Ausgabe 
14.5.1923
 
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Kedaktion: Gießen Bahuhofstraße 23 Fetusprecher 2008.

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Organ für die Inte der Provinz Oberhe

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ressen des werktätigen Volles ssen und der Nachbargebiete.

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Cppedition: Gießen Bahnhofstraße 23 Fernsprecher 2008.

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1 8 7 Verantwortlicher Redakteur: F. Vetters. Für den Inseratenzeil veraniwortlich: R. Strohwig. Verlag von Hermann Neumann& Cie. sämtlich in Gießen. Druck: Verlag Offenbacher Abendblatt G. m. b. H. Offenbach a. M.

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Gießen, Montag, den 14. Mai 1923

18. Jahrgang

N

5 Wochenschau.

Die lang erwartete, nach der Aufforderung des eng⸗ kischen Außenministers Lord Curzon notwendig gewordene, von der Sozialdemokratie wie von der Deutschen Volks⸗ partei gleichmäßig geforderte Angebotsnote der Re⸗ gierung Cuno⸗Rosenberg ist wahrlich nicht gerade geschickt ausgefallen. Der For m nach erscheint sie durch- aus als ein Werk der alten Diplomatie, die sich immer mehr verklausuliert als offen ausgesprochen hat, als sei die deutsche Sprache nur dazu da, Gedanken zu verbergen. So mußte sich der Eindruck der Hinterhaltigleit der deutschen Politik im Ausland leider nur noch verstärken. Warum wurde in dem Angebot nicht klipp und klar und mit un⸗ zweideutigen Worten gesagt, daß die Räumung des Ruhr- gebiels zwar erstes und wichtigstes Ziel aller Verhand⸗ Lungen sein müsse, aber nicht, wie es die Deutschnationalen wollen, Vorbedingung derselben? Auch der Inhalt der

Note scheint zu verraten, daß Westarp und Helfferich,

also die ungeeignetsten Männer. dabei Paten gestanden en 2 beat Wo finden sich wirkliche Garantien angeboten, wo

utlich und klar die Sachwertbesitzer als Garanten bezeich⸗ net, d. h. als diejenigen, die nunmehr die Reparationen zu tragen haben? g Immerhin ist die Note natürlich inhaltlich und formell nicht so schlecht gewesen, wie sie Poincarés Antwort mit bewußter Absicht der Verächtlichmachung und mit Ver⸗ drehung wesentlicher Punkte hinzustellen beliebt. Auch hat 5 das schroffe französische Vorgehen eine andere, für uns nicht ungünstige Wirkung gehabt. En gland ist mit Recht stark verärgert, daß Poincaré, den man auch dort immer mehr als das größte Hindernis für die Lösung des Ruhrkonflikts erkennt, getrennt von den Alliierten geantwortet hat. Da nun aber selbst die französische Note nicht alle Türen zu⸗ bur schlägt, so müssen wir zunächst die bevorstebande Antwort Plans Englands und auch Italiens abwarten und wollen wir hon, boffen, daß die Reichsregierung daraus Anlaß und Gelegen- azukbclas heit gewinnt, wenigstens die Verhandlungen weiter zu 1. Milt spinnen. 1 Frankfurt, Es ist höchste Zeit, daß Deutschland und Europa, ja die Ante, Welt aus diesem entsetzlichen Kriegszustande heraus⸗ Le bm? kommen. Denn wie dieSieger in dem besetzten und neu⸗ Perle, besetzten Gebiet verfahren und hausen, spottet allmählich n jeder Beschreibung. Es herrscht der allerwüsteste Lu Terror. Ist die Verurteilung des Herrn von Krupp 1 7 10 und seiner Direktoren in Essen die von Betriebsräten und art, Gewerkschaftführern des Deutschen Eisenbahnerverbandes in 9 10 Mainz zu langjährigen Gefängnisstrafen schlimmer, bei 1 1 Krupp, weil an jenem Karsamstag französische Soldaten ihre N 1 Nerven verloren und deutsche Arbeiter erschossen haben 111. oder ist es die teuflisch⸗grausame Vertreibung kleiner r Eisenbahner familien aus Haus und Heimat, die 17 1 nunmehr überall eingesetzt hat?. fi Mit der Einführung des Paßzwanges für den it Motta Personenverkehr und der vollstandigen Unterdrückung rant in de gelle

des Lastwagenverkehrs machen die Franzosen. den letzten Versuch, den passiven Widerstand der linksrheinischen Bevölkerung zu brechen. Ob sie bei der bewundernswürdigen Haltung unserer dortigen Volksgenossen ernstlich an den Erfolg ihrer Brutalität glauben? a u pe Im Innern Deutschlands sieht es gerade nicht gut aus. Der kapitalistische Reichswirtschaftsminister Dr. Becker % erklärt den Marksturz für eine vorübergehende Er⸗ 1 cheinung; aber seine Freunde, die Großindustriellen, stürzen

