Ausgabe 
18.7.1854
 
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Der Alte reichte die Hand hin:Ich gebe mein Ehrenwort. Es liegt mir ſelbſt daran, Sie zu überzeu⸗ gen, daß ich die Wahrheit geſprochen. Ich heiße John Smid und meine Wohnung iſt auf dieſem Zettel ver zeichnet. Damit zog er ein Blatt Papier aus der Taſche und händigte es dem andern ein.

Und ich heiße Lewis Stauton und bin der Sohn und Erbe von Andrew Stauton. Hier iſt eine Hundert⸗ pfundnote mit der Bedingung, daß Sie in dieſem Hauſe bleiben, bis ich Sie morgen abhole. Knabe! Ein Zim⸗ mer mit einem guten Bett für dieſen Herrn! Sie be⸗ dürfen der Ruhe, Mr. Smid. Gute Nacht! Morgen ſehen Sie mich in einer andern Geſtalt. Aber in welcher auch, vergeſſen Sie Ihr Ehrenwort nicht.

Der Alte machte eine Geberde des Staunens über den gehörten Namen und des freudigen Schreckens uͤber die Banknote; aber eh' er ſich zu faſſen vermochte, war ſein neuer Bekannter zur Thür hinaus, und der Auf⸗ wärter leuchtete ihm in ein Zimmer vor, in deſſen Bette er bald den ſchnellen Wechſel ſeines Geſchicks vergeſſen hatte.

In einem armſelig ausmöblirten, aber ſehr reinen und faſt zierlich aufgeputzten Dachſtübchen in einem der hohen, ſchwarzgeräucherten Häuſer in einer engen und dunkeln Nebengaſſe der City ſaß ein ſehr hübſches blondes Mädchen von ungefähr zwanzig Jahren und nähete feines Weißzeug. Wahrlich ihr ganzer Anzug war nur wenige Schillinge werth, aber er war ſo rein, ſo nett und ſaß ihr ſo trefflich, als wenn er eben ſo viele Pfunde gekoſtet hätte. Ihre hellblonden Locken umrahmten ein Geſichtchen voll ſüßen Seelenfriedens, in welchem ein paar Augen von reinſter Himmelsbläue und von reinſter Himmelsun⸗ ſchuld ſanft leuchteten. Ueberall in ihr, an ihr, um und neben ihr der Geiſt der Ordnung, der Züchtigkeit, der Sitte und der Reinheit. Die Zuͤge waren ſo blaß, ſo zart und ſo fein, wie die einer Fuͤrſtin. Und doch war das Auge übernächtig und voll Unruhe, und dann und wann löſte ſich ein banger Seufzer aus dieſer jungfräu⸗ lichen Bruſt los. Endlich hörte ſie Schritte auf der Stiege, und ihr Geſicht verklärte ſich ſchnell; ſie horchte; aufſteigende Zweifel ſchatteten ſich in ihren reinen Zügen ab. Es klopfte an die Thür, und ſie erbebte. Kaum vermochte ſie die Einladung zum Eintreten auszuſprechen. Ein junger Mann in einem abgetragenen und ausge⸗ beſſerten Anzug ſchritt, ſich linkiſch und demüthig verbeu gend, über die Schwelle.Um Verzeihung, wohnt hier Mr. John Smid?

So iſt's, Herr. Was wünſchen Sie von ihm 210

So ſind Sie ſeine Tochter Miß Betty 926

Ich bin's.

Zu Ihnen wollt' ich gerade; denn von Ihrem Vater komme ich her.

Um Gotteswillen, wo iſt er? Was iſt mit ihm geſchehen? Es iſt ihm ein Unglück begegnet, denn noch niemals iſt er Nachts aus dem Hauſe geblieben.

Allerdings ein kleines Unglück

O mein armer, armer Vater! Was werd' ich hören müſſen.

Der junge Mann betrachtete die ſichtbaren Zeichen ihrer Seelenangſt in ihren Zügen mit großer Theilnahme und ſah ſich auch im Zimmer um.Erſchrecken Sie nicht, liebes Kind; mit dem Unglück hat's nichts auf ſich. Ein alter Bekannter hat ihn geſtern Abend getroffen und in eine Taberne gezogen. Da haben ſich die beiden Herrn feſt gezecht. Der Andre hat ſich ſpitzbübiſcher Weiſe aus dem Staube gemacht, Ihr Vater aber iſt als ehrlicher

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die Schuld bezahlt iſt, wenn er nicht in's Gefängniß wandern will. Sonſt iſt er friſch und geſund.

