Ausgabe 
29.12.1854
 
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actuar Claus zu Michelſtadt; 2. Nov. Staatsanwalt Dr. We

zu Darmſtadt, bis zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit, 11 am 11. Landgerichtsaſſeſſor Purgold zu Zwingenberg. XVI. Con- currenz für: die evang, Pfarrſtelle zu Großenlinden, mit jährlich 1765 fl.; die 2. kath. Schulſtelle zu Waldmichelbach mit 254 fl. 30 kr., nebſt vier Stecken Holz zur Heizung des Schullocals, und die 1. evang. Schulſtelle zu Dudenhofen mit 333 fl. 30 kr., nebſt 6 Stecken Kiefern⸗Scheitholz für Heizung des Schullocals. XVII. Ge⸗ ſtorben: am 7. Oct. kath. Pfarrer Böß wald zu Oberroden; 9. Oktbr. Geh. Regierungsrath Ouvrier zu Darmſtadt; 18 Okt. penſ. Gendarm Barwig zu Mainz; 19 Oktbr. kathol. Pfarrer Pauly zu Münſter; 23. Okt. evang. Pfarrer Wundt zu Eich; 26. Okt penſ. Hauptmann Weller zu Worms; 9. November Oberfinanzrath, Kammerherr Alexander Freiherr von Dalwigk dahier.

Webers Volks kalender fuͤr das Jahr 1833. Leipzig. Verlag von J. J. Weber. 8. Preis 45 kr. elegant gebunden 1 fl. 30 kr. Vorräthig in C. Bindernagel's Buchhandlung in Friedberg.

Auch in dieſem Jahre begrüßen wir dieß Buch wieder, das früher ſo gaſtliche Aufnahme gefunden, wie einen alten Hausfreund aber nicht wie den Lauterbacher, der uns von Spinnſtuben⸗, Huſaren⸗ und Mordgeſchichten erzählt, ſondern wie einen Genoſſen, der, weil uns die Geſchäfte keine Zeit zum Reiſen laſſen, für uns in der Welt berum reist, alles Koſtbare, Intereſſante und Schöne ſammelt, ordnet und zum Neufahrsgeſchenke mitbringt. Ein Buch für das Volk und zu⸗ mal einen Kalender, der uns durchs ganze Jahr begleitet und ſtets Intereſſe erwecken ſoll, zu ſchreiben, iſt nicht ſo leicht, wie man wohl glauben möchte. In die Sprache und Ausdrucksweiſe des Volks einzudringen, Jedem verſtändlich zu werden, ohne das Niedrige und Gemeine zu berühren, Jedem Intereſſantes, Unterhal tendes und Be lehrendes zu bieten, das erfordert eine geübte Feder, umfaſſende Kenntniſſe und gründliches Verſtehen der Anſchauungsweiſe des Volks. Wir glauben, daß der Verfaſſer hier das Richtige getroffen hat, und der Leſer wird es uns vielleicht danken, wenn wir ihm unter den vielen Volksſchriften, welche die Welt überfluthen, dieſes Buch dadurch empfehlen, daß wir ihn einmal hineinblicken laſſen.

Indem der Verfaſſer die intereſſanten Begebenheiten des Jah res 1854 erzählt, führt er uns über Olmütz nach Peſth, dann über die türkiſche Grenze in das Feldlager Omer Paſcha's, der eben den gewaltigen Sturm der Ruſſen bei Oltenitza aushält. Wir verweilen nicht lange bei dieſem, ſondern gehen lieder nach dem reizend gelege nen Konſtantinopel, wo wir dem Sultan unſre Aufwartung machen. Der gute Mann hat nur eben nicht viel Zeit für uns, die Ruſſen machen ihm viel 1 ſchaffen und Engländer und Franzoſen viel zu ſorgen. Bei den Türkinnen finden wir auch kein Gebör, ſo lange die galanten Gallier bei ihnen weilen, wir fahren alſo mit dem Dämpfer nach Sinope, der Geburtsſtadt des alten Diogenes. Da

eht es nun bunt durch einander, Blitz und Donner, Maſtbäume, Segel und Trümmer von Schiffen und Menſchenköpfe dazwiſchen, daß es Einem grauſet. Wenn der alte Diogenes jetzt einmal ſeine Vaterſtadt wieder beſuchte und mit der Laterne umherginge, Menſchen zu ſuchen, er würde keinen Menſchenkopf finden. Wir laſſen ſte