1 Die Kommunisten im

weiter 40 000 Dollarkurs!

litwoch⸗ 0 preußischen Landtag verwechseln dauernd Politik mit 0 Krakeel. Daß die Sache der ganzen Arbeiterbewegung durch abe derartige sinnlose Spektakel schwer geschädigt wird, wie sie Hape, Jeg dort aufgeführt worden sind, ficht die moskowitischen Partei B, Umso mehr ift einer solchen Gesellschaft

gegenüber die feste Hand zu begrüßen, die man ihnen end⸗ lich einmal gezeigt hat. Könnte man nur endlich diese feste Hand auch einmal erkennen gegenüber den monar ch i stischen Regimentsfeiern und dergleichen, die jetzt wieder zu beginnen scheinen! Freilich ein Reichswehr⸗ aminister vie Dr. Geßler wird wohl nie gegenüber den Draht⸗ 5 0 ziehern eines Hindenburg aufkommen können. Vom aller⸗ höchsten Kaiser, König und Herrn haben wir nun wirklich genug gehört. IstEr denn fiir gewisse Kindsköpfe, Zitter⸗ greise und Hofinteressenten immer noch nicht endgültig in der holländischen Versenkung verschwunden? Indeß, dieser Geßler hat nun einmal das Zeug zu einem harten Land- grafen nicht in sich. In Vayern steht es oder stand es hart arm Bürgerkrieg. Die Hitlergarden starren in Waffen. Immerhin waren ihreLeute nicht zuverlässig genug, um am 1. Mai, wie geplant, in München den Kampf gegen die Arbeitermassen aufzunehmen. Jetzt erschrecken selbst die

. nicht an.

bare Zeit von uns genommen, dann könnte

9 Rechtsparteien vor den Gefahren, die dem Bestande Bayerns

Vor Ueberrtichuug ber kͤglischen und italienischen Rote.

Neues Blutvergießen.

Auch sie verlangen Pfänder.

Die englische Antwortnote und die Note der italienischen Regierung sind jetzt endgültig fertiggestellt. Die Ueber⸗ reichung soll in Kürze ersolgen. Italienische Blätter be⸗ haupten von der Note ihrer Regierung, daß sie die logische Fortsetzung jener vernünftigen Politik der mittleren Linie darstelle, die Italien bis zur Ruhrbesetzung und weiterhin verfolgt habe und für die es nur darum in letzter Zeit keine greifbaren Beweise habe geben können, weil die Lage im Ruhrgebiet allmählich zu einer Sackgasse geworden sei. Das offiziöse Organ Mussolinis, Giornale di Roma, stellt außer dem fest, daß sich auch England der italienischen These über die Notwendigkeit der Pfänder für Frankreich angeschlossen habe. Es handelte sich um jene These, die sich dasMemo⸗ randum de Mussolini nesme und die im Augenblick wieder auftauche.

Ueberreichung der euglischen Note nicht vor Sonntag. N Aus London wir gemeldet, daß die englische Note wohl fertig ei, daß aber noch die letzte Retouche am Text vorgenommen wer⸗ en soll. Die Note werde insolgedessen erst am Samstag den Ver⸗ bündeten und nicht vor Sonntag Deutschland zugestellt werden können. Die Note stellt ein kurzes Schriftstsick von vier Seiten dar und sagt in ganz unzweideutigen Worten, daß Vorschläge von deutscher Seite keinerlei Ausmerksamkeit beanspruchen könnten, wenn sie nicht einen ernsthaften Fortschritt gegenüber den jetzt ab⸗ gelehnten Vorschlägen enthielten.

Schießerei in Herne. f

Auf dem Güterbahnhof Herne waren deutsche Eisen⸗ bahner an einem Waggon beschäftigt. Plötzlich rückte eine zehn Mann starke Abteilung französischer Soldaten heran und schoß blindlings in die Leute hinein. Drei von den Eisenbahnern wurden mehr oder weniger schwer verletzt.

