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und
ele Greiſe.
Friedberger Intelligenzblatt.
Erſcheint wö⸗ chentlich zweimal, Dienſtag u. Frei⸗ tag. Preis jährl.
Allgemeiner Anzeiger für Oberheſſen,
Einrückungsge⸗ bühren für die ge⸗ ſpaltene Petitzeile oder deren Raum
ass Amts- und Verkündigungsblatt für den Kreis Friedberg.
ſammen 7 kt.
N I.
Freitag, den 12. Januar.
1855.
Amtlicher Theil. Steckbrief Großherzoglichen Kreisamts Friedberg.
Der Candidat philos. H. Klein aus Freiburg, des Diebſtahls zu Homburg verdächtig.
Alter: circa 22 Jahre;
Größe circa 5“ 4% Statur: ſchlank; Haare: lang, dunkelblond; Geſicht: länglich; Farbe: friſch; Naſe: mittlere, ſpitzig, er trug eine Brille; Kleidung: kurzer ſchwarzer Oberrock, dergl. Hoſen, etwas abgetragener ſchwarzer Hut.
Er ſprach den badiſchen Dialect.
Die Mitgift. (Fortſetzung.) 3„Du biſt unwohl, mein liebes Paulinchen,“ ſprach Tante Schörtel zur Letzteren, ſobald ſie mit ihr allein war. „Aber Du ſollteſt gerade heute aufgeräumt und heiter er— ſcheinen, und zumal jetzt, wo ich Dich den lieben Heinich's vorſtellen möchte!“
„Mich, liebe Tante?, fragte Pauline betreten.„Wa— rum wollen Sie mich denn zu dieſen Leuten bringen?“
Weil Madame Heinich Dich kennen lernen will, mein Kind/
„Mich? bah, ſie wird ſich nicht um mich kümmern, wenn meine ſchöneren, lebhaften Schweſtern hier ſind; über— dem hat ſie ja ihre reiche Nichte, die... Sie konnte nicht fortfahren— das Wort erſtarb ihr auf der Zunge, obſchon ſie ihre ganze Willensſtärke aufbot, um gefaßt zu erſcheinen. Frau Schörtel ſah ihr mit forſchendem Ernſte in's Geſicht, lächelte dann und erwiderte ſcherzend:„Was weißt Du denn von Herrn Heinich's reicher Nichte, liebes Kind? Ich verſichere Dich, es iſt ganz das Mädchen, wie ich es mir für Karl'n als künftige Gattin wünſchte, und Karl iſt— im Vertrauen geſagt, obſchon er mir dieß ſehr übel nehmen würde, wenn er es wüßte,— Karl iſt der Nichte der Frau Heinich ſehr gewogen!-
„Die arme Pauline ſtand wie auf Kohlen; glücklicher— weiſe kam ihr Stolz ihr zu Hülfe, ſie murmelte einige un⸗ verſtändliche Worte, die wie ein Glückwunſch klingen ſoll— ten, und fragte dann leiſe und mit bebender Stimme: ob jene Nichte auch Karl's Neigung erwiedere.
„Mich dünkt, ſie will ihm wohl,“ entgegnete die Tante;„ia, ich hoffe es ſogar von Herzen, daß ſie ſeine Liebe erwidert. Allein das Mädchen iſt keines von denen, die ſich ungeſucht einem Mann an den Hals werfen, und hat mit echt mädchenhafter Zurückhaltung ſeine Neigung ſeit— her verhehlt. Allein nun bedarf's keiner Hehlerei und Ver— heimlichung mehr, denn da Herr Heinich ſie ſo freigebig auszuſtatten beabſichtigt und die Verbindung vollkommen billigt, ſo iſt es an uns, die Bewerbung möglichſt abzu— kürzen und die Zeit beſtmöglich zu benützen. Allein komm' nun, mein Kind; ich möchte Dich Frau Heinich vorſtellen, ehe Frau v. Altenhof zurückkehrt. Herr v. Paßhofen und Karl werden Deine Mama und Schweſtern ſchon inzwiſchen unterhalten, denn wir müſſen Deine beiden Schweſtern als Brautjungfern zu unſrer Hochzeit hier behalten.“
„Die arme Pauline zerdrückte eine Thräne, verſuchte zu lächeln— freilich ein ſchwaches, mondſcheinähnliches
Lächeln— und folgte der Tante, welche ſie zärtlich in die Arme ſchloß, und ſelbſt zwiſchen Lachen und Weinen zu ſchwanken ſchien. Endlich erreichten ſie Tante Schörtel's Beſuchzimmer und trafen hier eine dicke, alte Dame an einer Straminarbeit und einen dicken, alten Herrn, der in einem Buche las, beide mit Brillen auf der Naſe und mit gutmüthigen, einfachen Mienen. Tantchen ſchob Paulinen vorwärts und rief:„Hier, meine lieben Leutchen! hier iſt ſie, und nun machen Sie nicht mehr Aufhebens von der Sache, als unumgänglich nöthig iſt!“
Wir übergehen die Scene, die nun folgte, auch die des gegenſeitigen Vorſtellens zwiſchen dem alten Heinich und ſeiner Frau einerſeits und der Frau v. Altenhof und ihren Töchtern anderſeits— wie die gnädige Stiefmama herablaſſend knickſte gegen das„reiche Bürgervolk /, das ſie durch ihre Lorgnette betrachtete, und wie die dicke Frau Heinich ſie dagegen ſehr förmlich begrüßte, nachdem ſie ſie höchſt aufmerkſam und ſcheinbar mit nicht ſehr großer Be— friedigung durch ihre goldene Brille betrachtet. Was aber Frau v. Altenhof in noch höherem Grade auffiel und in— dignirte, das war, daß ſie ſehen mußte, wie unmittelbar nach der Förmlichkeit des Vorſtellens die beiden alten Leut— chen ſich wieder auf das Sopha ſetzten und Paulinen in ihre Mitte nahmen und bei beiden Händen erfaßten, und wie Pauline vor Freude und Aufregung bebte und weinte, zumal als die Frau Heinich mit einem würdevollen, phleg— matiſchen Ernſte anhub:„Frau Schörtel hat uns zu gro⸗ ßem Danke verpflichtet, indem ſie uns die Tochter meiner verſtorbenen Schweſter zuführte, von deren Exiſtenz wir gar nichts gewußt hatten. Die gute Pauline gleicht meiner ſeligen Agnes ſo ſehr, daß ſie hinfort wie unſer eigen Kind gehalten werden ſoll. Es iſt ein rechter Troſt und ein wahres Glück für uns, daß wir ſie gefunden haben, und es wird wohl auch Ihnen, gnädige Frau, lieb und tröſt— lich ſein, zu vernehmen, daß es in unſerm Willen und in unſerer Macht liegt, dem lieben, armen Kinde die Zukunft günſtiger zu geſtalten, als die Vergangenheit für Paulinen war; und Herr v. Altenhof, mein Schwager, wird mir's nicht wehren, daß ich für meine Nichte und ihre Mitgift ſorge!⸗
Frau v. Altenhof war ſo überraſcht, daß ſie ſich nicht alsbald zu faſſen wußte, ſondern unter unwillkürlichem Er— röthen etwas von den herben Pflichten und dem undank— baren Amte einer Stiefmutter und dem Undank von Stief— töchtern daherſtammelte. Schließlich aber reckte ſie ſich ſtolz in die Höhe und meinte: ſie begreife in der That


