Beilage zur Oberhes sischen?
Gießen, Freitag, den 22. Juni 1923.
ollszeitung
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Gießen und Umgebung. 1 95
eie Erhöbung aller Sätze des steuer⸗
m das Fünffache hat des Reichstags beantragt. 8 Reichstags beraten und
9 0 mehr angenommen. Die degierungsvorlage hatte die vierfache Erhöhung der steuer⸗
freien Beträge für Mann und Frau vorges iejeni · 5 f 9 gesehen, diejenigen f 1 sollten um das Fünffache, die Werbungskosten aber nur um das Dreifache erhöht werden. Vom 1. Juli ab 5 oll diese Aenderung, der vom Reichsrat in dieser Form vor⸗ sichtlich angenommen werden wird, in Kraft treten. Für ren Lohnempfänger mit Frau und zwei Kindern würde anach das steuerfreie Monatseinkommen
n
.
— 1 420 000 Mark . agen.
7 f*
— Die neuen Portosätze.
r Nachdem mum auch der Postausschuß des Reichstags di euen — stgebühren, die am 1. Juli in Kraft Wee 0 bab 11 87
im nachstehenden eine Uebersicht dieser Portosätze: Postkarte: im Ortsverkehr 60 Mk., 0 8
0 m im Orts verkehr bis 20 Gramm 120 Mk., bis 100 Gramm 180 Mk. bis 250 Gramm 300 Mk., bis 50 Gramm Gramm Mk., bi Gramm 450 Mk. 18 6 50. 1 bis 250 mm 3 bis 500 Gramm Die Drucksachenkarte unterliegt der Gebühr für Druck⸗ sachen bis 2⁵ Gramm. 1 Drucksache bis 25 Gramm 60 Mk., bis 50 Gramm 120 Mark, bis 100 Gramm 180 Mk., bis 250 Gramm 300 Mk., bis 800* 360 Mk. bis 1 Kilogramm 450 Mk., bis 2 Kilogramm
Geschäfts papiere: bis 250 Gramm 300 Mk.: die übrigen Portosätze für Geschäftsvaplere wie bei Drucksachen. Warenprobe: bis 100 Gramm 180 Mk., bis 250 Gramm
Mk., in Zone 3 1600 Mk. über 3 bis 5 Kilogramm in Zone 1
Mk., in Zone 2 2400 Mk., in Zone 3 2400 Mk. Die Palet⸗
ise steigen dann von Kilo zu Kilo bis 15 500 Mk. bei 20 Kilo in . 0
dritten Zone.. Postanweisungen kosten bis 5000 Mk. 200 Mk. 3 o: bis 10 000 Mk.= 400 Mk., bis 50 000 Mk. 800 Mk., bis 100 000 Ml.= 1200 Mk. und sür je weitere 100 000 Mk. oder
einen Teil dieser Summe= 600 Mk. mehr. 775 — Einen raffinierten Schwindel zum Schaden der Eisenbahn⸗ verwaltung verübte ein in Lich ansässiger Kaufmann, der wegen 0 Reklamattonsschwindels verhaftet und der Sdaatsanwaltschaft Gießen zugeführt wurde. Er hatte Zement und Steine, zu Ballen 1 mt, zum Tramsport auf der Eisenbahn ausgegeben und als 3 allen deklariert. Mit Hilfe eines Eisenbahnbeamten wurden die Ballen während der Fahrt des betreffenden Zuges fortge⸗
worsen. Später stellte der Kaufmann an die Bahn Ersatzansprüche Fur das verschwundene Tuch in Höhe von 105 Millionen Mark. Der Schwindel mißlang und auch der Bahnbeamte wurde ver⸗
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Fleischermeister und Konsumvereine.
