Gießen und umgebung.
5 5 will schon wieder meeh hun!
Ludwigs, dessen von 30 Millionen
Erhöhung der Erwerbslosen⸗Unterstützung.
5. den Beschlüssen des Reichs rats und der Reichsregierung
abb folgende Höchstsätze: 13 ö in* Orten der Ortsklassen 1. für männliche Personen: B C Du. E
) über 21 Jahre, sofern sie nich im Haushalt eines anderen 1290 5000
ir 4650 45 d) über 21 Jahre, sofern sie im e 9 2 790525 2 5 anderen leben 4400 4100 3800 3500 Mk. r W 3050 2850 50 Mk. 2. für weibliche Personen:„„
3 8 21 2 1. sofern ste nicht i 55 aushalt eines andern laben 4400 4100 3800 3500 Mk. b) über 21 Jahre, sofern sie im 1 9 5 2 5 anderen leben 3350 3400 3150 2900 Mk. ren 2750 2550 2350 2150 Mk. 8. als Familienzuschläge für: 11 1 5 85 den Ebegatten 1850 1750 1650 1550 Mk.
b) die Kinder und sonstige unter⸗
stiitzungsberechtigte Angehörige 1450 1350 1250 4150 Mk.
——
Der Abwehrkampf im Westen.
1 Von einem aus dem Bezirk Trier ausgewiesenen Eisenbahner, der f ch in Gießen aufhält, gehen uns folgende Zeilen zu, die für unsere Leser von Interesse sein dürften:
„Fest und entschlossen steht die Abwehrfront der gesamten Be⸗ völkerung des besetzten Gebietes. Nichts hat die„Grande Nation“ unversucht gelassen, um den eisernen Widerstand der Rhein⸗ und Ruhrkampfer zu brechen. In vorderster Linie dieses Abwehrkampfes steht die Eisenbahnerschast. Man sperrt sie massenweise in nasse Keller und Gefängnisse ein, raubt ihnen Hab und Gut, wie es im dreißigjährigen Kriege nicht schlimmer sein konnte. Seit 1918 hat man drüben die harten Bedrängnisse der Besatzung ertragen müssen. Was jedoch seit Februar dieses Jahres geschehen ist, grenzt beinahe
Greueltaten, die sich der Außenstehende gar nicht ausdenken kann.
Die Franzosen gehen in siunloser Wut so weit, daß sie vaterlands⸗
treue Männer erschießen lassen und die mit jahrelangen Gefängnis⸗
sttvafen Verurteilten den scheußlichsten seelischen Qualen aussetzen.
Selbst jegliche Lebensmittelzufuhr wird neuerdings unterbunden. Die rrkheinische Bevölkerung soll eben durch Hunger mürbe gemacht wer⸗ N den. Man nimmt kranken Müttern und Kindern den Vater weg, ver⸗
uurteilt ihn in brutalster Weise zu strengsten Zwangsarbeiten usw.,
well dlefe Männer ihrem Vaterlande die Treue halten und ihren
ö Diensteid nicht brechen wollen. Nur well sie Deutsche sind, milssen
0 Franzosen ist uns allen klar. Die Rheinlandbevölkerung, die wie
das ganze Volk durch die lange Kriegsdauer und die damit ver⸗
Entpften Entbehrungen gelitten hat, will man, da sie auf leere Ver⸗
sprechungen nicht höven will, mit Gewaltmitteln mürbe machen. Jeder
Tag bringt strengere und unmenschlichere Maßnahmen der Fran⸗
sie dieses harte Schicksal über sich ergeehn lassen. Der Zweck der
z des Nit Trotz all dieser Anstrengungen denkt die Elsenbahnerschaft llt u a 1. nicht daran, sich zu ergeben und das Vaterland zu verraten? Mutvoll vote ud nehmen unsere hart bedrängten Brüder des besetzten Gebietes alle wurde i. Opfer auf sich. Es ist cin neuer harter Kampf entbrannt, wie man myften l. ihn in der Geschichte bis heute noch nicht kannte; ein Kampf, der für
