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ssschaft 2 kleineren Schichten wieder 1 will. Die„Novemberverbrecher“, Juden und Sozialdemo⸗ 3 Ikraten, sollen zunächst beseitigt, d. h. entrechtet oder ermordet
Beilage zur Obe
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Sießen und umgebung. Frühlingsglaube.
Die linden Lüfte sind erwacht, f
säuseln und weben Tag und Nacht
Sie schaffen an allen Enden.
O frischer Duft, o neuer Klang!
Num, armes Herze, sei nicht bang!
Nun muß sich alles, alles wenden.
Die Welt wird schöner mit jedem Tag,
Man weiß nicht, was noch konmmen mag,
Das Blühen will nicht enden,
Es blüht das fernste, tlefste Tal:
Nun, armes Herz, vergiß die Qual!
Nun muß sich alles, alles wenden. Ludwig Uhland.
Für die Bedrängten im Ruhrgebiet
Es gingen weiter bei uns ein: Von der Gemeinde Wieseck 1. Rate 100 000 Mk., Ertrag einer den Holz⸗
Sammlung in der Gemeinde Wieseck185 90 Mk., on
(Hauern der Gemeinde Nieder⸗Besfingen, 2 Proz Holzhauerlöhne. 7068 Mk., zusammen 293 064 Mk., bereits quittiert 395 450 Mk., zusammen 888 514 Mk.
Den G herzlichen Dank. Weitere Spenden werden gerne
entgegenge Verlag ber Oberhessischen Volkszeitung.
Frühlingsfest. Obwohl das Osterfest in diesem Jahre ziemlich zeitig
Ifänt, hat sich die Natur schon herrlich geschmückt. Wie oft
hatten wir Ende März noch Schnee und Frost! Dagegen 1 75 Weiß⸗ und andere Dornhecken, sogar hier und da Kirschbäume in Blüte. In den Gärten sieht man schon Stief⸗ mütterchen und andere Blumen blühen. Jeder wünscht, daß snicht unheilvolle Naturgewalten. Fröste die Blüten zer- stören und damit die Aussicht auf eine Obsternte vernichten. Hoffen wir das Beste. Hoffen wir weiter, daß mit dem kommenden Frühling endlich auch die wirtschaftlichen Ver⸗ hältnisse gesunden, daß wirklich Friede einkehre! In diesem
Sinne allen Lesern Fröhliche Ostern!
Ostern 1923
Arbeiten, nicht verzweifeln! Hinauf und vorwärts! Greifst Du in ein Wespennest, So greife fest!
Alle wahrhaften Vaterlandsfreunde alle wirklichen und zaufrichtigen Republikauer danken es dem preußischen Mini⸗ sster des Innern, Genossen Severing, daß er endlich und, wie wir hoffen, noch zur rechten Zeit fest zugegriffen hat. Die Anmaßung, die Frechheit und die Heuchelei der reaktio⸗ nären Patentpatrioten ging schließlich über alles erträgliche Maß hinaus. Ihre mannigfachen und vielnamigen„Selbst⸗ sschutzorganisationen“ haben sich zu einer großen öffentlichen (Gefahr ausgewachsen. Die hemmungslosen, unverantwort⸗ lichen Gewaltmenschen von Ludendorff bis zu Roßbach hiel⸗ ten und halten noch die gegenwärtige Zeit, wo wir uns in sschwerstem Abwehrkampfe gegen einen grausamen, rücksichts⸗ losen äußeren Feind befinden, wo Einheit und Existenz des Reiches auf dem Spiele stehen, für geeignet, geheime Ver⸗ schwörungen gegen den Bestand der Republik ins Werk zu setzen und einen bewaffneten Ansturm gegen Verfassung und Regierung vorzubereiten.