Am 5. und 6! Juni fand in Hannover der 43. Verbands⸗ tag der Fleischermeister statt. Einer der Hauptpunkte der Tagesordnung befaßte sich mit den Genossenschaften und richtete sich besonders gegen ihre Befreiung von der Umsatz⸗ steuer. Man beachte, werkerkorporation zu tun hat, schaften an der Spitze aller
marschieren und e von der g er betroffen werden. N 0 1 r en 1 5 bedauerte man es, daß die schönen Zeiten vor dem Kriege vorbei seien, wo das Gewerbe durch Regierung im Kampfe gegen die Konsumvereine unter⸗ tzt wurde. Die„Arbeiterfreundlichkeit“ der heutigen Re⸗ gierung fördere die Konsumvereine mit allen Mitteln. Schon 1914 sei unter dem Zeichen des Burgfriedens der alte gute un atz, daß Beamte in den„sozialdemokrati: 50„ Konsumvereinen nichts zu suchen hätten, in die Brüche gegangen. Nachdem die Sozialdemokratie im 1 0 918 die Gewalt an sich gerissen habe und später. rtei wurde, vollzog sich die Annäherung der Ar 5 ossenschaft an die Sozialdemokratie, welche bis dahin gen das Bestreben der Genossenschaftsführer die bea vereine für sich als drittes Armeekorps der 1 1 Hlamiert hatten, in einem beschleunigten Tempo und gabe
i Unter i onsumvereine neue Nahrung 0 nen darf g die Konsumvereine von der Um⸗
mständen dürften 1.. ber befreit werden, und um die Befreiung 15 1 dern, wollen diese geborenen Coisten selost Opfer bringen und wenden sich daraum auch gegen die Befrefung 19 8 n ben Genossenschaften von der 1. Und warum will man Opfer bringen? Es wurde 8 hrt: die außerordentlich zielbewußte Bewegung 05 eee,, e e e e e 8 N wei Wege zu gleich 900 52 2. Bedarfs und die Errichtung des e Konsums über die Produktion. Es 5„ irtschaftlichen Vormachtstellung⸗ und daneb A fache Ziel Bine. auf die en neren nen. die Steuer aftung aller Produktionsmittel zu kommen. 0 m eiung der Konsumvereine in die Tat e 5 ß ice Abe 1105 ee 8 auf Um⸗ 1 f ir n 0. 5 5* 5 0 50. Henn ßenden 1 5 alisterungsversuche 1 erreicht worde 8 ichen Genossenschaften 1 0 ee d een e e nee ing i ossenschaften 5 8 * Ae and dadurch. d Befreiung der Konsum
deren Verwertungsgenossen⸗ gewerblichen Genossenschaften Befreiung von der Um⸗
Fernverkehr bis 20 Gramm 300 Mk., bis 100 7
daß man es bier mit einer Hand⸗
erprobten.
und die Handwerker⸗
vereine von der Umsatzsteuer fördern. So zwischendurch wird aber darauf hingewiesen, wie man sich wohl von der Umsatzsteuer zum Teil drücken könne. Es wurde eine Ent⸗ schließung angenommen, die den Verbandsvorstand beauf⸗ tragt, mit allen ihm zur Verfügung stehenden Mitteln die Befreiung der Genossenschaften und Konsumvereine von der Umsatzsteuer zu hintertreiben. Der Verbandstag stehe auf dem Standpunkt, daß durch eine derartige Bevorzugung staatszersetzenden und kulturfeindlichen Bestrebungen Vor⸗ schub geleistet und der kollektivistisch⸗genossenschaftliche Ge⸗ danke gefördert wird, der eine neue Ordnung und Umge⸗ staltung des Gesamtwirtschaftslebens anstreben und zu einer Vergesellschaftung der Produktionsmittel führt. Die Entschließung bedauert außerordentlich, daß die Bedeutung dieser Frage von einem großen Teile des deutschen Hand⸗ werks nicht erkannt und eine einheitliche Stellungnahme verhindert worden sei.