manche Familie viel härter zu ertragen ist, als wie die Zeit von N 191418. All die seelischen Leiden, die manche deutsche Frau ge⸗ TDuldig auf sich nimmt, laffen sich in Worten nicht um Ausdruck bringen. Wir denken hier z. B. an eine Frau, deren Mann wegen
e uml
N eines Nichts zu vielen Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde und chteil mi k mit ihren fünf noch kleinen Kindern als Ausgewiesene im unbe⸗ geben, letzten Gebiet Aufnahme sucht. Solche und ühnliche noch härtere lecken 0 f Falle könnten zu Hunderten angeführt werden! Wenn auch einige 7 ert 1 unserer früheren Kollegen, entweder verlockt durch falsche Versprech⸗ hahe 1 1 ungen oder beängstigt durch scharfe Drohungen der Franzosen von Geschenk, der guten Sache abfallen so bedeutet dieses für die große Sache gar gtosche⸗ 5 nichts. Solche Verräter, die für ein paar schnöde Girberlinge ihre Aung eine Heimat und ihr Voterland verkaufen, gibt es hüben wie drüben. Anna. Hier sei das Wort Napoleons angewandt:„Den Verrat liebe ich, ernen W aber den Verräter hasse ich!“ Beispiele für die Bestätigung dieses mn. Sei Wortes liegen bereits vor. Verschiedene dieser Lumpen wurden „ Lobekale schon nach einigen Tagen von den Franzosen wieder entlassen. f ö Trotz aller dieser Opfer und Leiden muß man leider im unbe⸗ aun ö setzten Gebiet häufig auf wenig Verständnis für unsere Lage stoßen. hlt wol Wir haben drüben seit 1914 ununterbrochen flir die gute deutsche deln 0 Sache im Kampfe gestanden, für alle, auch für die, die bis heute der 2 i Knecheschaft det französtschen Militaristen entzogen waren. n ah Eins steht unumwunden sest und kenn une Deulsche mi mit „** Stolz erfüllen! Die Franzosen. wie es eee e el. weiteres zugeben wird, außerstande, einen gereg senbahn⸗ 15 U kerrted 25 erhalten. Auch nicht dae sind 11 1 755 Lage, die mustergültigen Einrichtungen der eutschen 1 00 hen gebrauchen oder inen geordneten Bekrieb einzurichten, der den Ver⸗ su 1 hläͤlinissen des Landes entkspricht. 1 g 5 * ö 25 Ale Betriebssicherheit der deutschen a en e ee deen Fate auh nech den Arlene il daher Sen when g t 1725 5. 4 die 01 0 1 ae 8 7 daß im deutschen e e e. 705 größerer 1 11 5 h e fade a K. El e 22 2 N 8 1 1 1 e e e dee kee 17 eugnis für die Unfähigkei 0 ge. eee ö l älle abzulen 8 4 N 10. 1 15 eitlich der Bahn liegende Trüm⸗ 2 ee b e der französischen Regie.
S s allgemeinen Anstoßes gewordenes Millio⸗ 1 5 Optimismus, mit dem die Verwal⸗ haltsplan für 1922, der ein Gleichgewicht von Aus⸗ 0 aufgestellt hatte, hatte sich tfertigt erwiesen. Da kam der allem Völkerrecht hohnsprechende Ruhreinbruch und
die bamit verbundene Verdrängung 1 planvoll angelegter Zer⸗
ber ata und Sicheriungs anlagen und Räuber en durch
die Franzosen gesche
N Augenzeugen„ übt, dann 5 ö nhalt gänzlich beraubt, Züge mit wertvollem 1 9277
i ur hören, daß nach unh beiden boden, die Zerstör
ir die Erwerbslosenunterstittzung vom 4. Juni 1923
Der Monarhisteublok lehnt ab!— Die Hessischer Landtag.