Die Selbstschutzorganisationen bilden die Vorstoßtrupps
eines deutschvölkischen Komplotts, das auf Staatsstreich und
Umsturz hinarbeitet, das Republik, Demokratie und Reichs⸗ tag beseitigen und die Massen des Volkes der früheren Herr⸗ unterwerfen
und zugleich die Diktatur eines Generals als Platzhalter einer zukünftigen Monarchie aufgerichtet werden. Dann [kommt die Revanche: Frankreich wollen wir siegreich sschlagen.„Ist dies schon Tollheit, hat es doch Methode.“ und diese hochverräterischen Pläne sind nicht etwa nur über⸗ triebene Behauptungen oder gar böswillige Erfindungen der Gegenseite, der republikanischen Angstmeier, die„gute Patrioten“ verleumden und ihre zum Wohle des Vaterlandes ersprießliche Tätigkeit lähmen wollen. Nein: Hitler, der bekannte Nationalsozialist in dem Freistaat Bayern, der dort, in der„Ordnungszelle“, unter einer schwachen, ihm innerlich zum Teil zugeneigten Regierung aus seinem Her⸗ zen keine Mördergrube zu machen braucht, schreit es in seinen bewaffneten Versammlungen Tag für Tag heraus: Nur serst die Novemberverbrecher und das Parlament beseitigen! Dann kommt die Abrechnung der kochenden Volksseele mit Frankreich schon von selbst!— Das ist die Wahrheit, mögen sich auch die„Norddeutschen“, die Wulle, Henning und (Graefe jetzt, wo es ihnen an den Kragen geht, in ihrer Feig⸗ heit noch so sehr als harmlose Kinder gebärden und als die gekränkten Unschuldslämmer aufspielen, von der deutsch⸗ nationalen Partei mit nationalistischem Phrasengedröhn unterstützt und geschützt. Nur über eins scheinen sich die sauberen Brüder noch nicht einig geworden zu sein Soll Hitler oder Ludendorff Diktator werden? Der gemütliche süddeutsche Fascist oder der schneidige preußische General?
Die deutschvölkische Freiheitspartei...„Freiheits- partei?“ Ja, Freiheit, die ich meine! Die arische, monar⸗ chistische, nationalistische, treudeutsche, kurzum„völkische“ Freiheit, in der nach Erledigung der Undeutschen(Semiten und Internationalen) die echten Wotansanbeter, die rasse
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reinen Arier nordgermanischer Edelzucht wieder aufatmen
können.„An ihrem Wesen soll noch einmal die Welt ge⸗ nesen.“
herigen Minister Buck und Lipinski
„der Unverstand der Massen“ nicht noch so lähmend
Gießen, Samstag, den 31. März 1923.
rhessischen Volkszeitung Nr. 75
Also, daß von der deulschvölkischen Freiheitspartei, der parlamentarischen Agentur der Verschwörung gegen die Re⸗ publik, zahlreiche Fäden zu Hitler und Ludendorff hinlaufen, ist bei dem bekannten Charakter dieser geborenen Führer⸗ naturen nicht weiter verwunderlich. Soviel ist sicher: Es handelt sich nicht mehr bloß um Ausbrüche vereinzelter Banden, um Mordanschläge gegen politische Persönlichkeiten — auch solche waren zweifellos sehr bedroht—, sondern um einen bereits ins Einzelne durchgearbeiteten großen Plan zum Umsturz der Verfassung und zur Einführung einer Dik⸗ tatur. Wer der Diktator werden sollte, kann nach den An⸗
eutungen Severings im Landtage vermutet werden:
General Ludendorff ist zweifellos sehr belastet. Wenn wir überhaupt noch eine Justiz haben, so darf die Untersuchung sich nicht auf untergeordnete Bravos(Meuchelmörder) wie den Leutnannt Roßbach und ähnliche Geister beschränken, sondern es müssen die Beziehungen, die zwischen Ludendorff, den Münchener Nationalsozialisten und den Deutsch⸗Völkischen in Norddeutschland bestehen, klar aufgedeckt werden. Ge⸗ schieht das nicht, so wird in den Massen das Vertrauen auf Gerechtigkeit unheilbar untergraben, und dann allerdings wird die Bildung proletarischer Abwehrbataillone— mögen sie sich kommunistisch oder sonstwie nennen— nicht zu ver⸗ hindern sein. Dann haben wir den Bürgerkrieg, von dem wir nach Severings Worten nicht mehr weit entfernt sind. Darum ist es eine staatserhaltende Parole, die Severing mit den Worten ausgab:„Es wird dreingeschlagen werden!“ Der Minister glaubt, daß die Staatsmacht in Preußen wie⸗ der soweit gefestigt sei, daß Verschwörungen von rechts oder von links mit Erfolg bekämpft werden können. Wir hoffen, daß dem so ist.