Vielleicht wird der Teil der Arbeiterschaft, der nur auf Augenblicksvorteile eingestellt ist, aus dieser 7 seine Lehre ziehen. Die Konsumvereinsmitglieder wissen aber auch, wo ihre schärfsten Gegner stehen. 5
Dem Landtage sind folgende neuen Vorlagen zugegangen: Die Abgeordneten des Bauernbundes beantragen mit Rücksicht auf den angenommenen Antrag zur Fortbildungsschule, daß das Verfahren des Landes⸗Bildungsamtes weder dem Wortlaut des§ 17 des Volksschulgesetzes, noch der klaren und eindeutigen Willensmeinung der Landtagsmehrheit entspricht. Die sozialdemokratischen Abgeordneten beantragen, bei der Reichsregierung dahin zu wirken, daß der Einkommensteuerveranlagung vom 1. 1. 23 nur das Kalenderjahr zu Grunde gelegt wird, die Einkommens⸗ und Umsatz⸗ steuererklärung vereinigt werden und daß bei der Umsatzsteuer Steuerausschlsse mitzuwirken haben. Eine Anfrage des Abg. Kiel befaßt sich mit der Verhastung des von den Franzosen ausgewiesenen Josef Ezerzeskiewiez in Dieburg, eine Anfrage der Abg. der Deut⸗ schen Volkspartei betrifft Besoldungsfragen im Kreise Erbach i. O., die unter den Beamten und der Lehrerschaft Erregung hervorgerufen haben.
— Zur Neuregelung der Dienstbezüge. Zum Bericht über die Verhandlungen des Reichs rats wegen der Neuregelung der Dienst⸗ bezüge der Beamten ist nachzutragen, daß von Hessen eine wesentliche Verringerung der Spannung bei den Ortszuschlägen, mindestens aber die Veseitigung der Ortsklassen E und D ge⸗ fordert wurde. Diese Anträge wurden als zu weitgehend bezeichnet und abgelehnt. Dagegen fand in Antrag Württemberg, der sich in engeren Grenzen bewegte. Annahme. Bei der Neuregelung der Grundgehalt wurde von Hessen der von der Reichsregierung in Aussicht genommenen Erweiterung der Spannung widersprochen. Einem im Reichstag gestellten Antrage, der dahin ging, zunächst zu den Grundgebalten in allen Gruppen eine gleichmäßige Zulage zu gewähren, wurde zugestimmt. Als dieser Antrag abgelehnt war, wurde von Hessen beantragt, eine gleichmäßige Erhöhung der Dienstbezüge ohne Erweiterung der Spamung eintreten zu lassen. Auch diesem Antrag war ein Erfolg nicht beschieden.
— Wohnungsbauabgabe und Wohnungswirtschaft. Dieses Thema wird am nächsten Montag abend in einer öffentlichen Versammlung im Saale des Gewerk⸗ schaftshauses erörtert werden. abgeordneter Mann übernommen. Die Versammlung, zu der jedermann eingeladen ist, beginnt 8½ Uhr. Es ist wünschenswert, daß sich die Parteigenossen zahlreich dazu einfinden.
