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„Friedberger
Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt be ogen
fl. 1. 30 8
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
Intelligenzblatt.
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die beiden
ſammen 7 kr.
Nu 21.
Dienſtag, den 13. März.
1855.
Amtlicher Theil. Steckbrief Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.
Johannes Beck von Ermenrod, Kriegsreſerviſt.
Heimliche Entfernung aus ſeiner Heimath.
Alter: 26 Jahre;
Größe: 6 Fuß 4 Zoll; Haare; blond; Stirne hoch; Augen: grau; Augenbraunen: blond; Naſe: etwas dick; Mund: gewöhnlich; Bart; ſchwach(etwas Knebelbart)3 Kinn: rund; Geſicht: oval; Geſichtsfarbe: bleich; Statur; ſchlankz
Beſondere Zeichen: an der Oberlippe eine läugliche Narbe.
Die Erbſchleicher. (Schluß.)
Als der Advokat und Friedensrichter,— gefolgt von einem Schwarm der lieben Jugend von Troy, worunter auch meine Wenigkeit,— in Bennets Häuschen ange— kommen waren, ſaß Beſſy mit ihrer Schweſter nähend an dem einen Fenſter, und an dem andern leimte der alte Jonathan ein Präſentirbrett zuſammen. Der alte Hawkes bot ihnen erſt guten Tag, trat dann ſchnurſtracks auf Beſſy zu, las ihr das Teſtament ſo langſam und deutlich vor, als er es vorhin in dem Empfangzimmer des verſtorbenen Norton gethan, und gab ihr den Rath, das Erbe ſogleich anzutreten.
Die Bennetts ſchauten einander in ſtummer Verwun⸗ derung an, aber Beſſy gewann zuerſt thre Faſſung wieder, dedankte ſich bei den Männern des Geſetzes für die Mühe, welche ſie ſich genommen, verſprach ſich Mr. Hawkes Rath zu Nutz zu machen, und meinte ſchließlich, obſchon ſie ſich niemals die entfernteſte Hoffnung auf dieſe Erbſchaft ge— macht, ſo nehme ſie ſie doch dankbar aus der Hand der Vorſehung an, ſeie aber,— weil der Betrag des Erbes mehr als hinreiche, um ſie, ihren Vater und ihre Schweſter zu verſorgen,— gern erbötig, einen Theil davon unter die übrigen Verwandten des alten Norton zu vertheilen.
Ich brauche wohl kaum zu ſagen, daß dieſes Aner— bieten von den übrigen Erben gern angenommen wurde, nachdem ihnen ganz Troy gerathen hatte, von einem Pro— zeſſe abzuſtehen, und der alte Hawkes wußte ſein Leben lang ſich nicht genug über die Uneigennützigkeit Beſſy's zu wundern. Nicht lange nach dieſem Ereigniß ward Beſſy Bennett die glückliche Gattin des jungen Dr. Woodward, und bezog 7 freundliches Haus neben dem der Miſſes Weſtland. Der Gatte erwies ſich Beſſy's würdig, und während er ſeine Zeit der Heilung oder Linderung der kör— perlichen Leiden ſeiner Mitmenſchen mit der ganzen Em— ſigkeit und Fülle ſeiner Geſchicklichkeit widmete, verwandte die junge Frau freigebig und menſchenfreundlich einen Theil der Einkünfte von ihrem Vermögen zur Linderung fremder Noth in ihrer Umgebung. So lebten ſie geachtet und nütz⸗ lich in werkthätiger Barmherzigkeit und Menſchenliebe im Städtchen, bis ich ſie verließ; und ich habe ſeither ſchon oft darüber nachgedacht, wie viel Gutes doch durch die wackere Handlungsweiſe eines jungen Mädchens geſtiftet worden war, welches die treue Pflichterfüllung über den irdiſchen Gewinn geſetzt und von Nat Nerton's Teſtamente nichts erwartet hatte.(Erheit.)
Sechszehnter Jahresbericht der Augeuheilauſtalt zu Darmſtadt
und der damit verbundenen operativen Klinik von dem leitenden Arzte derſelben Dr. Küchler.
Im Jahr 1854 ſind
Verzeichniſſe 121 erhebliche
laut offen liegendem Namens— Operationen ausgeführt worden. Die Leidenden kamen aus 68 verſchiedenen Gemeinden, darunter 63 Gemeinden des Landes. Es verdankt dieſe Auſtalt ihre fortſchreitende Entwickelung der Feſthaltung des Zweckes und dem Bedürfniß. Sie beſteht und erweitert ſich neben dem ſpäter entſtandenen Landkrankenhaus(vergl. 12 Jahresbericht), und ihre Thätigkeit nahm auch im verfloſ⸗ ſenen Jahr zu, ihre Raume mußten erweitert werden. In der Augenheilan ſtalt ſelbſt werden ſämmtliche einer ſorgſamen Pflege und ärztlichen Ueberwachung, bedürfende Augenoperationen vollzogen und verpflegt unter den Augen des Arztes. In dem mit dieſer Anſtalt verbundenen klini— ſchen Local werden alljährlich zwiſchen 600— 700 zum Theil ſchwere innere und äußere Augenleiden behandelt, auch werden zu beſtimmten Zeiten darin diejenigen Ope— rationen ausgeführt, welche keiner auhaltenden Verpflegung und keiner fortdauernden kuͤnſtlichen Verbände bedürfen oder der Augenheilkunde nicht näher angehören. Dieſe operative Klinik macht ſeit der Gründung der Augenheilanſtalt (1835) einen weſentlichen Beſtandtheil meiner Thätigkeit aus und führt zu einer Menge von Heilungen armer un- glücklicher Menſchen, zu denen weder Gemeinden noch Pri— vaten das Mindeſte ſteuern. Ich werde darum künftig die Reſultate dieſer Klinik mit denen der Augenheilanſtalt ſelbſt vorlegen, da beide im Gründungszweck(vergl. die Ankün⸗ digung vom 10. Sept. 1835) wie in der Ausführung zu keiner Zeit getrennt waren.— Unſerm dießjährigen Bericht über die Leiſtungen der Augenheilanſtalt im Jahr 1854 hat ein wohlwollender Mann in Nr. 148 der Didaskalia durch Schilderung unſeres Lebens während mehrerer Wochen bereits vorgegriffen. Indem wir dieſe Schilderung ergänzen durch treuen Bericht uber die Erlebniſſe des Jahrs, müſſen wir bedauern, daß 3 unſerer Pfleglinge aus 1854 das Loos aller Sterblichen bereits abgerufen hat, die übrigen, 118 an der Zahl, erfreuen ſich unſers Wiſſens ihres Daſeins.—
Folgen die Reſultate des Jahres 1854;
1) durch Operation des grauen Staars wurden ge— heilt 16 Fälle(3 durch Staarausziehung, 10 durch Um⸗ legung von der Seite, 35 durch ſulche von vorn), in Heilung blieben 5 Fälle, ungeheilt 6 Fälle, zuſammen 27. Von den