5 Darmstadt, 15. Juni. Präsident Ade lung eröffnet die Sitzung um 9,15 Uhr.
Die Debatte zu Kapitel 100 des Hauptvoranschlags(Mini⸗ sterium der Justiz) ist geschlossen. Es liegt ein weiterer An⸗ trag Kaul vor, die Regierung zu ersuchen, beim Reichstag dafür einzutreten, daß ein Gesetz geschaffen wird, das die Landesregierun⸗ gen ermächtigt, die Abfindung der ehemaligen Fürstenhäuser auf dem
Wege der Lanbesgesetzgebung unter Ausschluß des Rechtsweges vor⸗
zunehmen. 0
Gemäß den Ausschußanträgen werden genehmigt: Kaptel 101 (Gerichte) Kap. 102 und 103(Zellenstrafaustalt Butzbach und Landes⸗ zuchthaus Marienschloß) Kapitel 104(Kriminallassen), Kapitel 105 (Hochbauwesen), Kapitel 106(Stellvertretung⸗ und Aushilfskosten sowie sonstige Kosten verschiedener Art), Kapitel 107(Postgebühren), Kapitel 108(Ministerium der Finanzen), Kapitel 109(Hausverwal⸗ tung), Kapitel 110(Hauptstaatskasse), Kapitel 111(Landesver⸗ messungswesen).
Zu Kapitel 112(Bau wesen) fragt
Abg. Osann(D. Vp.): Wie steht 2s mit der Organisation der Baubehörden und wann wird die neue Bauordnung zu erwarten sein? ö 5
Staatspräsident Ulrich: Diese Fragen werden so rasch wie irgend möglich erledigt. Die neue Banordnung ist in Arbeit.
Abg. Osann(D. Vp.): Ich kann mich mit dieser Auskunft nicht zufrieden erklären..
Staatspräsldent Ulrich: Auch das gesamte Ministertum ist mit der Auskunft, die ich geben mußte, nicht zufrieden. Aber es muß doch festgestellt werden, daß sich eine erhebliche Menge Schwierig⸗ keiten ergeben.
1 Elin Regierungs vertreter diese Schwterig⸗ eiten.
Abg. Widmann(Soz.): Die Organifatlon der Bauverwaltung scheint ein Kräutchen Rührmichnichtan zu sein. Die Zuständigkeits⸗ frage spielt hler offenbar eine große Rolle. Wir sind daher der An⸗ sicht, daß es zweckmäßig wäre, die Bearbeitung und Beurteilung dieser Materie einmal einem uninteressierten Fachmann zu übergeben, der hierin vielfach wesentlich rascher arbeiten würde. Das foll natür⸗ lich kein Mißtrauensvotum für irgend eine Stelle sein.
Es werden ferner genehmigt: Kapitel 113(Brücken und Ueber⸗ fahrten) und Kapitel 114(Landesamt für Wetter⸗ und Gewässer⸗ kunde). Zu Kapitel 115(Privateisenbahnen und Kraftwagenverbin⸗ dungen) bemerkt.
Abg. Neff(Soz.): Dies Kapitel gehört nach meiner Auffassung nicht mehr in den Staats voranschlag. Die entsprechenden Bahnen müßten vom Reich übernommen werden. Die Verkehrsverhältnisse insbesondere der Bahn Reinheim— Reichelsheim, sind äußerst man⸗ gelhaft. Auch auf andere Linten herrschen sehr mäßige Zustände. Besonders muß auch der Kraftwagenverkehr nach Weinehim ver⸗ bessert werden. l
Abg. Wünzer(D. Vpt. führt ebenfalls Klage über die äußerst mangelhaften Bahnverbindungen im, Odenwald.
Abg. Fenchel(Bbd.): Die gerügten Mißstände finden sich auch in Oberhessen vor. Der Redner kritistert die Zustände bei der Butzbacher Eisenbahn⸗A.⸗G.
