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tige Schwiegermutter iſt nicht beſonders wählig in ihrer Lectüre! das ſind ja ſehr ordinäre Machwerke von Lite⸗ ratur!

icht anders war's mit den Gemälden, die in den reichſten Rahmen die Wände zierten: die Rahme war das Koſtbarſte daran. Ein Fluͤgel ſtand offen da und Lorenz muſterte die Muſikſtücke, die ein verſchlungenes J. und R. als Eigenthum von Fräulein Julie zu erkennen gab. Seine Stirne verfinſterte ſich: die Lieder und Arien waren über aus nichtsſagend, bei einigen der Text ſogar unmoraliſch oder gemein.Armer Eugen! flüſterte er;wie bitter wirſt Du einſt enttäuſcht werden!

Nach Verlauf von beinahe einer Stunde traten zwei höchſt elegant gekleidete Damen in den Salon. Julie war allerdings ſehr hübſch, mit großen blauen Augen und einem reichen blonden Haar. Die Mama verneigte ſich anmuthig und ſagte:Herr Hermann Lorenz?... Und Sie kommen allein?

Leider Madame! mein Freund Eugen Marberg iſt plötzlich unwohl geworden, ſo daß ich ihn in Traunau zu⸗ rücklaſſen mußte; aber ſeine Krankheit iſt nicht von Be deutung, und wird hoffentlich bald vorüber ſein! Bei dieſen Worten beobachtete er Julien ſcharf, aber ſie blieb ungerührt, theilnahmlos.

Und Sie eilten voraus, um uns zu beruhigen? o wie freundlich von Ihren! ſagte Madame.Wie gütig! Haben Sie ſchon gefrühſtückt?

Noch nicht, Madame! ich nahm mir nicht Zeit da zu, weil Eugen mich dringend bat, hierher zu eilen, und ich geſtehe Ihnen offen, daß ich gewaltig hungrig bin!

Statt aller Antwort bot Madame ihm eine reichver⸗ zierte Doſe mit parfümirten Chokolade-Zeltchen. Lorenz nahm einige und dachte: Eine Taſſe Kaffee und eine Cote lette wären mir lieber.

Sie kommen gerade von München? fragte Ma dame mit einem leiſen Seufzer;ach, meine Tochter und ich konnten leider dieſen Monat noch nicht dorthin über ſiedeln, weil mein Mann ſo kränklich iſt! Denken Sie ſich, Herr Rabener iſt nun ganz kindiſch geworden und wird wohl kaum den Winter überleben! Und wir müſſen hier bleiben, obſchon wir ihm gar nichts nützen können! Aber ſagen Sie uns doch, wie es in München geht? Gibt es einige neue Opern? Haben ſchon viele Bälle ſtattgefun⸗ den 2 Werden die Künſtler wieder eine größere Feſtlichkeit veranſtalten? Trägt man dieſen Winter viel Pelze? Haben Sie den neuen Roman von Fanny Lewald geleſen? O, bitte, ſagen Sie uns Alles; erbarmen Sie ſich unſerer in unſrer unheimlichen Einöde!

Armer Eugen! dachte Lorenz; wenn Dein Schwieger papa allzu einſilbig iſt, ſo wiegt die Schwiegermama dieſen Fehler reichlich auf.

Endlich kam das Frühſtück, das reichlich und mit Eleganz ſervirt wurde; unter dem Eſſen fuhr Lorenz fort, ſich den Damen ſo angenehm zu machen, daß Madame Rabener, als ſie ihm beim Abſchiede den Finger bot, ihm ſagte:Wenn Herr Marberg morgen auch noch nicht im Stande ſein ſollte, Sie zu begleiten, ſo erwarten wir wenigſtens Sie auf jeden Fall hier. Nicht wahr, Sie kommen? Ich habe noch tauſenderlei Fragen über München und Wien an Sie zu richten!

