Die Mitgift. (Fortſetzung.) 3
Paulinchen war ſchon zwanzig voruͤber, als ſie im Spätherbſte von einem längern Beſuch bei Tante Schörtel in die Heimath zurückkehrte, und hier das ganze Hausweſen in größter Aufregung antraf. Es waren Gäſte da, einige ſchmucke—ſche Offiziere, welche die Mama zur Jagd ein— geladen hatte, nachdem ſie ſie während der Saiſon in W. kennen gelernt. Es ging ſogar ſchon im Hauſe das Gerede, einer derſelben, Graf Lotvall, ſeie mit Schweſter Eugenien im Stillen verlobt, und das Verlöbniß werde bald oͤffent— lich gemacht werden. Der Graf war ein ſchmucker Huſaren— offizier, ein weltgewandter Kavalier, etwas verlebt und leichtfertig zwar, aber als Neffe eines Miniſters in einem deutſchen Großſtaate in den Augen der Frau von Altenhof eine ausgezeichnete Parthie. Natürlich war er der Götze, der Mittelpunkt, um welchen ſich alle Huldigungen der ganzen Familie drehten, obſchon ſeine Kameraden, die er mitgebracht, nicht bloß zur Staffage da waren. Sie umſchwärmten die drei ältern Halbſchweſtern Paulinens mit der ausgeſuchteſten Courtoiſie, man ritt, tanzte, muſi— zirte, fuhr ſpazieren, beſuchte die Nachbarn und lebte vier⸗ zehn Tage in einem wahren Taumel von Vergügungen. Von Panlinen nahm man beinahe gar keine Notiz; ihre beſcheidenen Vorzüge konnten nicht neben den prunkenderen ihrer Schweſtern glänzen, und ſie war ja daheim uberhaupt ſo verſchüchtert und verſcheucht, daß ſie ſich niemals ſo zu geben wagte, wie ſie eigentlich war. Zudem war ſie nicht munter und lebhaft genug für die Gäſte, und wurde daher von denſelben kaum mehr beachtet, als die Geſetze des An— ſtandes es abſolut erforderten. Kurzum, ſie that den Be— mühungen Eugeniens, das Herz des Grafen zu erobern, keinen Eintrag, und am Vorabend der Abreiſe ward die Werbung des Herrn v. Lotvall durch das Verlöbniß Eu⸗ geniens mit ihm gekrönt, und Frau v. Altenhof kündigte ihrer Stieftochter an, daß die Hochzeit ſchon zu Neujahr ſtattfinden ſolle, weßhalb ſie mit ihren Töchtern ſich ſofort nach Berlin begeben werde, um die Mitgift Eugeniens zu rüſten. Pauline dagegen ſollte beim Vater auf dem Gute verweilen, der bald wieder zurückkehren würde, weil ſeine leidende Geſundheit einen längern Aufenthalt in der nor— diſchen Hauptſtadt nicht ertragen mochte. Und ſo geſchah es denn auch. Herr v. Altenhof folgte zu Weihnachten ſeiner Frau nach Berlin, und kehrte nach der Hochzeit wieder zurück; als er aus dem Schlitten ſtieg und unter der Haustreppe von Paulinen empfangen wurde, drückte er dieſe mit ungewöhnlicher Haſt und Wärme an ſich, und
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eine Thräne zitterte in ſeinem Auge, als er ihr zufluͤſterte: „Armes Kind, Du mußt allenthalben zu kurz kommen; fluche mir einſt nicht, daß ich mich Deiner nicht mehr an⸗ genommen!“
„O Papa! ich weiß es, Sie lieben mich nicht minder, als meine Schweſtern,“ erwiederte ihm Pauline, vor Rüh— rung weinend, denn ſie hatte den Vater noch nie ſo weich und verſtört geſehen, ſo beſchämt vor ihr ſelbſt, wie es ſchien.„Glauben Sie mir, Papa, ich war lieber hier, als bei der rauſchenden Hochzeit Eugeniens.“
Herr v. Altenhof küßte ſeine Tochte ſchweigend, und eilte auf ſein Zimmer. Am andern Tage hatte er auf dem— ſelben eine geheime Conferenz mit dem Verwalter Hettich, bei welcher es ſehr lebhaft zuging, denn Herr Hettich ſchrie, daß die Fenſter klirrten, und Papa hatte Mühe, ihn zu beſänftigen. Nach einer Stunde verließ der Ver⸗ walter den Gutsherrn, und als er über den Corridor ging, der zu Herrn v. Altenhof's Studierzimmer über den Ge— wächshäuſern führte, begegnete ſein Blick dem der bebenden Pauline, die blaß und angſtvoll das Ende jener ungewöhn— lich lebhaften und lauten Unterredung erwartet hatte.„Um Gott, liebſter Herr Hettich, was hat es denn gegeben?“ fragte ſie ihn.„Sie waren ſo laut, daß ich Todesangſt bekam! Sie haben ſich mit Papa gezankt?“
Dem alten Manne ſtanden Thränen im ſonnver— brannten unmuthigen Geſicht, Thränen des Unwillens und der gerechten Entrüſtung. Allein der Anblick des ſanften Kindes ſchien ihn etwas milder zu ſtimmen, und er ſagte: „Laß es gut ſein, liebes Paulinchen! ich konnte nicht anders— es mußte nun einmal heraus, was mich ſchon lange druckte— er mußte hören, was ſeine unſinnige Schwäche verdiente, und er mag's nun ſeinem gnädigen Hausdrachen wiederholen, damit die— vornehme Frau auch erfährt, was ich von ihr denke....“
„Aber liebſter Verwalter, was hat es denn eigent— lich gegeben? Was haben Sie denn mit Papa und Mama?