Abg. Dr. Dehlinger(Bbd.) wünscht ebenfalls Verbesse⸗ rung der Verbindungen im Odenwald. Ebenso Hofmann⸗ Seligenstadt.
Kap. 115 wird hierauf genehmigt, ebenso Kap. 116(Stellver⸗ tretungs⸗ und Aushilfskosten), Kap. 117(Postgebühren), Kap. 118 (Ausleihungen und Staatsschuld), Kap. 119(Jorst⸗ und Kameral⸗ gllter unter Forstverwaltung), Kap. 120(Siedlungswesen), Kap. 121, 123, 124, 127 fallen aus. Genehmigt wird 9 123(Salz⸗ werk, Badeanstalt und Tiefhauamt Bad⸗Nauheim und Badeanstalt Bad⸗Salzhausen), Kap. 125(An⸗ und Verkauf von Staatsgütern). Kap. 126(Reste aus frfiheren Jahren, Ueberschüsse und Fehl⸗ beträge), Kap. 123(Auswärtige und Gerichtsverhältnisse usw.), Kap. 129 und 133(Hochbauwesen), Kap. 130—133 und 134141, 143—145 und 147 fallen aus. Angenommen werden ferner Kap. 142(Hochbauwesen), Kap. 144(Anlegung neuer Grundbücher), Kap. 146(Bauwesen) und Kap. 148(Ausleihungen und Staatsschuld).
Die Abstimmung über Kapitel 100(Ministerium der Justiz) er⸗ gibt Annahme gegen die Stimmen der Kommunisten. Der erste An⸗ trag Kaul wird gegen die Stimmen der Linken abgelehnt. Ebenso, mit Stimmengleichheit, der zweite Antrag Kaul(Wortlaut zu Beginn des Berichts), für den auch die Demokraten stimmen. Der Antrag des Abg. Ebner(Komm.) auf Schadloshaltung und Wlederanstellung des entlassenen Hilfsgefangenenaussehers Mehring aus Offenbach a. M. wird abgelehnt.
Zur Frage der 5
Erhöhung der Unterstützungssätze der Erwerbslosen (Antrag der sozialdemokratischen Partei) führt.
erläutert
17* 1 e 21. dziald. Vorschläge zur Erwerbslosenhilfe. Abg Delp(Soz.) aus: Die Erwerbslosenfrage und die Not der Arbeitslosen sind zu einem Problem allerernstester Art ange⸗ wachsen. Es muß daher der Einfluß auf die Reichs regiernug aus⸗ geübt werden, daß sie den Erwerbslosen dasfenige gibt, was sie un⸗ bedingt brauchen, um das nackte Leben zu fristen. Bei dleser Ge⸗ legenheit will ich die Auffassung zerstören, die leider an manchem Biertisch noch besteht, als wollten die meisten der Erwerbslosen nicht arbeiten, als seien sie notorische Faulenzer. Das trifft in keiner Weise zu. Diese Erwerbslosen sind allergrößtenteils ernste Familienväter, die zeitlebens gearbeitet haben und die nur durch die Ruhrbesetzung und die Verschärfung der Verhältnisse im übrigen besetzten Gebiet ihre . Arbeit verloren haben. 5 Die Anträge der soztaldemokratischen Fraktion zur Erwerbslosenfrage sind keineswegs unter dem Druck der Straße eingebr wor⸗
den. Nicht nur das Arbeitsministerimn hat sich mittlerwefle an dass
Reichsgubettsministers gewandt, auch ich habe dies getan, und zwar mit einer Eingabe, die ersucht, die Unterstütznugssätze um das 100 fache zu erhöhen, sodaß sie batsächlich zwei Drittel des jeweiligen Durchschnittseinkommens eines ungelernten Arbeiters betragen. Gi Vergleich zwischen dem Einkommen eines ungelernten Arbeiters und dem eines Arbeitslosen ergibt(unter Zugrundelegung eines Fami⸗ lienverhälmisses von Frau nud 2 Kindern) folgender Zahlen: ein ungelernter städtischer Arbeiter erhält heute 206 400 Mk. wöchentlich; ein Erwerbsloser 87 725 Mk., das sind 42,6 Prozent, vor der letzten Erhöhung der Sätze betrug dies Verhältnis 51, Prozent, war also immerhin noch besser. Auch im besetzten beträgt jenes Verhältnis heute nicht, wie vorgesehen 667“ Prozent, sondern nur 55,23 Prozent. Wir sind der Ansicht, daß mindestens fiir die nächste schwerste Zeit alles versucht werden muß, damit die Erwerbslosen das erhalten,
was wenigstens zur Fristung des nackten Lebens erforderlich ist.