Zu diesem Vorfall wird noch gemeldet: f

Am Mittwoch nachmittag ereignete sich auf dem Hilfsbahnhof G. ein schwerer Zwischenfall. Dort sind zum Ausbessern zahlreicher Güterwagen mehrere deutsche Arbeiter beschäftigt. Mit der franzö⸗ sischen Bauverwaltung ist vereinbart worden, daß die deutschen Ar⸗ beiter sich auf dem Gelände des Bahnhofs frei bewegen können, nur der Zutritt zu einer Brücke, über die die Schienen der Strecke BochumRiemkeHerne in die militarisierte Strecke der Köln Mindener Bahn führen, ist verboten. Am Mittwoch nachnittag er⸗ schienen zwei französische Soldaten auf der Strecke und schossen ohne Grund auf die in der Nähe der Brücke beschäftigten deutschen Ar⸗ beiter, die sofort die Flucht ergriffen. Der Arheiter Schwebe wurde durch einen Schuß in die Brust schwer verletzt und mußte ins Kran⸗ kenhaus eingeliefert werden. Außerdem erhielten noch zwei Arbeiter Streifschüsse leichterer Natur.

Proteststreik in Essen.

Der Proteststreik gegen das Urteil im Krupp⸗Prozeß war am Freitag in Essen allgemein. Die Geschäfte waren geschlossen. Sämt⸗ liche Behörden stellten ihre Tätigkeit ein. Auch die Straßenbahnen fuhren nicht. Gemäß der ergangenen Aufforderung, während der Dauer der Arbeitsruhe die Straßen zu meiden, hatte sich das Publi⸗ kiun in der angegebenen Zeit auch von den Straßen entfernt. Nach⸗ mittags um 4 Uhr setzte überall der normale Verkehr und Betrieb wieder ein. Der Streik verlief ohne jeden Zwischenfall.

Un aufhörliche Verhaftungen.

Am 9. Mai verhafteten die Franzosen in Aplerbeck drei Eisen⸗ bahnbeamte, die sich geweigert hatten, mit einer Lokomotive drei Wagen Ammoniak von Hörde nach Aplerbeck zu bringen. Die Vex⸗ hafteten wurden Freitag wieder freigelassen. Ferner wurden fest⸗ genommen ein Eisenbahnmeister in Mengebe, ein Betriebsassistent der Polizei in Wetter, weil er s. Zt. versucht hatte, einige Leute von ihrem Vorhaben, sich bei den Franzosen zur Arbeit zu melden, abzuhalten. Ferner werden täglich zahlreiche Festnahmen aus Bobelschwingh gemeldet. Alle Personen, die nach 10 Uhr abends sich auf der Straße befinden, werden verhaftet. So wurden in Bodelschwingh in der Nacht vom 6. zum 7. Mai acht Personen fest⸗ genommen und erst nach Zahlung einer Summe von 30000 Mk. wieder freigelassen. In Mengede wurden am 8. Mai elf Personen von den Franzosen festgehalten. Sie wurden erst am nächsten Morgen wieder entlassen.

eue Opfer französishe Shießwut.

Die Arbeiterin Bredorf in Wiesbaden wurde in ihrer Wohnug durch einen Marorkaner durch Schüsse in die Brust schwer verletzt. In Mainz wurde ein holländischer Schiffer von einem französischen Posten erschossen.

und damit der Reiches drohen durch die Hitlerei einerseits, die Schwäche der bayerischen Regierung andererseits.

In Kürze: Würde der französische Albdruck in abseh⸗ die Republik trotz allem inneren Elend und Wirrwarr sich bald besser be⸗ festigen, als man bis jetzt zu hoffen wagte. Republikaner nach Verstand und Hers gibt es immer mehr!

Politische Uebersicht.

Erhöhung der Erwerbslosen⸗Unterstützung. Der sozialpolitische Ausschuß des Reichstags befaßte sich am Freitag mit der Frage der Festsetzung der Unterstützungs⸗ sötze für die Erwerbslosenfürsorge. Die Regierung teilte mit, daß sie eine Erhöhung um etwa 33 Prozent in Aussicht nehme, während ein Antrag der Sozialdemokraten und Kommunisten erheblich höher gehen wollte. Die vorliegenden Anträge wurden einem Unterausschuß genommen wurde eine Entschließung des Abg. Schlak(Ztr.), welche die Anpassung der Unterstützungssätze an die Teuerung, die einheitliche Regelung des Beschlusses der Be⸗ dürftigkeit sowie die Förderung der produktiven Erwerbs⸗ losenfürsorge durch öffentliche Aufträge verlangt.

