Ausgabe 
29.8.1854
 
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Brauersleute, welche Ihnen ſogar Das ſtreitig machen wollten, was Ihnen von Rechtswegen zukam!

Der Doctor erklärte dieß für unnöthig; aber Emilie hörte nicht auf ihn. Sie ſah ſo eben durch das Fenſter, daß Meiſter Strumpf mit ſeiner Frau in das Hinter häuschen gingen und wollte ſie anrufen; Marcus aber hielt ſie voll Schreck am Arme zurück.Sein Sie nicht ſo unbeſonnen, liebes Kind! ſagte er ernſt;wollen Sie denn wieder verlieren, was ein glücklicher Zufall Ihnen beſcheert hat?

Verlieren? Wie ſo denn?

Errathen Sie denn nicht, daß der Vetter Strumpf die Herausgabe des Koffers begehren könnte?

Wie denn? Sie ſagten mir ja vorhin, er ſeye mein?

Allerdings, darüber!

Emilie erſchrack und betrachtete erſchrocken ihren Freund; dann fragte ſie entſchloſſen:Das heißt alſo ſo viel als: die Kiſte gehört nicht mir?

Nicht doch! Alles deutet darauf hin, daß Ihr Pathe dieſe Kiſte ſammt ihrem Inhalt für Sie beſtimmte, aber das Geſetz fordert leider andere Beweiſe!

Aber dem Geſetze ſollen ja alle Menſchen gehorchen, wie mich Lehrer und Pfarrer belehrt haben? rief Emilie.

Sofern man nicht die Entſcheidung des eigenen Gewiſſens dem Geſetz entgegenſtellen und ſie höher halten darf, als das Geſetz! erwiederte der Doctor.

Emilie ſchüttelte lebhaft den Kopf.Nein, nein! rief ſie,das verſtehe ich nicht und das halte ich auch nicht fuͤr Recht. Das Gewiſſen kann uns wohl hindern, daß wir von unſeren Rechten Gebrauch machen, aber es lehrt nicht, unſeren Pflichten Abbruch zu thun. Das Ge wiſſen muß unſere Bedenklichkeiten erhöhen, nicht aber unſere Ausreden; wir dürfen um unſers Gewiſſens willen kein Verbot verletzen. Ich hatte Sie falſch verſtanden; dieſer Schatz gehört nicht mein und mein vermeintes Glück war nur ein kurzer Traum! Sie war bei dieſen Worten ſehr blaß geworden, aber weder ihre Stimme noch ihr Blick verrieth das mindeſte Zaudern. Ihr ſchlichtes tugend haftes Gemüth hatte keinen Augenblick in der Wahl ge ſchwankt, und der Schmerz über die Vereitelung ſo großer Hoffnungen hatte ihr Rechtsgefühl keinen Zoll breit vom Pfade der Pflicht zu verrücken vermocht. Nur war der Schlag nach ſo vielen Aufregungen allzu heftig, und Emilie ſchwankte zu einem Stuhl und ſank auf denſelben.

Was in dieſem Augenblicke in dem jungen Mann vor ſich ging, wäre ſchwer zu begreifen. Die zärtlichſte Fürſorge für das liebliche Kind kämpfte in ihm mit der aufrichtigſten Bewunderung. All die Vernunftſchlüſſe und Scheingründe, welche er ſeit dem vorigen Abend aufge funden und zuſammengeſucht hatte, fielen vor dieſer unge ſchminkten, ſchlichten, unbeſtechlichen Rechtſchaffenheit in Nichts zuſammen. Dieſe Ehrlichkeit der armen Waiſe wirkte gleichſam anſteckend, und er hatte unter ihrem Ein fluſſe raſch das edlere beſſere Theil ſeines Ich wieder ge funden. Er bat Emilien, bis zu ſeiner Rückkehr hier zu verweilen, und eilte auf das Stadtgericht, um von dem Fund die gebührende Anzeige zu machen und die natür lichen Erben des Verſtorbenen herbeizurufen.

In weniger als einer Stunde waren der Stadt richter mit Notar, Schreiber und Skabinen, nachdem ſie den Fundort am Brunnen beſichtigt, ſammt dem Strumpf' ſchen Ehepaar im Empfangszimmer des Doctors bei ſammen, und der Richter empfing aus Marcus's Händen die unverletzte Kiſte. Ein kleiner Schlüſſel, den die Erben

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am Halſe des Verſtorbenen gefunden, öffnete ſie augen blicklich, und den erſtaunten Blicken der Zuſchauer zeigten ſich verſchiedene Stücke des alten Silbergeräthes mit vielem baarem Gelde in grober Münze, Goldſtücken, Kaſſenſcheinen und Staatspapieren, offenbar mehrere tauſend Gulden an Werth. Der Bierbrauer und ſeine Frau weinten vor Freude, Emilie war ruhig und gefaßt, und Marcus nicht minder.