Abg. Knol](Ztr.): Ein Reichsregierungsvertreter sagte mir:
Sorgen Sie nur dafür, daß die Löhne in die Höhe gehen, dann 1 die Erwerbslosenunterstiitzungen von selbst. Aber die Löhne im setzten Gebiet sind viel zu niedrig, bedeutend niedriger als im unbe⸗ setzten Gebiet.
Kindt(Ontl.) meint, der Antrag der Sozialdemokra⸗ tische tei zur Erwerbslosenfrage sei nichts neues, alle Parteien seien bereit gewesen, zu helfen.
g Kkel(Soz.): Einige Industrien sind von der Arbelitsnot besonders stark betroffen, u. a die Tabalindustrie. Nun haben die Tabakarbeiter gemäß den Bestimmungen Anspruch auf bestimmte Unterstützungen. Aber diese Bestimmungen werden nach sehr eng⸗ herzigen Grundsätzen gehandhabt. So wurde einem schwächlichen Tabakarbeiter, der keine Arbeit hatte, zugemutet, Steime zu klopfen. Auch die Freizilgigkeit der Tabakarbeiter ist durch die Verein⸗ barungen der Arbeitgeber noch vielfach beschränkt. g g
Abg. Ebner(Komm.) ist der Meinung, daß auch diesmal in der ernsten Frage der Arbeitslosenunterstützung mehr mit Wor⸗ ten als mit Taten gearbeitet wurde. 5.-
Abg. Lutz(Soz.): Durch die Debatte ist den Erwerbslosen in hinreichender Weise gesagt worden, daß wir ihnen mit allen Mitteln helfen wollen. Die Taten werden sich unmittelbar an⸗ schließen. Fasch ist die Aeußerung des Vertreters aus dem Reichs⸗ arbeitsministerium, daß man lediglich für die Erhöhung der Löhne sorgen möge, die Erwerbslosensätze folgten dann von selbst. Die große Differenz zwischen den Sätzen im besetzten und im unhe⸗ setzten Gebiet muß soweit wie möglich beseltigt werden. Der Redner geht dann auf Einzelheiten der soztaldemokratischen An⸗ träge begründend ein und bittet um Annahme. N
Abg. Frau Roth(Komm.) bittet, den kommunistischen Zusatz⸗ antrag, der eine sosortige Unterstlitzung der Erwerbslosen, dadurch fordert, daß die erforderlichen Beträge durch die Staatsregierung zur Verfügung gestellt werden, anzunehmen.
Abg. landwirtschaftliche
n 5 Dr. Müller(Bbbd.) verquickt Wünsche mit der Erwerbslosenfrage. 5
Abg. Lang(Soz.): Es muß einmal öffentlich gesagt werden, daß die Reichsregierung offenbar den ganzen Ernst der Situation noch nicht erkannt hat.