Was lernen wir aus alledem? Es ist sonnenklar: Der gefährliche Feind steht rechts!, wie schon der Reichskanzler Wirth in richtiger Erkenntnis der Lage des neuen deutschen Staates ausgesprochen hatte.— Die Kommunisten spalten und zanken sich immer weiter; sie leben nicht von ihren eigenen oder den Moskauer„Ideen“(Daß Gott erbarm'!), sondern nur von der Brutalität der französischen Unter⸗ drückungsaktion und von dem Rechtsbolschewismus der deut⸗ schen Fascisten; sie schöpfen einzig und allein, während ihnen allgemach der Lebensatem ausgeht, immer wieder von neuem Kraft aus der Unordnung aller deutschen Verhältnisse, die von Franzosen und Deutschmonarchisten in gleicher Weise gefördert werden, und aus der traurigen Verwirrung, die sie demzufolge in ungeschulten Arbeiterköpfen absichtlich hervor gerufen, ganz abgesehen von ihrer skrupellosen Verbindung mit Verbrechergesindel aller Art. Aber die Kommunisten irren sich, wenn sie glauben, daß die Sozialdemokratie sich in einen Kampf für eine sogenannte— Arbeiterregierung ein⸗
lassen wird. Der Bedarf der deutschen Arbeiterschaft an
„Schritten nach vorwärts“ nach dem Muster der Märzaktion und anderer kommunistischer Abenteuer ist vollauf gedeckt. Wenn die Kommunisten immer wieder krampfhaft versuchen, mit Gewalt Unmögliches zu erzwingen, stärken sie in Wirk⸗ lichkeit nur die Front der rechtsradikalen und fascistischen Gegner der Republik und des Sozialismus. Die Sozial⸗ demokratie wird bei ihren Methoden und bei ihren Formen des politischen Kampfes bleiben. Der Mutterboden der Ar⸗ beiterbewegung ist die Demokratie. Die Voraussetzung ihrer politischen Kämpfe ist die Schulung und Einsicht der Massen in das Gegebene und Mögliche und der Verzicht auf Ver⸗ sprechungen, die unerfüllbar sind, und die letzten Endes ent⸗ täuschte Massen zu Rekruten des Fascismus machen würden.
Hier und da können freilich die Kommunisten recht lästig werden. Nachdem sie eben mit den Vereinigten Sozial⸗ demokraten in Sachsen einen Regierungspakt geschlossen und dabei, wie die Rote Fahne triumphierend mitteilt, die bis⸗ „ausgeschifft“ haben, gehen sie jetzt daran, die sozialdemokratischen Aufklärungs- versammlungen in Berlin zu sprengen. Eine volksfreundliche Tätigkeit! Ob unsere Genossen in Sachsen nicht eine falsche Rechnung aufgetan haben, als sie sich mit den„Tur⸗ kestanern“ verbündeten? Lassen sie sich nicht letzten Endes von den abgewirtschafteten kommunistischen Phrasenhelden mißbrauchen? Jedenfalls ist für einen besonnenen Sozial⸗ demokraten gegenüber dem Radikalismus der äußersten Linken, der seine Direktiven aus Rußland bezieht, stets äußerstes Mißtrauen am Platze.
Was wünscht unser von Krieg und Kriegsfolgen zer⸗
quältes Volk in Wirklichkeit? Zunächst, was es nicht will. Das Volk will sich nicht weiter gefallen lassen Nationalisten⸗ propaganda und Putsch gegen Erbfeinde und deutsche Repu⸗ blik, kommunistische Schaumschlägereien und Fanfaren zur „Bewaffnung der roten Weltarmee“. Es verlangt ernst und dringend Schutz gegen Wucher und Schiebertum, es be⸗ kämpft jedewede Ausbeutung durch Agrariertum, Groß— industrie, Handel und Börse— die kapitalistischen Mächte, die in dieser Zeit trostloser wirtschaftlicher Zerrüttung be⸗ sonders schamlos ihren eigenen Profit auf Kosten der All⸗ gemeinheit suchen. Es lehnt ab. die illusionistische Geheim⸗ niskrämerei und Kraftmeierei in der Ruhrpolitik durch eine teils leisetretende, teils lautpochende Regierung der bürger⸗ lichen Arbeitsgemeinschaft. Es verlangt, daß die geheime Unterstützung aller antirepublikanischen Machenschaften durch die reichen Geldmittel gewissenloser Industrie- und Agrar⸗ magnaten aufgedeckt, verfolgt, unterdrückt und streng be⸗ straft werden als das, was sie ist: Landesverrat! Es hat einen unsäglichen Abschen vor Gewalttat und Krieg, einerlei von welcher Seite auch dieses Rüstzeug der Barbaren empfoh- len und angewandt wird. Kurzum, das Volk will Ruhe und Frieden und ist zu ehrlicher Arbeit gern bereit.
Die eigentliche Vertreterin dieses gutwilligen, aber ge⸗ schundenen Volkes, die von Millionen deutscher Volksgenossen gewählte Sozialdemokratische Partei will— ja, wenn nur
wirkte!
