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Friedberger Intelligenzblatt.
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Freitag, den 5. Oktober.
1855.
Amtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Der Stadt Friedberg iſt verſtattet worden, noch einen zweiten Fruchtmarkt, und zwar Dienſtags in jeder Woche, abzuhalten; was hiermit zur öffentlichen Keuntuiß gebracht wird.
Friedberg am 4. Oktober 1855.
Großherzogliches Kreisamt Friedberg Min bee
Ein Heirathsgeſuch. (Fortſetzung.)
Ich kann nicht läugnen, daß der ſarkaſtiſche Ton, den ich in dieſen Worten zu finden glaubte, mich ſehr verdroß. Das Blut drang mir zum Herzen, und indem ich von meinem Stuhle aufſtand und nach meinem Hut
te, ſagte ich ſehr ernſt:
„Es dürfte vielleicht beſſer für uns ſein, Madame, unſere Unterhandlung abzubrechen. Alles was Sie mir bis jetzt geſagt haben, erſcheint mir auffallend und gefällt mir nicht. Ich bin keineswegs ſicher, ob Sie mit mir ſcherzen, oder im Ernſte ſprechen. Wäre das Erſtere der Fall, ſo haben Sie ſich ganz in mir geirrt. Der Schritt, den ich gethan, ich bekenne es, war durch eine harte Nothwendigkeit hervorgerufen, war aber nichtsdeſtoweniger ehrlich und eruſthaft gemeint. Wenn das nicht anerkannt wird, ſo werde ich kein Wort mehr hinzufügen, ſondern mich verabſchieden.
„Nein! warten Sie, ich bitte;“ erwiderte ſie ſchnell und noͤthigte mich höflich, mich wieder zu ſetzen;„wir ſind noch nicht zu dem Hauptpunkte gekommen. Sie er— wähnten eine harte Nothwendigkeit. Es iſt allerdings hart für einen Mann, wie Sie, jung, ehrgeizig und voll von Hoffnung, unter dem Joche drückender Sorgen und Ver⸗ legenheiten zu ſeufzen. Ich beſitze, wie ich ſchon ſagte, den Zauberſtab, ſie zu verſcheuchen. Was ſagen Sie zu dreißigtauſend Pfund?
Dreißigtauſend Pfund! Ich fuhr auf, als ob dicht an meinem Ohr eine Kanone abgefeuert wäre, wie ich von dieſem immenſen Vermögen hörte. Wahrſcheinlich ſchnitt ich ein recht dummes Geſicht, denn die Dame fuhr fort:
„Ich bitte Sie, nicht an der Wahrheit meiner Aus⸗ ſage zu zweifeln. Ich bin bereit, Ihnen auf der Stelle jeden möglichen Beweis über meine Verhältniſſe zu geben; Sie werden ſich dann vielleicht überzeugen, daß ich eher 1 etwas weniger, als die Wirklichkeit iſt, angegeben abe.“
„Aber gütiger Himmel!“ rief ich,„dreißigtauſend Pfund, das iſt ja ein Vermögen, das Ihnen eben ſo viele Männer zu Füßen legen könnte. Warum ſuchen Sie
denn einen Gatten auf dieſe Weiſe, da Sie unter den Beſten und Ausgezeichnetſten freie Wahl haben könnten?),
„Sie hatten Ihre Gründe; kann ich nicht auch die meinigen haben?“ flüſterte ſie ganz leiſe und verſchämt.
Ach, nun erkannte ich ihre Gründe nur zu deutlich! Was für ein Ungeheuer mußte Sie ſein, wenn ſelbſt drei— ßigtauſend Pfund ihr nicht Jugend und Schönheit ver— leihen konnten? Aber obgleich ich mich in einem wahr— haften Wirbel von Aufregung befand, zwang ich mich doch mit angenommener Ruhe zu ſagen:
„Ich glaube, mir Ihre Gründe vorſtellen zu können, Madame; darf ich meine Anſicht ſagen?“
„Sprechen Sie, mein Herr, es nutzt Nichts, ein Ge— heimniß aus Etwas zu machen, was doch im nächſten Augenblick enthüllt werden muß.“
„Sie wünſchten,“ fuhr ich fort,„bei unſerer erſten Zuſammenkunft maskirt zu ſein. Vielleicht mißtrauen Sie Ihrer Schönheit!“
„Meiner Schönheit? O mein Herr, zwingen Sie mich nicht zu einem ſchmerzlichen Bekenntuiß. Ich bin nicht hübſche Sie that dieſe Aeußerung mit einem Seufzer, der mehr ſagte, als ihre Worte.
„Niemand kann in eigener Sache Richter ſein. Es gibt eine Schönheit, die nicht auf der Geſichtsbildung be— ruht, ſondern auf dem Geiſt, und die das Siegel ihres göttlichen Urſprungs und des Adels auch einem nicht ſchönen Geſichte aufdrückt. Warum wollen Sie die Ent— ſcheidung nicht mir überlaſſen, indem Sie die neidiſche Maske abnehmen.“
„Nein, nein; ich kann es nicht;“ war ihre Erwide⸗ rung in einem beſtimmten Tone.„Sie werden mein Ge— ſicht nicht eher ſehen, als bis Alles unter uns entſchieden iſt, ja oder nein. Was Sie ſagten, könnte wahr ſein, wenn— ich jung wäre.“
„Alſo nicht jung?“ fragte ich in klagendem Tone, um doch Etwas zu ſagen.
„Nein, mein Herr; die Tage meiner Jugend kommen mir wie ein Traum vor.“
„In dieſer Angelegenheit ſind die perſönlichen An— ſichten auch ſehr verſchieden;“ erwiderte ich lebhaft,„was Sie nicht jung nennen, iſt vielleicht nur ein reiferes, ge— ſetztes Alter, wo ſolide und achtungswerthe Eigenſchaften