Oeffentlich muß auch erklärt werden, daß es Pflicht des früheren Großherzogs wäre, angesichts der heutigen Not auf sesne Entschädigungsansprüche zu verzichten. ö
Damit ist die Debatte geschlossen. 5
Der erste Teil des sozialdemokratischen Antrags, der im wesentlichen fordert, die Reichsregierung zu ersuchen, dem hesstschen Staat zur Förderung der produktiven Erwerbslosenfürsorge baldigst den Betrag von 30 Milliarden Mark zur Verfügung zu sbellen und dafür besorgt zu sein, daß die Erwerbslosenfätze im gonzen Reich auf 6673 Prozent der Arbeitslöhne für ungelernte Arbeiter gehalten werden, wird einstimmig angenommen. Der zweite Teil, der die Gewährung einer einmaligen Wirt⸗ schaftsbeihilfe an die Erwerbslosen fordert, wird vorerst zurück⸗
Sitz 15 2*——
gestellt. Der kommunistische Antrag wird abgelehnt.
Darauf schließt die Sitzung um ½2 Uhr. Nächste Dienstag vormittag 9 Uhr 5
2
lich sei, daß in absehbarer Zeit an einen geordneten wirtschaftlich wirksamen Betrieb nicht gedacht werden könne.
So sieht es mit unseren Eisenbahnen drliben aus. Trotzdem soll uns Eisenbahner, die wir aus der Heimat vertrieben sind, nichts zurückhalten, in unsere Heimat zurückzukehren und mit vereinten Kräften wieder aufzubauen. Deutscher Fleiß und detztsche Ausdauer werden auch diese empfindlichen Schäden wieder gut machen. Daß wir Deutsche dies können, hat sich in unseren Grenzgebieten, wie Ostpreußen bewiesen, wo wir schwer heimgesuchte Gegenden in kurzer Zeit wieder aufgebaut haben. Die französischen Machthaber ziehen es jedoch vor, ihre Arbeiter als Soldaten zur Untätigkeit zu erziehen, als sie der Heimat zuzuführen, wo sie für den Wiederaufbau besser verwendet werden könnten.
Aus all diesem möge hervorgehen, daß die deutschen Eisenbahner alles daran setzen, was von einem guten Deutschen verlangt werden kann. Mögen endlich die vielen unliebsamen Bemerkungen, die man so oft mit anhören muß, verstummen. Alle unsachliche Kritik, be⸗ sonders die am Biertisch betriebene, wirkt verhetzend und verbitternd auf die für die gute Sache kämpfenden Bediensteten der Reichsbahn, die, wie die Tatsachen beweisen, ihr Bestes hergeben und das Vater⸗ land nicht verraten wollen. Kein Mitleid, keinen Dank verlangen wir, sondern nur Verständnufs für die harte Lage im heimgesuchten Gebiet. Von welcher Bedeutung die Eisenbahn bei der heutigen Lage unseres im Endkampf ringenden Vaterlandes ist, hat sich zur Genüge dar⸗ getan. Auch auf die Eisenbahnerschaft muß sich die Volksgeweinschaft erstrecken, nur so kann Deutschland bestehen können. Kl. Sch.
Hundesteuer.