— sie will einem jeden, seine ehrliche Arbeit leistenden Volks⸗ genossen beistehen und helfen; sie will im Innern dem Volke Recht und Freiheit sichern, sie tritt machtvoll ein für die Einheit des Vaterlandes, sie erstrebt nach außen, nach dem Fiasko des Ruhrabenteuers mit dem Feinde ehrenvolle, ge⸗ rechte Verständigung. 5 Hoffen wir auf eine bessere Zukunft, arbeiten wir für
sie! Hoch die Fahne der Osterbotschaft:
Reißet von Banden freudig euch los!
Es muß doch Frühling werden!
Starke Erhöhung der Wohnungsbauabgabe.
Nach einem dieser Tage vom Reichstag und Reichsrat, geneh⸗ migten Gesetze ist die staatlche Wohnungsbauabgabe mit Wirkung vom 1. Januar d. J. ab von 25 v. H. auf 1500 v. H. des Vorkriegs⸗ nutzungswertes der Gebäude erhöht worden. Dies bedeutet also eine Steigerung auf das 60fache des bisherigen Satzes. Daneben haben wie bisher die Gemeinden oder Gemeindeverbände einen Zu⸗ schlag für eigene Rechnung in mindestens der gleichen Höhe zu er⸗ heben. In Hessen wird die Abgabe bekanntlich vom Brandver⸗ sicherungswert der Gebäude berechnet. Der staatliche Abgabesatz betrug bisher pro Jahr 1,25 Mk. auf 100 Mk. Brandverstcherungs⸗ wert, der Gemeindezuschlag war von Stadt zu Stadt und von Kreis zu Kreis verschieden hoch. Vom 1. Januar 1923 ab muß der Satz der staatlichen Wohnungsbauabgabe, dem neuen Reichsgesetz ent⸗ sprechend, pro Jahr 75 Mark und der Gemeindezuschlag mindestens ebensoviel, zusammen also mindestens 150 Mk. auf je 100 Mark Brandversicherungswert betragen. 5
Da die Erhöhung rückwirkend vom 1. Januar 1923 ab be⸗ schlossen wurde, wird demnächst noch eine sehr beträchtliche Nach⸗ zahlung für das 4. Viertel des Rechnungsjahres 1922, das ist für die Monate Januar bis März 1923, zu leisten sein. Leider hat sich die Verabschiedung des Gesetzes durch den Reichstag derart ver⸗ zögert— das Gesetz ist im Reichsgesetzblatt noch nicht veröffent⸗ licht—, daß es unmöglich ist, das entsprechende hessische Gesetz und die Ausführungsanweisung an die Steuerbehörden rechtzeitig, d. h. noch vor Ende März, fertigzustellen, zumal sich die Gesetzesän⸗ derung nicht nur auf diesen einen Punkt der Abgabenerhöhung be⸗ schränkt. Hausbesitzer und Mieter seten jedoch auf die bevorstehende beträchtliche Nachforderung an Wohnungsbauabgabe für die Monate Januar bis März lfd. Jahres einstwetlen aufmerksam gemacht, insbesondere für den Fall, daß zum 1. April oder bald danach ein Umzug beabsichtigt ist. Der genaue Betrag der Nachforderung kann 1125 nicht allgemein angegeben werden, da die Gemeinde lags⸗ fätze wie erwähnt nicht im ganzen Lande einheitlich sind. nicht schwierig, wenn beachtet
ist die Berechnung im einzelnen Falle wird, daß die Abgabe für Land und Gemeinde im Abgabebescheid zusammen angefordert ist und zusammen künftig pro Jahr min⸗ destens 150 Mark auf 100 Mark Brandversicherungswert betragen wird; der bisherige Satz ist aus dem Abgabebescheid ersichtlich(für die Staatsabgabe betrug er durchweg 1,25 Mk.). Nachstehend einige Beispiele, berechnet unter der Annahme, daß die Gemeinden ihren Zuschlag nicht über den Mindestsatz von 75 Mark erhöhen:
Beispiel 1: Bisher betrug der staatliche Satz 1,25 Mk., der Gemeindezuschlag ebenfalls 1,25 Mk., zusammen 2,50 Mk. Künftig betragen sie zusammen 150 Mk.; die Nachforderung beträgt mithin auf je 100 Mark Brandversicherungswert 147,50 Mk., das ist das 59 fache des bisherigen Ansatzes im Abgabebescheid.
