Dieſelbe Art Gummifilz wird jetzt auch bedruckt und zu Papier-Tapeten gebraucht, welche ſich namentlich zum Tapezieren von feuchten Wänden eignen. Der Filz ſelbſt iſt etwas dünn, aber man hat Mittel gefunden, an der Oberfläche eine Art wollener Watte anzubringen, wodurch man ein dickes, warmes, waſſerdichtes und billiges Klei— dungs⸗Material erhält. In England iſt ſolches noch wenig bekannt, aber jenſeits des Atlantiſchen Meeres iſt manches bequeme Kleidungsſtück dieſer Art zu ſehen. Der Filz kann, ſtatt als Ueberzug eines anderen Stoffes zu dienen, ſelbſt mit einem andern Gewebe überzogen werden, z. B. mit bedrucktem Kattun, wo er dann beſonders zu Tiſch— decken paßt. Braucht man andererſeits einen Teppich zu einem Fußboden, der ſo feucht iſt, daß die gewöhnlichen wollenen Teppiche nicht zureichen, ſo bereite man eine dicke Lage wollener Daunen oder Flocken, bedecke ſie mit einer Lage Gummifilz, und man hat eine warme, billige Fußdecke. Wenn man ein ſtarkes hanfenes Segeltuch zwiſchen zwei Lagen des Filzes preßt, dann bekommt man eine Materie, aus der unter Anderem Zelte von großer Stärke und Zähigkeit verfertigt werden. Von einer ähn— lichen feſten Subſtanz ſind die Rettungsböte,„unverſink— bare Böte« und Pontons gemacht, welche in Amerika ſchon ſeit einiger Zeit in allgemeinem Gebrauch ſind: in dem merikaniſchen Kriege ward der Transport von Mi— litär⸗Effekten dadurch ſehr erleichtert, daß die fliegenden Brücken aus Gummikanots zuſammengeſetzt und mit Luft angefüllt waren. Auch die Gummiſchuhe, die von unſeren transatlantiſchen Freunden in Quantitäten von drei bis vier Millionen Paar das Jahr fabrizirt werden, liefern nicht weniger merkwürdige Beiſpiele von der Art, wie das Gummi in Verbindung mit gewebten Stoffen ange— wandt wird. Die ganz aus Kautſchuk beſtehenden Schuhe werden mit außerordentlicher Schnelligkeit verfertigt, in— dem man das fluſſige Gummi wie einen Firniß auf einen Leiſten ausbreitet, es trocknen läßt, dann eine zweite Decke darauf legt und ſo weiter, bis der Schuh die ge— wünſchte Dicke hat. Wir haben es jedoch hier mit den Schuhen zu thun, die einen inneren Boden von Webe⸗ ſtoff haben. In den billigſten dieſer Art wird eine Lage Gummi auf der Außenſeite des unelaſtiſchen Gewebes an— gebracht. Bei der beſſeren Sorte iſt der gewebte Boden elaſtiſch, indem er aus einer Art Strickerei beſteht, welche ſich ſowohl den Bewegungen der Füße, als den Aus- wüchſen und Ballen fügt, mit denen unſere unglücklichen Extremitäten nur zu oft behaftet ſind. Eine dünnere Gattung der zuletzt erwähnten Subſtanz wird ſehr häufig zu Handſchuhen für den Hausgebrauch der amerikaniſchen Damen benutzt— Handſchuhe, welche die fleißige Haus— frau in den Stand ſetzen, ihre häusliche Arbeit zu ver— richten, ohne daß die Weiße ihrer Hände dadurch Gefahr läuft.
