Ausgabe 
22.9.1854
 
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zu ſeinen Freunden ruhig:Guten Tag! Eine Weile ſtudirte jeder der Freunde ſchweigſam die Speiſekarte, dann ſagte der Chriſtoph Ständl mit bebender Stimme und feuchten Auges:»Ich muß euch eine wehmüthige Neuigkeit ſagen, Freunde vor einer Stunde iſt meine liebe einzige Schweſter geſtorben! In dieſem Augenblicke kam bei Kleber erſt der Witz der letzten Anekdote zum Durchbruch er ſah über die Speiſekarte weg und brach in lautes erſchütterndes Gelächter aus.Nun, bei Gott! was iſt denn bei einer ſolchen Todesnachricht zu lachen 2 ſagte Anweiler zornig, während Ständl ſchmerzlich darein ſah.Vergebung ſagte Kleber, nachdem er ſich vollends das Herz erleichtert hatte:es iſt mir da eben eine Ge⸗ ſchichte von einem Kind in Lumpen erzählt worden, deſſen Rabenvater es nicht als ſeinen Sohn erkennen will

Und darüber lachſt Du wieder ein Jahrtauſend zu ſpät 2, fiel ihm Anweiler ins Wort..

Kleber gab die Anekdote um ſich zu rechtfertigen, zum Beſten, und brachte zum Glück wieder leidliche Stim⸗ mung hervor. 1

Während deſſelben Mittageſſens geſchah es, daß draußen am Tiſch des großen Speiſeſaales der allgemeinen Aufmerkſamkeit folgendes Geſchichtlein zum Beſten gegeben wurde, welches auch unſere behäbigen Freunde im Ka⸗ binetchen ganz wohl vernehmen konnten:

Zu Mainz hieß es,gingen einſt zwei Soldaten, ein Oeſtreicher und ein Preuße am Kai ſpazieren und ſahen junge Enten im Rheinwaſſer ſchwimmen, während ihre Bruthenne am Ufer ängſtlich nebenher lief. O Je- mine, he! rief der Preufe Wunder Gottes und der Natur, da hat eine Henne Enten ausgebrütet! der Oeſter⸗ reicher erwiedert: O dös is goa nir, ich kenn' a Hebamm' deren ihra Sohn is a Meſſerſchmied!

Alles lachte. Selbſt Anweiler und Ständl im Ka⸗ binetchen konnten ein Lächeln nicht unterdrücken. Stephan Kleber hatte Meſſer und Gabel bei Seite gelegt und die Augen auf die halb offene Thüre gerichtet, als die Anek⸗ dote begonnen wurde jetzt nahm er Meſſer und Gabel ernſthaft wieder auf, ſetzte mit großer Sachkenntniß und Andacht das ſäuberliche Zerlegen eines Huhns geruhſam weiter fort, bis er auf einmal blaß wurde im ganzen Geſichte, Thränen in die Augen bekam und zu Freund Ständl mit wahrer Wehmuth ſagte:Al ſo iſt ſie todt todt, dein liebes Schweſterlein? Seine Theil⸗ nahme hatte alſo jetzt erſt das dicke Fleiſch ſeines Be⸗ hagens durchdrungen und war an den Nerven ſeiner zarteren Empfindſamkeit angelangt; allein nicht lange darauf man hatte mit aller Bequemlichkeit abgeſpeiſ, hatte ſeine Taſſe Kaffee getrunken, hatte dem Verdauungs⸗ proceſſe eine Weile die nöthige Ruhe geſtattet, war end⸗ lich aufgeſtanden und hatte, mit der behaglich glimmenden Cigarre im Mund, das Thor des Gaſthauſes erreicht als Kleber plötzlich in ein luſtiges Zittern und Schwanken verfiel, mit leis anwachſendem ungeheurem Gelächter ſich ſelbſt die Cigarre aus dem Munde ſtieß und die Arme faſt kraftlos an beiden Hüften ſchlenkern ließ; der Hut bebte und ſprang von einem Ohre zum Andern.

Ueberraſcht fragten die Freunde, was nun das wieder bedeute? Kleber erwiederte:Hahaha! Ich kenn' eine Hebamm' deren ihra Sohn is a Meſſerſchmied!