Beispiel II: Bisher betrug der staalliche Satz 0,25 Mk., der Gemeindezuschlag 2,50 Mk., zusammen 3,75 Mk. Künftig be⸗ tragen sie zusammen 250 Mk.; die Nachforderung beträgt mithin auf je 100 Mk. Brandversicherungswert 146,25 Mk., das ist das 39fache des bisherigen Ansatzes im Abgabebescheid.
Beispiel III: Bisher betrug der staatliche Satz 1,25 Mk., der Gemeindezuschlag 2,75 Mk., zusammen 4,00 Mk. Künftig be⸗ tragen sie zusammen 150 Mk.; die Nachforderung beträgt mithin auf je 100 Mk. Brandversicherungswert 146 Mk., das ist das 364% fache, abgerundet das 37fache des bisherigen Ansatzes im Ab⸗ gabebescheid.
Der im Abgabebescheid angeforderte Zielbetrag braucht also nur mit 59, bezw. 39, bezw. 37 vervielfacht zu werden und man weiß sofort den nächstens für das 4. Ziel 1922 nachzuzahlenden Be⸗ trag.— K 5
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Ein ungeheuerliches Urteil.
In dem Beleidigungsprozeß des Oberlehrers Dr. Lenz gegen unseren Redakteur Vetters wurde am Mittwoch vormittag das Urteil verkündet. Es lautete auf 100 000 Mark Geldstrafe gegen Vetters.— Auf die Begründung wollen wir erst eingehen, wenn sie uns schriftlich vorliegt.
Diesem Urteil sei ein anderes gegenübergestellt, das kürzlich in Stettin gefällt wurde. Dort kamen vor der Strafkammer antssemitische Ausschreitungen in einem Restaurant zur Verhand⸗ lung. Sie warf ein bezeichnendes Licht auf das geistige und sitt⸗ liche Niveau deutschvölkischer Kreise. Der wegen schwerer Be⸗ leidigung des Reichspräsidenten vorbestrafte Landwirt und Leut⸗ Dr. Arel Oberg aus Stettin mußte sich wegen Schmäh⸗ Beleidigung eines Dr. Hei⸗ verantworten. Oberg hatte unter anderem geäußert, er müßte fünfhundert pom⸗
nant a. D.
mersche Jäger haben, dann wollte er die verdammte Juden⸗ regierung zum Teufel jagen Es sei ein Segen, daß
Rathenau umgebracht worden sei. Außerdem hatte er die Herren Dr. Heimann und Lachmann durch Ausdrücke, wie„Saujude“, im Lokal und auf der Straße schwer beleidigt. Die Verteidigung beschränkte sich darauf, auf die sinnlose Trunkenheit Obergs bin⸗ zuweisen.
Der Staatsanwalt hatte den Antrag auf sechs Monate Ge⸗ fängnis und 100 000 Mark Geldstrafe wegen Beschimpfung der Re⸗ gie rung, sowie die Höchststrafe von 6000 Mark wegen öffentlicher Beleidigung der Herren Dr. Heimann und Lachmann gestellt. Tas Urteil lautete wegen Beschimpfung der Regierung auf Frei⸗ spruch, da das Gericht sinnlose Trunkenheit annahm. Wegen der öffentlichen Beleidigung nahm das Gericht an, daß Oberg da⸗ für, weil er in der Zwischenzeit durch Kaffeegenuß nüchterner ge⸗ morden sei, zur Verantwortung zu ziehen sei und hat gemäß dem Antrag des Staatsanwalts erkannt!
Es ist eine schöne Sache um die Gleichheit vor dem Ge
setz, sie ist aber vielfach nicht vorhanden!
Heimatpflegekursus
der Zentralstelle zur Förderung der Volksbildung und Jugend⸗ pflege in Hessen.
Zur Vertiefung der Bildungsarbeit hat die Zentralstelle einen neuen Weg beschritten, der Glück und Kraft für die Zukunft verheißt. St hat erkannt daß die Heimat immer mehr der ge⸗ meinsame Mutterboden für alle Volksbildungsbestrebungen wer⸗ den muß. Die ewa; befreit von der Schablone und von dem allein selig meckenden Buch: das wirkliche Leben zum Ausgang und Zielpunkt der Arbeit. heimatfrohes Leben wecken will, muß selbst das Leben seiner Um⸗ gebung schauen und zu begreifen suchen. Wichtig ist, daß hervor⸗ ragende Führerpersönlichkeiten die neuen Wege zeigen.— Den An⸗ fang machte in diesen Tagen der Heimatpflegekursus, der vor⸗