Der Steuerskandal.

Die sozialdemokratische Reichstagsfraktion hat dem Reichstag den Entwurf eines Gesetzes zur Aenderung des Einkommen⸗ steuergesetzes vorgelegt, der eine wesentliche Erhöhung der Er⸗ mäßigungssätze vorsieht. Die Abzüge von der Steuer für den Mann, die Frau und jedes Kind sollen verdoppelt werden, während eine Erhöhung der Werbungskosten um 150 Prozent vorge⸗ sehen ist. In der Begründung wird gesagt, daß eine Anspannung der Ermäßigungen beim Lohnabzug um so notwendiger erscheint, weil die Geldentwertung ohnedies zu einer steigenden Belastung des Ein⸗ kommens geführt hat. Im Januar betrug der Anteil des Lohn⸗ abzugs am Gesamteinkommen in der Einkommensteuer 90 Prozent, im Februar 94 und in März sogar 96 Prozent. Von den 533 Milliarden Mark, die die Einkommensteuer dom 1. April 1922 bis 31. März 1923 erbrachte, stammen rund 464 Milliarden Mark, das sind fast 90 Prozent, aus den Lohnabzügen. Dieser unerhörte Zustand soll durch den sozialdemokratischen Gesetzentwurf wenigstens einigermaßen gemildert werden. 5

Wer verteuert das Fleisch?

Auf diese die Arbeiterbevölkerung auf das engste be⸗ rührende Frage gibt ein Mitglied der Preisprüfungsstelle Hannover, Wilh. Seemann, in einem Schreiben an die Presse Antwort. Danach sind nicht die Erzeuger und die Fleischer, sondern die Kommissionare die eigentlichen Schul⸗ digen. Dies sucht der Schreiber an einigen Beispielen zu beweisen, die auch wir unseren Lesern unterbreiten wollen.

Ein Händler K. aus dem Kreise Lüneburg sendet an einen Viehkommissionär M. in Hannover zwei Schweine zum Verkauf. Da die Schweine auf dem Transport Gewichts- verlust haben, muß dieser wieder nachgeholt werden. M. läßt die Schweine einen Tag vor berg ausladen und bringt sie in seine Stallung, wo sie nach allen Regeln der Kunst präpariert werden, d. h. eine ordent⸗ liche Henkersmahlzeit erhalten, welche für zwei Schweine nit 11000 Mark in Rechnung gestellt ist. Die Fütterung auf dem Schlachthofe betrug zur selben Zeit 1600 Mark ie Stück. Das Futter wird am anderen Tage mit 3800 Moak je Pfund auf den Düngerhaufen geworfen und der Schlach⸗ ter muß durch Gewichtsverlust beim Schlachten das kaufende Publikum belasten.

Die Verkaufsrechnung des Kommissionärs N. gendermaßen aus: Preis 3800 Mark je war am fraglichen Tage 3200 Mark),

sieht fol⸗

Pfund Lebendgewicht(Notierungspreis 750 Pfund= 2850 000

Mark. Provision für Verkauf eee Untersu chung 8 400 Mk. Ueberführung%%% 50 Mk. Fuhrlohn, Treibg eld 350 Mk. Stand⸗ und Wage geld 1680 Mk. Futtergeld 3%«ö. Versich erung 5 000. Mk. Porto und Reise 100 Mk. Arbeitslohn, 4 40 Mk.

61 370 Mk. ab Verkaufsgeld bleibt 2 788 630 Mark. Hieraus ist ersicht⸗ lich, daß die Unkosten dafür, daß der Kommissionär die Schweine verkauft hat, 61370 Mark betragen.

Der Einkauf der zwei Schweine ergibt folgende Auf⸗

stellung: g Einkauf Jͤͤ;w; N Kaufes 190 000 Mk. Fuhrloknrn* 10 000 Mk. Bahnfr act 10 483 Mk. Umsatzsteuer. 8 57 000 Mk.

9069 869 Mk. Verkauf wie vorher. 2788 630 Mk. Verdienst für 2 Schweine 718 761 Ml. Das sind die angegebenen Zahlen. Betrachten wir diese aber etwas genauer, so stellt sich heraus, daß das Kaufgeld.

welches, wie allgemein üblich un Handel, mit 3000 Mark

überwiesen. An⸗

dem Markt auf dem Möhrings⸗

Zwei Schweine an Schlachtermeister Z.,