In der letzten Stadtverordneten-Sitzung wurde wiederum über die Hundesteuer debattiert, deren Erhöhung auf 30 000 Mk. von der Stadtverwaltung beantragt worden war. Wie wir berichteten, wurde die Vorlage an den Finanzausschuß zurlickverwiesen, weil verschiedene Anträge in Bezug auf die Bemessung der Steuer bei mehrfachem Hundebesitz, bei Hundezüchtern usw. gestellt worden waren. Bei unserm heutigen Währungsstande bedeutet eine Steuer von 30 000 Mk viel weniger als die Steuer vor dem Kriege, die damals 20 Mk. betrug. 5
Im übrigen gehen bezüglich der Hundesteuer tn allen Par⸗ teien und Bevölkerungskreisen die Ansichten stark auseinander. Wenn der Gießener Anzeiger in seinem Berichte über die Stadtver⸗ Wudneten-Sitzung die sozialdemokratische Fraktton glaubte, ver⸗ höhnen zu können, weil sich einige ihrer Mitglieder verschieden zu der Sache äußerten, so haut das völlig daneben. Warum können bezüglich der Hundesteuer in der sozialdemokratischen Fraktion nicht ebenso verschiedene Ansichten vorhanden sein, als in den andern Parteien? Merkwürdig, sonst hatte man doch immer an der So⸗
zialdemokratie auszusetzen, daß sie alles einseitig und schematisch
nach dem Programm beurteile! Nun ists hier auch nicht vecht, wo
jeder nach seiner Meinung stimmte! Hier handelt es sich um keine
prinzipielle, sondern um eine Zweckmäßigkeitsfrage, in der ver⸗
schtedene Meinungen uestehen können, darum hatte unsere Fraktion
auch Freigabe der Abstimmung beschlossen. Uebrigens war die große Mehrheit unserer Vertreter fitter die Vorlage der Stadtver⸗
waltung, keiner hat sich dagegen ausgesprochen, nur bezilglich
des demokratischen Antrags auf Zurückverweisung an den Finanz⸗
ausschuß gingen die Meinungen auseinander.
Bei der heutigen Finanzlage der Stadt ist diese genötigt, alle Steuerquellen in Anspruch zu nehmen: man muß auch zugeben, daß durch diese Steuer die Pflichtigen nicht besonders belastet werden. Offenbar hat die Zahl der Hunde in der Stadt in der letzten Zeit ganz erheblich zugenommen. Außerdem kommt der verminderte Geldwert in Betracht, nachdem die Hundesteuer nur einen Bruchteil dessen wie vor dem Kriege ausmacht.
Uebrigens beschäftigt auch in andern Städten die Hunde⸗ und Hundesteuerfrage die Oeffentlichkeit. Dieser Tage lasen wir im Magdeburger Parteiblatt eine Einsendung aus Groß⸗Salze, das ist ein Städtchen von etwa 12—15 000 Einwohnern. Da heißt es:
„Wie in andern Orten, so haben wir auch hier eine Hunde⸗ plage, die lästig zu werden beginnt. Wer hat nicht schon des Morgens in der Frühe die„Hundekongresse“ mit all den Attraktio⸗ nen, die dabei aufgeführt werden, gesehen und die in ekelerregender Weise besudelten Straßen, Häuser, die sorgsam gepflegten Wege und Beete in den Anlagen durch herrenlos herumlausende Hunde? Es ist schier unbegreiflich, daß es Familien mit 3 bis 7 Kindern geben kann, die sich zum Ueberfluß noch einen Hund halten, wie das hier im Orte der Fall ist. Man sollte doch eigentlich meinen, die Wirtschaftsnöte wären groß genug, um diese nicht noch durch eine Hundehaltung zu Norge abgesehen davon, daß auch in gesund⸗ heitlicher Beziehung öͤas Halten von Hunden in Familien mit Kin⸗ dern höchst untunlich ist. Die Besitzenden in den Villen halten sich natürlich gleich zwei oder drei Hunde, welche hinter der Einfrie⸗ digung die Passanten grimmig ankläffen und die Anwohner in ihrer Ruhe stören. Deshalb ist es zu begrüßen, daß der hiesige Magi⸗ strat einen neuen Steuerordnungsentwurf ausarbeitet, nach dem eine progressiv 191857 Hundesteuer, den heutigen Währungsver⸗ hältnissen angepaßt, eingeführt werden soll. Hoffentlich wird mit diesem Mittel die Hundeplage etwas eingerämmt, 5
Man sieht: es ist doch ganz wie bei uns!
— Der Mietzuschlag von 15 540 Prozent. Vor kurzem hat das Kreisamt Gießen den Mietzuschlag auf 15 540 Prozent sestgesetzt. Damit beschäftigte sich eine am Donnerstag im Scale des kath. Veveinshauses abgehaltene Mieterversammlung, iin der
Rechtsanwalt Homberger und Postsekvetär Mohr diesen
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