Diejenigen, welche Macintoſh-Kragen und Gummi⸗ Schuhe getragen, werden öftere und nicht ſehr angenehme Beweiſe gehabt haben, daß eine mangelhafte Ventilation, die der Geſundheit ſo nachtheilig iſt, ſich bei der Kleidung der Menſchen nicht weniger als bei ihren Wohnungen fühlbar machen kann. Indem man die Näſſe ausſchließt, hält man auch die Transſpiration zurück; es iſt dieſelbe undurchdringliche Gummimauer, welche das eine wie das andere Reſultat hervorbringt. Unter den vielen unter⸗ geordneten Punkten, denen der erfinderiſche Fabrikant in Connecticut ſeine Aufmerkſamkeit zugewendet hat, befindet ſich auch die Ventilations-Geſchichte. Wie iſt das Waſſer abzuhalten, wenn man doch Luftlöcher für die Transſpi⸗ ration laſſen will? Durch viele Beiſpiele iſt es bekannt, daß das Waſſer nicht durch ganz kleine Löcher dringt, es
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ſei denn, daß der Luftdruck auf der einen Seite der Oeff⸗ nung ſtärker iſt, als auf der anderen. Von dieſem Er⸗ fahrungsſatz ausgehend, ſann Goodyear emſig über die Conſequenzen deſſelben nach und das Reſultat war, daß er eine Maſchine erfand, welche die dünnen Gummiplatten mit unzähligen Löchern von winzigem Umfang durchſticht. Dieſe kleinen Oeffnungen gewähren zwar der Transſpira— tion einen Ausgang, verhindern aber das Eindringen des Waſſers, was zum Theil auch dadurch bewerkſtelligt wird, daß die Transſpiration(welche bei'm menſchlichen Körper immer, ſogar uns unbewußt ſtattſindet) beim Austreten die Löcherchen füllt, und, da ſie öligt iſt, der Näſſe mit derſelben Kraft widerſteht, wie das Gummi. Ohne Zweifel wird man daher nicht allein Schuhe, ſondern auch andere Kleidungsſtücke, bei welchen die Macintoſh'ſche Prozedur bis jetzt angewandt, dieſem ſinnreichen Verfahren unter— werfen. (Schluß folgt.)
Gemeinnütziges.
Zur Brodbereitung. Unter dieſer Aufſchrift theilt die Augsb. Allg. Zeitg. wiſſenſchaftlich-praktiſche Verſuche mit, welche Profeſſor Liebig in München über Brobdberei— tung und Brodverbeſſerung angeſtellt hat. Er fand, daß friſch bereitetes Kalkwaſſer das einzig wirkſame und unſchädliche Mittel iſt um die Beſchaffenheit des Roggen⸗ und gemiſchten Brodes(Commishausbrod) auch bei ge⸗ ringern Mehlſorten zu verbeſſern. Auf 5 Pfund Mehl wird beim Einteigen 1 Pfund oder Schoppen kalt geſättig⸗ tes, ganz klares Kalkwaſſer zugeſetzt; zuerſt das Kalkwaſſer, dann das zur Teigbildung nöthige gewöhnliche Waſſer; bei friſchem Sauerteig nimmt man etwas weniger, bei altem etwas mehr Kalkwaſſer. Durch das Kalkwaſſer wird die Säurebildung im Brodteig und damit im Schwarzbrode, eine Haupturſache von Verdauungsſtörungen bei empfind⸗ lichen Perſonen, und der einzige wahre Grund beſeitigt, den man für die leichtere Verdaulichkeit des Weißbrodes an⸗ führen kann. Der Kalk bildet zuletzt mit der freien Phos— phorſäure des Mehls eine gewiſſe Menge phosphorſauren Kalk(Knochenerde), deſſen Mangel in den meiſten Brod ſorten als die Urſache angeſehen wird, daß Thiere auf die Dauer allein damit gefüttert, nicht am Leben erhalten wer— den können. Das nach dieſen Erfahrungen bereitete Brod iſt leicht verdaulich, ſäurefrei, feſt, elaſtiſch, kleinblaſig, nicht waſſerrandig und bei etwas größerem Salzzuſatz von vortrefflichem Geſchmack. Der zur Verbeſſerung der äußeren Beſchaffenheit des Brodes, namentlich des Weißbrodes, bei manchen Bäckern gebräuchliche Zuſatz von Alaun iſt unbe⸗ dingt ſchädlich, und verdiente polizeilich überwacht zu wer⸗ den. Der Alaun vermindert die Verdaulichkeit und den Ernährungswerth des Brodes.
Miszelle.
„Ich muß die Stadt verlaſſen!“ ſagte ein bekannter Schuldenmacher.—„Warum das?“ fragte ſein Freund.— „Die Gaſtwirthe hier trachten mir nach dem Leben.“— „Wie ſo?“—„Sie wollen mir ohne Zahlung nichts mehr zu eſſen geben, und da muß ich verhungern!“
Aſſiſen⸗Verhandlungen für Oberheſſen. III. Quartal.
An klagen: Montag den 10., Dienſtag den 11. und Mittwoch den 12. Juli, gegen Johannes Amſchel von Niederurſel, wegen Tödtung; Verth. Großh. Hofg.⸗Adv. Roſenberg.
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