Der Verwaltungsgerichtshof beschäftigte sich mit einem Antrag des Kreisamtes Gießen auf Entziehung der Erlaubnis zum Betriebe einer Schankwirtschaft gegen Karl Fries, Cafés Leib in Gießen, Walltorstr. 36/38. F. hat in seinem Lokal ohne Erlaubnis Tanzver⸗ anstaltungen abgehalten und die Polizeistunde übertreten. Der Provinzialausschuß hat bereits auf Entziehung der Konzession er⸗ kannt. Fries hat das Lokal verkauft und steht wegen dem Kauf eines Hotels im Nassauischen in Verhandlung. Er erklärt, daß seine Existenz bei der Konzessionsentziehung in Frage gestellt sei. Das Lokal Café Leib ist bei Tage sehr unrentabel gewesen, sodaß er zu Tanzveranstaltungen am Abend gezwungen war. Wegen Ueber⸗ tretung der Polizeistunde kamen eine Reihe Gießener Lokale zur Sprache, die ebenfalls bestraft seien, sodaß hierwegen die Konzes⸗ sionsentziehung nicht in Frage komme. Der Verwaltungsgerichtshof hob das Urteil des Provinzialausschusses auf, wies den Antrag 10 Kreisamtes ab unter Auferlegung der Kosten auf die Staats⸗ asse. 0
— Zerstörung von Namenschildern. In Gießen müssen Zerstörungswütige vorhanden sein, die es besonders auf die Namensschilder von Rechtsanwälten abgesehen zu haben scheinen. Wir haben vor längerer Zeit schon über mehrere Fälle dieser Art berichtet. Und zur Zeit der Verhandlung des Prozesses Lenz⸗Vetters vor dem Schöffengericht beklagte sich der Rechtsanwalt des ersteren im Gieß. Anz. über die Zerstörung seines Namensschildes, wobei er dem Leser zwischen den Zeilen zu verstehen gab, daß die Verüber dieser Tat wahrscheinlich in den Reihen der Sozialdemokratie zu suchen seien. Er kann sich jetzt mit seinem Kollegen Dr. Aaron trösten, dessen Schild dieser Tage ebenfalls völlig zertrümmert wurde. Wie wir hören, hat man aber die Täter erwischt, wir werden jedenfalls bald in der Lage sein, ihren Namen und Art genau anzugeben. Wer immer sie sein mögen— es gebührt ihnen jedenfalls eine empfindliche Strofe, auch dann, wenn sie etwa ihren deutschvölkischen Mut an dem Schild des sozialdemokratischen Rechtsanwalts
Wochenkarten für Kurzarbeiter. Um den schwiersgen Verhält⸗ nissen auf dem Arbeitsmarkt Rechnung zu tragen und auch den Kürzarbeitern die Berufsfahrten nach Möglichkeit zu erleichtern, har sich, wie dii„Reichszentrale für Deutsche Verkehrswerbung“ er⸗ fährt, die Reichsbahn entschlossen, besondere Wochenkarten für Ar⸗ baiter einzuführen, die nur an einzelnen Tagen der Woche arbeiten. Die neuen Kurzarbeiterwochenkarten werden für Fahrten in der Woche— je 3 Hin⸗ und Riickfahrten— zum gewöhnlichen Preise
ron drei Einzelkarten aufgelegt, so daß sie eine Ermäßigung von
50 v. H. darstellen. geführt werden..
— Erhöhung der Brikettpreise. Nach einer Bekanntmachung des Städtischen Brennstoffamts ist der Höchstpreis sür Braun⸗ kohlenbriketts auf 17 300 Mk. für den Zentner festgesetzt. Auf die Bekanntmachung sei hingewiesen.
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Die neuen Karten sollen möglichst bald ein⸗
Das Referat hat Landtags⸗
Aber mitten aus diesem weißen, atemberaubenden Nebel dröhnten
Straftammer Gießen. . Sitzung vom 19. Juni. 4.
Sittlichkeitsverbrechen. Weil er sich ban einem Mäd⸗ chen von e in unsittlicher Weise vergangen hatte, er⸗ hielt der Artist Felix Schw. von München eine Gefängnis⸗ ö strafe von 6 Monaten, dse gesetzliche Mindeststrafe.
