig von ſeinem Schreibpulte auf, den Eingetretenen jedoch erkennend, ſetzte er noch ei⸗ nige Zeit ſeine angefangene Arbeit fort, dann wandte er ſich unmuthig und ſprach:„Seit heute Morgen vertäu⸗ felt ſpät zur Fabrik gekommen. Hatte wohl ſeine beſonderen Urſachen?-

Der Werkfüͤhrer lächelte ſpöttiſch, indem er ſagte: „Ja, Herr, ganz beſondere Urſachen!“

Waidmoſer tobte auf:„Glaub's! Hier den Ehrbaren ſpielen und des Nachts ſich von der Wache aufgreifen laſſen— hab's ſchon gehört,'ne ſaubere Geſchichte!

Die Röthe des Zorns ſtieg in dem Geſicht des Werk— führers auf, doch ſich bezwingend trat er ruhig dem Herrn näher und ſprach gelaſſen:„Ich komme des Geldes wegen, wäre mir daſſelbe geſtern ausgezahlt worden— die Ver⸗ zweiflung hätte mich nicht die Nacht umhergetrieben. Ein Unglück hat ſtets mehrere im Gefolge; doch denke ich, ſoll mein Verdruß, mein unfreiwilliger Aufenthalt Euch, Herr, zu gut kommen.“

„Macht mich nicht lachen!“ rief der Fabrikherr.„Meine Rede iſt die: Laßt in Zukunft die nächtliche Wanderung, ſonſt müßten..“

„Wir uns trennen, Herr?“ fiel der Werkfüuͤhrer ein. „Iſt's Ihnen angenehm, ſo kann dies heut geſchehen.“

Der Fabrikherr vermochte nicht zu antworten; die Thür ging auf, und der alte Wildhahn trat ein. Sein Klopfen war bei dem heftigen Geſpräch wohl überhört worden. Mit der ungezwungenen Derbheit eines ehrlichen ſchlichten Bürgers trat der alte Wildhahn dem Fabrikherrn näher, ſtellte den Rohrſtock in die Ecke und ſagte:„Um Verzeihung, Herr Waidmoſer, daß ich unangemeldet ein⸗ getreten; doch gute Sache will Eile haben— und die meinige beſonders. Denke, Sie werden einem alten Manne, den Sie kennen, es nicht übel deuten, wenn er ſofort vor die Rechte Schmiede geht. Werden freilich meinen: Was miſcht der alte Mann ſich in Sachen, die ihn nichts an— gehen; doch dieſe gehen mich an, denn ich ward gebeten, die Sache in Richtigkeit zu bringen; ich gab mein Wort, und ein ehrlicher Mann hält ſein Wort.— Iſt da die Putzmacherin Erdmuthe, die Geliebte dieſes Ihres Werk⸗ führers, den ich übrigens hier zu finden nicht erwartete; ihr Geſchäft ging in der letzten Zeit ſchlecht, doch nicht ſo ſchlecht, als ich nach den Reden des jungen Menſchen hier glaubte. Hätte die Erdmuthe ſich früher an mich gewendet, ſäße ſie jetzt nicht dort, wo ſie niemals hätte ſitzen ſollen; doch die junge Welt will immer klüger ſein als wir älte—