Eines Tages erregte ein Vorfall in der Stadt ein ganz ungewöhnliches Aufſehen. Man hatte am Ufer des Fluſſes zwei zierliche Damenhüte, zwei leichte Shawls und Sonnenſchirme gefunden, ohne erfahren zu können, wem ſie gehörten und wie ſie gerade an jene Uferſtelle

gekommen ſein mochten. Die Vermuthung, daß hier ein Doppeltod im Fluſſe ſtattgefunden haben konnte, lag nahe,

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allein man ſuchte wenigſtens im Laufe der erſten Stunden die ertrunkenen Körper vergebens. Unſere Freunde, An⸗ weiler, Ständl und Kleber ſaßen eben im Kaffeehauſe, dem Theater gegenüber, als das Gerücht von dem ver⸗ muthlichen Unglücksfalle auch zu ihren Ohren kam und zwar mit dem erſchütternden Zuſatze: vor einigen Minuten ſei ein alter Hauptmann aus dem Kaffeehauſe abgerufen worden, von deſſen zwei jungen und reizenden Töchtern man vermuthe, daß ſie in den Wellen des Fluſſes ihren Tod gefunden hätten; denn ſie wären, hieß es, an dem⸗ ſelben Tage an der bezeichneten Uferſtelle auf- und ab⸗ gehend geſehen worden; die zierlichen Hüte, Shawls und Sonnenſchirme ſeien von denſelben Stoffen und Formen wie ſie beide Schweſtern zu tragen pflegten von einer wunderſamen Liebe beider ſchönen Schweſtern in ein und denſelben jungen Mann hätte man ohnehin lange geflüſtert und nun hätten beide Mädchen recht ſchweſterlich und rührend zugleich ihren Tod in den Wellen geſucht und gefunden. (Fottſetzung folgt.)

Ver ſchiedenes.

Die Würzburger gemeinnützige Wochenſchrift theilt als neues zuverläſſiges Mittel gegen Feldmäuſe Folgendes mit:Man fängt Mäuſe je mehr, je beſſer, faßt ſie beim Genicke und zieht ſie einigemale durch dünne mit Fiſchthran vermengte Wagenſchmiere und läßt ſie wieder laufen. Der Geruch hiervon iſt ihnen unerträglich, ſie lau⸗ fen ſich zu todt und die andern Mäuſe fliehen alle Orte, wo dieſe den Geruch verbreitet haben. In zwei bis drei Tagen ſieht man auf weit und breit keine lebenden, wohl aber viele todte Mäuſe, die ſich zu todt gelaufen haben. Wenn die mit obiger Miſchung beſchmierten Mäuſe einige Stunden durch die Gänge gelaufen ſind, ſo kommen alle anderen auf die Oberfläche und laufen wie toll herum, wo viele leicht mit einem Brett oder Beſen getödtet werden können. Wer dieſes Mittel in der Weiſe, ſo lange er noch Mäuſe in der Gegend bemerkt und fangen kann, zwei bis dreimal auf ſeinen Feldern anwendet, wird ſich wundern, wie ſchnell dieſes Ungeziefer ſpurlos verſchwunden iſt. Gleiche Wirkung haben Königskerzen, mit Blüthe und Wur⸗ zel dahin gelegt, wo viele Mäuſe ſind. Sie fliehen dieſe Pflanze außerordentlich, laufen davon und kehren nie mehr an den Ort zurück, wo die Königskerze lag oder liegt. Bei Bäckern und Müllern, auf Fruchtböden, in Scheunen zwiſchen die Garben gelegt, hat die Königskerze die beſte Wirkung und man ſollte dieſe Pflanze zu dieſem Gebrauche beſonders anbauen. Gleiche Wirkung hat das Haidekraut, indem die Mäuſe, ſobald ſie in die Nähe dieſes Krautes kommen, von einer Laufwuth befallen werden, deren Folge gewohnlich der Tod iſt. Andrea, Gutsbeſitzer zu Gelchsheim.

Die Erfindung der Pflaſterung mit Gußeiſen wurde in Boſton gemacht und auf Koſten des Erfinders

ausgeführt. Dieſe Pflaſterung iſt von ganz neuer Art und be⸗

ſteht aus kreisförmigen Würfeln, ungefähr einen Schuh lang und von fünf Zoll Hoͤhe, die in ſechs kleine Einſchnitte getheilt, doch ſo fein, daß der Huf eines Pferdes nicht eindringen kann. Dieſe Einſchnitte werden in der Folge mit Kies und einem Gemiſch von Asphalt und Sand ausgefüllt. Die Oberfläche dieſes neuen Pflaſters iſt leicht gerippt, damit die Pferde nicht ſtürzen können, und der äußerſte Rand eines Würfels zeigt einen Einſchnitt, in welchen gerade wieder der nächſte Wurfel paßt. Auf dieſe Weiſe ſind alle feſt an einander gefügt. Die Erhöhung der Oberfläche des Erdreichs beträgt unge fahr einen Zoll.

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