Mein Vater! Mein lieber Vater darf nicht in das Gefängniß! ſagte das Mädchen ängſtlich.Können Sie mir angeben, wie viel ſeine Schuld beträgt?

Zwölf Schillinge.

Ach, mein Herr, ich habe nur drei Schillinge in meinem Beſitz. Aber ich will ſchnell zu Miß White laufen und ſie ſehr bitten, daß ſie mir neun Schillinge auf meine Arbeit vorſtreckt.

Wer iſt Miß White?

Die Putzhändlerin, die mir Arbeit gibt.

Wenn Miß White aber Ihre Bitte nicht erfüllt, was dann?

Das Mädchen brach in Thränen aus.Ach Gott, ſchluchzte ſie,ich fürchte ſelbſt, ſie thut es nicht; denn ich bin ihr ſchon ſechs Schillinge ſchuldig, und ſie iſt eine harte Frau.

Wofür haben Sie dieſe Schuld gemacht?

Sie zögerte erröthend mit der Antwort.

Sie dürfen ſich mir anvertrauen; ich nehme den herzlichſten Antheil an Ihrem Schickſal und wollte nur, ich könnte Ihnen helfen. Aber ich bin ſelbſt ein armer Schreiber. Wozu haben Sie die ſechs Schillinge geborgt?

Mein Vater iſt gar ſchwach und bedarf der Stär⸗ kung. Ich habe ihm zuweilen ein halbes Hühnchen in der Brühe gekauft oder ein Beefſteak.

Unter ſolchen Umſtänden wird Miß White nichts mehr borgen. Sechs Schillinge will ich Ihnen geben, aber das iſt auch Alles, was ich beſitze. Haben Sie keinen werthvollen Gegenſtand, den wir verſetzen könnten?

Ich habe nichts, gar nichts als das Gebetbuch meiner verſtorbenen Mutter. Sie hat mich ſterbend be⸗ ſchworen, mich nie davon zu trennen, und es iſt mir nichts heiliger, als ihr Andenken und mein ihr gegebenes Verſprechen, aber ich gebe es gern hin für meinen Vater. Zitternd holte ſie das Buch herbei.Ach, mein Herr, in mancher ſtillen Nacht habe ich auf die leeren Blätter hinten im Gebetbuch meine geheimſten Gedanken nieder⸗ geſchrieben. Es darf Niemand erfahren, daß ich die Schreiberin bin. Wollen Sie mir das verſprechen?

Gewiß, gute Miß. Sein Sie außer Sorgen. Es ſoll kein Mißbrauch mit Ihrem Heiligthum getrieben werden. Nun machen Sie ſich fertig; wir wollen gehen.

(Schiuß folgt.)

Gemeinnütziges.

Zerſtörung des Unkrautes auf gepflaſter⸗ ten Stellen. Um das Unkraut zu vertilgen, welches dem Straßenpflaſter eben ſo ſchädlich als dem Auge unan⸗ genehm iſt, wendet man in der Münze zu Paris und anderwärts folgendes Mittel an: Man kocht 100 Pfund Waſſer, 20 Pfund Aetzkalk und 2 Pfd. Schwefelblumen in einem eiſernen Gefäß, läßt die Flüſſigkeit ſich ſetzen, gießt das Klare ab, und verwendet es, nach Umſtänden mehr oder weniger verdünnt, zum Begießen des Pflaſters und der Alleen. Dieſes Mittel iſt jedoch nur bei kieshal⸗ tiger Unterlage des Straßenpflaſters von einigem dauer⸗ haften Erfolg.

Monatsbericht der Blinden-Anſtalt zu Friedberg.

Herzlichen Dank allen edlen Menſchenfreunden, die uns im ver⸗ floſſenen Monat wieder mit Gaben der Liebe unterſtützt haben.

Die Einnahme, mit Einſchluß des Kaſſenreſtes vom Mai, betrug 492 fl. 30¼ kr., die Ausgabe 453 fl. 59 kr., mithin Kaſſenvorrath 38 fl. 31½¼ kr.

Von Aktien wurde eine abgeſetzt.

Friedberg Anfang Juli 1854.

Mann geblieben und muß nun als Fauſtpfand ſitzen, bis

J. P. Schäfer, Vorſteher.

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