einander die Köpfe zerſchlagen, fahren nach der Krim hin, wenden

aber, erſchreckt von den Feuerſchlünden Sebaſtopols, raſch um und

machen uns aus dem Staube. Daheim können wir ja das Schlacht⸗

e viel bequemer anhören im Wirthshauſe beim Glaſe Bier. enn

Nichts beſſer's weiß ich mir an Sonn- und Feiertagen,

Als ein Geſpräch von Krieg und Kriegsgeſchrei,

Wenn hinten, weit in der Türkei,

Die Völker auf einander ſchlagen.

Unſer Begleiter zeigt uns auf der Rückreiſe das Leben auf dem Meeresgrunde, die langarmigen Polypen und Korallen, erzählt uns von der Einwirkung des Mondes auf die Erde, auf Thier- und Pflanzenleben, den Getraide- und Weinbau. Er zergliedert uns die Beſtandtheile unſrer Nahrungsſtoffe nach den Regeln der Chemie und belehrt uns, daß man von gutem Ochſenfleiſch eine beſſere Suppe koche, als von ſ. g. Bouillon-Tafeln, und Beefſteaks nahrhafter ſeien, als Kartoffeln, daß aber dieſe doch auch, wenn ſie mit Butter und Salz gegeſſen würden und ein guter Kaffee die fehlenden Subſtanzen ergänzte, eine ganz gute Nahrung abgäben. Nachdem er uns noch über die Pflege der Zähne und uͤber die Dampfmaſchinen u. dgl. belehrt, fahren wir durch den Canal Ia Manche, betrachten uns den Glaspalaſt von Spdenham und die Deutſche Flotte im Jahdebuſen aus der Ferne, münden dann in die Elbe und fahren auf der Eiſen⸗ bahn in die Heimath unſers Freundes, nach Leipzig. Hier zeigt er uns ſeine Sammlung von Autographien und ſtellt uns aus der bloßen Handſchrift die ganze Figur und Lebensbeſchreibung der Autoren dar. Er will uns auch noch eine Vorleſung über den innern Bau des Menſchen halten, wir ziehen es aber vor, dieß im Buche zu leſen. Er glaubt nun, uns noch nicht genug gethan zu haben und gibt uns noch einige Lehren über das Studium der Phyftognomie. Er ſagt uns: Freunde, man begegnet in der Welt allerlei Leuten, die oft ganz anders find, als ſie ausſehen. Hört meinen Rath. Betrachet ſie, wenn ſie mit Euch ſprechen, und ſeht ihnen in die Augen. Wenn ihr ſie aber, ohne daß ſie es merken, beobachten könnt, dann betrachtet die Bewegungen und Stellungen ihres Mundes. Wenn ihr dann ſo Einen ſeht mit kühn gebogener Naſe, klaffendem Munde, mit dünnen, weißen Lippen, die Haare hinter die Ohren gekämmt, wie ich Euch hier einen zeige, dann denket immer:Trau, ſchau, wem 1

Wollten wir dem Leſer ſagenwas fich bei Tiſche ſchickt/ und ihn in die Münchener Induſtrie-Ausſtellung führen, wollten wir gar noch eine Reiſe über die Alpen mit ihm machen, ſo möchten wir ihm 1 viel werden, die Alpenreiſe möchte auch bei dem vielen Schnee

edenklich erſcheinen und er könnte vielleicht mit dem Hunde des St. Bernhard eine nähere Bekanntſchaft machen, als ihm lieb wäre. Wir rathen ihm daher an der Seite unſres Freundes und Führers die Induſtritausſtellung zu durchlaufen und den Montblanc zu beſteigen. Er wird ihm überall die beſten Dienſte leiſten und iſt billiger, als die Münchener Lohnbedienten und die Schweizer Alpenführer. Denn er nimmt für ſeine ganze Bemühungen, wozu er Einem noch die Anfich⸗ ten von Conſtantinopel, Sinope, Sebaſtopol, Kronſtadt ꝛc. und die Bildniſſe der ſchönen Kaiſerin, des Sultans Abdul-Medſchid⸗Khan, des Kaiſers aller Reuſſen, und viele andere Darſtellungen, nebſt einer Karte des ſchwarzen Meeres gratis gibt, nur eine Belohnung von 45 Kreuzer und wenn er vor großen Herrſchaften erſcheint und in Gala auftritt 1 Gulden 30 Kreuzer. F.

Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-Anzeigen.

Die Bedingungen können vor der Verſteige⸗

Mühlen⸗ Verkauf.

ebenfalls im Kellerberg,

[1844] Donnerſtag den 4. Januar 1855, Nachmittags 2 Uhr, will der bhieſige Bürger und Müllermeiſter Johannes Weidmann II. durch den Großherzoglichen Ortsgerichtsvorſteher zu Ockſtadt bei Friedberg ſeine daſelbſt gelegene völlig pachtfreie Mühle wegen Wohnungsver⸗ änderung an den Meiſtbietenden auf hieſigem Rathhauſe unter ſehr vortheilhaften Bedingungen verſteigern laſſen. Die Mühle iſt oberſchlächtig mit einem Gang, hat ein Gefäll von 24 Fuß und das ganze Jahr Waſſer zum Madlen; die- ſelbe liegt nur einige hundert Schritte von Ockſtadt, wohin ſie ſeither eine ſehr ausgebreitete Kundſchaft beſaß.

Die Mühle beſteht aus dem Mühlbau und den zum Mablbetrieb gehörigen Geräthſchaften, Wohnhaus, Scheuer, vollſtändigen Oekonomie gebäuden und verſchließbarem Hofe; alles faſt noch neu und in beſtem Zuſtande befindlich; ferner 1 Morgen 1 Viertel Ackerland, 2 Mor⸗ gen 2 Viertel Wieſe und ungefähr/ Morgen Garten, Ortsmaas; daſſelbe liegt unmittelbar um die Gebäulichkeiten herum.

Von dem Kaufſchilling kann ein bedeutender Theil auf dem Verkaufsobjecte ſtehen bleiben.

rung eingeſehen werden. Ockſtadt den 5. Dezember 1854. Großherzogliches Ortsgericht Ockſtadt Gröninger, Ortsgerichtsvorſteher. Bekanntmachung, Brenn- und Bau-, Werk- u. Nutzholz-Verſtei⸗ gerung in der Oberförſterei Oberrosbach betr. 1926] Donnerſtag den 4. Januar 1855 werden in den nachbemerkten bei Oberrosbach gelegenen Domanialwalddiſtricten der öffent⸗ lichen Verſteigerung an die Meiſtbietenden aus⸗ geſetzt: i a) Morgens um 9 Uhr in den Mainzer⸗ hecken: ½ Stecken eichen Stockholz, 103 ¼ Hundert Wellen Birken⸗ u. Eichen⸗ Hundert Wellen Nadel⸗Reisholz, f p) nach deren Beendigung etwa zwiſchen 1 mu. 12 Uhr, im vorjährigen Schlag des Keller

bergs: 27 Eichenſtammklötze von 10½ bis 19 ½ Zoll Durchmeſſer und 10 bis 35 Fuß Länge.

c) Schließlich am Feld:

1 Stecken Scheid⸗,/ Stecken Prügel⸗,/ Stecken Stock⸗ und 100 Wellen Reiſer⸗, ſämmtlich Nadelholz.

Zuſammenkunft um 8% an der dicken Eiche

im Weſterfeldſchenwald.

Oberrosbach den 16. Dezember 1854. Großherzogliche Oberförſterei Oberrosbach Bingmann.

Mobiliar-Verſteigerung. 11966] Donnerſtag den 4. Januar 1855, Nach⸗ mittags 2 Uhr, werden in der Behauſung des hieſigen Bürgers Peter Mann nachſtehende Gegenſtände, als: 3 Hobelbänke mit verſchie denem Schreinerhandwerkzeug, 1 Drehbank, 1 Commode, Tiſche, Stühle, 1 Kleider- und 1 Küchenſchrank, Kupfer, Eiſen, Zinn, Bütten, Züber, 1 Fäßchen mit Bohnen, Bettwerk, Weiß zeug und ſonſtige Hausgeräthſchaften, freiwillig meiſtbtetend gegen gleich baare Zahlung ver ſteigert.

Friedberg am 27. Dezember 1854. In Auftrag: Großherzogliches Ortsgericht Friedberg Bender, Ortsgerichtsvorſteher.