Undank sist der Welt Lohn. Die Wahrheit dieses Sprich⸗ wortes mußten zwei Bauersleute aus der Homberger Gegend er⸗ fahren, die auf Grund ihrer Bekanntschaft im Feld wiederholt dem Reitburschen Heinrich Fehlau von Tawelingken(Kr. Gumbin⸗ nen) Gutes erwiesen hatten. Seit Kriegsende hielt sich F. wieder⸗ holt bei seinen Kriegskameraden auf und genoß die Gastfreundse 1 in hohem Maße. Mit der Zeit erlangte er ziemliche Ortskenntnis in den Hofreiten nud den Gewohnheiten der Bewohner Ende Fe⸗ bruar l. Js. weilte F. mit seiner angeblichen Frau wieder bei einem der Kameraden mehrere Tage. Am 1. März wurde dem einen Land?! wirt sein Fahrrad gestohlen und in der gleichen Nacht bei dem an⸗ dern Landwirt ein Einbruch verübt und 3 gute Rassehühner ge⸗ 0 stohlen. Mitte März fand der Landwirt aus Büßfeld in einem Zim⸗ mer im oberen Stock seines Hauses eine Gestalt hinter der Türe ver⸗ steckt vor, die ein Leinentuch über dem Kopfe hatte. Sein Schreck war nicht gering. Im Kampfe mit dem Einbrecher erhielten er und sein Knecht nicht unerhebliche Wunden, durch Schläge mit einem harten Gegenstande am Kopfe beigebracht. Der Einbrecher konnte flüchten. Am nächsten Tage wurde in Nieder⸗Ohmen ein Mann mit 2 schweren Koffern angehalten. Der Mann war der F.; der Koffer barg gestohlenes Gut aus der Behausung des Landwirts in Büßfeld. Ferner fand man bei der körperlichen Durchsuchung 2 goldene Man⸗ schettenknöpfe des Landwirts und einen geladenen Revolver. Als Dieb bei den Einbrüchen beim Kriegskameraden konnte also nur der Fehlau in Frage kommen. Die eingehende Beweisaufnahme brachte die Strafkammer auch— trotz des hartnäckigen Leugnens des F. zu dieser Ueberzeugung. Mit Rücksicht auf sein schnödes und gemeines Verhalten erkannte das Gericht geg. F. auf eine Gesamtgefäng⸗ N nisstrafe von 6 Jahren 3 Monckten und Aberkennung der Ehrenrechte auf 5 Jahre. 5 479
Die Pferde aus dem Stall gestohlen wurden März d. J. dem Landwirt Rullmann in Rodheim v. d. H. anfänglichem Leugnen sind die Arbeiter Ludwig Egger von Kar pern, der Fuhrmann Otto Jander aus Schernberg und der Ar⸗ beiter Philipp Lamb von Oberursel des Diebstahls der Pferde ge⸗ ständig. Die 2 Pferde wurden bei dem Pferdemetzger Philipp Nu 5 min von Oberursel— der in Händlerkreisen als„der rote Philipp“ bekannt ist, im Stall untergestellt. Nach 2 Tagen wurden die Pferde des Nachts von Jamin und Jander fortgeschafft. Sie sollten in 1 Mergentheim auf dem Markt„verkümmelt“ werden. Ein Pferd ließ Jamin aber unterwegs zurück. Das andere wurde im Bayerischen von Jamin für 4% Millionen Mark verkauft. Von dem Gelde be⸗ 5 kam Jamin zirka 400 000 Mark. Die 2 anderen Diebe wurden un ihren Anteil betrogen. Jamin versuchte in der Verhandlung einen g reellen Pferdehandel dem Gericht vorzutäuschen. Er gilt aber auf 1 Grund der Aussage der Anderen der Hehlerei für überführt: es wurden verurteilt: Jam in und Jander zu je 3 Jahren Ge⸗ fängnis, Egger und Lamb zu je 2 Jahren Gefängnis und alle zu 5 Jahren Ehrverlust.— Ein Gastwirt aus Bom⸗ mersgeim— in dessen Stall, den er an Jamin vermietet hatte die Pferde untergestellt waren, wurde von der Anklage der Begün⸗ stigung freigesprochen! 5