Der Notar und der Richter zählten und ſortirten das Geld, und nahmen ein Inventar über das ganze Kiſtchen auf. Der Baarvorrath betrug mehr als zehn tauſend Gulden, die Staatspapiere über das Doppelte. Meiſter Strumpf lachte wie aberwitzig, ſchwankte wie ein Betrunkener zum Tiſche, als das Kofferchen leer war, und ſtürzte es um, als wollte er ſich überzeugen, daß das Alles ſeie. Und ſiehe da! aus dem Kiſtchen fiel ein Brett ſtückchen: ein doppelter Boden, und an demſelben war ein Papier angeheftet geweſen, das mit dem Holz zu Boden fiel. Er reichte es dem Notar mit den Worten:Hier iſt auch noch ein Stückchen zu dem Schatze!

Der Notar entfaltete das zuſammengelegte Papier, überlas es flüchtig und ſchien davon ſehr betroffen.Es iſt ein Teſtament! ſagte er.

Ein Teſtament? riefen Alle.

Gewiß! und ein Teſtament in beſter Form, durch welches Herr Ferdinand Hartmann die Jungfer Emilie Weber, ſeine Pathe, zur Univerſalerbin ſeines ganzen Vermögens einſetzt!

Ein vierfacher Schrei des Erſtaunens, der Freude und des bitterſten Aergers tönte durch das Zimmer. In der erſten Wuth wollte Strumpf auf das Papier los ſtürzen und es dem Notar entreißen, aber der Schreiber ſtieß ihn zurück, und man mußte am Ende Gewalt brauchen, um die beiden leer ausgehenden Erben los zu werden, die ſich unter Drohungen und Verwünſchungen entfernten.

Der Winkeladvokat Leuchtweiß, welchen ſie conſul tirten, belehrte ſie, daß es gegen dieſen Schickſalsſchlag kein Hülfsmittel gebe, und zog den eigenen Hals aus der Schlinge.

Meiſter Strumpf und ſein Weib mußten am Ende froh ſein, daß Emilie nicht klagend gegen ſie einſchritt, ſondern vielmehr feurige Kohlen auf Beider unwürdige Häupter ſammelte und ihnen den ſchon weggeſchleppten Raub überließ.

Emilie war vor Freude beinahe ohnmächtig geworden, als ſie ihr Glück vernommen, das ihr die Gerichtsper ſonen herzlich gönnten. Als dieſe fort waren und der Doctor und die Waiſe einander allein gegenüber ſtanden, waren Beide eine Weile ganz wortlos. Ihr Blick hing an ihm mit ganzer voller Seele und er bemerkte es nicht; denn er ſchaute verlegen zu Boden. Da trat ſie leiſe zu ihm, legte ſanft ihre Hand auf ſeinen Arm und ſagte: Herr Doctor! lieber Freund! wollen Sie mir noch ab ſchlagen, daß ich meinen Reichthum mit Ihnen theile, der nur Werth für mich hat, wenn Sie ihn mitgenießen?

Eine halbe Viertelſtuude ſpäter waren Adolph Marcus und Emilie Weber Verlobte, vier Monate ſpäter ein glück liches Ehepaar. Emilie ward ihrem Gatten nicht nur eine Glücksgefährtin, ſondern auch Rath und Stütze. Ihr unverdorbenes Gemüth, ihre unbeſtechliche Rechtſchaffenheit waren für ihn eine Art unſichtbaren lebendigen Gewiſſens, wenn die Sophismen der weltlichen Klugheit ihn vom Pfade der unerbittlich ſtrengen Tugend abführen wollten. Ihr genügſamer frommer Sinn wußte ihm die vielen Ver ſuchungen und Gefahren aus dem Wege zu rücken, welche der Reichthum und das Wohlleben dem natürlichen Men ſchen legen, und ihre fromme, ächt chriſtliche Weisheit

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die nachſeher 106/16, 225/24, 302/30, 3 176/(1, 699 1243/18, 1428/8 eingetragen. Nach vorlt fall dieſes E Freiherrn G. Ullſtadt beant Eigenthum, erworden wo Familienfidei zugeſchrieben Da nun ſändig wenit können, ſo welche an di bilden zu kon binnen drei 2 Rechtsnachthe. dieselben als Freiherrn Ge Ullfadt, übri linffdeitomm driedberg Gtoßh

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