„Komm heute Abend zu mir hinüber, Paulinchen!“ ſagte er, nur mühſam ſich bewältigend;„aber komm' un⸗ bemerkt und vor acht Uhr— ich reiſe noch heute Abend ab.— O wer mir je prophezeit hätte, daß ich alter Mann das noch überleben müßte.... Aber komm' allein, und unvermerkt, mein liebes Kind; wir Beide ſind hier be— lauert von den Spionen Deiner Stiefmutter!“
(Fortſetzung folgt.)
Für die Brandbeſchädigten zu Felda ging bei der Unterzeichneten ferner ein: Von E. H. 30 kr. Um weitere Gaben wird gebeten. Die Exped. des Frie db. Int.⸗Bl.
Bekanntmachungen von Behoͤrden und Privat-Anzeigen.
Bekanntmachung. 1874] Der Salinenſchreiner Johannes Hart⸗ mann von hier iſt wegen Irrſinns heute unter Curatel des Maurers Chriſtoph Grünewald hierſelbſt geſtellt worden.
Nauheim am 7. Dezember 1854. Kurfürſtliches Juſtizamt Reul. vdt. Schlar baum.
Bekanntmachung. [1879] Ortsfremden dient hiermit zur Nachricht, daß der Weg von Bruchenbrücken nach Ober- wöllſtadt über den Eiſenbahnviaduct hin, bis zum 30. Dezember mit Fuhrwerken nicht be⸗ fahren werden kann.
Bruchenbrücken den 8. Dezember 1854.
Großherzogliche e Bruchenbrücken e ſt.
Bekanntmachung.
11904] Donnerſtag den 28. Dezember l. J. werden in der Behauſung der Chriſtian Müllers Wittwe dahier nachbenannte Gegenſtände: 2 Schreinerhbobelbänke, Schraubzwingen, Hobelſägen und Melſel, Hausgeräthſchaften aller Art, Bettung und Weißzeug, gegen gleich baare Zahlung meiſtbietend ver⸗ ſteigert. Aſſenheim den 16. Dezember 1854. In Auftrag Großherzogliches Landgericht Friedberg: Großherzogliches Ortsgericht Aſſenheim Schmidt, Ortsgerichtsvorſteher.
Bekanntmachung. [1905] Donnerſtag den 21. Dezember, Mor- gens um 10 Uhr, wird in hieſigem Rathhauſe das Reinigen der Straßen und öffentlichen Plätze
für das Jahr 1855 an die Wenigſtnehmenden verſteigert. Friedberg den 18. Dezember 1854. Großherzogliche Bürgermeiſterei Friedberg Bender.
Zur Beachtung. [1846] Der Schloſſermeiſter Chriſtian Bender von Friedberg hat für die hieſige Gemeinde eine gußeiſerne Waſſerpumpe von 70“ Länge ange⸗ fertigt, die bei der geringſten Anſtrengung ein reichliches Waſſermaas auswirft. Mit der Ar⸗ beit, als auch dem ſehr mäßig geſtellten Preiſe genügend zufrieden, empfehle ich denſelben gleich- zeitig bei vorkommenden Fällen für Gemeinden, wie für Privaten. Kleinkarben den 28. November 1854.
Storck, Großherzoglicher Bürgermeiſter.
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