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f 5 2 e Wirtschaft, Handel, Soziales. N Wertbeständige Bankeinlagen bei der GEG. 5 11 Die Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Konsumvereine zu Hamburg kann im nächsten Jahre auf eine für die organisierten Verb rauf erfolg⸗ und segensreiche 30jährige Tätigkeit zurück⸗ blicken. Ende des vorigen Jahres bezogen 1553 Konsumpereine Lebensmittel und Gebrauchsgegenstände von der Großeinkaufs⸗ gesellschaft, und der Warenumsatz belief sich im Jahre 1922 auf 38 Milliarden Mark, davon waren 3,8 Milliarden Mark Erzeug⸗ nisse aus eigenen Betrieben. In den ersten fünf Monaten dieses Jahres lieferte die Großeinkaufsgesellschaft den angeschlossenen Konsumvereinen Lebensmittel und andere Bedarfsgegenstände im Betrage von 201 Milliarden Mark. 3 Seit etwa 13 Jahren befindet die Großeinkaufsgesellschaft sich auch unter den Großindustriellen. 25 eigene leistungsfähige Fabrik⸗ betriebe und 16 weitere Nebenbetriebe legen Zeugnis davon ab, was planmäßiges Zusammenarbeiten der organisierten Kon⸗ sumenten vermag. Die Ausführung weiterer Aufgaben auf diesem Gebiete wird jedoch erschwert durch die Geldentwertung und den damit verbundenen Mangel an ausreichendem Betriebskapital. 0 Zur Stärkung ihrer Betriebsmittel legt deshalb die Groß⸗ einkaufsgesellschaft eine neue Obligationsanleihe mit be⸗ weglichem Zinssatz auf. Die Verzinsung beträgt mindestens 6 Proz. und höchstens 15 Proz. Jährlich. Die Anleihe ist eingeteilt in Teilschuldverschreibungen zu 25 000, 50 000 und 100 000 Mk. Die Großeinkaufsgesellschaft haftet für sie mit ihrem ganzen Vermögen. Ferner ist die Großeinkaufsgesellschaft bereit, bis zu einer ge⸗ wissen begrenzten Höhe Darlehen in der Form von Bankeinlagen hereinzunehmen. Diese Darlehnsgelder sind als„wertbestän⸗ dige Bankeinlagen“ auf mindestens fünf Jahre fest— also fünf Jahre unkündbar— zu begeben und müssen in jedem Einzel⸗ falle mindestens 25 000 Mk. betragen. Die Verzinsung geschieht in Papiermark, und zwar bis auf weiteres mit 5 Proze. für das Jahr. Auskunft übr Anleihebedingungen und Prospekte sind bei den Konsumvereinen zu erhalten, die dem Zentralrerbande Deutscher Konsumvereine angeschlossen sind oder unmittelbar von der Bank⸗ abteilung der Großeinkaufsgesellschaft Deutscher Korsfumvereine, Hamburg 1, Besenbinderhof 52. N
Kleine Nachrichten.
Schreckensszenen auf hoher See. Auf dem Dampfer Bravo Coeur der United States Shipping⸗Linie, der von Deutschland nach Amerika unterwegs war, hat sich auf hoher See eine Tragödie ab⸗ gespielt. Das Schiff befand sich ungefähr auf der Höhe von N Oporto, als der zweite Steuermann plötzlich irrsinnig wurde. Er 9 griff in seinem Wahne zur Waffe und richtete auf dem Schiff ein furchtbares Blutbad an. Zuerst erschoß er den Kapitän, dann den Steward, dann den Telegraphisten, schließlich verletzte r noch einen Passagier un“ einen Leichtmatrosen. Der Wahnsinnige verkroch sich dann in seiner Kabine. Die Offiziere beschlossen nun, schleunigst den nächsten Hafen anzulaufen. Die Fahrt wurde unter größten Schwierigkeiten und Aufregungen vorgenommen. Es war nicht 19 möglich, den immer noch wüst um sich schießenden Steuermann zu 14
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entwaffnen. Decks und Kabinengänge waren leer gefegt von 1 Passagieren. Sie hockten alle zitternd in ihren Kabinen. Als das 1 Schiff schließlich in den Hasen von Oporto einfsuhr, wurde die
Flagge halbmast gehißt und die Matrosen gaben das Signal„Auf⸗ 4
stand und Mord“. Sofort stürzte die Hafenpolizei in Begleitung 1
eines Arztes an Bord und versuchte den immer noch bewaffneten 1
Steuermann zes verhaften. Es entspann sich ein verzweifelter Kampf 1 1
Der Wahnsinnigs verbarrikadierte sich in seiner Kabine und schoß unentwegt auf seine Gegner. Die Polizei griff schließlich zu einem ganz seltsamen Mittel: sie schüttete durch eine Oefsnuang zwei Säcke 1 Kalk in die Kabine des Steuermanns, der infolge der undurch⸗ 9 dringlichen Staubwolken gezwungen wurde, die Wasse zu strecken.
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