Ausgabe 
12.6.1855
 
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Friedberger Jutelligenzblatt.

Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl. fl. 1. 12 kr.; durch die Poſt bezogen

fl. 1. 30 kr.

Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen, Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.

Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum 2 kr.; die beiden erſten Zeilen zu⸗

ſammen 7 kr.

15.

Dienſtag, den 12. Juni.

1855.

Amtlicher Theil.

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Nachricht.

Der Beſchluß der Generalverſammlung des Mathildenſtifts, alſo lautend: Jeder Angehörige des Kreiſes der an einer öffentlichen Spielbank ſpielt, verliert dadurch jeden Anſpruch auf Eredit und Unterſtützung aus dem Mathildenſtiften!

wird hiermit allgemein in Erinnerung gebracht. Friedberg den 8. Juni 1855.

Großherzogliches Kreisamt Friedberg ble r.

Eine Wechſelſchuld. (Fortſetzung.)

Emma, die ſie ſtets beobachtet, gelegentlich auch wohl einen Blick zum Fenſter gethan hatte, verharrte eben⸗ falls einige Zeit im Schweigen, bis ſie plötzlich Hedwig's Hand ergriff und ironiſch entrüſtet ausrief:Ein hübſcher Menſch, der Friedrich, der ſeit acht Tagen der jüngſte Werkführer iſt; aber unhöflich, grob, wie der ungebildetſte Geſell! Wie kann Dich deſſen Thun und Treiben nur ei⸗ nen Augenblick verſtimmen?

Verſtimmen? Was geht der ungebildete Menſch mich an? fuhr Hedwig auf.Ich weiß nicht, Emma, was Du denkſt.

Ich denke nicht eben Großes, ſpöttelte die Ge⸗ ſcholtene,ich halte nur die Augen offen. Seit ungefähr vierzehn Tagen biſt Du jedes Mal am Fenſter, wenn der Friedrich kommen, oder die Fabrik verlaſſen muß. Und ſieht er Dich, grüßt er Dich, biſt Du freundlich und kirrſt ihn mit Deinen hübſchen, dunklen Augen. Heut, wo er Dich nicht geſehen, vielleicht nicht ſehen wollte, biſt Du verſtimmt, unwirſch. Hedwig, wie kann es Dich nur einen Augenblick erfreuen, einen Menſchen dieſer Art in das Gefolge Deiner Verehrer aufzunehmen! Unzählige um ſchwärmen Dich und folgen den Blicken Deiner Augen, wie kann Dir es ein Vergnügen gewähren, in die Zahl der Gebildeten einen Werkführer aufgenommen zu ſehen.

Nun, vielleicht geſchieht es des Contraſtes wegen! ſiel Hedwig ein.Der Baron mit ſeinen Gütern im Monde iſt mir langweilig, und der Verſtand des Acceſſi ſten iſt durchſichtig wie das Tuch ſeines abgetragenen Leibrockes. Die Lieutenants denken, ich ſei reich, wie mein Bruder, und ſind ſo widerlich höflich, wie verzuckerte Pome⸗ ranzenſchaalen. Ich ſehne mich nach Veränderung, und im Vertrauen, Emma, in meinen Jahren thut es gut, ſich einen Liebhaber im Hintergrunde zu halten, der uns ge wiß bleibt, wenn alle übrigen Hoffnungen fehlſchlagen. Der Friedrich iſt hübſch; mein Bruder meint, er ſei ſehr brauchbar, und hat ihn deßhalb ſo ſchnell befördert; wie leicht iſt es, daß er etwas Eigenes beginnt, Glück hat, und als ein gemachter Mann daſteht. In jetziger Zeit weiß man nie, was der morgende Tag bringt, und wer heute arm, iſt morgen vielleicht ein reicher Mann. Soll's mich alſo nicht ärgern, wenn ſolch ein Menſch, dem ich es

Canzleirath von Gießen.

vergönne(dieſe Worte ſprach ſie lächelnd) ſich in dem Glanze meiner Augen zu ſonnen, dieſes Glück verſchmäht?

Es iſt ein Barbar! ſpottete Emma;ich würde ihn verachten. Doch plotzlich ernſt werdend, ſprach ſie. Es iſt ein eigen Ding mit dieſem Gift, das die Huldi gungen in unſer Herz träufeln; es iſt ein Opium, das, ein mal genoſſen, ſtets in vergrößerten Portionen gegeben werden muß, wenn es wirken ſoll. Ob wir ſelbſt bei ſolchem Treiben glücklich ſein können, bezweifle ich!

Hofmeiſterin! rief Hedwig, und ſprang von dem Fenſter,behalte Deine Schulweisheit für Dich. Was liegt mir an dem Menſchen ſelbſt! nichts Mich ärgert es nur, daß er ſich ſo ſichtbarlich nicht um mich bemüht, Sp.

Er wird ein Liebchen haben, rief Emma lachend, 99 5 ihm beſſer gefällt, als die Schweſter ſeines Prinei pals!

Hedwig flammte auf, ihr Auge funkelte und mit Heftigkeit rief ſie:die Perſon könnte ich haſſen! Doch plötzlich ſich zu Emma wendend, und dieſelbe ſchmeichelnd umarmend, bat ſie:Erkundige mir dies, Du kannſt es. Nicht war? Du thuſt es? Mir zur Liebe! Und ohne eine Antwort abzuwarten, ſchritt ſie eilends zur Thür hinaus.

Emma ſchaute der Fliehenden nach. Das Haupt ſchüttelnd, ſprach ſich vor ſich hin:Ich glaube, ſie inte reſſirt ſich wirklich für den Menſchen. Freilich, freilich! von all' dem Uebrigen macht keiner Anſtalt zur Hochzeit, und unter die Haube möchte ſie gern. Der Friedrich be ginnt vielleicht nach einem Jahre eine eigene Fabrik, und wird ein gemachter Mann; da iſt es gut, ihn warm zu halten. Unter die Haube wollen wir Alle. Will doch ſehen, ob der Friedrich wirklich ſo ein Liebchen hat! Und die Emma unterließ nicht, ihre Nachforſchungen ſo⸗ bald als möglich anzuſtellen.

(Fortſetzung folgt.)

Aſſiſen⸗ Verhandlungen für Oberheſſen III. Quartal 1855.

Haupt⸗Geſchworne.

l 1) Heinrich Tempel II., Landwirth von Eberſtadt. 2) Friedrich Binzer, Criminalgerichts⸗Secretär von Gießen. 3) Friedrich Clemm, 4) Johannes Heerdt II., Oeconom von Al⸗