Bei der Rückkehr nach Traunau fand Lorenz im Gaſthauſe den Dr. Meßner, der ihn erwartete, um ihm in Kürze mitzutheilen, daß die Krankheit ſeines Freundes ſich geſteigert und einen ernſten Character angenommen habe. Ich habe Herrn Marberg nach meinem eigenen Hauſe bringen laſſen, weil er bei mir doch beſſere Pflege und Wartung finden dürfte, als im Gaſthauſe, ſagte der wür⸗

dige Mann;und obſchon ich dem braven Adlerwirthe nicht zu nahe treten will, ſo weiß ich doch, daß ein Kran⸗ ker mit einer anſteckenden Seuche in einem Gaſthauſe nicht willkommen iſt! Lorenz dankte dem wackern Arzte und folgte ihm nach ſeinem hübſchen kleinen epheuumrankten Hauſe in einem freundlichen Gärtchen. In der Stube des Kranken trafen ſie ein hübſches Mädchen, das Herrn Marberg ſoeben die Medizin reichte und von dem Eintreten eines Fremden überraſcht ſchien.Bleib' nur, mein Kind! ſagte der Doctor;es iſt der Freund unſeres Patienten! Meine Tochter Francisca! ſtellte er ſie Herrn Lorenz vor und drückte dem Mädchen einen Kuß auf die Stirne. i

Eugen lag mittlerweile ſchon im Delirium und er⸗ kannte ſeinen Freund nicht mehr; von Zeit zu Zeit aber wiederholte er den Namen Juliens. Drei angſtvolle Tage vergingen, ohne daß der Zuſtand des Kranken ſich beſſerte. Am vierten Tage nahm Dr. Meßner Herrn Lorenz bei Seite, welcher ebenfalls im Hauſe des Arztes Quartier gefunden hatte, und ſagte zu ihm:die Krankheit wird immer bedenklicher und droht ſogar einen unguͤnſtigen Aus⸗ gang. Sie ſollten den Angehörigen Ihres Freundes Nach⸗ richt über ſein Befinden geben; vor allem aber müſſen Sie nach Märtenſee hinüber und die Familie Rabener mit dem Zuſtande unſeres armen Freundes vertraut machen. Wenn Fräulein Julie ihn noch einmal zu ſehen wünſcht, ſo ſollte ſie keine Zeit verlieren!

Aber wenn Sie zu einem andern Kranken abgeru⸗ fen werden ſollten, fragte Lorenz mit einer Thräne im Auge,wer wird ſich alsdann während unſer Beider Ab- weſenheit des Armen annehmen!,

Meine Tochter ſoll ihm abwarten!

Wie? Sie wollten dieſem zarten lieblichen Weſen einen ſo häßlichen Anblick zumuthen, wie ihn der Kranke darbietet von der Anſteckung gar nicht zu reden?

Bah, Fanny iſt ein braves muthiges Mädchen und von Jugend auf gewöhnt, meine armen Patienten zu beſuchen und zu verpflegen! erwiederte Dr. Meßner.Manche Leute meinen, nicht ich, ſondern ſie ſollte das Doctordiplom haben, denn ihre freundlichen Worte und kleinen Dienſt⸗ leiſtungen haben bei Manchen ſchon mehr gefruchtet, als meine Heilmittel und Verordnungen!

Lorenz ſetzte ſich in den Schlitten und fuhr nach Märtenſee hinüber; auf halbem Wege begegnete er dem Diener von dort, der ihm entgegen geritten kam.

Ach wie gut, daß ich Sie treffe! rief der Lakai; ich ſollte eben nach Traunau reiten und mich nach Herrn Marberg's Befinden erkundigen. Die Damen ſind in ge⸗ waltiger Unruhe ſeinetwegen!

Haltet mich nicht auf, verſetzte Lorenz zornig, denn ſein Unmuth trat ihm auf die Zunge;wenn Jemand in gewaltiger Unruhe iſt wegen eines Andern, ſo wartet er nicht drei Tage, um ſich nach ſeinem Befinden zu erkundigen!

Als Lorenz bei ſeiner Ankunft in Märtenſee geräuſch⸗ los in den Salon trat, überraſchte er Madame Rabener über dem aufmerkſamen Studium des neueſten Modenjour⸗ nals, während ihre Tochter am Piano ein luſtiges Schnaderhüpferl von mehr als zweideutigem Inhalte ſang.

(Fortſetzung folgt.)

Verſchiedenes.

Das herzliche Einverſtändniß. Sie, Frau Nachbarin, Sie konnten mich wohl meine Krapfen in Ihrem Schmalz backen laſſen, ich würde Ihnen dann gerne einmal

dagegen geſtatten, daß Sie Ihr Schweinefleiſch in meinem

Kraut kochen!

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